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Hamburger ReedereiDer fragwürdige Rettungsplan des Bertram Rickmers

Bertram Rickmers will die Mehrheit seiner Reederei verkaufen. Doch ist das Hamburger Traditionsunternehmen überhaupt noch zu retten? Warum Investoren und sogar Rickmers Bruder bislang kein Interesse hatten.Jacqueline Goebel, Saskia Littmann, Henryk Hielscher 01.05.2017 - 14:39 Uhr

Bertram Rickmers will die Mehrheit seiner Reederei verkaufen.

Foto: dpa Picture-Alliance

Auf einer Länge von 27 Metern bietet die Clan V komfortablen Platz für sechs Personen und zwei Crewmitglieder. Bis vor Kurzem war das Luxusschiff die glamouröse Ausnahme im maritimen Fuhrpark der Hamburger Reederei Rickmers, der ansonsten ausschließlich aus klobigen Containerschiffen besteht. Die Existenz des Edelboots erklärt Rickmers damit, dass „es vor einigen Jahren erworben wurde, um einen neuen Geschäftszweig zu testen“. Sollte es den Plan gegeben haben, ist er gescheitert – wie so manch andere Idee des Reeders Bertram Rickmers. Die Reederei hat das Boot für 600.000 Dollar verkauft.

Eine Lösung, immerhin. Lösungen braucht Rickmers dringend auch für die traurigen Überreste seines Imperiums. Vergangene Woche musste er eingestehen, dass die Reederei, deren Ursprung bis ins Jahr 1834 zurückgeht, ihre Schulden nicht zahlen kann. Nun muss er Banken und Anleger davon überzeugen, dass das Unternehmen Zukunft hat. Misslingt das, bleibt nur das Insolvenzgericht.

Den Plan des Reeders halten Anwälte für „ungewöhnlich, aber interessant“. Alleineigentümer Rickmers will 75,1 Prozent seiner Anteile auf eine Luxemburger Tochtergesellschaft namens LuxCo übertragen und diese anschließend an Banken und Anleihebesitzer abtreten. Binnen drei Jahren soll die LuxCo dann verkauft werden, um mit dem Erlös die Gläubiger zumindest zum Teil auszahlen zu können. Rickmers selbst will sich künftig mit 24,9 Prozent an seinem Unternehmen begnügen. Binnen weniger Wochen sollen die Anleger zustimmen.

Rickmers

Krisen-Reederei verdoppelt Verlust

Seenotrettung nach neun Jahren Dauerkrise

Die Seenotrettung kann durchaus noch scheitern. So haben die bei Rickmers engagierten Banken – allen voran die HSH Nordbank – noch nicht endgültig zugestimmt. Und auch die Anleiheanleger, die ihm einmal 275 Millionen Euro geliehen haben, dürften nicht begeistert sein. Mit viel mehr als einem Zwanzigstel ihres Einsatzes, das signalisiert der Börsenkurs der Anleihe, rechnen sie nicht.

Rickmers soll schon früher mit Investoren über einen Einstieg bei seinem Unternehmen verhandelt haben. Ohne Erfolg. Selbst die Reederei seines Bruder Erck verweigerte sich einem Zusammenschluss. Zu schwer wiegen die Risiken nach mittlerweile neun Jahren Dauerkrise in der Schifffahrt.

Marktanteile der größten 10 Container-Reedereien
Die Mitsui O.S.K. Lines (MOL) zählt mit einem Marktanteil von 2,6 Prozent zu den zehn größten Reedereien der Welt.Quelle: Alphaliner
Auf Platz neun landet die Hamburg Süd Group, die auf einen Marktanteil von (gerundet) 2,7 Prozent kommt.
Auch das chinesische Transportunternehmen - Yang Ming Marine Transport Corporation - gehört zu den größten Container-Reedereien der Welt. Aufgerundet liegt der Marktanteil bei 2,8 Prozent.
Die Hongkonger Reederei Orient Overseas Container Line (OOCL) kommt auf einen Marktanteil von 3,1 Prozent.
Die Liniendienste der Reederei Evergreen Marine landen mit einem Marktanteil von (gerundet) 5,0 Prozent auf Rang sechs.
Mit Hapag Lloyd ist ein weiteres deutsches Transport- und Logistikunternehmen in den Top 10 vertreten. Nach der Fusion mit dem arabischen Konkurrenten United Arab Shipping Company (UASC), kommt Deutschlands größte Reederei auf einen Marktanteil von 5,0 Prozent - Platz fünf unter den weltweiten Containerreedereien.
Bei einem Marktanteil von rund 8,4 Prozent ist die chinesische Reederei COSCO die viertgrößte der Welt.
Der Marktanteil des französischen Schifffahrts- und Logistikunternehmens CMA CGM Group liegt bei stolzen 11,3 Prozent.
Noch etwas besser ist es um die Mediterranean Shipping Company (MSC) bestellt, die in Genf sitzt. Bei einem Marktanteil von 14,5 Prozent ist sie zurzeit die zweitgrößte Reederei der Welt.
Die dänischen Containerschiffsreederei A. P. Moller-Maersk landet auf der Spitzenposition. Ihr Marktanteil ist bei 16,7 Prozent unübertroffen.

Immerhin verzichtet Rickmers mittlerweile offenbar darauf, einen Verkauf der an die LuxCo abzutretenden 75 Prozent durch Störmanöver zu erschweren. So hatte der Reeder zuvor wohl insgeheim versucht, sich ein Vetorecht für zentrale Entscheidungen zu sichern. Am 6. April – kaum zwei Wochen bevor er den Sanierungsvorschlag an die Gläubiger schickte – hielt er in einem Hamburger Bürohaus eine außerordentliche Hauptversammlung seiner Holding ab. Einziger Aktionär: er selbst. Einziger Tagesordnungspunkt: die Änderung der Satzung seines Unternehmens.

In exakt drei Minuten legte der Reeder fest, dass für wichtige Entscheidungen in der Holding künftig eine Mehrheit von 80 statt der gesetzlich vorgeschriebenen 75 Prozent erforderlich sein soll. Damit wäre auch künftig kaum etwas gegen den Willen des bisherigen Eigentümers gegangen.

Rickmers-Anleihe

Böses Erwachen für die Anleger

von Jacqueline Goebel

Nach einer Anfrage der WirtschaftsWoche zu dem Thema erklärt Rickmers die gerade erst beschlossene Satzungsänderung für „überholt“. Die Satzung werde an den Sanierungsplan angepasst, Rickmers will auf die Sperrminorität verzichten.

Auch wenn die Reederei komplett den Bach runtergeht: Rickmers hat vorgesorgt. Er besitzt privat zahlreiche Immobilien, Anteile an einem Nobelrestaurant und Beteiligungen an etlichen weiteren Geschäften. Dazu gehören auch Anteile an einer Filmproduktionsfirma, die bei Meisterwerken wie der Werwolf-Horrorromanze „Blood and Chocolate“ mitgemischt hat. Seinen Anlegern aber droht Horror ganz anderer Art.

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