Apple verkauft weniger iPhones: Miese Zahlen, tolle Zukunft
1976: der erste Apple-Computer
Die Firmengründer Steve Jobs (rechts) und Steve Wozniak bauen in einer Garage die ersten Apple-Computer. Die Geräte, die sie für 666,66 Dollar verkaufen, bestehen nur aus der Hauptplatine, ohne Gehäuse oder Tastatur. Mit Apple beginnt die Ära der Personal Computer, während meist noch Großrechner verwendet werden. Erster Geldgeber ist der ehemalige Intel-Manager Mike Markkula.
1977: der Heimcomputer Apple II
Mit dem Apple II bringt das Unternehmen einen fertigen PC im Plastikgehäuse und mit einer Farbgrafikkarte auf den Markt. Im ersten Jahr werden 2500 Stück verkauft, im Folgejahr schon 8000 und darauf über 30.000 Exemplare. Bis 1993 wird der Apple II über zwei Millionen Mal verkauft.
1980: der Börsengang
1980 geht Apple mit einem Jahresumsatz von 118 Millionen US-Dollar an die Börse und macht den 25-jährigen Jobs zum Multimillionär mit einem Vermögen von rund 200 Millionen US-Dollar.
1984: Jobs macht die PC-Bedienung per Maus massentauglich
1982 holt Jobs den deutschen Designer Hartmut Esslinger und sein Team nach Kalifornien, um das Aussehen der Apple Computer neu zu definieren. 1984 stellt Jobs den Macintosh-Computer vor, mit dem eine grafische Benutzeroberfläche und die Bedienung per Maus populär werden.
1985: Machtkampf bei Apple
Steve Jobs sucht den Machtkampf mit CEO John Sculley, der in Jobs Rauswurf endet. Er gründet danach die Computer Firma Next und führt das Animations-Studio Pixar. Next entwickelt eine Workstation. Das Start-up wird sofort von Apple verklagt.
Next ist in Technik und Design seiner Zeit voraus, allerdings so teuer, dass nur ein paar zehntausend Computer verkauft werden. Schließlich wird die Hardwareproduktion eingestellt und nur noch Software entwickelt.
1991: der erste Laptop
Apple bringt seinen ersten erfolgreichen Laptop auf den Markt, das PowerBook 100.
Foto: AP1993: PDA Apple Newton floppt
Im Jahr 1993 stellt das Unternehmen den PDA Apple Newton vor (auf dem Foto ein Vorserienmodell). Die Entwicklung des Persönlichen Digitalen Assistenten (PDA) startet 1987 unter dem damaligen Apple-Chef John Sculley. Das Gerät, mit dem man unter anderem Notizen aufzeichnen, E-Mails versenden und Online-Dienste wie AOL nutzen konnte, erntet aber durchweg kritische Reaktionen in der Öffentlichkeit, weil manche Merkmale wie eine Handschriftenerkennung nicht zuverlässig funktionieren. Das Resultat: Das Gerät verkauft sich schlecht.
Foto: dpa1997: Apple holt Jobs zurück
Wegen minimaler Anteile im PC-Geschäft und zu hohen Entwicklungskosten ist Apple so stark in der Krise, dass die finanziellen Mittel knapp werden. Daraufhin holt das Unternehmen Steve Jobs zurück. Mit dem Kauf von Next für über 400 Millionen Dollar wird das bei Next entwickelte Betriebssystem zur Grundlage des Mac-Systems OS X, das heute noch eingesetzt wird.
Foto: AP1997: Jobs macht Ive zum Chefdesigner
Eine folgenreiche Entscheidung, die sich für Apple kurz- und langfristig von zentraler Bedeutung herausstellen wird: Steve Jobs macht den Briten Jonathan Ive zum Chefdesigner von Apple.
1998: Apple stellt iMac vor
Jobs und Ive stellen im Mai den iMac vor, der mit seinem modernen, farbenfrohen Design viel Aufmerksamkeit auf Apple lenkt. Er läutet die Wiedergeburt des IT-Konzerns ein.
1999: das erste iBook
Mit dem iBook folgt eine farbenfrohe Notebook-Version des erfolgreichen iMac.
2001: iPod wird zum Verkaufsschlager
2001 eröffnet Apple den ersten Apple Store im US-Bundesstat Virgina. Im Oktober wird der MP3-Spieler iPod vorgestellt, der zum am schnellsten verkauften Unterhaltungselektronikprodukt aufsteigt. Von Kritikerin wird das Geräts anfangs als zu teuer abgetan.
