Software-Konzern: Warum SAP nur 850 Millionen Dollar für SmartRecruiters hinblättern musste
Anfang August 2025 kündigte SAP an, den amerikanischen Anbieter für Personalbeschaffung SmartRecruiters übernehmen zu wollen – für eine nicht genannte Summe. Und weil die offiziellen Angaben fehlten, sprossen die Spekulationen. Der letzte verfügbare Anhaltspunkt: Die Finanzierungsrunde von Smart Recruiters aus dem Jahr 2021 über 110 Millionen Dollar bei einer Unternehmensbewertung von 1,5 Milliarden Dollar.
Wie nun bekannt wird, war der Kauf für SAP im Vergleich zu diesem Deal nun ein echtes Schnäppchen. Die Walldorfer haben nur 850 Millionen Dollar für den Cloud-Anbieter aus San Francisco auf den Tisch gelegt, wie die WirtschaftsWoche jetzt exklusiv aus gut unterrichteten Unternehmenskreisen bei SmartRecruiters erfuhr.
Günstig war der Kauf deshalb aber nicht unbedingt. Der im Jahr 2010 gegründete Cloud-Anbieter soll zum Zeitpunkt der Übernahme jährlich wiederkehrende Einnahmen (Annual Run Rate, ARR) von mehr als 100 Millionen Dollar erwirtschaftet haben und dabei profitabel gewesen sein, wie aus dem Unternehmen verlautet. Der Kaufpreis entsprach damit dem 8,5-Fachen des Umsatzes, deutlich mehr als der Schnitt von 7, der aktuell für Softwareanbieter aus dem Segment Personalwesen bezahlt wird. „Der Verkaufspreis lag deutlich über dem Marktwert“, sagt ein Insider, der ungenannt bleiben will.
Kaufpreis-Umsatz-Verhältnis war 2021 deutlich höher
SmartRecruiters selbst hat zuvor in mehreren Stufen rund 200 Millionen Dollar Risikokapital eingefahren. Abzüglich dieses Wertes seien also gut 650 Millionen Dollar an Gründer und Mitarbeiter des Unternehmens geflossen. „Für die war es also ein Super-Exit“, so der Insider.
SAP integriert SmartRecruiters derzeit in das eigene Personal-Management-Paket namens SAP SuccessFactors. Dank der Erweiterung sollen Unternehmen den gesamten Einstellungsprozess – von der Suche bis zum Onboarding von neuen Mitarbeitern – zentral steuern können. Verbesserte KI-gestützte Recruiting-Funktionen sollen zudem dabei helfen, zu einer schnelleren Besetzung offener Stellen, einer verbesserten Kandidatenerfahrung und tiefergehenden Analysen für die Personalplanung zu kommen.
SAP wollte den Kaufpreis sowie die sonstigen Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren. „Die Verträge zwischen SmartRecruiters und SAP sehen in puncto finanzieller Details inklusive des Kaufpreises vor, dass keine der beiden Seiten Fragen dazu kommentiert“, heißt es dazu aus Walldorf. „Diese Regelung gilt unverändert und wir halten uns natürlich daran.“
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