Jean-Claude Biver: "Man lernt durch Fehler und Niederlagen"
TAG-Heuer-Chef Jean-Claude Biver zeigt die Smartwatch "Connected Modular 45".
Foto: dpaWirtschaftsWoche Online: Herr Biver, im Vorwort zur Ihrem Buch heißt es über Sie, dass Ihr Mut im Kampf für die mechanische Uhrenindustrie es mit dem der Schweizer Freiheitskämpfer aufnehmen kann. War das so dramatisch?
Herr Jean-Claude Biver: Diese einführenden Sätze stammen zwar nicht von mir, aber ich versuche es in ein größeres Bild zu fügen: Wenn der liebe Gott am Tage meines Todes die Frage stellen würde „Willst du ein zweites Mal leben?“, dann würde ich sagen, ja, aber nur, wenn du mir zu 100 Prozent das Leben gibst, dass ich hatte. Ich habe alle Privilegien bekommen: Gute Erziehung, Liebe, Gesundheit, Stärke, Optimismus – und auch Mut.
Die Tragik ist, dass es heute viele Menschen gibt, die keinen Mut haben und in einem bequemen Leben leben wollen ohne Risiko. Aber wer kein Risiko eingeht, erreicht auch nicht viel. Ein Skifahrer braucht, wenn er die Hahnenkamm-Abfahrt runterrast Training und Können – aber auch Mut. Sie brauchen Mut, wenn sie 16 Jahre alt sind und ein junges Mädchen ansprechen wollen. Mut ist überall.
Sie brauchten vielleicht mehr davon als andere, denn als Sie als Kind aufs Internat gingen, haben Sie sich auch um ihren jüngeren Bruder gekümmert. Sie haben Verantwortung übernommen.
Jeder hat diese Kräfte und sie sind bei vielen unbewusst oder nicht unerschöpft. Bei mir hat sich die Kraft zur Führung schon im Internat entwickelt. Das sehe ich als etwas Positives. Diese Fähigkeit hätte sich vielleicht auch später entwickelt, aber ich glaube, dass es für mich ein Privileg war, dass das so früh mein Leben beeinflusste. Die Pfeiler sind in meiner Kindheit gelegt, ich will erster sein, ich will einmalig sein, ich will führen, ich will entwickeln, ich will Schwierigkeiten überwinden – das ist da.
Sie sagen, dass es das Leben immer sehr gut mit Ihnen gemeint hat. Ihre Eltern haben sich getrennt als sie ein Kind waren, Sie sind in den 90er Jahren an der Legionärskrankheit erkrankt und haben Rückschläge in der beruflichen Laufbahn erfahren...
Ich glaube an Fehler und Niederlagen. Durch beides lernt man dazu. Ich würde so weit gehen, zu sagen, dass man fast nur durch beides lernt. Also muss man Fehler als etwas Positives einschätzen, indem man sich eingesteht, dass man einen Fehler begangen hat und sich sagt, dass man reicher geworden ist. Warum? Weil man den Fehler nie mehr wiederholen wird. Wenn du blöd bist, dann wiederholst den gleichen Fehler in zwei Jahren wieder. Aber ich gehe davon aus, dass man Fehler, die man erkannt hat, nicht wiederholt. Wenn sie in ihrem Leben die wichtigen 100 Fehler bereits gemacht haben, dann kommen sie am Ende es Lebens nahe an die Weisheit.
Es sind oft Kleinigkeiten, die ein neues Modell von Rolex von seinen Vorgängern unterscheidet. 50. Geburtstag feiert das Modell Oyster Perpetual Sea-Dweller. Das Jubiläumsmodell hat ein um drei Millimeter auf 43 Millimeter vergrößertes Edelstahlgehäuse und zur besseren Ablesbarkeit des Datums die Zykloplupe über dem Datum geschenkt bekommen.
