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Riedls Dax-RadarDie gefährlichsten Wochen des Börsenjahres

Kommt es im September wieder zu einem Crash an den Aktienmärkten? Auf welche Risiken Anleger achten sollten – und wann der Dax sein nächstes Tief erreichen könnte.Anton Riedl 26.08.2016 - 14:34 Uhr

Börse: Kommt im September wieder der Crash?

Foto: imago images, dpa, Montage, Marcel Stahn

Pünktlich zum Spätsommer mehren sich die Warnungen vor dem großen Crash. Solche Prognosen sind keineswegs aus der Luft gegriffen, in dieser Jahreszeit schon gar nicht: Statistisch sind die Wochen von September bis Oktober seit Jahrzehnten die gefährlichsten an den Börsen. Wer schon etwas länger an den Märkten unterwegs ist, wird sich an den Crash im Oktober 1987 erinnern. Und im kollektiven Gedächtnis schwingt bei solchen Gelegenheiten immer der große Crash vom Oktober 1929 mit.

Dass der bekennende Pessimist Marc Faber seit kurzem wieder vor einem großen Crash warnt, der den S&P auf die Hälfte zurechtstutzen könnte, verwundert nicht. Noch pessimistischer ist dieses Mal Jim Rogers, der sogar eine Wertvernichtung von 75 Prozent erwartet.

Die Argumente der Skeptiker sind durchaus real: Das beginnt bei den großen politischen Krisen mit ihren weltweit wachsenden Spannungen bis hin zum Bürgerkrieg, geht über die extreme Politik der Notenbanken, die nur noch verhaltene wirtschaftliche Dynamik bis hin zu den weit gestiegenen Notierungen von Aktien und Anleihen, die geradezu nach der großen Korrektur schreien.

Siebenmal in drei Jahrzehnten hat es gekracht

Kursstürze von mehr als 20 Prozent in wenigen Wochen gab es in den vergangenen drei Jahrzehnten sieben Mal.

Kursstürze von mehr als 20 Prozent in wenigen Wochen
Von Verkaufsprogrammen ausgelöster Crash.
Kurssturz beim Einmarsch von Saddam Hussein in Kuwait.
Rutsch durch die Schwellenländerkrise in Asien, Lateinamerika und Russland.
Anschlag auf das World Trade Center.
Endphase der High-Tech-Baisse.
Rückschlag durch Lehman-Pleite und Finanzkrise
Crash aus Angst vor Rezession und Rückstufung großer Volkswirtschaften.

Rechnerisch kam es in den vergangenen drei Jahrzehnten etwa alle vier bis fünf Jahre zu einem crashartigen Abschwung. Und der jüngste Crash von 2011 ist mittlerweile fünf Jahre her. Kein Wunder, dass die Ängste zunehmen.

Die Kursstürze der vergangenen Jahrzehnte kann man in zwei Gruppen unterteilen: Zum einen die eher kürzeren Bewegungen, die direkt mit einem konkreten Ereignis in Verbindung stehen: den Verkaufsprogrammen 1987, dem Militäreinmarsch 1990, dem Anschlag 2001. Und dann gibt es die Kursrückgänge, die längere, wirtschaftlich bedingte Gründe haben: die Schwellenländer-Baisse 1998, der High-Tech-Absturz bis 2003, die Finanzkrisen-Baisse. Beiden gemeinsam ist, dass die Märkte vor den Kursstürzen jeweils mehrere Jahre ziemlich gut gelaufen sind.

Wenn man das zuspitzt, dann kann man drei Kriterien sehen, die sich bisher als gefährliche Mischung erwiesen haben:

- eine wirtschaftliche Enttäuschung,  ein unerwarteter Verlust an Dynamik (Schwellenländer) oder der Abschwung einer Schlüsselbranche (die High-Techs 2003, die Banken 2008);

- Anlagemärkte, die mehrere Jahre gestiegen sind und die man – je nach Maßstab – als teuer betrachten kann;

- ein konkreter Anlass, der die Stimmung kippen lässt und zu Verkaufswellen führt.

Wenn man diese drei Kriterien auf die aktuelle Situation überträgt, werden durchaus Risiken sichtbar. Zwar verläuft die weltweite Wirtschaft immer noch in einem moderaten Aufwärtstempo, doch zuletzt hat die Konjunkturlokomotive USA an Dampf verloren. Sogar im Wunderland Deutschland hat sich, wenn es nach dem jüngste Ifo-Daten geht, im August die Stimmung stärker als erwartet eingetrübt. Und in China, so stellte der IWF vor kurzem fest, sei eine deutliche Abkühlung zu erwarten. Reichen solche Aussichten schon für einen Crash?

Verglichen mit dem brutalen Niedergang der High-Techs oder der Entzauberung der Banken in der Finanzkrise verläuft die aktuelle Entwicklung eher noch moderat. So gesehen stecken Wirtschaft und Märkte noch in einem Vorstadium zu einer möglichen großen Krise – wenn die denn kommt. Wahrscheinlich sehen das auch Faber oder Rohstoff-Guru Jim Rogers ähnlich, denn beide sprechen davon, dass die Aktien ohne weiteres noch eine Zeitlang steigen können, bis der große Knall kommt.

