Kabinettsposten für Milliardäre, Job-Erhalt für Arbeiter: Die zwei Gesichter des Donald Trump
Donald Trump inszeniert sich als Jobretter.
Foto: APWelch große Wirkung selbst kleine Gesten haben können, hat Donald Trump Ende des vergangenen Jahres im Niemandsland von Iowa gelernt. In dem kleinen Örtchen Newton, vier Autostunden westlich von Chicago, hält David McNeer ein leidenschaftliches Plädoyer für den Milliardär aus New York, der angekündigt hatte, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden zu wollen.
McNeer berichtete – wie schon Jahre zuvor im Fernsehen – von den Existenzängsten, die ihn 2010 plagten. Damals beschloss Maytag, ein Hersteller von Haushaltsgeräten, nach über 100 Jahren sein Hauptquartier von Iowa nach Mexiko zu verlagern. Nachbarn und Freunde wurden über Nacht arbeitslos, und viele Zulieferbetriebe mit nach unten gezogen. So auch die kleine Fima von David McNeer, die Werbeartikel herstellt. Einen Tag nach der TV-Ausstrahlung meldete sich Trump bei dem Familienbetrieb. Der Geschäftsmann von der Ostküste wollte helfen und bot an, Geschäfte mit McNeer zu machen.
„Kein einziger Politiker hat sich bei mir gemeldet. Kein Bürgermeister, kein Senator“, beklagt sich McNeer bei dem Wahlkampfauftritt von Trump Ende 2015. Der Republikaner aber „habe großes Herz bewiesen“ und „Wort gehalten“ und mit seinen Aufträgen die Produktion am Leben gehalten. Die Geschichte macht die Runde.
1946
Geboren am 14. Juni als viertes von fünf Kindern von Mary und Frederick C. Trump (links): Donald Trump ist der Sohn deutscher Einwanderer und erfolgreicher Immobilienunternehmer.
1959-1964
Schüler der New York Military Academy.
1964-1966
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fordham University in New York.
1966-1968
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Wharton Business School in Philadelphia (im Bild).
1968
Eintritt ins Familienunternehmen "Elizabeth Trump & Son", Bauträger und Immobilien.
1971
Übernahme des Unternehmens vom Vater.
ab 1974
Investitionen in Hotels, Casinos und Luxus-Apartment-Gebäude; Rechte an Miss-Wahlen, mehrere Biografien, eigene Möbel- und Modemarken.
1977
Hochzeit mit dem Model Ivana Marie Zelnickova und Geburt von Sohn Donald Jr. (im Bild).
1981
Geburt von Tochter Ivanka.
1983
Eröffnung des "Trump Tower" an der New Yorker 5th Avenue.
1991
Erste Insolvenz, danach zunächst erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
1992
Zweite Insolvenz, erneute Umstrukturierung des Unternehmens und Scheidung von Ehefrau Ivana.
1984
Geburt von Eric, dem zweiten Sohn.
1993
Hochzeit mit Schauspielerin Marla Maples und Geburt von Tiffany, der zweiten Tochter (im Bild).
1995
Börsengang von "Trump Hotels & Casino Resorts Inc."
1999
Scheidung von Marla, der zweiten Ehefrau.
1999-2000
Erfolgloser Versuch einer Präsidentschaftskandidatur in der von Ross Perot gegründeten Reform Party.
2004-2015
Eigene TV-Reality-Show "The Celebrity Apprentice".
2004
Dritte Insolvenz, wieder erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2005
Hochzeit mit dem Model Melania Knauss.
2006
Geburt von Sohn Barron William, dem fünften Kind.
2009
Vierte Insolvenz, erneut erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2016
Trump siegt in der Präsidentschaftswahl und wird der 45. US-Präsident.
