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Entzauberte MythenLernen ist gut, verstehen besser

Das Silicon Valley feiert Deep-Learning-Algorithmen. Dabei geht es im Prinzip ums Auswendig lernen durch ständige Wiederholung. Dabei sollte es beim Lernen eigentlich um etwas anderes gehen.Henning Beck 15.01.2017 - 06:00 Uhr

Bloß nicht mit den Fingern rechnen

Wenn kleine Kinder anfangen zu rechnen, tun sie das in der Regel mit ihren Fingern: Sie zählen ab, wie viel "vier plus eins" ergibt. Was man ihnen in der Schule ganz schnell wieder abtrainiert. Denn spätestens beim Einmaleins helfen die zehn Finger ja auch nicht mehr weiter. Mathe ist eben abstrakt. Ganz falsch, sagt Jo Boaler. Sie ist Professorin für Mathedidaktik an der Stanford University und kann belegen: Um Mathematik zu lernen, müssen Menschen Zahlen visualisieren. Das geht beispielsweise mit einem Rechenschieber, einem Abakus - oder mit den Fingern. Wer Kindern also verbietet, mit den Fingern zu rechnen, macht es ihnen unnötig schwer und behindert sie in der Entwicklung ihrer mathematische Fähigkeiten.

Foto: Fotolia

Entweder kann man Mathe oder Sprachen

Mathe ist für viele Schüler ein Hass- beziehungsweise Angstfach. Oftmals werden sie damit getröstet, dass ihnen eben Sprachen und Geisteswissenschaften mehr liegen, als dröge Zahlenreihen. Dabei können auch sprachbegabte Teenager Mathe verstehen, wenn man sie richtig motiviert.
Dazu gehört, den Sinn dessen zu erklären, was vermittelt wird. Während in der Grundschulmathematik noch völlig klar ist, wozu das Einmaleins gut ist, sieht es bei Algebra, Stochastik und Analysis schon anders aus. Wer sich aber sagt: "Wozu soll das denn gut sein, das brauche ich doch nie im Leben" tut sich mit dem Lernen schwer. Wissenschaftler der Universität Tübingen haben bewiesen: Gymnasiasten, die sich mit dem Nutzen der Mathematik im alltäglichen Leben beschäftigt haben, schnitten bei Tests besser ab und waren motivierter als Schüler, die bloß stur Formeln pauken. Wer aus einem Mathemuffel also einen Zahlenfan machen will, muss ihn überzeugen, dass Mathe nicht nur in wenigen MINT-Studiengängen nützlich ist.

Foto: dpa

Ist ein Handy-Verbot sinnvoll?

Eine aktuelle Studie zweier Ökonomen der London School of Economics kommt zu dem Schluss, dass Schüler besser lernen, wenn Smartphones aus den Schulen verbannt werden. Der Leistungsanstieg entspräche fünf zusätzlichen Schultagen im Jahr. Bei den schwächeren Schülern sei der Effekt sogar doppelt so stark. Die britischen Forscher hatten die Leistungen von 16-jährigen Schülern an vier britischen Schulen vor und nach dem Handyverbot verglichen.

Doch Einigkeit herrscht bei dem Thema nicht. So bietet etwa das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen Materialien und Regeln für die Nutzung des Smartphones im Unterricht. Dass das sinnvoll ist, haben im vergangenen Jahr Forscher der Universität Duisburg-Essen in einer Studie mit 100 Mittelstufenschülern herausgefunden. Sie untersuchten, inwieweit sich Smartphones und Tablets sinnvoll in den Unterricht einbinden lassen. „Im Projektverlauf hat sich die Nutzung immer dann als besonders hilfreich erwiesen, wenn sie der individuellen Förderung dient und Medien als Lernwerkzeuge selbstgesteuert von Lernenden genutzt werden können“, heißt es darin. Zudem könne so sichergestellt werden, dass die Schüler einen „sicheren, kritischen und reflektierten Umgang mit dem Internet“ lernen. Smartphones im Unterricht können also durchaus sinnvoll sein – wenn sie richtig eingesetzt werden.

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Fehler helfen beim Lernen

Wer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird.

