Etikette: Warum wir Blumen verschenken
Seinen ersten Blumenstrauß pflückte er im Alter von fünf Jahren am Wegesrand. Vielleicht sehen seine Bouquets deshalb heute noch so aus, als kämen sie direkt aus der Natur. Ein bisschen wild, nicht symmetrisch, aber dennoch harmonisch.
In der Welt von Film und Mode ist Thierry Boutemy ein Star, seitdem er in Sofia Coppolas Spielfilm „Marie Antoinette“ die Hauptdarstellerin Kirsten Dunst in ein Meer von Rosen tauchte. Regelmäßig stattet der aus der Normandie stammende Florist Modeschauen aus, etwa jene des französischen Unternehmens Lanvin oder der britischen Marke Paul Smith. Privatkunden tun sich dagegen manchmal schwer mit seinen Kreationen. „Ich habe auch schon Sträuße zurückgeschickt bekommen mit dem Hinweis, dass es sich dabei um kein richtiges Bouquet handele“, sagt Boutemy und lächelt.
Mit solchen Reaktionen kann er gut leben. Für ihn zählt vor allem, dass ein Strauß emotional ist: „Er kann Freundschaft ausdrücken, Nähe oder Zärtlichkeit.“ Boutemy ist nicht nur Blumenexperte, sondern auch Blumenliebhaber, der die Natur als Rückzugsort sucht. Deshalb kann er wenig anfangen mit einer Konvention, die in diesen Tagen wieder ansteht – Blumen zum Valentinstag.
Umsatz der Floristen ist stabil
„Diese Symbolik“, sagt Boutemy, „haben sich die Menschen ausgedacht.“ Und dabei wollen sie offenbar auch bleiben. Selbst in Zeiten digitaler Grußbotschaften ist die gute alte Blume noch lange nicht aus der Mode. Im Gegenteil: Insgesamt beläuft sich der Jahresumsatz der deutschen Floristen mit Schnittblumen auf drei Milliarden Euro, die Zahl ist seit Jahren stabil. Eine kurze Nachricht bei Facebook und WhatsApp mag ökonomisch effizient sein, weniger persönlich ist sie allemal.
Auch deshalb sind Blumen weiterhin das traditionelle Symbol für Liebe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Erst recht am 14. Februar, dem Tag der Liebenden. Da mag es das Gros der deutschen Verbraucher klassisch. „Die rote Rose steht an erster Stelle“, heißt es wenig überraschend beim Fachverband Deutscher Floristen. Die Branche würde die Kunden ja gerne für andere Sorten begeistern, bloß: Sie verbinden keine andere so sehr mit der Liebe. Vor allem männliche Kunden bestehen darauf, beobachten die Experten.
Zumindest in dieser Hinsicht ist der Valentinstag repräsentativ: Auch im restlichen Jahr ist die Rose mit Abstand die beliebteste Blume der Deutschen, sie kommt auf einen Marktanteil von 43 Prozent. Dahinter folgen Chrysanthemen, Tulpen und Gerbera. Die Geschmäcker sind so einheitlich, dass die Kunden darüber ein nicht ganz unwesentliches Detail vergessen: Rosen befinden sich selten in einem so schlechten Zustand wie Mitte Februar – denn sie waren zuvor bis zu drei Wochen im Kühlhaus.
Lufthansa wird zum Blumenboten
Der Handel baut daher vor, um die Nachfrage zu befriedigen, die Ware kommt meist aus der Ferne. Die Frachtsparte der Lufthansa setzt zusätzliche Flugzeuge ein, um mehr als 1500 Tonnen Rosen aus Kenia, Kolumbien und Ecuador einzufliegen. Das entspricht etwa 40 Millionen Stück – die Kapazität von 16 Maschinen des Transportflugzeugs Boeing MD-11. Der Aufwand lohnt: In den Tagen vor dem 14. Februar geben die Deutschen etwa doppelt so viel Geld für Schnittblumen aus wie in einer durchschnittlichen Woche, ermittelte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft.