Alles rund um die Wahl finden Sie hier
Foto: AP
Bei einem Wahlkampfauftritt Mitte Januar in Muscatine, Iowa, beruft sich Martin McKerrin, ein Gas- und Wasserinstallateur, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche auf die Maytag-Story. Der Handwerker glaubt aus der Trump’schen Rettungsaktion ableiten zu können: „Obwohl er Milliardär ist, hat er nie vergessen, wer das Rückgrat unseres Landes ist: die kleinen und mittelständischen Betriebe.“
Trump als Retter der kleinen Leute
In Iowa – aber auch in den ehemaligen Industriehochburgen von Pennsylvania, Michigan, Indiana oder Ohio – ist man fortan überzeugt, dass Trump der Kämpfer des kleinen Mannes ist – und wählt ihn letztendlich ins Weiße Haus. Nun muss Trump, der gegen Freihandelsabkommen, Großkonzerne und die Wall Street gewütet hat, liefern.
Helfen sollen Trump nun ausgerechnet Freunde und ehemalige Geschäftspartner, die allesamt die Sorgen des kleinen Mannes nur schwerlich nachvollziehen können. Am Mittwoch wurde bekannt: Steve Mnuchin, Ex-Goldman-Banker und Filmfinanzier, wird neuer Finanzminister; Wilbur Ross, Milliardär und Spekulant, neuer Wirtschaftsminister.
Zuvor hatte Trump bereits eine andere Milliardärin für seine Regierungsmannschaft benannt: Die Investmentmanagerin Betsy DeVos, die eine Firma für Windenergie leitet, soll Bildungsministerin werden. Und: Der frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, ebenfalls ein milliardenschwerer Geschäftsmann, gilt zusammen mit dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani als Topfavorit für das Außenministeramt.
Blick auf den Central Park
Ein Umzug ins Weiße Haus brächte vermutlich doch einige Einschränkungen mit sich. Begleiter beschreiben allein den Lebenswandel der künftigen First Lady Melania Trump als sehr luxuriös. In New York lebt sie mit Blick über den Central Park an der 5th Avenue in einem 100-Millionen-Dollar-Penthouse. Es heißt, das traute Heim sei Schloss Versailles nachempfunden: Marmor, kostbarste Ausstattungen, Deckengemälde, Gold. Da kann 1600 Pennsylvania Avenue in Washington nicht mithalten. Dafür wird es mehr fotografiert.
Foto: REUTERSAn diesem Schreibtisch wird bald Donald Trump sitzen
First Lady Melania wird ihre Büros im Ostflügel haben. Präsident Trump wird im West Wing arbeiten, dort liegt auch das 1909 eingerichtete Präsidentenbüro, das „Oval Office“.
Foto: dpaBlick in den "Yellow Oval Room" in den Privaträumen der Präsidentenfamilie
132 Räume, sechs Etagen, 35 Badezimmer, acht Treppenhäuser und drei Fahrstühle: Jeder Präsident setzt in dem riesigen Haus seine eigenen Akzente, so richtig umbauen kann er den offiziellen Teil aber nicht. In den Obergeschossen dagegen hat die Präsidentenfamilie ihre Privaträume. Die Obamas gewährten zuletzt über „Architectural Digest“ einen seltenen Einblick in diese Residenz. Diese werden sich nun auch die Trumps so persönlich einrichten, wie es geht.
Foto: APDas Trump International Hotel in Washington
Hartnäckig hält sich das Gerücht, als Präsident werde Trump in seinem neuen Hotel in der Hauptstadt residieren. Burgartig und mit schmuckem Turm liegt es in Laufweite zum Weißen Haus.
Das Kino und den Swimmingpool im Untergeschoss wird Trump sicher beibehalten. Aber ob er den Tennisplatz oder das Basketballfeld nutzen wird? Der junge Donald Trump war ein begeisterter Sportler, er spielte Squash, Tennis, Football und Golf. Eine bombige Gesundheit. Erst als er 1968 zum Militär eingezogen werden sollte, wurde rechtzeitig ein Leiden diagnostiziert. Fersensporn statt Vietnam.