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Texte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen

Wer Texte häufiger liest, um sie auswendig zu lernen, der hat schon recht mit seiner Methode: Damit kann er sich die Texte wirklich besser merken. So hat es schon in Kinderzeiten mit dem Gedicht für Nikolaus oder Weihnachtsmann funktioniert. Aber übrigens auch nur, wenn man es vorher laut vor sich aufgesagt hat.

Allerdings bedeutet das wiederum nicht, dass man wirklich gelernt - also verstanden - hat. Auswendiglernen ist nicht gleich verstehen. Deshalb sollte man den Text versuchen etwa in anderen Worten zu erklären. Das hilft wirklich.

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Gelerntes erzählen hilft, es sich zu merken

Wer etwas liest und es anschließend anderen erzählt oder mit jemandem bespricht, kann sich Sachverhalte und Zusammenhänge besser merken. Das stimmt. Wenn wir mit anderen sprechen, senden und empfangen wir Emotionen. Diese senden verstärkt Signale an unser Gehirn, wodurch wir uns das Besprochene besser merken können. Deshalb ist gemeinsam lernen auch häufig effektiver, als alleine zu pauken.

Foto: AP

Hochbegabte sind Lernüberflieger

Wer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten.

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Sport steigert die Konzentration

Die Meinungen der Wissenschaftler gehen auseinander: Hirnforscher sind sich sicher, dass das Gehirn vom Sport profitiert, da es dann mit mehr Blut und somit mehr Sauerstoff versorgt wird. Das kann eine neue Verknüpfung von Nervenzellen fördern, die den Kopf dadurch lernfähiger machen können. Das würde bedeuten, dass Sportler geistig fitter sind als Sportmuffel. Einen wirklichen Beweis dafür gibt es aber nicht - aussagekräftige Studien fehlen.

Lernforscher sagen deshalb, dass Sport und gesteigerter Denkleistung kein direkter Zusammenhang bestünde. Aber auch sie stimmen zu, dass Sport Stress und Aggressionen abbauen und damit auch zum Beispiel Denkblockaden aus der Welt schaffen kann - quasi "den Kopf frei machen". Somit ist Sport durchaus hilfreich beim Lernen, auch wenn es vielleicht keinen direkten Einfluss hat.

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Manche sind nachts am lernfähigsten

Generell gilt, dass Tageslicht unsere Wachheit und Aufmerksamkeit steigert. Wer aber von sich behauptet ein Nachtmensch zu sein, muss nicht falsch liegen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Tagesrhythmus. Es gibt also sogenannte "Lerchen-Typen", die gerne früh aufstehen, weil sie dann am besten arbeiten können, und sogenannte "Eulen-Typen", sie nachts richtig aktiv werden und sich am besten aufs Lernen konzentrieren können. Ist man der Nachttyp, sollte man aber auch konsequent sein, um wirklich effektiv lernen zu können. Das heißt lange schlafen, spät aufstehen und dann die Nacht durch arbeiten - sprich den Tag-Nacht-Rhythmus komplett umdrehen. Wer morgens nur nicht aus dem Bett kommt, ist noch lange keine Eule.

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Der frühe Vogel fängt den Wurm

Genau diese Typen sagen auch schon viel darüber aus, warum diese Lernmythe falsch ist. "Morgenstund' hat Gold im Mund" trifft nämlich nicht unbedingt für Schulkinder zu. Abgesehen von den Lerchen-Typen und Eulen-Typen haben verschiedene Forschungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass die meisten Kinder am frühen Morgen wenig leistungsfähig sind. Nach der ersten großen Pause und nachmittags sind die meisten Schüler geistig deutlich fitter, so die Ergebnisse. Jugendlichen fällt es meistens noch schwerer. Deshalb plädieren viele Wissenschaftler für einen Schulstart zu einer späteren Uhrzeit und nicht zwischen sieben und acht.

Foto: dpa/dpaweb

Chaos macht kreativ

Ordnung gibt Sicherheit, weshalb kreative Köpfe gerne im Chaos versinken. Nur weil sich auf dem Schreibtisch Bücher und Zettel türmen, wird man aber noch lange nicht kreativ. Kreativ werden kann nämlich nur, wer bereits gelernt hat.