Foto: PRDer russische Uhrmacher Konstantin Chaykin braucht nur wenig, um aus einer technisch konventionellen Uhr einen echten Hingucker zu machen. "The Joker" heißt das Modell - angelehnt an die böse Figur aus den Batman-Comics. Die handelsübliche Mondphasenanzeige fungiert dank weniger Veränderungen des Rahmen als Mund samt roter Zunge. Die schielenden Augen sind die Darstellung der Stunde und Minuten. Je nach Uhrzeit und Stand des Mondes, verändert sich das Gesicht der Uhr im wahrsten Sinne des Wortes. Die zwei Kronen hat die Uhr aus einem simplen Grund: Sie sollen die Ohren darstellen.
7000 Euro soll die spielerische Variante kosten.
Foto: PRVon außen klassisches Uhrmacherhandwerk, innen Elektronik statt Mechanik. TAG Heuer setzt in Basel unter anderem auf die Smartwatch Connected Modular 45 vor. Der Kunde kann die Bauteile des Gehäuses individuell auswählen. Der Clou der Uhr: In einigen Jahren, wenn die elektronische Technik von heute nur noch alt ist, kann der Besitzer sich ein mechanisches Uhrwerk einbauen lassen.
Foto: PRDie Genfer Manufaktur Patek zeigt in Basel unter anderem das Modell 5960/1. Hinter der Zahlenkombi verbirgt sich eine Uhr, die Wochentag, Monat und Tag anzeigt. Darüber hinaus ist mit dem Chronograph eine Stoppuhr enthalten. Diese wiederum springt zurück, wenn man sie auf Null stellt - das sogenannte Flyback, eine mechanische Komplikation. Der kleine Zeiger oben mit + und - zeigt an, wie viel Gangreserve das Automatikwerk noch hat.
Foto: PRDigitale Anzeige ja, Quarzantrieb nein: Das Modell Dodekal von MCT Watches zeigt die Stunde - hier die 12 - mittels eines Mechanismus an, der die weißen Striche austauscht. Die Minutenanzeige läuft hingegen konventionell im Kreis.
Foto: PRTudor, das ist Rolex kleine Schwester - und das verhehlt sie auch nicht. Dieser Black Heritage Chronograph mit Armband in Jeansoptik ist für die Marke dennoch ein besonderer Schritt: Im Inneren tickt erstmals ein Chronographenuhrwerk aus der eigenen Manufaktur.
Foto: PRDas Ufo ist ein Podest für einen Stift. Das klingt wirr und wie bei vielen Projekten des Uhrenunternehmens MB&F, die mechanische Skulpturen fertigen, ist es das auch. Das Unternehmen Caran d'Ache, bekannt für seine Stifte, hat die Uhrmacher mit diesem Projekt beauftragt. Die Rakete, die auf der Basis steht, ist das Schreibutensil.
Foto: PRDie Retrowelle läuft weiter, die Hamilton Intra-Matic 68 nutzt voll den Rückenwind dieses Trends. 1968 kam dieses Zifferblatt erstmals auf den Markt. "Panda-Gesicht" wurde es wegen der zwei weißen Kreise auf schwarzem Grund genannt. Und nun sehen Sie den Panda auch.
Foto: PRNoch ein paar Jahre früher hat diese Longines im Blick: 60 Jahre "Flagship" möchte dieses Retromodell zelebrieren.
Foto: PROhne den Erfolg der Plastikquarzuhr Swatch wäre es Nicolas G. Hayek nie gelungen, das Imperium an mechanischen Uhren mit vielen Marken von Breguet über Blancpain bis Glashütte Original zu bilden. Sein Sohn Nick Hayek führt das Unternehmen weiter und neue Swatch-Modelle dürfen nicht fehlen.
Foto: PRSeit vielen Jahren gelingt es dem Pariser Luxuskonzern Hermes, mit eigenständigen Modellen die Uhrenbranche zu beleben. Das Modell "L'heure impatiente" (Stunde der Ungeduld) ist ein mechanischer Timer. Ein Ereignis binnen zwölf Stunden lässt sich so zwar nicht früher beginnen, aber das Warten darauf soll so schöner sein.
Foto: PRAuf Fotos kaum zu erkennen, was in natura dem Auge rasch auffällt: Die besondere Eigenheit von weißer Emaille. Die Atum Email hat ein emailliertes Zifferblatt, das Blau auf 12 Uhr setzt einen weiteren Akzent.