Foto: APDer Gemüsegarten des Weißen Hauses
Kartoffeln, Salat und Grünzeug: Wird Trump den Gemüsegarten Michelle Obamas fortführen? Unwahrscheinlich, auch wenn er sich bisher noch nicht geäußert hat. 2009 hatte Obama das Gärtchen anlegen lassen, als Werbung für gesündere Ernährung. Vor kurzem legte sie nochmals nach, präsentierte im Oktober eine größere Version des Gartens inklusive Beton, Stein und Stahl. Ein Statement, das nicht nach „reiß mich ab“ aussah. Von Trump, einem eher schweren Mann, sind Aussagen zu gesunder Ernährung nicht hinterlegt.
Foto: APBarack und Michelle Obama
Ganze Welten liegen zwischen Auftreten, Art und Selbstverständnis der beiden Paare. Der Stil der beiden Frauen unterscheidet sich sehr, wenn auch Teile der US-Presse darauf hoffen, das ehemalige Model Melania werde zumindest etwas von dem Glanz und Glamour weiterführen, den Michelle Obama der Präsidentschaft ihres Gatten gebracht hat.
Foto: dpaDonald und Melania Trump
Barack Obama hatte eine Aura natürlicher, lässiger Eleganz. Donald Trump nicht. Seine Anzüge sind teuer, aber kastenartig, die Krawatten solide und einfarbig. Einen eigenen Zuständigen für die dann präsidiale Frisur zu finden, sollte im Weißen Haus nicht schwierig sein, auch wenn Trump beteuert, für das sichtbare Ergebnis kunstvollen Kämmens stets selber zu sorgen.
Washington beginnt die Obamas bereits jetzt zu vermissen, ihre Bälle, ihre Reden. Ein wenig bangt fragt man sich, welchen Stil denn wohl die Trumps der Hauptstadt beibringen werden.
Foto: APBarack Obama treibt gerne Sport, Trump eher nicht
Donald Trump im Fitnessstudio? Vielleicht nicht. Dass Trump Freizeit per se nicht sehr schätzt und jede freie Minute für die Pflege seines so engen wie eigenen Verhältnisses zu sozialen Medien nutzt, ist bekannt. Auch er golft ausgesprochen gern, wenn auch nicht so leidenschaftlich wie Obama. Bücher liest Trump angeblich nicht.
Barack Obama ist ein so begeisterter Golfer, dass er sich oft Hohn und Spott anhören musste. Auf Reisen wurden regelmäßige Stopps für Golfplätze eingebaut, Freitagnachmittag brauste er los, um mit Freunden die Schläger zu schwingen. Seine Bilder vom Basketball mit Mitarbeitern sind berühmt. Auch, dass der Präsident regelmäßig das Gym aufsuchte, um an Hanteln und Maschinen zu zerren, sollte jeder wissen.
Foto: APDonald Trump liebt Eiscreme
Der künftige Präsident isst gern Hamburger. Und er liebt Eiscreme: Reporter berichten, die Kühlschränke seiner Häuser seien voll mit großen Bechern einer bestimmten Marke (Häagen Dazs), Vanille oder Vanille Kirsch. Trump sagt, er trinke keinen Alkohol, keinen Kaffee und keinen Tee. Von einer Pizza verzehrt er angeblich nur den Belag, aber nie den Teig.
Zu Mittag, gab Trump einmal an, esse er meistens am Schreibtisch. Ob der bald 45. Präsident der USA das im Oval Office durchhalten wird, im berühmtesten Büro der Welt, wird man sehen
Foto: dpa
Vor allem die Wahl Steve Mnuchins sorgt für Stirnrunzeln. Laut Trump ist der 53-Jährige zwar „Weltklassebanker und -Geschäftsmann“. Doch hat Mnuchin 17 Jahre für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. Eine Institution, die für viele Arbeiter symbolhaft für das eiskalte Treiben an der Wall Street steht.
Der 45. Präsident der USA heißt Donald Trump, die First Lady Melania. Für den Wahlsieger spielte seine Familie eine wichtige Rolle im Wahlkampf – und tut es auch während der Präsidentschaft noch. Denn Donald Trump misstraut den meisten politischen Beratern. Nur seine engsten Angehörigen dürfen ihm die Meinung sagen und Ratschläge geben.