Die Europäische Zentralbank fährt seit Jahren einen lockeren geldpolitischen Kurs. Der Leitzins liegt mit 0,05 Prozent nur noch knapp im positiven Bereich. Der Einlagezins ist bereits ins Negative gerutscht. Zudem kauft die EZB monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. Mit diesen Maßnahmen soll die Inflation wieder auf zwei Prozent getrieben werden. Trotz dieses expansiven Kurses sehen die Experten der Quirin Bank keine großen Risiken bezüglich der Zentralbankstrategie. Ihre Krisenampel zeigt hier „grün“.

Ampel: Grün

Foto: dpa

Die Sorge war groß, dass die entgegengesetzten geldpolitischen Kurse der EZB und der Fed den Dollar stärken und den Euro schwächen könnten. Von einer Parität war bereits die Rede. Doch es kam anders. Wegen der globalen Konjunktureintrübung wird an den Märkten mit einer vorsichtigen Anhebung der Zinsen in den USA gerechnet, was den Dollar wieder schwächt. Derzeit pendelt der Euro um 1,10 Dollar.

Ampel: Grün, seit 31. Mai 2013

Foto: dpa

Im vergangenen Jahr hielt das hochverschuldete Griechenland die Börsen in Atem. Zwar konnte in letzter Sekunde eine Einigung zwischen den internationalen Geldgebern und Athen errungen werden, doch damit ist Land noch lange nicht über dem Berg – allerdings ist das für die Märkte nichts Neues mehr. Interessant dürften hingegen angesichts des Ölpreisverfalls die Staatsfinanzen einiger Ölstaaten werden. Bei der Euro-Zone ist laut den Experten der Quirin Bank eine leichter Besserung in Sicht.

Ampel: Gelb, seit 31. Mai 2013

Foto: dpa

Die schwächelnde globale Konjunktur lastet auf vielen Banken. Besonders riskant jedoch ist für die Finanzhäuer derzeit die Lage an den Energiemärkten. Zahlreichen Ölkonzernen, vor allem Fracking-Unternehmen aus den USA haben Deutsche Bank & Co. milliardenschwere Kredite erteilt. Fraglich ist nun, ob wegen des sinkenden Ölpreises Kreditausfälle drohen. Die Risiken im europäischen Bankensektor bleiben damit insgesamt erhöht.
Ampel: Gelb, seit 31. Mai 2013

Foto: dpa

Egal ob Öl, Kupfer oder Stahl – weltweit sind die Rohstoffpreise im Sinkflug. Schuld daran ist auch China, der größte Rohstoffnachfrager der Welt. Die schwächelnde Konjunktur im Reich der Mitte senkt auch den Rohstoffhunger des Landes. Auch die eingetrübten Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft lassen keine Inflationsrisiken aufkommen. Hier ist nicht mit einer signifikanten Gegenbewegung zu rechnen. Dass die Inflationsentwicklung durch einen plötzlichen Anstieg der Rohstoffpreise beeinflusst wird, ist daher nahezu ausgeschlossen.
Ampel: Grün, seit 20. Dezember 2013

Foto: dpa

Selten wurde in Deutschland so viel nachgefragt wie derzeit. Die niedrigen Zinsen treiben viele Deutsche in die Läden. Die Inflation springt dennoch nicht an. Verantwortlich dafür sind vor allem die niedrigen Rohstoffpreise. Ein Inflationsgefahr geht daher von Seiten dieses Krisentyps nicht aus.

Ampel: Grün, seit 31. Mai 2013

Foto: dpa

Die niedrigen Zinsen der Notenbanken weltweit haben die Börsen in den vergangenen Monaten in die Höhe getrieben. Das Problem: Während die Aktienkurse teilweise durch die Decke schossen, zeigt die Realwirtschaft in eine andere Richtung. Besonders schmerzhaft war die Korrektur in China. Dort gaben die Aktienmärkte massiv nach und belastet die Börsen in Europa und den USA. Eine Blasenbildung sieht die Quirin Bank dennoch nicht. An den Anleihe- und Immobilienmärkten ist die Blasengefahr allenfalls mittelgroß zu bewerten.
Ampel: Gelb seit 31. Mai 2013

Foto: dpa

Die EZB-Milliarden und der steigenden Konsum in Deutschland helfen nicht. Die Inflation bleibt auf einem niedrigen Niveau. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung bleiben auch die rekordniedrigen Rohstoffpreise. Sie überlagern die in Teilen auch bestehenden Preiserhöhungstendenzen einiger Waren- und vor allem Dienstleistungsbereiche.
Ampel: Gelb, seit 15. Juni 2014

Foto: dpa

Die Konjunkturentwicklung in vielen Teilen der Welt lässt zu Wünschen übrig. Vor allem auf China blicken die Volkswirte mit Sorge. Das Reich der Mitte erreicht nicht mehr die Wachstumsraten der vergangenen Jahre und steckt mit der Verlangsamung des Wachstums die auch USA, Schwellenländer in Südamerika und Europa an. Allerdings dürften trotz des Gegenwinds zahlreiche Länder innerhalb der EU auch in diesem Jahr wachsen. Eine Ertragserwartungskrise zeichnet sich somit nicht ab.
Ampel: Grün, seit 31. Mai 2013