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Lernen geht am besten unter Druck

Lernen unter Druck schafft für viele - vor allem im Studium - erst die dringende Notwendigkeit, die sie zum Lernen motiviert. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Experten warnen davor unter Zeitknappheit zu lernen, denn das sei nur erfolgreich, wenn schon viel Wissen vorhanden sei, auf das man aufbauen kann. Sie raten: Nur mit Ruhe und Entspannung gelingt lernen richtig gut - und kostet auch weniger Nerven.

Foto: dpa/dpaweb

Gehirnjogging macht geistig fitter

Wer durch bekannte Denksportspiele, wie zum Beispiel die eines japanischen Doktors nutzt, um seine Intelligenz zu steigern, der übt vergebens. Aber Lernforscher sind sich einig, dass das Merken von Gegenständen oder Wörtern, das Gedächtnis trainiert und die Konzentration fördert. Wer allerdings viele Gedächtnistrainings macht, ist nicht gleich besser in Schule und Studium, denn zunächst verbessert man sich beim sogenannten Gehirnjogging immer nur darin, was man tut - also man wird in den Spielen besser. Fürs Lernen hilft es aber nur begrenzt.

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Musizieren macht klug

Eine schöne Idee, die sogar ein Stück Wahrheit birgt. Wer ein Musikinstrument spielt, kann seine Intelligenz nicht steigern, aber erwirbt andere Kompetenzen, die etwa zum Lernen sehr hilfreich sein können. Wer musiziert, gibt seinem Gehirn viel zu tun: Zum einen muss man sich konzentrieren, mit den Augen die Noten lesen, sie im Kopf übersetzen, sodass die Hände das Instrument entsprechend spielen können. Dann kommt noch das Hinhören hinzu, ob man auch die richtigen Töne trifft und schließlich ist damit noch viel Gefühl verbunden. Durch all diese Schritte und das häufige Wiederholen entstehen neue Vernetzungen im Gehirn. Das ist aber nicht einzigartig fürs Musizieren, sondern kann zum Beispiel auch durchs Schachspielen geschafft werden. Fazit: Wer ein Musikinstrument lernt, kann sich zusätzliche Kompetenzen aneignen, die helfen können, aber nicht unbedingt hilfreicher sind als andere Hobbys - wie etwa Sport.

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Kurz-vor-knapp-Lernen funktioniert

Der Prüfungstermin rückt näher - Nur noch wenige Tage, manchmal wenige Stunden bis zur Prüfung und jetzt fängt man so richtig an zu lernen - und es funktioniert, meinen die "Fast-Food-Lerner", die sich dabei auf ihr Kurzzeitgedächtnis verlassen. Es ist ein ganz alltägliche Phänomen, dass wir das Hier und Jetzt wichtiger nehmen. Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin müssen erst trainiert werden. Wem es so geht, der setzt häufig auf das Last-Minute-Lernen und besteht vielleicht auch. Der Erfolg ist aber wahrscheinlicher, wenn man sich richtig vorbereitet - vor allem mit Blick auf die Zukunft. Wer nicht in der Schule oder spätestens im Studium anfängt, langfristig zu planen und sich langfristige Ziele zu setzen, der scheitern etwa beim ersten Großprojekt im Büro.

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Werden Kinder gelobt, lernen sie besser

"Das hast du richtig gut gemacht!", ist Balsam für jede Seele - ob klein oder groß. Bei Kindern wird immer wieder diskutiert, ob es sinnvoll ist zu loben. Psychologen sagen, dass es in gewissem Maße sinnvoll und notwendig ist. Wer aber für jede Kleinigkeit gelobt wird, bekommt ein falsches Selbstbild und ist häufig weniger motiviert. Deshalb sollte sich das Lob in Grenzen halten. Außerdem kommt es auch darauf an, was man lobt: Statt sein Kind für sein Talent zu loben, sollte man zeigen, dass man besonders die Anstrengung oder das Durchhaltevermögen schätzt. Das kann durchaus motivieren und dazu verhelfen, dass Kinder mit mehr Spaß lernen und dadurch auch besser darin sind.