Foto: PREinsteigeruhren wurden von den Herstellern mechanischer Uhren in den besonders erfolgreichen Jahren mit Rekordabsätzen ein wenig vernachlässigt. Nun schielen alle auch wieder auf Kunden, die nicht gleich den Gegenwert eines Kleinwagens oder eines mehrwöchigen Karibikurlaubs investieren wollen. Die Glashütter Manufaktur zeigt in diesem Segment eine Reihe von neuen Zifferblattvarianten in der Reihe Club. Campus heißen die Modelle und in der Kommunikation des Unternehmens werden direkt Oma und Opa angesprochen, die so eine Uhr dem Abiturienten schenken können - mit Platz für eine Gravur auf dem Stahlboden.
Foto: PRZu den Entwicklungen der vergangenen Jahre in der Uhrenindustrie gehört, dass die Gehäuse wieder kleiner werden. Das ist zum einen den kleineren Handgelenken vieler Kunden in den wichtigen asiatischen Märkten geschuldet und zum anderen einer fast natürlichen Entwicklung: Noch größer hätten sie einfach nicht mehr werden können. Nach Jahren der Gigantomanie besinnt man sich für Herrenuhren Gehäusemaßen, die früher als Damenuhr galten. Mit 38 Millimeter Durchmesser gehört die Taucheruhr Bathycaphe zu den kleinen Vertretern des Genres. Für Frauen und Männer.
Foto: PREchte Zeiger, echte Ziffern - und dennoch eine Smartwatch. Einer der vielen Hybriden, die dieses Jahr auf der Messe zu sehen sind. Schlafmonitoring, Activity-Tracker - solche Daten kann die Alpina Seastron Horological Smartwatch im Zusammenspiel mit einem Smartphone erfassen.
Foto: WirtschaftsWocheEin bisschen Spiel muss sein: Chopards Modell Happy Ocean hat unter dem Uhrglas fünf Diamanten, die frei beweglich umhergleiten. Die Anzeige ist mit fluoreszierenden Punkten ausgestattet.
Foto: PRUnten die Stunde, oben die Minuten, in der Mitte die Sekunden. Auf der Uhr ist es 12:18:07. Wer sich einmal dran gewöhnt hat, liest die Zeit auf Chanels Uhr schnell ab.
Foto: PRMeistersinger ist bekannt für Uhren, die mit einem Zeiger auskommen. Dieses Modell Circularis hat zudem eine Datumsanzeige und eine Anzeige für die Gangreserve. Immerhin 120 Stunden soll die Uhr mit einem Mal aufziehen in Takt bleiben.
Foto: PRWie meinen Sie das?
Es ist wie in der asiatischen Kampfkunst, wo sie die Kraft des Gegners nutzen, um ihre Bewegung auszuführen. Es reicht also nicht, aus dem Fehler zu lernen, sondern sie müssen die Energie der Niederlage nehmen, um sich zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. In jedem Erfolg steckt Energie, aber auch in jedem Misserfolg. Das habe ich gelernt: Nie nach einer Niederlage am Boden zu bleiben, sondern wieder aufzustehen.
Sie schreiben viel über die Liebe ihrer Eltern und die Unterstützung, die sie erfahren haben. Von was lassen Sie sich als Manager leiten – der ökonomischen Notwendigkeit oder ihren Werten?
Meine Antwort darauf klingt vielleicht dumm: Ich glaube, Entscheidungen im Betrieb müssen immer den Kopf, die Ratio als Gesicht der Entscheidung haben, plus Erfahrung, plus Instinkt, plus Herz. Jede Entscheidung soll durch diese vier Trichter gehen. Manchmal hat das Herz 10 Prozent, manchmal 40 Prozent.
Sie wurden wegen schlechten Benehmens in der Schule in einem Jahr nicht versetzt. Was haben Sie gemacht?
Ich habe Schulfreunde dazu animiert, einen Streik zu organisieren. Und weil ich der Anführer war, wurde ich bestraft.
Warum haben Sie überhaupt gestreikt?
