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Trinkwasser-ProblemEisberge verschiffen, Welt retten

Die Hoffnung, die Welt zu verändern, hat ein Unternehmer aus den Arabischen Emiraten: Um die Trinkwasser-Versorgung zu sichern, will er Eis vom anderen Ende der Welt herbeischleppen. Kann das gelingen? 19.05.2017 - 13:02 Uhr

Ein Unternehmer aus dem Nahen Osten will das Trinkwasser-Problem lösen - indem er Eisberge verschifft. Bis auf andere Kontinente dürfte sich die Hilfe allerdings nicht ausweiten.

Foto: dpa

Was Umweltaktivisten als Anzeichen des Klimawandels betrachten, ist für Abdullah al-Schehi der Ansatz einer Geschäftsidee. In immer schnellerem Tempo bröckeln die Eismassen der Antarktis ins Meer. Der Unternehmer aus Dubai will sie als Rohstoff nutzen. Mit Schiffen sollen sie die fast 10 000 Kilometer bis in den Persischen Golf gezogen und dort zu Trinkwasser verarbeitet werden. Nebenbei ließen sich die Eisberge in der Wüstenstadt als Touristenattraktion vermarkten. Das ist zumindest die Hoffnung.

„Die Eisberge treiben einfach im Indischen Ozean herum. Jeder, der will, kann sie einsammeln“, sagt Al-Schehi. Schon im Jahr 2019 will der Leiter des Unternehmens National Advisor Bureau mit der „Ernte“ beginnen. Es würde durchaus zu Dubai passen, trotz der oft brütenden Hitze in der Stadt: Neben Indoor-Skipiste, künstlichen Inseln und dem höchsten Haus der Welt würden Eisberge vor den Stränden hier womöglich kaum überraschen. Zunächst wären aber noch etliche Hürden zu überwinden - juristische, finanzielle und logistische.

Zunächst will das National Advisor Bureau Schiffe zu der im südlichen Indischen Ozean gelegenen Insel Heard schicken. In der Umgebung des unter Naturschutz stehenden australischen Außengebiets würden die Schiffe nach Eisblöcken im passenden Format suchen, sie mit Seilen und Netzen einfangen und dann wieder Kurs auf die Vereinigten Arabischen Emirate nehmen.

Entsalzung

High-Tech-Membran liefert Trinkwasser nur durch Motor-Wärme

von Wolfgang Kempkens

Nach Einschätzung des Unternehmens würden die Eisberge während des Transports durch das nordwärts immer wärmer werdende Meer nicht nennenswert schmelzen, weil der größte Teil ihrer Masse stets unter Wasser bliebe. Bei der Ankunft würde ein einzelner Eisberg deswegen noch bis zu 75 Milliarden Liter frischen Wassers enthalten, sagt Al-Schehi. Dieses könnte dann zu sehr geringen Kosten aufbereitet werden.

Entsalzung

Wasser und Strom aus der Glaskugel

von Wolfgang Kempkens

Bisher wird fast das gesamte Trinkwasser in der Region am Golf über Entsalzungsanlagen gewonnen, was relativ teuer ist. Auch das staatlich unterstützte Unternehmen Masdar aus Abu Dhabi sucht daher aktiv nach Alternativen. Das Energieministerium des Landes dementierte in dieser Woche allerdings in einer Mitteilung nicht näher genannte „Berichte“, nach denen ein Eisberg bereits auf dem Weg ins Land sei.

Eine erste Hürde eines solchen Projekts dürften die Kosten sein. Al-Schehi wollte zu den diesbezüglichen Kalkulationen seines Unternehmens auf Anfrage keine Angaben machen. Robert Brears, Gründer des privaten Forschungsinstituts Mitidaption, geht in einer Machbarkeitsstudie zum „Abbau“ von Eisbergen aber davon aus, dass sich allein die anfänglichen Aufwendungen auf mindestens 500 Millionen Dollar (etwa 450 Millionen Euro) belaufen würden.

Wasser ist ein Menschenrecht

2010 erklärten die Vereinten Nationen sauberes Trinkwasser zu einem Menschenrecht.