Foto: REUTERSIvanka Trump
Trumps Tochter Ivanka zeichnete im Wahlkampf ihres Vaters das Bild eines titanischen Menschen mit unglaublichen Fähigkeiten für die USA. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter soll so stark sein, dass sich US-Medien zeitweise ernsthaft mit der Möglichkeit beschäftigten, dass Trump seine Tochter zu seiner Stellvertreterin ernennen könnte. Die 34-Jährige zielte vor allem auf weibliche Wähler ab. Sie hat Wirtschaft studiert und führt gemeinsam mit Donald und Eric das operative Geschäft bei der Trump Organization. Ivanka Trump ist die Tochter von Trumps Ex-Frau Ivana.
Foto: APDonald Trump Jr
„Es ist mir eine Ehre, heute Abend in der Lage zu sein, Donald Trump über die nötige Hürde der Delegiertenstimmen zu verhelfen.“ Das sagte Donald Trump Jr. in Cleveland bei der Bekanntgabe der Delegiertenstimmen aus Trumps Heimatstaat New York. Diese verhalfen dem Präsidentschaftskandidaten formal zur Mehrheit in den Vorwahlen. „Glückwunsch, Dad. Wir lieben dich!“, rief er.
Donald Trump Jr. ist der älteste Sohn des Kandidaten und Vizepräsident der Trump Organisation. Studiert hat er genauso wie seine Halbschwester Tiffany in Philadelphia. Trump Jr. ist seit 2005 mit Vanessa Haydon verheiratet und hat fünf Kinder. „In unternehmerischen und politischen Fragen können wir das Denken unseres Vaters natürlich beeinflussen, auch wenn er am Ende immer selbst entscheidet“, sagt Donald Trump Jr. „Ivanka, Eric und ich können ehrlich mit ihm sein.“
Foto: APTiffany Trump
Trumps jüngste Tochter Tiffany empfahl ihren Vater in ihrer Parteitagsrede als „natürlichen Mutmacher.“ Er habe sie dazu motiviert, ihr Bestes zu geben, sagte die 22-Jährige. Vor den Delegierten legte sie während der Vorwahlen zudem Zeugnis über den Charakter ihres Vaters ab...
Foto: REUTERSTiffany Trump
Es sei Trumps Art, nie zurückzuweichen oder sich von Angst blockieren zu lassen, sagte Tiffany. Ihr Vater würde nie jemandem raten, Ansprüche herunterzuschrauben oder einen Traum aufzugeben.
Die 22-Jährige ging aus der Ehe mit der Schauspielerin Marla Maples hervor, mit der Donald Trump von 1993 bis 1999 verheiratet war. Tiffany Trump hat in diesem Jahr ihren Abschluss an der Universität von Pennsylvania gemacht. Ihr gehören drei Trump-Gebäude.
Foto: REUTERSEric Trump
Auch Eric Trump warb öffentlich für seinen Vater. Er ist der Sohn von Ivana Trump, der ersten Ehefrau des Milliardärs.
Foto: APSeine Ehefrau Lara Yunaska stand ihm bei jeder Wahlkampfveranstaltung seines Vaters zur Seite. Eric ist der Sohn von Ivana Trump, Trumps erster Ehefrau. Im Jahr 2012 wurde Eric vom „Forbes“-Magazin zu einem der Top 30-Immobiliengurus gekürt. Er leitet gemeinsam mit seinen Geschwistern das Trump Imperium und ist Gründer.
Foto: REUTERSMelania Trump
Nicht nur seine Kinder stärkten Trump in seinem Wahlkampf den Rücken. Zu Beginn des Parteitags hielt Trumps Ehefrau Melania eine Rede. Dabei konzentrierte sie sich auf die Charaktereigenschaften ihres Mannes. „Er kann hart sein, wenn er will, aber er ist auch nett und fair und fürsorglich“, sagte das ehemalige Topmodel. „Diese Güte wird nicht immer bemerkt, aber jeder kann sie sehen. Das ist einer der Gründe, warum ich mich überhaupt in ihn verliebt habe.“
Foto: AP
Barron Trump
Donald und Melania Trump haben einen gemeinsamen Sohn: Barron. Er dürfte sein jüngster Unterstützer in der Familie sein. Er wohnt mit seinen Eltern gemeinsam im Weißen Haus.