Weiterhin stellt sich Apple rund um die sogenannte Digital Hub Strategie auf, in dem der Computer als die zentrale Station für das Konsumieren von digitalen Medien fungiert.
Foto: AP
2003: iTunes-Store geht online
Der iTunes Store wird gestartet, über den sich der Online-Verkauf von zunächst Musik und dann auch Apps etabliert.
Foto: APDas erste iPhone
Für das Jahr 2007 waren der große Touchscreen ganz ohne Tastatur und die Bedienung per Finger ein radikales Konzept, das die Smartphone-Revolution entscheidend anschob. Dabei verzichtete Apple bei der ersten Version sogar auf den schnellen UMTS-Datenfunk.
Foto: AP2008: Laptops werden kompakter
Apple stellt das besonders dünne Notebook Macbook Air vor. Es löst den Trend zu kompakteren Laptops aus.
Foto: gms2010: Das iPad kommt auf den Markt
Steve Jobs präsentiert im Januar 2010 den Tablet-Computer iPad. Mit dem iPad kann Apple den totgeglaubten Markt für Tablet-Computer wiederbeleben, an dem sich andere Hersteller zuvor die Zähne ausgebissen haben.
2011: Apple erreicht die Spitze
Apple überrundet Microsoft als wertvollstes Technologie-Unternehmen.
2011: Tim Cook wird neuer CEO
Jobs stirbt an den Folgen einer Krebserkrankung im Alter von 56 Jahren. Die Führung des Unternehmens übertrug er wenige Wochen davor an Tim Cook.
Foto: rtr2012: iPad im Miniformat
Neben dem iPhone und dem iPad erfindet Apple noch eine Größe. Erstmals stellt das Unternehmen das iPad Mini vor. Sieben Zoll groß ist der Bildschirm, ein Format, das der verstorbene Apple Gründer Steve Jobs sicherlich verspottet hätte.
Foto: dapd2015: die Geburtsstunde der Apple Watch
Mit der Computer-Uhr Apple Watch stößt der Konzern erstmals seit Jobs' Tod eine neue Produktkategorie vor und wird laut Analysten auf Anhieb zum Marktführer mit einem Anteil von rund 60 Prozent.
Foto: dpa2016: eine Milliarde Apple-Geräte im Einsatz
An seinem 40. Geburtstag ist Apple das wertvollste und profitabelste Unternehmen der Welt. Das iPhone (hier das iPhone SE) ist das entscheidende Produkt für das Geschäft des IT-Giganten geworden. Insgesamt ist weltweit rund eine Milliarde Apple-Geräte im Einsatz, die meisten davon sind iPhones.
Foto: APDie Zahlen des vergangenen Quartals waren – zumindest für Apple-Verhältnisse – bescheiden. Im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 15 Prozent beim Umsatz, satte 23 Prozent beim Flaggschiff-Produkt iPhone, 13 Prozent bei den Macs und gar ein 33 Prozent Einbruch in dem für die Zukunft so wichtigen chinesischen Markt.
Der Umsatz sank auf 42,3 Milliarden Dollar, der Profit rutschte um 27 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar. Von Anfang April bis Ende Juni gingen weltweit nur 40,4 Millionen iPhones über die Ladentische, elf Millionen weniger als im ersten Quartal des Jahres. Vor allem weil viele Kunden auf neue iPhones mit erweiterten Funktionen im September warten.
Der iPhone-Absatz wäre noch stärker eingebrochen, wenn sich das im März vorgestellte iPhone SE – ein Einstiegsprodukt mit kleinem Display – nicht besser als erwartet verkaufen würde. Deshalb und vor allem wegen der kurz bevorstehenden Ankündigung neuer iPhone-Modelle legte die Apple-Aktie im nachbörslichen Handel trotzdem um sechs Prozent zu.
Als Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt gab sich Tim Cook zudem bei der Vorlage der Zahlen am Dienstagabend alle Mühe, das auszustrahlen, was so wichtig ist in seinem Job: Optimismus. Mehrmals betonte Cook, wie gut doch die Zukunft ausschaue – „bullish“ wie die Amerikaner so gern im Wall-Street-Jargon sagen. „Smartphones werden unentbehrlich im Alltag der Menschen, besonders mit den Verbesserungen durch künstliche Intelligenz“, betonte Cook. „Viele gehen nicht mehr ohne sie aus dem Haus“.