Eine romantische Folge vom Mai 1968 in Paris. Wir leben nicht weit weg von Frankreich und die dortige Studentenrevolution wollte ich in meiner Schule auch einführen. Schulische Themen spielten keine Rolles. Es war dumm. Es war mehr der Versuch, einen Trend aufzugreifen, weil Paris ein Modell war für unsere Jugend. Wir dachten, dass wir eine Revolution machen müssten, wir waren Hippies, wir waren Flowerpower und all diese Dinge.
Ist es Ihnen wichtig, Spuren zu hinterlassen?
Es geht nicht ohne, dass man seinem Leben einen Sinn gibt. Warum lebe ich, warum soll ich leben, warum soll ich Kinder haben? Darauf sollten sie als Führungskraft eine Antwort haben. Es ist leichter im Beruf, wenn sie Ziele haben. Ich hatte Schwierigkeiten, Ziele zu finden. Warum soll ich studieren oder arbeiten? Warum kann ich nicht einfach Musik hören oder einfach ständig im Urlaub sein? Darauf habe ich eine Antwort erfunden: Mach aus deinem Leben etwas, in dem du versuchst, eine Spur zu hinterlassen der Liebe, gegenüber den Menschen, den Tieren, der Natur. Liebe bedeutet Respekt, Vergebung und Teilen. Im Beruf geht es darum, dass deine Person eine Rolle gespielt hat, indem du etwas leistest, woran sich später jemand erinnert. Das motiviert mich heute noch.
Das Gehäuse dieser Uhr scheint aus Marmor hergestellt zu sein - es ist aber Käse, genau gesagt Vacherin Mont d'Or. Der Käse wurde pasteurisiert und dann mit Kunststoff gemischt und in Form gebracht. Ausgestellt wurde die Kreation der Marke H. Moser & Cie. in Genf auf dem SIHH. Das erst 2002 gegründete Unternehmen machte von Beginn an mit außergewöhnlichen Ideen von sich reden. Die Uhr trägt deswegen nicht umsonst den Namen "Swiss Mad Watch". Der Preis des Unikats liegt bei 1.081.291 Franken.
Foto: Thorsten Firlus für WirtschaftsWocheDas zum Richemont-Konzern gehörende Unternehmen Baume & Mercier deckt in der Gruppe das Einstiegssegment der Luxusuhren ab. Diese Automatikuhr mit Stahlband soll die sportlich maskuline Kundschaft ansprechen. Der Preis liegt je nach Ausführung des Armbandes bei rund 2000 Euro.
Foto: PRDer Namensgeber, Unternehmensgründer nach der Wende und Mit-Inhaber, Walter Lange, verstarb am 16. Januar. Die Entwicklung des Tourbograph pour le Mérite hat Lange, der bis zum Schluss im Unternehmen präsent war, noch verfolgen können. Der Tourbograph erhält seinen Namen aus zwei seiner Komplikationen, die verbaut wurden: Dem Tourbillon und dem Chronograph. Dazu kommt noch ein ewiger Kalender. 684 Teile sind im Uhrwerk verbaut. Der Preis für eines der 50 Modelle, die gefertigt werden: 480.000 Euro.
Foto: PRDas Unternehmen MB&F möchte keine Uhren, sondern Skulpturen für den Arm entwerfen, die zudem die Zeit anzeigen. Für das Modell Aquapod haben sich die Gestalter an einem der unbeliebtesten und gleichzeitig faszinierendsten Tiere orientiert: Der Qualle. Das gewölbte Gehäuse soll im Profil einer aufsteigenden Qualle ähneln. Zugleich versprechen die Entwickler eine gute Ablesbarkeit. In Höhe des weißen Dreiecks auf der Unterseite der Halbkugel ist die Zeit abzulesen - in diesem Fall 8 Uhr und 35 Minuten. Der Preis für die Uhr: sechsstellig.