Foto: dpa

Der Mensch besteht aus Wasser

Je nach Alter, Geschlecht und Kondition besteht der Mensch zu etwa 60 Prozent aus Wasser. Ohne zu trinken, überlebt er nur wenige Tage.

Foto: imago images

Erde besteht zu 70 Prozent aus Wasser

Knapp drei Viertel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Experten warnen, dass der Klimawandel den Meeresspiegel steigen lässt.

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Teuerstes Mineralwasser

„Rokko No Mizu“ heißt das teuerste Mineralwasser, das weltweit verkauft wird. 124 Euro kostet die Nummer Eins unter den Luxus-Mineralwassern. Das teuerste Wasser der Welt kommt aus dem japanischen Rokko-Gebirge. Eine Liste mit den Top Ten der Luxus-Wässerchen finden sie übrigens hier.

Übrigens: Wer „Rokko No Mizu“ vor Ort kauft, muss nicht einmal einen Euro pro Liter bezahlen.

Foto: dpa/dpaweb

Süßwasservorkommen

Mehr als die Hälfte der weltweit verwendbaren Süßwasservorkommen finden sich laut der Umweltorganisation WWF in gerade einmal neun Ländern: Brasilien, China, Indien, Indonesien, Kanada, Kolumbien, Kongo, den USA und Russland. Knapp 900 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Foto: AP

Indien hat die meisten Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser
In Indien müssen arme Menschen sieben Mal mehr für die täglich empfohlene Wassermenge von 50 Litern ausgeben als beispielsweise Bürger Großbritanniens. 75,8 Millionen Menschen - das sind fünf Prozent der Gesamtbevölkerung von 1,25 Milliarden - müssen nach einem Bericht der Hilfsorganisation Water Aid entweder teures sauberes Wasser kaufen oder mit Abwässern oder Chemikalien belastetes Wasser benutzen. Krankheiten und Tod sind die Folge: Von 315.000 Kindern, die jährliche an Durchfallerkrankungen sterben, sind 140.000 aus Indien, teilte Water Aid mit.

Weltweit ist die Versorgung mit sauberem Wasser seit 1990 besser geworden, heißt es in dem Bericht weiter. 2,6 Milliarden Menschen haben seitdem Zugang zu dem lebensnotwendigen Gut erhalten. Aber eine Entwarnung sei noch nicht möglich. Es seien im Gegenteil mehr Anstrengungen „in einer Welt notwendig, in der einer von zehn Menschen in einem Kreislauf von Armut und Krankheit in dem Streben nach einer sicheren, bezahlbaren eigenen Wasserversorgung gefangen ist.“

Arme Inder müssten täglich umgerechnet 64 Cent für die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 50 Liter sauberes Wasser ausgeben, Briten 9 Cent. Das seien 20 Prozent ihres durchschnittlichen Tageseinkommens. Schlechtes Management der Wasserressourcen sei ein Grund für die schlechte Versorgung, hinzu kämen Klimawandel mit Dürren und anderen Umweltproblemen. Prognosen zufolge wird Indien in 15 Jahren nur die Hälfte seines Wasserbedarfs für Städte, Industrie und Landwirtschaft decken können.


Foto: Tarun Bharat Sangh/dpa

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Verseuchtes Wasser

Krankheitserreger im Trinkwasser verursachen jährlich den Tod von mehr als 1,5 Millionen Kindern und etwa 3,5 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen schlechter Wasserversorgung.

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Flüsse und Abwässer

Weltweit fließen 80 Prozent des städtischen Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer. In Entwicklungsländern sind es bis zu 90 Prozent.

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Medikamente in Abwässern

Durch den verschwenderischen Umgang mit Medikamenten und Reinigungsmitteln gelangen immer mehr Chemikalien ins Trinkwasser, warnen Experten wie der Lüneburger Umweltwissenschaftler Klaus Kümmerer: „Vermutlich sind bereits mehrere tausend chemische Stoffe in dem vom Menschen genutzten Wasserkreislauf. Über ihre Wirkung wissen wir wenig." Das sich die Stoffe in Wasser und Boden chemisch verändern, habe man kaum Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen auf Mensch und Tier.