Apple-Legenden
Seine Visionen spielen bei Apple immer noch eine große Rolle. Steve Jobs (links) gründete den Konzern 1976 zusammen mit Steve Wozniak (rechts) in einer Garage. Das Bild zeigt die beiden 1984 mit dem damaligen Apple-Chef John Sculley. 1985 verließ Jobs nach einem Machtkampf das Unternehmen, kehrte aber 1997 zurück. Mit dem iMac, dem iPhone und dem iPad führte er den angeschlagenen Konzern zurück auf die Erfolgsspur und machte ihn zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. 2011 starb Jobs an einer Krebserkrankung.
Foto: APTim Cook
Der Manager ist seit 1998 im Konzern und übernahm 2011 die Zügel von Gründer Steve Jobs, der nur wenige Wochen später verstarb. Der Sohn eines Werftarbeiters arbeitete zunächst bei IBM und Compaq. Beim iPhone-Konzern brauchte er lange, um aus dem Schatten von Übervater Jobs hervorzutreten. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, keine neuen Produktinnovationen an den Start gebracht zu haben. Darauf reagierte er unter anderem mit der Einführung der Apple Watch. 2014 outete er sich als erster Chef eines amerikanischen Großkonzerns als homosexuell.
Foto: dpaJonathan Ive
Der Brite hat als Chefdesigner einen der einflussreichsten Posten im Konzern. Seit 1992 arbeitet er für Apple. Sein erstes großes Projekt war der iMac, dessen Formsprache Apple-Produkte wie das iPhone oder das iPad bis heute beeinflusst. Im Mai 2015 übernahm er den neu geschaffenen Posten als Designvorstand. Ive ist ein großer Bewunderer des Braun-Designers Dieter Rams.
Foto: REUTERSLuca Maestri
Der Italiener ist seit 2013 im Vorstand von Apple für die Finanzen zuständig. Zuvor sammelte er zahlreiche internationale Erfahrung, unter anderem bei General Motors, Nokia, Siemens Networks und Xerox.
Foto: PRJeff Williams
Williams ist seit 1998 im Konzern und seit Dezember 2015 Chief Operating Officer. Zuvor arbeitete er 13 Jahre lang für den Computerriesen IBM. Er spielte zunächst eine wichtige Rolle beim Einstieg des Konzerns in den Smartphone-Markt und leitete später die Entwicklung der Apple Watch.
Foto: dpaEddy Cue
Eddy Cue ist ein echtes Apple-Urgestein. Der studierte Informatiker arbeitet seit 1989 für den Konzern. Er trieb zunächst den Aufbau des Online-Geschäfts von Apple voran und war später auch für den iTunes-Store und den App Store verantwortlich. Als Senior Vice President für Internet-Software und Dienstleistungen unterstehen ihm heute alle Online-Marktplätze. 2014 wurde er für seine Verdienste um die Entwicklung der Medienbranche mit dem „Spirit of Live“-Preis ausgezeichnet.
Foto: REUTERSCraig Federighi
Der Manager ist studierter Informatiker und Elektroingenieur. 1996 lernte er beim Computerhersteller Next den Apple-Gründer Steve Jobs kennen. Nach drei Jahren beim IT-Unternehmen Ariba kehrte er 2009 zu Apple zurück. Er leitet die Entwicklung der Betriebssysteme iOS und macOS. Das für Apple charakteristisch gewordene minimalistische Design geht auch auf sein Konto.
Foto: APDonna Karan
Die Apple-Managerin ist eine echte Quereinsteigerin. Sie studierte Marketing und arbeitete für verschiedene Modehersteller wie Donna Karan. Von 2006 und 2014 stand sie an der Spitze der britischen Luxuskette Burberry. Apple-Chef Tim Cook holte sie als erste Frau in sein Management-Team. Dort ist die Amerikanerin seitdem für das Retail-Geschäft, allen voran die Apple Stores, zuständig.
Foto: REUTERSPhil Schiller
Der Manager ist seit der Rückkehr von Steve Jobs 1997 im Führungsteam von Apple. Er ist für das weltweite Marketing des iPhone-Herstellers verantwortlich. In den ausgefeilten Präsentationen des Konzerns stellt er häufig die neuen Produkte vor.
Foto: REUTERSApple setzt darauf, nicht nur Leute zu gewinnen, die noch kein Smartphone besitzen. Sondern die vielen bestehenden Eigentümer zu erreichen und zum Wechsel auf ein Smartphone aus dem Hause Apple zu gewinnen. Keine neue Strategie. Doch für Apple schwerer umzusetzen, weil es für seine Smartphones Premium-Preise verlangt. Zudem schrecken laut Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi mehr und mehr Kunden, vor allem die mit schmaleren Geldbeutel, davor zurück, regelmäßig auf ein neues Modell zu wechseln.
