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Serdar SomuncuScheinbar Gutes fordern, aber Böses wollen

Paranoide Verschwörungstheoretiker und Lügner haben einen neuen Namen: besorgte Bürger. Worum machen sich „besorgte Bürger“ eigentlich Sorgen?Serdar Somuncu 26.02.2016 - 06:00 Uhr

Serdar Somuncu ist Kabarettist und Buchautor.

Foto: Laif

Geht es uns nicht besser denn je? Leben wir nicht in Freiheit? Können wir uns nicht alles leisten, alles sagen und tun und lassen, was wir wollen?

Geht es wirklich um die schleichende Gefahr einer Unterwanderung des Abendlandes durch die Islamisierung, der drohenden Niederlage im Kampf der christlichen Werte gegen die Barbarei – oder geht es um die Sicherung unserer Wohlstandsprivilegien und Pfründe?

Und wenn wir unsere christlichen Werte so sehr schützen, warum vernachlässigen wir unsere Nächstenliebe? Steckt dahinter die Sorge, zu wenig abzubekommen vom großen Wohlstandskuchen, nachdem man seit Jahren schon davon profitiert, dass man sich um die Sorgen der anderen keine Sorgen macht und sich an ihrem Leid bereichert und vollfrisst?

Es ist die Unart unserer Zeit, Dinge in Begriffe zu kleiden, die das Gegenteil vom dem bedeuten, was sie eigentlich meinen. So haben sich Formulierungen in unseren Sprachgebrauch geschlichen, die im Grunde genommen nur dokumentieren, wie extrem wir auf der einen Seite denken und wie zaghaft wir auf der anderen Seite formulieren. Ein solcher Begriff ist auch der vom „besorgten Bürger“, um dessen schutzbedürftige Meinung man sich angeblich kümmern muss, weil er sich doch ernsthafte Gedanken über den Zustand unserer Republik macht. Dabei handelt es sich bei dieser Spezies eher um Feinde unserer aufgeschlossenen und vielfältigen Gesellschaft.

Serdar Somuncu

Freie Meinung? Ist überschätzt

Allein schon die paradoxen Parolen dieser „besorgten Bürger“, die sich auf ihren „Spaziergängen“ schon mal für das „Volk“ halten, führen ihre Glaubwürdigkeit ad absurdum. Sie suggerieren, Gutes zu wollen, obwohl sie eigentlich nur Böses im Schilde führen. Denn jemand, der sich Sorgen um unsere Nation macht, müsste unsere pluralistische Demokratie in Schutz nehmen vor den rabulistischen Formeln der Rattenfänger.

Jemand aber, der seinen Egoismus zur Weltanschauung erklärt und seine Meinung zur angeblich unterdrückten Auffassung der Allgemeinheit stilisiert, ist nicht nur ein paranoider Verschwörungstheoretiker – sondern in Wahrheit gleichzeitig auch ein dreister Lügner, der sich im Grunde nur um sich selbst Sorgen macht und dabei nicht hinnehmen will, dass sich unser Wohlstand in Zukunft nicht ohne Übernahme von Verantwortung erhalten lässt.

In Wirklichkeit gäbe es andere Dinge, um die man sich Sorgen machen muss. Die wachsende Verteilungsungerechtigkeit auf der Welt zum Beispiel, die Zuspitzung der ideologischen Konflikte und ihre kriegerischen Folgen. Oder der demografische Wandel unserer Gesellschaft und die sich damit verändernden weltpolitischen Machtverhältnisse..

Oder sind das ausschließlich die Sorgen jener Menschen, die in diesen Tagen zu uns kommen?

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