Der Legende nach geht die Tradition des Blumenschenkens am Valentinstag bis ins dritte Jahrhundert nach Christus zurück. Valentin von Rom soll als einfacher Priester Verliebte getraut haben, obwohl es ihm der amtierende Kaiser Claudius II. verboten hatte – er wollte, dass die Männer sich als Soldaten lieber auf den Krieg konzentrieren anstatt auf die Liebe. Nach der Zeremonie überreichte Valentin dem Brautpaar Blumen aus seinem Garten. Zur Bestrafung wurde er enthauptet, und zwar am 14. Februar 269. Deshalb ging das Datum als Namenstag des heiligen Valentin in den kirchlichen Kalender ein.
Geld statt Liebe
Deutsche Führungskräfte sind Sklaventreiber ohne Empathie und ohne Sinn für das Familienleben ihrer Mitarbeiter? Das Karrierenetzwerk wollte wissen, wie es hinter der professionelle Fassade der Manager aussieht und hat das Meinungsforschungsinstitut forsa beauftragt, zu fragen, was den vermeintlichen Workaholics wichtiger ist: Job oder Liebe? 1010 Fach- und Führungskräfte wurden befragt und tatsächlich sagte fast jeder Zehnte, dass er eine Trennung vom Partner einer Kündigung vorziehen würde.
Konkret hatten acht Prozent der Männer angegeben, dass eine Kündigung schlimmer sei als eine Trennung. Bei ihren Kolleginnen liegt dieser Wert mit elf Prozent höher. Im Umkehrschluss heißt das aber: 91 Prozent fänden es schlimmer, vom Partner verlassen zu werden, als vom Chef entlassen zu werden.
Liebe auf den ersten Blick
Gerade im Frühling spannt Amor seinen Bogen und zielt auf Männlein und Weiblein. Trifft er, entflammen die Herzen der Getroffenen und sie leben ab da glücklich bis an ihr Lebensende. So zumindest der Volksmund. Alles Blödsinn, sagt dagegen die Wissenschaft. Die Liebe auf den ersten Blick ist eine Erfindung Hollywoods, schreibt Christian Thiel, Autor des Buches „Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben“.
Das, was wir für Liebe auf den ersten Blick halten, ist nur eine Mischung aus erotischer Anziehung und dem schönen Gefühl, begehrt zu werden. Es handelt sich also um Erotik auf den ersten Blick.
Sozialer Aufstieg durch Heirat
Frauen suchen immer einen reichen Partner, der etwas darstellt - und Männer wollen das Mäuschen, das zu ihnen aufblickt. Aus diesem Grund heiratet der Arzt immer die Krankenschwester und der Manager immer seine Sekretärin. Das mag einmal so gewesen sein, weil Frauen keinen Zugang zu höherer Bildung und entsprechenden Berufen hatten. Heute lernen sich Paare eher an der Universität oder im Büro als beim Tanztee kennen, was dazu führt, dass Menschen überwiegend Menschen mit dem gleichen Bildungshintergrund heiraten. Der Arzt heiratet also die Ärztin und der Krankenpfleger die Krankenschwester.
Das Ganze hat einen Nachteil, wie eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zeigt: Der soziale Aufstieg durch Heirat fällt weg, die Ungleichheit in einer Gesellschaft wächst.
Foto: dpaImmer mehr Singles
Jedes Jahr heißt es aufs neue, dass die Zahl der Singles steigt: In den deutschen Städten ist jeder Dritte solo, in den Innenstadtbezirken sogar jeder Zweite. Deutschland, ein Land der bindungsunwilligen Einzelkämpfer? Die Wahrheit ist: Dass die Zahl der Singles statistisch so hoch erscheint, liegt daran, dass nicht die Singles, sondern die Singlehaushalte gezählt werden. Und nur weil jemand alleine lebt, heißt das noch lange nicht, dass er keinen Partner hat. Umgekehrt ist nicht jeder, der in einem Mehrpersonenhaushalt lebt, automatisch in einer Beziehung.
