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Wirt verhängt Strafe für EssensresteEs wird gezahlt, was auf dem Tisch bleibt

Verschwendung von Lebensmitteln ist nicht nur im Einzelhandel ein Problem, sondern auch in der Gastronomie. Einige Gastronomen verlangen mittlerweile Gebühren für übrig gelassenes Essen. Ein Konzept mit Zukunft? 16.08.2016 - 12:09 Uhr

Wer im „Yuoki“ beim Angebot „Taste 120“ Reste übriglässt, muss einen Euro Gebühr zahlen.

Foto: dpa Picture-Alliance

„Iss deinen Teller leer, dann gibt es morgen gutes Wetter.“ Diesen Satz hat wohl jeder schon einmal gehört oder sogar selbst beherzigt. Ein Gastronom aus Stuttgart will seine Gäste ebenfalls zum Aufessen bewegen. Er stellt bei Essensresten aber nicht etwa schlechtes Wetter in Aussicht - sondern eine Geldstrafe. Wer bei seinem Angebot namens „Taste 120“ Reste übriglässt, muss einen Euro Gebühr zahlen. Guoyu Luan will damit die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen - und ist in der Branche längst nicht der einzige.

„Mehrere Gastronomen machen sich Gedanken darüber, wie sie Lebensmittelverschwendung reduzieren können“, sagt Stefanie Heckel vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Eine Gebühr auf Essensreste sei vor allem in asiatischen Restaurants, zu denen auch das „Yuoki“ in Stuttgart gehört, zu beobachten. Der Grund ist einfach: Gerade dort gibt es das klassische „All you can eat“-Buffet.

Auch der 40-jährige Guoyu Luan hat mit „Taste 120“ ein „All you can eat“-Angebot, was ihm schon einen Bericht im „Stern“ einbrachte. Das sieht so aus: 120 Minuten lang dürfen Gäste so viel essen wie sie wollen. Ein Buffet gibt es nicht: Geordert wird über ein iPad, samt Bedienung am Tisch. Bei jeder Bestellung sind fünf Gerichte pro Gast erlaubt. Ordert der jedoch zu viel, so dass am Ende Reste bleiben, ist ein Euro fällig.

„Als Gastronom will man natürlich keine Gäste verärgern. Aber manche Gäste nutzen das „All you can eat“ aus“, sagt Guoyu Luan. Er ist, erzählt er, seit mehr als 20 Jahren in der Branche und kennt sie nur zu gut, die vollgeladenen Buffetteller - und die Müllberge, die hinterher übrig bleiben.

Auch andere Restaurants erheben Gebühren

„Ich komme aus einer nicht so reichen Familie. Wir sind sehr sparsam mit Lebensmitteln umgegangen“, sagt der gebürtige Chinese. „Es heißt „All you can eat“ und nicht „All you can wegschmeißen“. Zuhause machen die Leute das ja auch nicht.“

Auch in anderen Städten gibt es Restaurants mit einer Gebühr für Essensreste. Die Restaurantkette „Okinii“ aus Düsseldorf etwa hat ähnliche Regeln wie das Stuttgarter „Yuoki“. „Verschwendung wird nicht geschätzt - bestellen Sie bitte nur so viel, wie Sie verzehren können“, heißt es auf der Internetseite. Reste als Folge von Überbestellungen kosten für Sushi und Salate demnach einen Euro pro Stück. Bei warmem Essen sind es zwei Euro pro Gericht.

Brot und Brötchen

Brot zum Frühstück, Brot in der Mittagspause, Brot zu Abend: Für die meisten Menschen zählt Gebäck jeglicher Art zu den Grundnahrungsmitteln. Doch zu viel des Guten kann auf die Hüften schlagen. Im Schnitt enthalten 100 Gramm Weißmehlbrötchen 50 Gramm Kohlenhydrate. Nach zwei Frühstücksbrötchen wäre somit bereits ein Viertel des täglichen Bedarfs an Kohlenhydraten erreicht. Im Schnitt sollte ein Mensch mit rund 70 Kilogramm nicht mehr als 400 Gramm Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Foto: dpa

Kuchen, Torten und Gebäck

So lecker ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte auch sein mag, Kuchen ist reich an Kohlenhydraten. Ein Stück Rührkuchen enthält die gleiche Menge an Kohlenhydraten wie Brot.

Foto: dpa

Getreide und Kartoffeln

Wer hätte das gedacht: Gekochte Kartoffeln machen schlank. In einer Portion mit 100 Gramm stecken lediglich 14,6 Gramm Kohlenhydrate. Anders sieht das bei Getreide wie beispielsweise Bulgur aus, die mit 69 Gramm aus einem großen Anteil an Kohlenhydraten bestehen.

Foto: dpa

Hülsenfrüchte und Nüsse

Im Vergleich enthalten Nüsse recht wenig Kohlenhydrate. Wenn Sie abends vor dem Fernseher Lust auf Knabbereien haben sollten, greifen Sie beispielsweise zur Cashewnuss. Diese enthält 30,5 Gramm Kohlenhydrate. Hülsenfrüchte wie Erbsen enthalten im gekochten Zustand lediglich 22 Gramm Kohlenhydrate auf 100 Gramm.