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Aus Fehlern und Kritik lernt man am meisten

Es ist das Grauen vieler Kinder: "Komm du doch bitte mal an die Tafel!" Wer vorne steht, fühlt sich schnell bloßgestellt. Dabei ist die Idee dahinter nicht, einen Schüler lächerlich zu machen, sondern dass die ganze Klasse profitiert: Fehler zu erkennen und sie zu korrigieren. Wer Fehler macht und sie selbst korrigiert, macht sie meistens nicht noch einmal. Wird Kritik zu viel, kann sie aber demotivieren und die Lernbereitschaft zunichte machen. Wer ständig Fehler macht, verliert die Lust und gibt häufig auf. Dann braucht man ein Erfolgserlebnis, um wieder auf Kurs zu kommen. Fehler und Kritik alleine machen einen also nicht lernfähiger - können in Maßen aber durchaus zum besseren Verständnis beitragen.

Foto: AP

Intelligente Kinder haben bessere Noten

Um eine gute Note zu bekommen, braucht es neben Intelligenz und Begabung auch Fleiß, Hingabe und Motivation. Ein intelligenter Mensch, der nicht lernt, bekommt schlechtere Noten als ein weniger intelligentes Kind, das sich anstrengt.

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Wer lernt und es aufschreibt, merkt es sich besser

Das stimmt. Schreibt man etwas ab oder auf, ist das Gehirn intensiver mit dem Inhalt beschäftigt, als wenn man ihn nur liest. Dadurch ist an dem Spruch "durch die Hand ins Gedächtnis" durchaus etwas Wahres dran. Das gilt allerdings nur fürs Handschriftliche! Wer sich etwas merken will, dem hilft das Tippen eines Textes deutlich weniger, als wenn er ihn mit der Hand schreibt.

Foto: dpa

Die Jüngsten lernen am besten

Der Englischkurs für die Dreijährige, Französisch mit vier - Frühförderkurse boomen. Experten warnen aber davor, dass das eigene Kind überfordert werden könnte. Kinder sammeln nur so viel Wissen, wie sie es für ihre Entwicklung benötigen. Können sie die ihnen gestellten Aufgaben lösen können, weil sie ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechen, so lernen sie optimal. Kinder sind von Geburt an neugierig und lernen sehr gerne. Deshalb wird häufig gesagt, dass sie am besten lernen können. Aber auch sie können überfordert werden. Nur weil sie sich für besonders viel begeistern lassen, lernen sie aber nicht besser. Also liebe Eltern, kein Stress mit tausend Kursen für die Vorschulkinder! Auch der Grundschüler, Teenager oder Student kann durchaus neugierig, wissbegierig und gut im Lernen sein - je nach Thema sogar besser als das Vorschulkind.

Foto: dpa

Kinder müssen immer gelobt werden

Eltern sollten die Leistungen ihrer Kinder loben, aber nicht übertreiben. Wer sein Kind für jede Kleinigkeit als Genie und sonstiges lobt, tut dem Selbstbild seines Kindes nichts Gutes.

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Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

Was bei Kindern übertrieben wird, traut man Senioren häufig nicht mehr zu. Sie werden häufig im wahrsten Sinne des Wortes zum "alten Eisen" gezählt. Lernfähigkeit traut man der älteren Generation nicht mehr zu. Das ist aber falsch. Senioren beweisen heutzutage Tag für Tag, wie lernfähig sie noch sind: Sie lernen Fremdsprachen, mit Computern umzugehen oder schreiben sich für Studiengänge ein und machen Master in Physik oder Philosophie. Während Kinder sich noch ein gewisses Grundwissen aneignen müssen, können viele ältere Menschen bereits auf ihr Vorwissen zurückgreifen und lernen deshalb noch nicht einmal unbedingt langsamer als die Jüngeren. Ihr großer Nachteil liegt hingegen darin, gewohnte Abläufe und automatisiertes Verhalten zu ändern - das Umlernen ist die Schwierigkeit für die Erwachsenen. Neues Wissen fällt ihnen ähnlich leicht oder schwer wie Kindern.