Erweiterte Realität wird bedeutend werden
So häufig wie Cook am Dienstagabend die Verheißungen der Zukunft pries, umso zugeknöpfter gab er sich, wie Apple diese konkret gestalten wird. Mehrfach versuchten Analysten ihn dazu zu bringen, zumindest die Premiere neuer iPhone-Modelle im Herbst einzugestehen. Erfolglos.
Dass Apple für das laufende Quartal bis zu 47,5 Milliarden Dollar Umsatz prognostiziert – vier Milliarden Dollar unter dem des Vorjahreszeitraums – spricht eher dafür, dass die neuen iPhone-Modelle erst Ende September, also kurz vor Schluss des Quartals, in den Handel kommen.
Immerhin deutete Cook an, dass es eventuell eine neue Version der Apple Watch geben könne. Nicht überraschend, denn die erste Generation ist seit April vergangenen Jahres im Markt, eine Ewigkeit im Computergeschäft.
Außerdem steckt Apple laut Cook eine Menge seiner Forschungsgelder in Produkte, „die noch nicht lieferbar sind“. Auch keine Enthüllung. Immerhin ließ sich Cook zu einer Jubelarie über erweiterte Realität (AR) hinreißen. „Wir haben bereits stark investiert“, so der Apple-Chef. Zwar sei er zurückhaltend mit Einschätzungen, dass erweiterte Realität die nächste große Computerplattform sein könne, doch: "Unabhängig davon, wird sie bedeutend sein". Dafür, dass Apple im Gegensatz zu fast allen großen Technologie-Schwergewichten momentan kein AR-Produkt offeriert, sind das interessante Aussagen.
Keine Frage: Apple braucht dringend neue Produkte abseits von iPhone, iPad, Apple Watch, AppleTV und Mac. Die bestehende Palette – ausgenommen vielleicht AppleTV - taugt nicht mehr für große Sprünge, vor allem in einem zunehmend gesättigten Markt.
iPads wurden zwar auch 15 Prozent weniger als im Vorjahr verkauft. Doch wegen der höheren Preise der neu eingeführten Pro-Reihe legte immerhin der Umsatz um 7 Prozent zu. Auch bei den Macs – Desktops und Laptops – schwächelt der Absatz.
Einziger Lichtblick war die Service-Sparte, zu der das Geschäft mit Musik und Apps gehört. Sie legte um 19 Prozent zu und überholte erstmals den Umsatz mit Macs, der Keimzelle von Apple. Im nächsten Jahr, so Cook, werde die Servicesparte so viel Umsatz machen wie ein Fortune-100-Unternehmen, also unter die 100 größten Unternehmen der Welt rücken. Das bedeutet, dass der Stern von Eddy Cue, verantwortlich für die Sparte, innerhalb von Apple steigt.
Keine Milliarden-Zukäufe
Während Microsoft gerade 26,2 Milliarden Dollar ausgibt, um das Silicon-Valley-Business-Netzwerk LinkedIn zu erwerben, bleibt Apple konservativ. Zwar kauft Apple laut Cook alle drei bis vier Wochen ein Unternehmen, vor allem wegen Talenten und Ideen. Doch die eine Milliarde Dollar, die Apple kürzlich in Didi Chuxing, Chinas Variante des Taxi-Logistikers Uber, investierte, sei ein „ungewöhnliches Investment“.
Man habe es vor allem getan, weil es „finanziell interessant ist“ und „wir eine Menge über den chinesischen Markt lernen können“. Doch es werde keine „Serie“ solcher Investitionen geben.
Im Silicon Valley wird trotzdem immer noch darüber spekuliert, dass Apple den Elektroautohersteller Tesla Motors übernehmen könnte. Apple hat immerhin 231 Milliarden Dollar an Barreserven. Was allerdings dagegen spricht – 93 Prozent davon sind laut Finanzchef Luca Maestri im Ausland geparkt. Beim Heimholen in den USA würden heftige Steuern anfallen.
Analysten sparten sich die Mühe, Cook zu fragen, ob es stimmt, dass der ehemalige Hardware-Chef Bob Mansfield zurück ins operative Geschäft geholt wurde, um die Entwicklung des Apple-Autos zu übernehmen. Es wäre auch umsonst gewesen: Cook hat bis heute nicht einmal eingeräumt, dass Apple tatsächlich an einem Fahrzeug arbeitet. Aber es hätte ihm die Chance gegeben, noch einmal zu betonen, wie toll doch die Zukunft sei.