Jasmine Audemars "Smartwatches erzeugen keine tiefe emotionale Bindung"

Die Schweizer Luxusuhren-Hersteller leiden unter sinkenden Exporten. Warum der Rückgang nicht mit der Quarzkrise zu vergleichen ist und Smartwatches keine Gefahr sind, erklärt Jasmine Audemars der gleichnamigen Marke.

Jasmine Audemars Quelle: PR

Frau Audemars, die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Der Abwärtstrend dauert an…

Jasmine Audemars: … ja, aber das ist nicht sehr überraschend...

...aber auch nicht schön.
Nein, aber wenn Sie sich die allgemeine Lage der Weltwirtschaft anschauen, dann liegt es auf der Hand, dass eine Branche, die mit Luxusgütern handelt, davon betroffen ist. Unser Unternehmen hat 2016 gut überstanden...

Das sind die neuen Luxusuhren-Trends
Swiss Mad Watch Quelle: Thorsten Firlus für WirtschaftsWoche
Das zum Richemont-Konzern gehörende Unternehmen Baume & Mercier deckt in der Gruppe das Einstiegssegment der Luxusuhren ab. Diese Automatikuhr mit Stahlband soll die sportlich maskuline Kundschaft ansprechen. Der Preis liegt je nach Ausführung des Armbandes bei rund 2000 Euro. Quelle: PR
Der Namensgeber, Unternehmensgründer nach der Wende und Mit-Inhaber, Walter Lange, verstarb am 16. Januar. Die Entwicklung des Tourbograph pour le Mérite hat Lange, der bis zum Schluss im Unternehmen präsent war, noch verfolgen können. Der Tourbograph erhält seinen Namen aus zwei seiner Komplikationen, die verbaut wurden: Dem Tourbillon und dem Chronograph. Dazu kommt noch ein ewiger Kalender. 684 Teile sind im Uhrwerk verbaut. Der Preis für eines der 50 Modelle, die gefertigt werden: 480.000 Euro. Quelle: PR
Das Unternehmen MB&F möchte keine Uhren, sondern Skulpturen für den Arm entwerfen, die zudem die Zeit anzeigen. Für das Modell Aquapod haben sich die Gestalter an einem der unbeliebtesten und gleichzeitig faszinierendsten Tiere orientiert: Der Qualle. Das gewölbte Gehäuse soll im Profil einer aufsteigenden Qualle ähneln. Zugleich versprechen die Entwickler eine gute Ablesbarkeit. In Höhe des weißen Dreiecks auf der Unterseite der Halbkugel ist die Zeit abzulesen - in diesem Fall 8 Uhr und 35 Minuten. Der Preis für die Uhr: sechsstellig. Quelle: Thorsten Firlus für WirtschaftsWoche
Schwärzer als die Nacht - das ist nur eine der Besonderheiten der Luminor Panerai Lab-ID Luminor 1950 Carbotech. Das Zifferblatt ist ein extremes Tiefschwarz. Das Gehäuse besteht aus einer Carbonmischung, darin steckt auch der Clou: Die Carbonteile benötigen im Gegensatz zu herkömmlichen mechanischen Uhren keinen Schmierstoff mehr. Die Uhr ist damit wartungsfrei, da keine Fette enthalten sind. Panerai plant, für die Uhr eine Garantie von 50 Jahren auszuloben. Der Preis liegt bei 50.000 Euro. Quelle: PR
Drei Mitglieder einer neuen Familie. Die Schweizer Marke Jaeger LeCoultre bringt neben exorbitant teuren Preziosen dieses Jahr auch ein Friedensangebot in der Welt der Luxusuhren auf den Markt. Zwischen 6000 bis 10.000 Euro liegen diese Modelle, beginnend bei einer einfachen Dreizeiger-Uhr mit Datum über eine Weltzeituhr bis zu einem Chronographen. Nach Jahren des teurer, teurer, teurer, besinnen sich die Uhrenhersteller wieder derjenigen, die weder das Geld eines Kleinwagens, Wagenparks oder Villa in eine mechanische Luxusuhr investieren möchten. Quelle: Thorsten Firlus für WirtschaftsWoche
Von günstig oder Friedensangebot kann bei diesem Modell des Herstellers Richard Mille keine Rede sein. Die Uhr wurde in Kooperation mit dem Rennsportstall McLaren entwickelt und kostet mehr als eine Million Euro. Sie ist dafür extrem leicht dank des Graphen-Gehäuses, eines Werkstoffs, den Richard Mille in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern anfertigen konnte. Das Ergebnis ist der Superlativ "leichteste Uhr mit Tourbillon und Schleppzeiger-Chronograph". Der Schleppzeiger-Chronograph erlaubt die Messung von Zwischenzeiten, der Tourbillon stammt aus der Welt der Taschenuhren und soll größere Genauigkeit bringen. Dabei dreht sich die Unruh in einem Käfig einmal die Minute um die eigene Achse. Bei Taschenuhren, die meist die ganze Zeit in einer Lage aufrecht in der Tasche ruhten, glich das Tourbillon den Einfluss der Schwerkraft aus - in einer Armbanduhr soll es vor allem der Beweis großer uhrmacherischer Fähigkeiten sein, denn der Zusammenbau gilt als sehr kompliziert. Quelle: PR
Wir alle verschwenden zu viel Zeit mit dem Smartphone oder anderen unwichtigen Dingen. Ruhe finden und mal spielerisch herunterkommen - das ist das Ziel dieser Nicht-Uhr des Herstellers Hautlence. Das Ziel ist es, die Kugel in eines der beiden Löcher zu manövrieren. Im Uhrengehäuse befindet sich ein Mechanismus, der die Kugel wieder nach oben befördert, sobald man die Krone dreht. Platz für ein Uhrwerk ist da natürlich nicht mehr. Aber wer nutzt schon noch die Armbanduhr, um zu schauen, wie spät es ist? Rund 11.000 Euro kostet diese spielerische Entschleunigung des Uhrenherstellers. Quelle: PR