Foto: CLARK/obs

Im Schlaf wird weitergelernt

Das Gehirn arbeitet rund um die Uhr. Damit stimmt die Aussage, dass man im Schlaf weiterlernt. Während wir schlummern, verarbeitet unser Gehirn die neuen Eindrücke und Informationen des Tages. Die "Datenflut", die wir am Tag aufgenommen haben, wird sortiert und gespeichert. Der Lernprozess geht im Schlaf also weiter.

In langen und anstrengenden Lernphasen ist Schlaf deshalb besonders wichtig, um Gelerntes gut zu verinnerlichen. Ein kleiner Mittagsschlaf und viel Schlaf in der Nacht sollten in jeder Lernphase also drin sein - besonders in der nächtlichen Tiefschlafphase werden Informationen tiefer abgespeichert.

Foto: Fotolia

Latein fördert das logische Denken

Das stimmt so nicht. Nur wer in der Schule gelernt hat das "Veni vidi vici" nicht wörtlich "Er kam, sah und siegte" heißt, denkt nicht logischer als diejenigen, die doch lieber Französisch gepaukt haben. In wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte sich, dass Lateinschüler Logikaufgaben nicht besser lösen als andere Schüler. Allerdings sind es Lateinschüler gewohnt, mit komplizierten Sätzen umzugehen und methodisch zu übersetzen. Das erleichtert das Lernen anderer Sprachen. Außerdem haben Lernforscher festgestellt, dass Schüler mit Lateinunterricht auch im Deutschen komplexere Sätze bilden können und leichter Fehler in deutschen Sätzen erkennen.

Foto: AP

Jungs sind besser in Mathe als Mädchen

Die Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen, was die mathematischen Fähigkeiten angeht, sind minimal. Reden sich Mädchen aber immer ein, dass sie Mathe nicht können oder bekommen es von Eltern und Lehrern eingetrichtert, werden sie sicherlich keine Mathegenies.

Foto: ASSOCIATED PRESS

Neulich spielte ich mit meinem zweieinhalbjährigen Nachbarn im Garten Fußball. Als ich mich im Tornetz verhedderte, eilte er mir zu Hilfe und rief: „Warte, ich hol den Spreizer!“ Dahinter verbirgt sich ein hydraulisches Schneidegerät, mit dem die Feuerwehr festgeklemmte Personen aus eingequetschten Fahrzeugen befreit. In diesem Moment schossen drei Dinge durch meinen Kopf.

  • Erstens: Was zum Teufel ist ein Spreizer?
  • Zweitens: Wird er mich damit wirklich befreien können?
  • Und drittens: Was hat der Kleine nur für Eltern?

Nun gut, sie sind bei der Berufsfeuerwehr. Aber haben sie ihm wirklich tagelang Bilder von Spreizern, Rettungsscheren und Löschzügen gezeigt, bis er sie schließlich gelernt hatte? Wohl kaum.

Lernen mit Bildern

Dabei feiert das Silicon Valley derzeit diese Form des Lernens. Selbstständig sollen sich sogenannte Deep-Learning-Netzwerke beibringen, wie ein Auto auszusehen hat, solange man ihnen nur genügend Bilder von Autos zeigt. Das Prinzip scheint plausibel: Sie sollen die Daten immer und immer wieder durchkauen, bis Gemeinsamkeiten und Korrelationen auftauchen.

Wenn auf einem Bild dann vier Reifen und ein Lenkrad erscheinen, ist es mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Auto. Übung macht den Meister. Kennen wir das nicht aus unserem eigenen Leben? Ganze Schulsysteme und Mitarbeiterfortbildungen scheinen auf diesem Lernprinzip aufzubauen. Als wäre das ständige Einpauken von Informationen der beste Weg des Lernens – eben so, wie es die neuesten Algorithmen von Google und Facebook schon machen, wenn sie Gesichter oder Katzenvideos erkennen.