Foto: dpa

Die politischen Krisenherde werden aktuell nicht weniger. Mit der Flüchtlingskrise bekommt diese Entwicklung für die Euro-Zone eine neue Dimension. Und auch das Eingreifen der russischen Streitkräfte in den Syrienkonflikt heizt die Krise weiter an. Angesichts dieser Herausforderungen kann eine nachhaltige Wirkung auf die Finanzmärkte nicht ausgeschlossen werden.
Ampel: Gelb, seit 31. Mai 2013

Foto: AP

Der El Nino hatte in diesem Jahr in einigen Ländern für erheblich klimatische Verzerrungen gesorgt. Dürren und Überschwemmungen betrafen Länder wie Chile, Indien und Australien. Die USA waren von einem Kälteeinbruch Anfang des Jahres betroffen. Die teils heftigen Wetterphänomene hatten bislang aber keine nennenswerten gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen.
Ampel: Grün, seit 31. Mai 2013

Foto: dpa

Eng verbunden mit den politischen Krisen bestehen hier weiterhin weltweit erhöhte Unsicherheiten.
Ampel: Gelb, seit 6. März 2014

Foto: dapd

Auch für das zweite Kriterium, die Überhitzung der Märkte, gibt es Anzeichen. Und die kommen besonders ausgeprägt von den Anleihemärkten. Immerhin hat es auf dem Weg zum aktuellen Minuszins die größte Anleihehausse aller Zeiten gegeben – oder wann in der Geschichte der industrialisierten Staaten sind die Notierungen von Anleihen jemals 35 Jahre lang gestiegen?

Der Blick auf die gigantische Anleihehausse dürfte auch reinen Aktionären zu denken geben. Denn genau in dem Moment, als die Anleihehausse 1981 begann (damals brachten zehnjährige Bundesanleihen elf Prozent Jahresrendite), startete auch der Aktienmarkt seinen großen Aufschwung. Sollte also eines Tages die Anleiheblase platzen, hätte das ohne Frage gefährliche Rückwirkungen auch auf den Aktienmarkt.

An diesem Punkt kommt die Frage nach dem dritten Kriterium ins Spiel: Das konkrete Ereignis. Natürlich lassen sich Terrorakte wie der von 2001 nicht vorhersehen. Doch ein Ereignis gibt es, das an den Märkten seit einiger Zeit immer mitgedacht wird und das früher oder später ansteht: Die Zinswende durch die Notenbanken.

Dax-Unternehmen

Gewinn der Dax-Konzerne schrumpft

von Georg Buschmann

Schon die empfindliche Reaktion der Börsen auf die erste Zinsanhebung der Fed im Dezember vergangenen Jahres hat gezeigt, welche weitreichende Folgen dies haben könnte. Und sollte Fed-Chefin Janet Yellen noch in diesem Jahr die Zinszügel deutlich anziehen, etwa weil die Arbeitslosenzahlen wieder einmal besser ausgefallen sind, kann es für Aktien eng werden. Andererseits dürfte es genau diese Gefahr sein, die Rückwirkung auf die Assetmärkte, die Janet Yellen vor einer straffen Zinspolitik zurückschrecken lässt. Bisher jedenfalls sieht es eher nach einem weiteren Durchwursteln aus als nach einer harten Wende.

Kurzfristig sollte der Dax nicht unter 10.100 Punkte sinken

Fasst man die drei Kriterien Enttäuschung, Überhitzung und konkreter Anlass zusammen, so ist die aktuelle Lage im Dax zwar keineswegs risikofrei, eine akute Crash-Gefahr aber besteht vorerst nicht. Im Gegenteil: Die vor zwei Wochen eingeleitete Korrektur im Dax verläuft bisher ausgesprochen moderat, der Dax hält sich sogar über der Unterstützungszone bei 10.400 bis 10.500 Punkten. Selbst wenn er in den nächsten Wochen doch noch bis 10.100 Punkte nachgäbe, wäre das immer noch eine klassische Gegenbewegung zur vorangegangenen Anstiegsphase von Ende Juni bis Mitte August.

Sorglos sollten Anleger deshalb nicht werden. So, wie die großen, taktgebenden Indizes Anfang 2016 sich trotz drohender Verkaufssignale wieder nach oben gerettet haben, könnten sie bei einer deutlichen Verschlechterung der Konjunktur und einer ungeschickten Notenbankpolitik auch wieder nach unten abdrehen.

Immerhin, im Augenblick spricht mehr dafür, dass die Aktienmärkte im bevorstehenden Herbst in ihrem aufwärtsgerichteten Trend bleiben. Und wenn sie sich an das klassische Muster ihrer kurzfristigen Bewegungen halten, könnte der Dax nach der jüngsten Kursspitze Mitte August dann in der zweiten Septemberhälfte sein nächstes kurzfristiges Tief bilden – und von da aus dann die nächste Anstiegsphase starten.

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