Foto: dpaRollenverteilung beim Flirten
Beim Flirten oder der Partnersuche ist der Mann der Jäger und die Frau das Wild, das es zu erlegen gilt, so zumindest die landläufige Meinung. Dabei wählen Männer ihre Beute nicht aus, sie werden ausgewählt, wie Paarberater und Buchautor Christian Thiel schreibt. Frauen werben um Männer mit nonverbalen Signalen und machen so den ersten Schritt: Sie schauen ihn an, lächeln ihm zu und signalisieren ihm somit, dass er sie ansprechen darf beziehungsweise soll. Folgt er der Aufforderung, macht er damit den zweiten Schritt.
Foto: dpaSchönheit ist Trumpf
Die Schönheitsforschung hat bewiesen, dass wir von Computern erzeugte Models viel schöner finden, als reale Menschen. Da liegt der Verdacht nahe, dass überirdisch schöne Frauen bei der Partnerwahl erfolgreicher sind. Sie müssen potentielle Partner anziehen wie Motten das Licht und können dann - wie die Prinzessinnen im Märchen - aus all den Kandidaten ihre Favoriten wählen.
Da Menschen aber nach dem Prinzip "Gleich und gleich gesellt sich gern" agieren, wählen sie in der Regel Partner, die ähnlich gut aussehen, wie sie selbst. Ätherische Schönheiten haben also viel weniger Auswahlmöglichkeiten wie Otto Normalbürger. Hinzu kommt, dass viele Männer sich aus Angst vor einem Korb nicht trauen, eine überaus schöne Frau anzusprechen. Sehr schöne Menschen haben es also schwerer, nicht leichter, jemanden zu finden.
Foto: dpaBeziehungen sind harte Arbeit
Hat man sich dann endlich gefunden, bleibt die Beziehung nur bestehen, wenn man viel harte Arbeit investiert. Beziehungsarbeit eben. Sie besteht aus quälend langen Beziehungsgesprächen, die der Partnerschaft gut tun sollen. Single- und Partnerschaftsberater Thiel hält davon gar nichts. Statt stundenlang darüber zu diskutieren, wie die Partnerschaft besser zu machen ist, sollten sich Partner lieber miteinander beschäftigen und die gemeinsame Zeit miteinander genießen. Eine Stunde kuscheln macht nämlich glücklicher als vier Stunden diskutieren. Und glückliche Partner bleiben auch länger zusammen.
Foto: Fotolia"Schatz, wir müssen reden"
Denn entgegen der gängigen Meinung, nutzt das klassische Beziehungsgespräch einer Partnerschaft nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn auf "Schatz, wir müssen reden", eine Ansammlung von Kritik und Vorwürfen folgt. Die Forschung kommt zu dem klaren Ergebnis, dass diese Art der Gespräche zwar Frauen erleichtern, weil sie ihren ganzen Frust abladen können, Männern dagegen verhageln sie die Laune. Der amerikanische Psychologieprofessor John Gottman hat in jahrelangen Studien herausgefunden, dass es der Partnerschaft deutlich zuträglicher ist, dass diese stereotypen Problemgespräche scheitern und zu einer Kluft zwischen den Partnern führen.
Statt "nie kümmerst du dich um die Kinder" oder "immer muss ich im Haushalt alles alleine machen" sollen Partner einander um konkrete Dinge bitten: "Kannst du donnerstags und freitags die Kinder von der Kita abholen?" oder "würdest du bitte samstags staubsaugen?" Ein solches Gespräch dauert fünf Minuten, statt einer Stunde und niemand fühlt sich hinterher schlecht.
Foto: FotoliaGemeinsame Hobbys
Außerdem soll es gut für die Beziehung sein, wenn Paare möglichst viel miteinander unternehmen. Führt das aber dazu, dass sich beide nach der Arbeit abhetzen, um vor dem Wocheneinkauf noch ein Tennismatch zu spielen, auf das eigentlich beide nicht so recht Lust haben, ist das eher ein Liebeskiller. Gemeinsam verbrachte Freizeit macht ein Paar nämlich nicht glücklicher. Was eine Beziehung stabil und glücklich macht, ist die Fähigkeit, sich gut und liebevoll miteinander zu unterhalten. Wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass das Gespräch über die Erlebnisse des Tages die wichtigste Form des partnerschaftlichen Dialoges ist.