Foto: APDie Trump-Kinder versuchten im Wahlkampf, ihren schroffen und provokant auftretenden Vater weich zu zeichnen und den Rechtspopulisten so auch für moderatere Wähler akzeptabel erscheinen zu lassen.
Foto: REUTERSDonald Trump und Mike Pence
Dass Trump sich für Mike Pence (r) als Vize entschied, soll auch mit seinen Kindern zu tun haben. Der strammkonservative Gouverneur von Indiana soll den rechten Parteiflügel auf Linie bringen. Trump nahm den Rat allerdings nur widerwillig an. Pence gilt als Mann der leisen Töne – auch wenn er strikte Positionen vertritt.
Foto: APDer einzige Nicht-Trump, der einen guten Draht zu Trump hat, scheint sein Schwiegersohn Jared Kushner zu sein. Der 35-Jährige stammt aus einer einflussreichen jüdischen Familie aus New York und berät den Clan-Chef vor allem in außenpolitischen Themen.
Foto: REUTERSNachdem Trump viele Juden mit der Aussage verunsichert hatte, er wolle im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern „neutral bleiben“, schrieb Kushner Trump eine pro-israelische Rede, mit der der Kandidat versuchte, die Zweifel an seinem Bekenntnis zu Amerikas wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten auszuräumen.
Foto: AP
Trump hatte noch im Wahlkampf versprochen, die Finanzzocker aus dem Financial District in New York zur Rechenschaft zu ziehen. „Ich werde die Wall Street nicht mit Mord davonkommen lassen“, stellte Trump klar und versprach sich Banker und Finanzprofis vorzuknöpfen, denen viele US-Bürger noch immer die Verantwortung für die große Wirtschaftskrise nach dem Kollaps des Häusermarkts im Jahr 2007 vorwerfen. Die Finanz-Industrie habe „riesengroße Probleme“ bereitet, erklärte Trump.
Steve Mnuchin wird sich zwangsläufig angesprochen gefühlt haben müssen. War er doch in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten, weil eines seiner Finanzunternehmen in der Finanzkrise 35.000 Immobilien zwangsversteigerte und damit zahlreiche Opfer der Krise ihr Dach über dem Kopf nahm. Ein Kämpfer für den kleinen Mann dürften sich viele US-Amerikaner anders vorstellen.
Auch die Weste von Trumps Mann für das Handelsressort, der bereits 79-jährige Wilbur Ross, ist nicht blütenweiß. Der Milliardär, dessen Vermögen Forbes auf knapp drei Milliarden US-Dollar schätzt, hat sich einen Ruf als „König des Bankrotts“ erworben. Der Investor hat sich darauf spezialisiert hat, angeschlagene Unternehmen der Stahl- und Kohleindustrie zu restrukturieren. Kritiker werden Ross harte Sanierungsmethoden vor. Im Januar 2006 starben zwölf Kumpel bei einer Explosion in einer Mine in West Virginia, die zum Imperium von Ross gehörte und seit Längerem als unsicher galt.
Casinos
Neben zahlreichen Gebäudekomplexen, besaß Trump einst auch Casinos. Unter dem Label „Trump Entertainment Resorts“ liefen drei Spielhäuser auf seinen Namen: Trump Taj Mahal, Trump Plaza und Trump Marina. 2014 meldete Trump Entertainments allerdings zum wiederholten Male Insolvenz an. Seiner Meinung nach ein gekonnter Schachzug: „Wir nutzen die Gesetze. Wir eröffnen ein Verfahren, wir verhandeln mit den Banken, wir machen einen fantastischen Deal“, sagte er 2011 in der ABC-Talkshow „This Week“. Die Investmentfirma des bekannten Großinvestors Carl Icahn kaufte "Trump Entertainment" im vergangenen Monat mitten im Wahlkampf und im laufendem Insolvenzplan auf. Er habe mit Casinos nichts zu tun, da stünde nur sein Name drauf, sagt der Milliardär Trump heute.