Foto: AP

Pasta und Pizza

Insbesondere Sportler nehmen am Vorabend eines Wettkampfes gerne Pasta zu sich. Nudeln sind ein guter Kohlenhydrat- und damit Energielieferant. Mit 30 Gramm ist der Anteil an Kohlenhydraten geringer als beim Brot. Pizza schlägt mit 32 Gramm pro 100 Gramm zu Buche. Allerdings sollte beachtet werden, dass Pizza aufgrund des reichhaltigen Belags nicht unbedingt wenig Kalorien hat.

Foto: AP

Fisch und Fleisch

Eine gute Nachricht: frisches Fleisch enthält keine Kohlenhydrate. Im verarbeiteten Zustand wie im Falle von Wurstwaren sieht das anders aus. Auch frischer Fisch ist sehr arm an Kohlenhydraten, Fischkonserven hingegen bieten ein paar Kohlenhydrate mehr.

Foto: dpa

Obst und Gemüse

Hier gibt es große Unterschiede. Paprika haben mit 0,7 Gramm kaum Kohlenhydrate. Mais gehört hingegen mit 15,7 Gramm nicht gerade zu den kohlehydratarmen Nahrungsmitteln. Rund das doppelte des Wertes beinhaltet Knoblauch. Frisches Obst hat weniger Kohlenhydrate als im getrockneten Zustand: Besonders kohlenhydrathaltig sind getrocknete Aprikosen mit 50,5 Gramm und getrocknete Pflaumen mit 56,5 Gramm.

Foto: dpa

Alkoholische Getränke

Auch im Feierabendbier finden sich Kohlenhydrate: Pro 100 Milliliter Flüssigkeit nehmen Sie rund sechs Gramm davon auf. Bier-Mix-Getränke haben aufgrund der zuckrigen Limonade darin natürlich deutlich mehr Kohlenhydrate an Bord. Sekt und Champagner enthalten lediglich 3,5 Gramm Kohlenhydrate.

Foto: dpa

Nichtalkoholische Getränke

Antialkoholika ohne Genussreue gibt es nicht: Fruchtsaftgetränke enthalten rund 15 Gramm Kohlenhydrate. Cola und Fanta im Durchschnitt zehn Gramm. Kaffee (schwarz) fällt lediglich mit 0,5 Gramm ins Gewicht. Wer auf die alkoholfreies Bier setzt, sollte lieber ein alkoholfreies Pils (5,4 Gramm) anstelle eines Malzbieres (10,8 Gramm) trinken.

Foto: REUTERS

Süßigkeiten

Nicht nur in Sachen Kalorien sind Süßigkeiten echte Bomben. Der Anteil an Kohlenhydraten ist hier naturgemäß ziemlich hoch. Beispielsweise Milchschokolade rangiert mit 50 Gramm auf den Spitzenrängen. Bitterschokolade hat weniger Zucker, punktet dabei auf den Hüften aber mit mehr Fett.

Foto: dpa

Auch das „Himalaya“ im sauerländischen Menden sorgte mit der Ankündigung, für Reste ab 100 Gramm pro Teller einen Aufpreis von zwei Euro zu berechnen, für Diskussionen. „Es sind einige Einzelfälle in den vergangenen Monaten bekanntgeworden“, sagt die Dehoga-Sprecherin Heckel. Rechtlich sei das in Ordnung.

225 Gramm Lebensmittel landen im Müll – pro Tag und Kopf

Tatsächlich landen zu viele Lebensmittel im Müll, wie eine Studie der Universität Stuttgart im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums vor einigen Jahren ergab. Statistisch gesehen wirft demnach jeder Deutsche täglich 225 Gramm Lebensmittel in den Müll - nur ein Drittel davon ist wirklich reif für die Tonne.

Müssen wir uns bald also jeden Happen im Restaurant reinzwängen? „Einen Trend in sämtlichen Hotel- und Gaststättenbetrieben können wir nicht feststellen“, betont Heckel. „Das Thema Lebensmittelverschwendung hat in der Branche allerdings größere Bedeutung bekommen. Das ist eine Facette davon.“

Die Gebühr, die Guoyu Luan in Stuttgart kassiert, landet nicht in seiner eigenen Kasse, wie er betont, sondern wird gespendet. Seit der Eröffnung sind so etwa 900 bis 1000 Euro zusammengekommen, schätzt er. Nur sehr wenige Besucher bestellten aber wirklich zu viel.

Und wie finden die Gäste das? Das „Yuoki“ in Stuttgart ist zumindest gut besucht - und die Teller sind leer. „Habt ihr auch aufgegessen?“, fragt der Inhaber ein Paar, das sich gerade verabschieden will. Die Antwort: „Alles.“

dpa
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