Foto: FotoliaKinder als Beziehungskitt
Kinder können keine kriselnde Beziehung retten, das ist mittlerweile bekannt. Dass Kinder Partner zusammen schweißen, ist dagegen ein immer noch hartnäckiger Mythos. Damit das funktioniert, müssen Mama und Papa auch Zeit haben, Mann und Frau zu sein. Wer sich jahrelang nur auf das Kind konzentriert und die partnerschaftliche Liebe immer hinten anstellt, muss sich nicht wundern, wenn die Beziehung irgendwann in die Brüche geht. Da hilft auch alle Liebe zum Kind nicht.
Foto: APKluge Frauen trennen sich häufig
Frauen, die gebildet und finanziell unabhängig sind, trennen sich häufiger. Zumindest werfen sie schneller die Brocken hin als Frauen, die von ihrem Partner abhängen. Das ist doch logisch. Und seitdem Frauen einen hohen Bildungsabschluss machen dürfen, steigt die Scheidungsrate. Das scheint die These zu untermauern. Allerdings geht auch seit den 1960er Jahren die Zahl der Geburten und die Zahl der Störche zurück – hier vermutet niemand einen Zusammenhang.
Eine umfassende Studie der australischen Universität von Canberra bewies sogar, dass die gebildete Frau mit gutem Einkommen länger in Beziehungen bleibt. Je gebildeter eine Frau ist, desto stabiler sind ihre Beziehungen. Das mag daran liegen, dass Beziehungen auf Augenhöhe beide Partner glücklicher und zufriedener machen, als Abhängigkeitsverhältnisse. Das hat auch der Tiefenpsychologe Alfred Adler festgestellt. Und zwar bereits in den 1920er Jahren.
Streit tötet Beziehungen
Geht eine Beziehung dann doch in die Binsen, ist für viele die Ursache klar: Wenn ein Paar häufig streitet, geht die Partnerschaft kaputt. Dem ist aber nicht so, wie der Psychologe John Gottman herausgefunden hat. Wie oft ein Paar streitet, spielt eigentlich keine Rolle, so lange die positiven Dinge, das Füreinander da sein, überwiegen. Glückliche Paare mit stabilen Beziehungen wenden sich einander demnach etwa fünf Mal so oft positiv zu, wie negativ. Auf jede Beschwerde und jeden Vorwurf kommen also fünf wertschätzende Bemerkungen.
Foto: FotoliaIm Mittelalter begründete der englische Dichter Geoffrey Chaucer mit seinem Gedicht „Parlament der Vögel“ die Tradition, diesen Tag den Liebenden zu widmen – vermutlich verfasste er das Gedicht aus Anlass einer Feier am Hofe König Richards II. Auswanderer brachten den Brauch in die USA, von wo er nach dem Krieg schließlich auch nach Deutschland kam. 1950 feierte in Nürnberg der Valentinsball Premiere – damit war der erste Schritt zur endgültigen Kommerzialisierung getan. „Danach entdeckten der Blumen- und Süßwarenhandel den Tag für ihre Marketingzwecke“, sagt die Kunsthistorikerin Marina Heilmeyer vom Botanischen Museum in Berlin-Dahlem, die sich in einem Buch mit der „Sprache der Blumen“ auseinandergesetzt hat.
Blumen werden verschenkt, seit dem es Menschen gibt
Große Symbolkraft haben sie bereits seit Jahrtausenden. Schon bei den Neandertalern wurden Hyazinthen als Grabbeigabe gefunden. Die Ägypter wiederum gelten als Erfinder des kommerziellen Anbaus – sie brauchten die Blumen vor allem, um sie Göttern zu opfern. Dabei frönten sie gleichzeitig ihrem Faible für Bürokratie: „In der Zeit von Thutmosis III. hielten die Priester genau fest, wie viele Sträuße Blumen täglich in die Tempel gebracht wurden“, sagt Heilmeyer. Blumenschmuck spielte auch bei Begräbnissen eine Rolle. Sträuße und Girlanden begleiteten die Toten ins Jenseits. Außerdem dienten sie Kriegsherren nicht nur als ästhetisches Beiwerk: Als die Römer unter Cäsar Ägypten eroberten, waren sie der Legende nach betört vom Duft des Blumenmeers.