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Badeseen und Fließgewässer

Nur etwa jedes zehnte Fließgewässer in Deutschland ist in einem ökologisch guten Zustand. 90 Prozent der Flüsse und Bäche erreichen die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht, so das Umweltbundesamt. Dazu gehöre es etwa, die chemische Belastung des Wassers zu verbessern. In Deutschland ist die Strecke der Fließgewässer etwa 127.000 Kilometer lang. Insgesamt gibt es 25 Fließgewässertypen, 14 Seentypen, 9 Küstengewässertypen und 2 Übergangsgewässertypen.

In den meisten Seen und Flüssen in Deutschland kann man sorglos schwimmen: 97 Prozent der bundesweiten Badeplätze weisen der Untersuchung nach eine passable bis ausgezeichnete Wasserqualität auf. An diesen 13 Badeseen ist jedoch Vorsicht angebracht.

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Wasser zur Herstellung von Lebensmitteln

Das meiste Wasser wird weltweit in der Landwirtschaft verbraucht. Für die Nahrungsproduktion werden weltweit rund 70 Prozent des Süßwassers verbraucht. Ein Beispiel: Um ein Kilogramm Rindfleisch zu bekommen, benötigt man durchschnittlich 15.000 Liter Wasser.

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Ursprung des Wortes

Das Wort "Wasser" stammt aus dem Althochdeutschen. Der ursprüngliche Begriff "wazzar" heißt so viel wie "das Feuchte" oder "das Fließende".

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Eine zweite Hürde wären verschiedene Regelungen zum Naturschutz. Um die auf und im Umkreis der Insel Heard lebenden Seehunde, Pinguine, Fische und Zugvögel zu schützen, wird der Zugang von den australischen Behörden stark eingeschränkt. Für die Antarktis gibt es zudem internationale Abkommen, die nicht nur eine militärische Nutzung, sondern auch die wirtschaftliche Ausbeutung verbieten.

Selbst wenn es dem Unternehmen aus Dubai gelingen sollte, alle erforderlichen Genehmigungen zu erhalten, wäre die eigentliche Arbeit in den antarktischen Gewässern immer noch eine enorme Herausforderung. „Abertausende Eisberge treiben umher, und sie können sich ohne Vorwarnung bewegen“, sagt Christopher Readinger vom National Ice Center der USA. „Die Stürme da unten können wirklich brutal sein, und es gibt dort niemanden, der einem helfen könnte.“

Im Bereich der Arktis wird Polareis seit einiger Zeit bereits kommerziell genutzt - wenn auch nur in recht begrenztem Umfang. Im Norden Kanadas sprengen selbsternannte „Eisberg-Cowboys“ passende Blöcke heraus und verkaufen sie an Brauereien, Weinkellereien oder Wodka-Hersteller. Ein norwegisches Unternehmen verkauft geschmolzenes Polareis in Flaschen als Luxus-Trinkwasser.

Für die künftigen „Eisberg-Cowboys“ im Süden wäre allerdings nicht nur der Zugang deutlich schwerer. Die Ausbeute pro Kilogramm Eisberg wäre dort im Vergleich auch eher mager. „Das ist das trockenste Eis der Welt“, sagt Brears. „Man kann sehr viel von diesem Eis schmelzen lassen und dabei trotzdem nur sehr wenig Wasser gewinnen.“ Umweltschützer weisen unterdessen darauf hin, dass es für die Länder der Golfregion auch ganz andere Mittel zur Bekämpfung des Trinkwasser-Mangels gäbe - etwa Tröpfchenbewässerung in der Landwirtschaft, eine bessere Wartung von Leitungen oder schlicht ein sparsamerer Umgang mit der kostbaren Ressource.

Das Eisberg-Projekt stehe zu allen Konzepten zur Klimawandel-Anpassung im Widerspruch, sagt Charlotte Streck, Leiterin des Beratungsunternehmens Climate Focus. Es sei „eine außergewöhnlich sinnlose und kostspielige Art“, das Trinkwasser-Problem am Golf zu lösen.

AP
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