Foto: PRHypotheken
Auf die Idee von „Trump Mortgage“, zu deutsch Hypothek, kam der Geschäftsmann im Jahr 2006 - genau ein Jahr bevor die Immobilienblase in den USA platzte. Damals sagte er gegenüber dem Fernsehsender CNBC: „Ich denke, es ist eine großartige Zeit ein Hypotheken-Unternehmen aufzuziehen. Der Immobilienmarkt wird noch für eine lange Zeit sehr stark sein.“ Das scheint Trump allerdings vergessen zu haben. Er behauptete im Vorwahlkampf, er habe die Krise kommen sehen.
Foto: REUTERSFluglinie
1989 kaufte Trump seine eigene Airline. Er baute die Fluggesellschaft zu einer Luxusvariante um und nannte sie „Trump Shuttle“. Die sollte Geschäftsleute zwischen New York, Boston und Washington hin- und herfliegen. Das Innere der Boeing 727 wurde nobel mit Ahorn-Täfelung und verchromten Sitzgurt-Schnallen ausgestattet, in den Toiletten wurden goldene Armaturen angebracht. Aber die Passagiere wollten lieber bessere Verbindungen. Als dann in Folge des Einmarsches irakischer Truppen in Kuwait der Ölpreis in die Höhe schnellte und der Nordosten der USA selber in eine Rezession schlitterte, war es vorbei. Trump Shuttle war überschuldet. Das Unternehmen wurde verkauft. Am Ende ging Trumps Flotte in US Airways auf.
Foto: APBrettspiel ums Geld
1989 benannte Trump ein Brettspiel nach sich. Natürlich ging es im Stil von Monopoly darum, wer am Ende das meiste Geld hat. Kurz nach seiner Veröffentlichung wurde die Produktion des Spiels eingestellt. 2005 versuchte er es mit einer Neuauflage in Zusammenarbeit mit Parker Brothers. Aber auch diese Version war ein Flop.
Foto: APReiseportal
Wenn man heute GoTrump.com eingibt, wird man automatisch auf die offizielle Wahlkampfseite von Donald Trump weitergeleitet. Wo jetzt zu Spenden aufgerufen wird, befand sich vor zehn Jahren noch eine Reisesuchmaschine. Ein Jahr später war die Seite offline.
Foto: WirtschaftsWocheZeitschrift
Hier ist Trump bei einem Cover-Shooting für das TIME-Magazin zu sehen, es gab allerdings auch Zeiten als Trump sein ganz eigenes Magazin herausbrachte. Das beschrieb er bei der Veröffentlichung 2007 folgendermaßen: „Trump Magazine wird die Leidenschaften seiner wohlhabenden Leserschaft reflektieren.“ Nur anderthalb Jahre später wurde das Magazin für „VIPS und sehr einflussreiche Menschen“ eingestellt.
Foto: REUTERSEdel-Steaks
Ein Steak mit dem Namen Trump gebrandmarkt: Eigens für den Verkauf über die Händlermarke "Sharper Image" konnte man ab 2007 ganze 16 Steaks für bis zu 999 Dollar erwerben. Mittlerweile werden die Steaks nicht mehr frei für jedermann verkauft, dafür aber in jedem Gebäude serviert, das zum Trump-Imperium gehört. Für den Milliardär sind es "die besten Steaks der Welt.“
Foto: APFootball-Team
1984 kaufte Donald Trump sein eigenes Football-Team zurück, das er wenige Jahre zuvor verkauft hatte. Nach dem Rückkauf war das Team ein Jahr später pleite. Und die ganze United States Football League (USFL) gleich mit. Das war wohl wirklich Pech. Mal wieder.