In Ägypten entstand auch der Brauch, gewissen Blumen eine spezielle Symbolik zu verleihen. Die blaue Seerose zum Beispiel stand für ewige Wiederkehr. Und die sagenumwobene letzte Königin Kleopatra war vermutlich die erste Frau in der Geschichtsschreibung, die Männer mit Rosen bezirzte. In ihrem Liebeslager sollen die Kissen mit Rosenblättern gefüllt gewesen sein. Und um ihren Geliebten Mark Anton zu verführen, ließ sie einen Raum ellenhoch mit jenen Blättern füllen.
Wunderbaum (Ricinus communis)
Der Wunderbaum (auch: Christuspalme, Hundsbaum, Läusebaum, Kreuzbaum, Castorpflanze) sieht hübsch aus, birgt aber eine tödliche Gefahr: Schon der Verzehr weniger (zwei bis vier) Samen ist für den Menschen letal. Verantwortlich dafür ist das Lektin Ricin, ein Protein, das zur Verklumpung der roten Blutkörperchen und zu einer Hemmung der Proteinbiosynthese lebensnotwendiger Eiweiße in den Zellen führt. Symptome einer Ricin-Vergiftung sind Schleimhautreizungen, Schädigungen der Verdauungsorgane, Übelkeit und Erbrechen. Dieses Erbrechen ist auch die einzige Möglichkeit, das Gift bei oralem Verzehr wieder loszuwerden - und so sein Leben zu retten, denn ein Gegengift ist nicht bekannt. Ricin wird in Deutschland schließlich nicht umsonst im Kriegswaffenkontrollgesetz aufgeführt. Allen, die im Alltag auf Produkte mit "Rizinusöl" oder "Castor Oil" stoßen - etwa in Cremes oder Badezusätzen, in Medikamenten oder Lacken, sei versichert: Das giftige Ricin ist wasser- aber nicht fettlöslich und im Rizinusöl nicht enthalten.
Foto: WirtschaftsWocheWasserschierlinge (Cicuta)
In Europa gibt es nur einen einzigen Vertreter der durchweg giftigen Gattung der Wasserschierlinge: den Wüterich (oder: Wasserschierling), lat. Cicuta virosa. Als Sumpfpflanze ist der Wasserschierling an seinen schlammigen Untergrund angepasst: Die unterirdischen Sprossachsen (Rhizome) des Wasserschierlings enthalten Hohlkammern, die das Gewächs schwimmfähig machen. Hier findet sich die höchste Konzentration des giftigen Cicutoxins, das aber auch in allen anderen Pflanzenbestandteilen enthalten ist. Gefährlich ist vor allem die Verwechslungsgefahr des Rhizoms mit (essbaren) Pastinaken. Das Gift stört die Funktion wichtiger Neurotransmitter und die Vergiftung äußert sich 15 bis 30 Minuten nach der Einnahme durch Krämpfe, Atemlähmung, erweiterte Pupillen, Erbrechen, Schwindel, Übelkeit. Ein Gegengift gibt es auch hier nicht, 30 Prozent der Vergiftungsfälle enden tödlich.
Foto: WirtschaftsWocheOleander (Nerium Oleander)
Schön, aber gefährlich: Der Oleander (Rosenlorbeer) ist giftig - das verrät schon sein Familienname: Er ist Teil der Familie der Hundsgiftgewächse. Wild wächst er hauptsächlich im Mittelmeergebiet, dem Nahen und Mittleren Osten sowie in Indien und China, wird aber auch in Mitteleuropa gerne als dekorative Kübelpflanze genutzt. Alle Teile der Pflanze enthalten das stark giftige Oleandrin. Symptome einer Vergiftung bei Einnahme des Saftes können von Übelkeit über Erbrechen und Durchfall bis hin zu Herzbeschwerden, Schläfrigkeit und Muskelzittern reichen. Auch eine Vergiftung mit Oleandrin kann tödlich verlaufen. Äußerlich kann der Saft zu Hautreizungen, Augenentzündungen und allergischen Reaktionen führen. Also: Diese Schönheit besser nur aus der Ferne bewundern.