Foto: Thorsten Firlus für WirtschaftsWocheSchwärzer als die Nacht - das ist nur eine der Besonderheiten der Luminor Panerai Lab-ID Luminor 1950 Carbotech. Das Zifferblatt ist ein extremes Tiefschwarz. Das Gehäuse besteht aus einer Carbonmischung, darin steckt auch der Clou: Die Carbonteile benötigen im Gegensatz zu herkömmlichen mechanischen Uhren keinen Schmierstoff mehr. Die Uhr ist damit wartungsfrei, da keine Fette enthalten sind. Panerai plant, für die Uhr eine Garantie von 50 Jahren auszuloben. Der Preis liegt bei 50.000 Euro.
Foto: PRDrei Mitglieder einer neuen Familie. Die Schweizer Marke Jaeger LeCoultre bringt neben exorbitant teuren Preziosen dieses Jahr auch ein Friedensangebot in der Welt der Luxusuhren auf den Markt. Zwischen 6000 bis 10.000 Euro liegen diese Modelle, beginnend bei einer einfachen Dreizeiger-Uhr mit Datum über eine Weltzeituhr bis zu einem Chronographen. Nach Jahren des teurer, teurer, teurer, besinnen sich die Uhrenhersteller wieder derjenigen, die weder das Geld eines Kleinwagens, Wagenparks oder Villa in eine mechanische Luxusuhr investieren möchten.
Foto: Thorsten Firlus für WirtschaftsWocheVon günstig oder Friedensangebot kann bei diesem Modell des Herstellers Richard Mille keine Rede sein. Die Uhr wurde in Kooperation mit dem Rennsportstall McLaren entwickelt und kostet mehr als eine Million Euro. Sie ist dafür extrem leicht dank des Graphen-Gehäuses, eines Werkstoffs, den Richard Mille in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern anfertigen konnte. Das Ergebnis ist der Superlativ "leichteste Uhr mit Tourbillon und Schleppzeiger-Chronograph". Der Schleppzeiger-Chronograph erlaubt die Messung von Zwischenzeiten, der Tourbillon stammt aus der Welt der Taschenuhren und soll größere Genauigkeit bringen. Dabei dreht sich die Unruh in einem Käfig einmal die Minute um die eigene Achse. Bei Taschenuhren, die meist die ganze Zeit in einer Lage aufrecht in der Tasche ruhten, glich das Tourbillon den Einfluss der Schwerkraft aus - in einer Armbanduhr soll es vor allem der Beweis großer uhrmacherischer Fähigkeiten sein, denn der Zusammenbau gilt als sehr kompliziert.
Foto: PRWir alle verschwenden zu viel Zeit mit dem Smartphone oder anderen unwichtigen Dingen. Ruhe finden und mal spielerisch herunterkommen - das ist das Ziel dieser Nicht-Uhr des Herstellers Hautlence. Das Ziel ist es, die Kugel in eines der beiden Löcher zu manövrieren. Im Uhrengehäuse befindet sich ein Mechanismus, der die Kugel wieder nach oben befördert, sobald man die Krone dreht. Platz für ein Uhrwerk ist da natürlich nicht mehr. Aber wer nutzt schon noch die Armbanduhr, um zu schauen, wie spät es ist? Rund 11.000 Euro kostet diese spielerische Entschleunigung des Uhrenherstellers.
Foto: PRSie propagieren, dass man eine seiner Leidenschaft zur Berufswahl heranziehen sollte. Gilt das auch, wenn diese eventuell gänzlich brotlos ist oder zu sein scheint? Wenn ihr Sohn Rockstar oder Künstler werden möchte: Soll er das tun?
Er soll das unbedingt tun. Mein bester Freund sagte mir unlängst, dass sein jüngster Sohn mit 17 Jahren überlegt nach dem Abitur Surflehrer zu werden. Da habe ich ihm gesagt: „Schick‘ ihn nicht auf die Uni. Er soll ein Jahr surfen, das ist kein Problem. Er wird dabei lernen.“ Er wird vielleicht feststellen, dass ihm das nicht ausreicht.
Mein Sohn bekäme diesen Ratschlag: Mach‘ es. Das bedeutet schließlich nicht, dass jemand das sein ganzes Leben machen wird. Die heutige Jugend wird drei oder vier Berufe in ihrem Leben ausüben.