Schneller schlau: So lernen Maschinen das Denken
Mit Kameras, Mikrofonen und Sensoren erkunden die Maschinen ihre Umwelt. Sie speichern Bilder, Töne, Sprache, Lichtverhältnisse, Wetterbedingungen, erkennen Menschen und hören Anweisungen. Alles Voraussetzungen, um etwa ein Auto autonom zu steuern.
Neuronale Netze, eine Art Nachbau des menschlichen Gehirns, analysieren und bewerten die Informationen. Sie greifen dabei auf einen internen Wissensspeicher zurück, der Milliarden Daten enthält, etwa über Personen, Orte, Produkte, und der immer weiter aufgefüllt wird. Die Software ist darauf trainiert, selbstständig Muster und Zusammenhänge bis hin zu subtilsten Merkmalen zu erkennen und so der Welt um sie herum einen Sinn zuzuordnen. Der Autopilot eines selbstfahrenden Autos würde aus dem Auftauchen lauter gelber Streifen und orangefarbener Hütchen zum Beispiel schließen, dass der Wagen sich einer Baustelle nähert.
Ist das System zu einer abschließenden Bewertung gekommen, leitet es daraus Handlungen, Entscheidungen und Empfehlungen ab – es bremst etwa das Auto ab. Beim sogenannten Deep Learning, der fortschrittlichsten Anwendung künstlicher Intelligenz, fließen die Erfahrungen aus den eigenen Reaktionen zurück ins System. Es lernt zum Beispiel, dass es zu abrupt gebremst hat und wird dies beim nächsten Mal anpassen.

Wenn sich die IT-Industrie da mal nicht täuscht! Denn Lernen ist schön und gut – doch verstehen ist besser. Wenn wir etwas gelernt haben, dann können wir es auch verlernen. Doch einmal verstanden, können wir es nicht ent-verstehen. Und wir verstehen eben nicht, indem wir ständig das Gleiche wiederholen – sondern indem wir einmal den zugrunde liegenden Sinn begriffen haben.

Mein kleiner Nachbar hat sicherlich nur ein-, zweimal den Begriff Spreizer gehört. Doch das hat gereicht, um ihn nicht mehr zu vergessen (und auch ich weiß jetzt Bescheid). Wir machen das ständig und verstehen auf den ersten Blick, was die Wörter Selfie, Flexitarier oder Teuro bedeuten könnten.

Wer verstehen will, braucht Ruhe

Wer die Welt nicht nur auswendig lernen, sondern sie auch verstehen will, sollte sich nicht auf das Niveau von Computeralgorithmen begeben. Denn diese rechnen permanent vor sich hin, ohne Sinn und Verstand.

Unsere Lern-Tipps
Viele haben Probleme, Lernziele umzusetzen. Überlegen Sie sich genau, was Sie lernen wollen, und teilen Sie sich den Stoff in Häppchen auf - besser viele kleine Schritte als wenige große. "Ich will spanisch lernen" ist kaum zielführend. "Ich will jeden Samstag vor dem Frühstück zehn neue Vokabeln lernen" schon eher. So erleben Sie schneller Erfolge und bleiben länger motiviert.
E-Mails, Termine, Besprechungen - der Berufsalltag lenkt unser Oberstübchen ständig ab. Deshalb sollten Sie sich Gelerntes regelmäßig aufschreiben, aufsagen oder anderen erklären.
Klingt seltsam, hilft aber tatsächlich. Ein gesunder Schlaf ist extrem wichtig für ein besseres Gedächtnis. Studien, etwa der Universität von Kalifornien, zeigen: Wer sich mittags 20 Minuten hinlegt, steigert sein Denkvermögen gegenüber Nichtschläfern. Offenbar leert das Nickerchen das Kurzzeitgedächtnis und schafft Platz für neue Informationen.

Wir hingegen machen Pause, wenn wir etwas Neues gesehen haben – und aktivieren dabei jene Hirnregionen, die den Sinn neuer Informationen erfassen. So wissen wir aus zahlreichen Studien, dass diese Momente der Ruhe für Verständnis unbedingt notwendig sind. Dann reicht es bisweilen, einmal genau hinzuschauen, ohne langes Pauken. Statt sich ständig mit aktuellen News und Meldungen zuzuschütten, darf man also durchaus ab und zu Abstand von der Nachrichtenflut nehmen, um diese zu verstehen. Wenn das mal kein schöner Vorsatz ist.

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