Foto: WirtschaftsWocheWeißfrüchtiges Christophskraut (Actaea pachypoda)
Das in Nordamerika beheimatete "Weißfrüchtige Christophskraut" trägt dort den Namen "Doll´s Eyes", auf die weißen, mit einem schwarzen Punkt versehenen Früchte der Pflanze Bezug nehmend. Während Vögel die Beeren ohne Probleme zu sich nehmen können, müssen Menschen mit einem sedierenden Effekt auf den Herzmuskel bis hin zum Herzstillstand und Tod rechnen.
Foto: imago imagesPaternostererbse (Abrus precatorius)
So stellt man sich eine Giftpflanze vor: Schön knallig gefärbt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die vermutlich aus Indien stammende, aber heute in den gesamten Tropen verbreitete Pflanze ein beliebter Schmucklieferant ist: Die (giftigen), rot-schwarzen Samen dienen, durchbohrt und auf eine Kette gezogen, als Halsschmuck. Träger dieses Schmucks sollten sich allerdings in Acht nehmen: Gedankenverloren an der Kette zu nuckeln ist verboten. Denn die dekorativen Samen enthalten das Eiweiß Abrin, dessen Eigenschaften denen des Ricin des Wunderbaums ähneln und das zu den tödlichsten Giften überhaupt gezählt wird. Auch Abrin hemmt, wie Ricin, die Synthese essenzieller Proteine. Potenziell gefährlich sind sowohl das Einatmen des Stoffes als auch die Einnahme und die Injektion. Zwar befasst sich das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz nicht mit Abrin (im Gegensatz zu Ricin), jedoch wäre es aufgrund der toxischen Wirkung bei der Einatmung des Stoffes möglich, ein Aerosol mit Abrin als Biowaffe zu nutzen. Eine Vergiftung mit Abrin kann zu beschleunigtem Pulsschlag, Koliken, Durchfall, Erbrechen und Tremor führen. Todesursache bei Abrin-Vergiftungen können Nieren-, Herzversagen oder Atemlähmung sein.
Foto: WirtschaftsWocheAustralische Brennnessel (Dendrocnide moroides)
Ok, ja, Sie haben es bemerkt: Hier haben wir eine ganz normale Brennnessel reingeschummelt. Die Giftpflanze, um die es hier geht, ist aber nicht das Grüne in ihrem Brennnesselkäse oder ihrem Tee, keine Sorge. Die Australische Brennessel oder Gympie gibt es - wer hätte das gedacht - in Australien - und Regenwäldern in Indonesien. Sie wird vier bis 10 Meter hoch und ist dicht mit stachelartigen Brennhaaren besetzt, die durch Kleidung (soweit diese faserbasiert ist) dringen. Das darin enthaltene Toxin Moroidin verursacht Hautreizungen, Schwellungen und heftigste Schmerzen, die monatelang anhalten können. Der Stich der Brennhaare soll sogar schon Pferde dazu gebracht haben, sich aufgrund der Schmerzen in Panik von Klippen zu stürzen.
Foto: WirtschaftsWocheEisenhut (Aconitum)
Die Gattung Aconitum enthält Arten, die zu den giftigsten Pflanzen Europas zählen. Schon die Berührung kann zu Ausschlägen führen; der Verzehr führt zu Herzversagen und Atemstillstand. Die Toxizität wird unter anderem bedingt durch mehrere Alkaloide. Auch gegen Eisenhutvergiftungen sind keine spezifischen Gegenmittel bekannt.
Foto: WirtschaftsWocheSchwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)
"Atropa" bezeichnete in der griechischen Mythologie die "Göttin, die den Lebensfaden durchschneidet", "belladonna" (ital. schöne Frau) rekurriert vermutlich auf die frühere Verwendung des Saftes als Schönheitsmittel. Das darin enthaltene Atropin ist zwar giftig, wirkt aber auch pupillenerweiternd und sorgt somit für einen besonders betörenden Blick. Neben Atropin enthält die Pflanze auch Scopolamin und Hyoscylamin. Vergiftungserscheinungen reichen von Mundtrockenheit und Pupillenerweiterung über Sehstörungen und Herzrasen bis hin zu Halluzinationen. Eine Tollkirschen-Vergiftung kann tödlich enden: Durch Atem- oder Herzstillstand. Allerdings findet die Schwarze Tollkirsche auch therapeutische Verwendung: Aufgrund ihrer krampflösenden Wirkung werden die in ihr enthaltenen Alkaloide beispielsweise in der Behandlung von Koliken oder in der Augenheilkunde eingesetzt: Zur Pupillenerweiterung. Gegenmittel gegen Tollkirschenvergiftungen gibt es auch: Magenspülungen, Aktivkohle und Physostigminsalicylat. Und: Atropin selbst ist auch ein Gegengift. Jede Apotheke muss es vorrätig haben, um Phosphorsäureester-Vergiftungen zu bekämpfen.
Foto: WirtschaftsWocheRunzeliger Wasserdost (Ageratina altissima)
Heute fast nicht mehr bekannt, in Amerika früher verbreitet: Die "milk sickness" befiel vor allem Siedler aus Europa, die den Wasserdost nicht kannten und ihn bedenkenlos als Viehfutter auf den Weiden wachsen ließen. Fraßen die Kühe, Schafe und Ziegen die Pflanze, ging das darin enthaltene Tremetol auf ihre Milch über. Tranken die Menschen die Milch (und war die Dosis des Toxingemisches hoch genug), trat die "milk sickness" auf: Appetitlosigkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durst, Tremor, Delirium - und manchmal der Tod.
Foto: imago imagesManchinelbaum (Hippomane mancinella)
Der amerikanische Manchinelbaum ist Vergiftungs-Allrounder: Es empfiehlt sich nicht, bei Regen unter ihm Schutz zu suchen, da der Baum dann eine Substanz absondert, die Blasenbildung auf der Haut verursacht. Es empfiehlt sich ebenfalls nicht, die apfelähnlichen Früchte zu essen, denn das ist tödlich. Außerdem sollte man den Baum auch nicht verbrennen: Der Rauch kann blind machen. Das alles wird möglich durch einen Cocktail aus 12-Deoxy-5-hydroxyphorbol-6-gamma-7-alpha-oxid, Hippomanin, Mancinellin, Phloracetophenon-2,4-dimethylether und Physostigmin.
Foto: WirtschaftsWocheBei den Römern setzte sich die Faszination für Rosen fort, allerdings mit zwiespältigen Ergebnissen. Während eines Banketts von Kaiser Nero regnete es so viele Rosenblätter, dass die Gäste daran erstickten. Der Dichter Horaz wiederum dachte nachhaltiger: Er klagte den Rosenkult an, weil dadurch Olivenhaine vernachlässigt und Ackerböden für Rosen- und Veilchenkulturen vergeudet würden. Seine Mitbürger ließen sich nicht beirren. Sie blieben bei dem Brauch, ganze Räume mit Rosenblättern auszulegen oder mit duftenden Safranblüten zu bestreuen.
Mit dem Zusammenbruch des römischen Imperiums um 550 verschwand die Blumenkunst in Europa für einige Jahrhunderte. „Die frühen Christen betrachteten Blumen und Bilder mit großem Misstrauen“, sagt Heilmeyer, „sie sahen in ihnen Sinnbilder der dekadenten heidnischen Kultur.“ Erst mit Karl dem Großen, der auf seinen Feldzügen gegen die Mauren in Spanien arabische Gärten kennengelernt hatte, kam es zu einer Wende. Nach seiner Rückkehr ließ er Heil- und Nutzpflanzen anbauen und schuf damit die Grundlage der europäischen Gartenkultur. Bald darauf wurden Klostergärten zu irdischen Paradiesen erklärt, in denen neben Heilpflanzen auch Blumen wachsen dürfen.
Kreuzfahrer und Eroberer brachten in den folgenden Jahrhunderten Pflanzen aus anderen Teilen der Welt nach Europa, die Flora veränderte sich. Kreuzfahrer Graf Robert de Brie soll die Damaszener Rose in Frankreich eingeführt haben. Und 1554 exportierte der österreichische Gesandte am Hof des osmanischen Sultans die Tulpe erstmals nach Wien. Ursprünglich stammte sie aus Persien, wo sie als Blume der Liebe galt. Im Osmanischen Reich wurde sie schnell populär, die Sultane nahmen sie in ihrem Wappen auf. Aus Amerika kam 1569 die Sonnenblume nach Spanien, die damals auch „indianische Goldblume“ genannt wurde.