Foto: APUniversität
Was braucht ein Mann, der schon alles hat? Natürlich eine eigene Universität. 2005 eröffnete Donald Trump die Trump University. Eine zahlungspflichtige Bildungseinrichtung, in der er den Massen seine Wirtschaftsexpertise für nur 35.000 Dollar Studiengebühren vermittelte. Nachdem vier Studenten Trump verklagten, wurde der Universität ihr Titel aberkannt. „The Donald“ benannte sie kurzerhand in „The Trump Entrepreneur Initiative“ um. New Yorks Generalbundesanwalt Eric Schneidermann verklagte Trump schließlich wegen „Betrugs von Tausenden Studenten“. Der zeigt sich uneinsichtig. Schließlich habe seine Universität eine Zustimmungsrate von 98 Prozent unter seinen Studenten. Die Geschäfte der Trump University wurden 2011 eingestellt.
Foto: AP,AP
Trump hatte im Wahlkampf aktiv um die Minenarbeiter geworben und versprochen, das Kohlezeitalter längst noch nicht beenden zu wollen. Das dürfte Ross gefallen. Auch in ihrer Ablehnung von Freihandelsabkommen sind sich Trump und der 79-Jährige einig. Der neue Wirtschaftsminister glaubt, dass der freie Warenverkehr keine Win-Win-Situation ist. „Es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und leider zählen wir zu den Verlierern aufgrund der dämlichen Abkommen, die wir abschließen“, erklärte Ross im August im US-Fernsehen.
Wie Trump sich als Jobretter inszeniert
Ökonomen fürchten nicht nur, dass die Aufkündigung von Freihandelsabkommen den US-Arbeitern mehr schaden als nutzen. Auch treibt sie um, dass die Trump-Regierung vor allem an ihrem eigenen Wohl und Reichtum interessiert sein könnte – und etwa an der Wiederbelebung der Kohleindustrie ebenso mitverdienen will, wie an einer Lockerung der Wall-Street-Regeln. Auch eine groß angelegte Steuerreform zugunsten von Investoren und Konzernen steht im Raum. Trump nährt diese Spekulationen, indem er parallel zu den Personalentscheidungen am Mittwoch ankündigte, dass die Steuerpolitik zu den wichtigsten Vorhaben der neuen Regierung gehöre.
Trump, der egoistische Präsident, der seine reichen Freunde mit Macht und Lobbypolitik beschenkt und seine Wahlkampfversprechen schneller revidiert als je ein Präsident zuvor? Gerade als die Zweifel an den Republikaner immer größer wurden, vermeldete der Bald-Präsident einen ersten Triumph im Kampf für seine treueste Wählerschaft – den US-Arbeitern. Klimageräte-Hersteller Carrier kündigte überraschend an, einen Großteil seiner Produktion nun doch nicht nach Mexiko verlagern zu wollen, sondern in Indianapolis zu bleiben. Mindestens 1000 Jobs – zumeist gut bezahlte – werden so gesichert.
„Wir haben einen Deal erreicht“, twitterte Carrier am Mittwochmorgen und lieferte Schützenhilfe für Trump, der im Wahlkampf ununterbrochen erklärte, ein Meister von Verhandlungen zu sein und US-Konzerne zum Bleiben bewegen könne. Die Freude trübt, dass die Jobs von Indianapolis wohl mit Steuererleichterungen oder indirekt durch Regierungsaufträge – Mischkonzern United Technologies, der Rüstungsgüter an den Staat verkauft, ist an Carrier beteiligt – teuer bezahlt werden. Kritiker wie Ökonomie-Professor Mohan Tatikonda nennen den Deal in der „New York Times“ deshalb auch „Symbolpolitik“, die den „Verlust von Arbeitsplätzen in der Produktion in den USA“ nicht stoppen wird.
Für die Arbeiter von Carrier ist es dennoch ein guter Tag. Gleiches gilt für Donald Trump, der spätestens seit Ende 2015 weiß, welch große Auswirkungen selbst kleine Gesten haben können.