Sie haben im Laufe ihrer Karriere sowohl als Unternehmer als auch – wie derzeit – als Manager gearbeitet. Was verbindet beides?
Beide haben zwei Sachen gemeinsam: Die Leidenschaft. In meinem Fall für die Uhrmacherei. Ob ich selbstständig oder angestellt bin, spielt dafür keine Rolle. Zum anderen: Der Unternehmergeist. Der ändert sich auch nicht. Mir hat vielleicht nicht immer das Unternehmen gehört. Aber mir hat immer das Marketing gehört, mir hat immer der Vertrieb gehört, mir hat immer die Entwicklung gehört – weil es meine Ideen waren.
Sie gelten als gewiefter Manager und haben jüngst Teile der Uhrenbranche gegen sich aufgebracht, weil sie während der Genfer Messe SIHH ein Boot mieteten und ihre Uhren dort präsentierten – sich aber nicht an den Kosten für die Messe selber beteiligten. Fair klingt das nicht.
Ich finde es schade, wenn 90 Prozent meiner Kunden nach Genf komme, ich selber wohne und meine Firma sitzt und ich kann diese Kunden nicht empfangen. Das ist Zeitverschwendung. Wenn meine Kunden da sind, dann möchte ich ihnen anbieten, mit mir zu frühstücken oder mich zu besuchen. Es war weniger, um jemanden zu ärgern, sondern davon zu profitieren, dass eh alle Kunden anreisen. Wenn 800 von 1000 meiner Kunden vor Ort sind und ich gebe ihnen keine Gelegenheit, mich zu treffen, dann habe ich ein Problem im Management.
Bis 2004 haben Sie keine Emails gelesen und sich mit SMS schwer getan. Das haben Sie radikal geändert. Fiel Ihnen das leicht?
Ich hatte keine Wahl. Als ich Hublot übernahm, hatte das Unternehmen ein Informationssystem, der über Email ging – und ich hatte nie eine Emailadresse bis dahin. Ich musste lernen, wie das geht, wie man mit einem Computer umgeht. Ich habe das mit viel Neugier gelernt. Später habe ich es dann geschätzt, heute sind alle diese Dinge mein wichtigstes Instrument als Manager. Ich spreche so ständig mit meinen Leuten.
Warum haben Sie so lange damit gewartet?
Weil ich es bei der Swatchgroup, wo ich davor war, nicht unbedingt benötigte. Ich hatte ein Problem, diesen Schritt zu machen, weil ich eine gewisse Ablehnung gegenüber dem Computer hatte, weil ich es nicht kannte. Das ist eine typische, relativ dumme Haltung. Wenn sie die Neugier nicht besitzen, etwas zu lernen, dass sie nicht verstehen, dann lehnen sie es ab. Das ist nicht gut. Ich war in der Tendenz, alt zu werden. Für mich ist das das Zeichen, alt zu werden – die Neugier zu verlieren. Ich wurde gerettet!
Eine der drei Marken, die Sie betreuen, stellt nun auf der Messe eine Smartwatch vor. Zu der Gattung Fehler gehören auch Irrtümer. Die großen Marktforschungsinstitute gehen davon aus, das Wearables und darunter auch Smartwatches ein weiterhin wachsender Markt sind. Im Buch steht: „Die Uhren der Computerfirmen erinnern nicht im entferntesten an ein Schmuckstück.“ Das klingt nach Pfeifen im Walde. Gerade im Preissegment bis 1000 Euro tummeln sich ausreichend Hersteller, die modische Smartwatches anbieten, denen man ihre Funktion teils nicht mehr ansieht.
Da haben Sie Recht. Ich habe Unrecht.
Die Antwort überrascht.
Dieses Buch hat mehrere Jahre gebraucht, bis ich davon überzeugt war. Die Aussage hat damals gestimmt, als die meisten Wearables wie eine Smartuhr ausgesehen haben. Heute ist das nicht mehr der Fall. Heute sind Uhren auf dem Markt von Fossil bis Montblanc oder Louis Vuitton, die mit Sicherheit mehr nach Uhr als nach Computeruhr aussehen. Dieser Teil meines Buches ist nicht mehr ganz aktuell.