Lange als reine Zierpflanze genutzt, begannen die Europäer im 17. Jahrhundert damit, Sonnenblumenkerne als Zwischenmahlzeit zu naschen. Es dauerte allerdings bis zur Renaissance, bis Blumenarrangements in Europa in Mode kamen. Üppige Kreationen wurden zunächst in Italien präsentiert, am liebsten in wertvollen Vasen aus Marmor, Kupfer oder Glas. Der Barock wiederum zelebrierte das Thema Vergänglichkeit – und der Blumenstrauß, naturgemäß nicht für die Ewigkeit gemacht, wurde zum begehrten Geschenk.
Lange Zeit blieb das Bouquet als Präsent allerdings dem Adel vorbehalten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts war der Gartenbau nicht mehr ihr Privileg. Deshalb begannen private Unternehmer, Blumen anzubauen und sie an andere Gesellschaftsschichten zu verkaufen. Um 1900 beherrschten die Betriebe rund um die Stadt Erfurt den Weltmarkt für Blumensamen. Der österreichische Reiseschriftsteller Karl Emil Franzos beobachtete dort ein „Meer von berauschend duftenden, in allen Farben leuchtenden Blüten: Rosen und Feilchen, Reseden, Levkojen und Tulpen, Balsamienen“. Schon ab 1854 versandte eine Gärtnerei frische Schnittblumen, die Branche war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: 1912 lebten mehr als 5000 Erfurter Bürger vom Gartenbau.
Doch Blumen wurden nicht nur beliebt, weil sie schön aussehen und gut riechen. Schenkende freuten sich, mit einem Strauß gewisse Botschaften zu vermitteln – daher stammt der Ausdruck, etwas „durch die Blume“ zu sagen. Begründerin der Sprache der Blumen war im frühen 18. Jahrhundert Lady Mary Wortley Montagu, Gattin des damaligen britischen Botschafters am osmanischen Hof. In ihren „Briefen aus dem Orient“ beschrieb sie die Bedeutung, die einzelne Blumen im Morgenland erhalten hatten, und setzte damit eine Mode in Gang, die im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte.
Wa(h)re Schönheit
1818 verfasste die französische Schriftstellerin Louise Cortambert unter dem Pseudonym Charlotte de la Tour ein Lexikon der Blumensymbolik mit dem Titel „Les emblèmes des fleurs“, das für damalige Verhältnisse ein Bestseller war und sogar in den USA übersetzt wurde. Für die vielen Blumen aus der Neuen Welt wurden die Bedeutungen allerdings recht freihändig erfunden, da es keine anderen Überlieferungen gab. Dass nicht alle Beschenkten die Botschaften verstanden, wurde einkalkuliert: Damals legte man kleine Zettel mit Erklärungen bei.
Blumen sind außerdem beliebt, weil man damit nicht viel falsch machen kann. Sie sind gut verfügbar, erschwinglich und erfordern wenig Originalität. Florist Boutemy sieht die Massenproduktion allerdings skeptisch. „Blumen haben ihren Wert verloren, weil wir sie übermäßig konsumieren.“ Er schaudert, wenn er an niederländische Märkte denkt und die Wagenladungen voller Ware im identischen Gelbton.
Boutemy plädiert dafür, Blumen als etwas Besonderes anzusehen: „Sie sind Luxus, kein Grundbedürfnis.“ Ein mittelgroßes Bouquet kostet bei ihm 80 Euro. Wem das zu teuer ist, der sollte nicht völlig auf Grün in der Vase verzichten. „Drei Blumen können schöner sein als ein ganzes Bouquet“, sagt Boutemy. „Wichtig ist es, die wahre Schönheit jeder einzelnen Blume zu sehen.“ Was empfiehlt er zum Valentinstag? „Eine Zusammenstellung aus Anemonen, Tulpen und Narzissen. Das geht in allen Farben.“