…das behaupten alle Hersteller auf der Genfer Uhrenmesse SIHH. Dennoch sind die Rückgänge eklatant. Allein im November ging es in den wichtigsten Märkten weltweit noch einmal mehr als fünf Prozent bergab. Und selbst von diesen Exporten weiß keiner, wie lange sie beim Juwelier liegen bleiben.
Und es gibt viele Artikel, die sagen, dass es eine Krise ist. Ich würde eher sagen: Die Lage normalisiert sich. Wenn wir uns anschauen, wie sich die Industrie in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat – das Wachstum konnte nicht ewig so weitergehen. In solchen Momenten kommen all die Schwächen einer Branche zum Vorschein.

Vita Audemars

Wie zum Beispiel die starke Konzentration der Industrie auf die asiatischen Märkte?
Das war sicher kurzsichtig. Das ist das Problem, wenn Sie zum Beispiel Teil eines börsennotierten Konzerns sind und im Rhythmus von Quartalsberichten leben. Das schiebt Sie in den Entscheidungen unter Umständen dorthin, wo es einfach zu sein scheint, Wachstum zu erzielen. Es war ein Mangel an Gespür für die Lage. Es war paradiesisch und alle waren happy. Aber so darf man in der Wirtschaft nicht denken, der Bumerang kommt immer zurück.

Sie sind sicher dankbar, dass Audemars Piguet in Familienhand ist?
Oh, ja, sehr! Mehr als je zuvor. Wir hatten Glück, weil wir nicht eilig nach China geprescht sind. Wir waren vielleicht etwas langsam. Wir wussten von Beginn, dass es ein schwieriger Markt ist. Viele machen dort sehr viel Geld, was nicht bedeutet, dass es leicht ist, dort gute Geschäfte zu machen. Dort kann alles passieren zu jedem Zeitpunkt. Man muss dort sehr vorsichtig sein. Wir kommen aus den Bergen, wir sind Bergsteiger: Ein Schritt nach dem anderen und immer wachsam bleiben.

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