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Terror in BarcelonaWas die Anschläge für Spaniens Tourismusindustrie bedeuten

Die Terrorattacken von Barcelona und Cambrils erschüttern Europa. Das Urlauber betroffen waren, ist für den noch jungen Tourismusboom in Spanien ein herber Rückschlang. Aber es gibt auch Hoffnung.Fulya Çayir 18.08.2017 - 16:17 Uhr

Auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona wurde nach der Terrorattacke die Polizeipräsenz verstärkt.

Foto: AP

Erneut hat islamistischer Terror Europa getroffen, erneut leiden Einheimische sowie Urlauber unter Angst und Unsicherheit. Nach gegenwärtigen Informationen hat das Attentat in Barcelona bisher 13 Tote und mehr als 100 Verletzte gefordert. Vergangene Nacht ist ein Lieferwagen auf der beliebten Flaniermeile in die Menschenmenge gerast. Bisher wurden vier Personen festgenommen, der Hauptverdächtige ist auf der Flucht. Die grausame Tat hat der sogenannte Islamische Staat für sich reklamiert. Doch was bedeutet der Terror für Spanienurlauber? Muss das Land mit einem Rückgang in der Tourismusbranche rechnen?

Außenminister Sigmar Gabriel hat mit Entsetzen auf den Terroranschlag in Spanien reagiert. „Bin tief erschüttert über Nachrichten aus Barcelona. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Freunden und Angehörigen“, teilte der SPD-Politiker am Abend des Anschlags nach Angaben des Außenministeriums via Twitter mit.

Keine 24 Stunden danach reist Gabriel zum Tatort. Er wolle sich gemeinsam mit dem französischen Außenminister Yves Le Drian ein Bild von der Lage machen und seine Solidarität mit den Opfern der insgesamt zwei Anschläge und mit Spanien zum Ausdruck zu bringen, hieß es aus dem Umfeld des Ministers.

Foto: dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich „tief erschüttert“ gezeigt. „Wir verneigen uns vor den Opfern und beten mit den Angehörigen“, sagte er am Freitag im sächsischen Riesa.

Foto: dpa

Der deutsche Regierungssprecher, Steffen Seibert, schrieb stellvertretend für Kanzlerin Merkel auf Twitter: „In tiefer Trauer sind wir bei den Opfern des widerwärtigen Anschlags in Barcelona“. Man stehe in Solidarität und Freundschaft an der Seite der Spanier.

Foto: REUTERS

Merkel selbst telefonierte am Freitagmorgen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und sprach ihm im Namen des deutschen Volkes Mitgefühl und Anteilnahme aus. „Diese mörderischen Anschläge haben uns erneut vor Augen geführt, mit welch vollständiger Menschenverachtung der islamistische Terrorismus vorgeht“, sagte die Bundeskanzlerin. Man spüre in diesen Stunden, wie eng Spanier, Deutsche und freie Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbunden seien.

Foto: dpa

Spaniens Ministerpräsident bezeichnete den Anschlag als Resultat eines "dschihadistischen Terrorismus". Dies erfordere eine globale Antwort. "Das ist eine globale Bedrohung und die Antwort muss global sein", sagte Rajoy.

Foto: REUTERS

"Das sind bittere Tage", sagt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. "Solche Tage sind traurige Momente." Er habe mit Kanzlerin Angela Merkel telefoniert und mit ihr "für den heutigen Tag vereinbart, dass wir unsere Wahlkampfaktivitäten einschränken, dass wir auf Musik verzichten", um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Zuvor hatte Schulz getwittert: "Ein feiger Anschlag auf unsere Werte! Meine Gedanken sind bei Opfern und Angehörigen".

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Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat seiner spanischen Amtskollegin das Mitgefühl des Deutschen Bundestags ausgesprochen. Katalonien sei das Ziel menschenverachtender terroristischer Gewalt geworden. „Wir stehen in dieser schwierigen Zeit fest an der Seite des spanischen Volkes und sagen Ihnen unsere volle Solidarität zu“, schrieb Lammert an die Präsidentin des spanischen Abgeordnetenhauses, Ana Maria Pastor Julien.

Foto: dpa

Auch US-Präsident Donald Trump drückt zunächst seine Trauer aus. Mit einem zweiten Tweet sorgt er dann jedoch für entsetzte und angewiderte Reaktionen. Trump legte der Welt nahe, im Kampf gegen Terrorismus die Methoden des US-Generals John Pershing zu studieren. Einer mehrfach widerlegten Legende nach soll Pershing vor mehr als 100 Jahren auf den Philippinen 50 muslimische Gefangene mit Projektilen exekutiert haben, die er zuvor in Schweineblut getaucht hatte. Mit dem Blut der für gläubige Muslime unreinen Tiere sei ihnen der Weg ins Paradies versperrt gewesen. Trump: „Danach gab es 35 Jahre keinen islamistischen Terror mehr!“

Foto: AP

Papst Franziskus hat den Opfer des Terroranschlags sein tiefstes Beileid ausgesprochen. Sie hätten ihr Leben in einer solch unmenschlichen Tat verloren, hieß es in einer Mitteilung des Vatikans am Freitag. Zugleich verurteilte das Oberhaupt der Katholischen Kirche einmal mehr die „blinde Gewalt“, wie der Vatikan weiter schrieb.

Foto: dpa

Die Bürgermeisterin von Paris hat ihre Solidarität mit der spanischen Stadt bekundet. Die französische Hauptstadt war in den vergangenen Jahren selbst von schweren Anschlägen erschüttert worden. „Trauer und Empörung angesichts des Terrorakts, der gerade in Barcelona geschehen ist“, schrieb die Pariser Stadtchefin Anne Hidalgo am Donnerstagabend auf Twitter. „Barcelona und Paris sind Städte des Teilens, der Liebe und der Toleranz. Diese Werte sind stärker als dieser abscheuliche und feige Terrorismus.“

Foto: REUTERS

Berlin, das vor fast genau neun Monaten chauplatz eines ähnlichen Terroranschlags war, sendete am Freitag ebenfalls Zeichen der Anteilnahme. Auf dem Reichstagsgebäude und an Bundesbehörden wehten die Fahnen auf halbmast. Auch vor allen Gebäuden, die von Dienststellen und Einrichtungen des Landes Berlin benutzt werden, wurden Flaggen auf halbmast gesetzt. Das ordnete Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag an. Er erklärte: „Wir sind zutiefst bestürzt über den Anschlag in Barcelona. Ich spreche allen Angehörigen der Opfer mein tiefes Beileid aus. Berlin trauert mit Barcelona.“

Foto: dpa

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte: „Ich verurteile den furchtbaren Angriff in Barcelona. Meine Gedanken sind bei allen Betroffenen. Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus“.

Foto: REUTERS

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani twitterte: „Meine Solidarität mit den Opfern des terroristischen Anschlags von Barcelona. Volle Unterstützung für die Behörden.“ Die gesamte EU sei vereint in der Verteidigung des Friedens.

Foto: REUTERS

Derzeit erlebt Spanien einen regelrechten Tourismusboom, das bestätigt auch Tourismus-Experte Harald Pechlaner. Zu den Profiteuren gehörten aber auch Italien, Kroatien oder Portugal. Für diese Länder sei es von Vorteil, dass Urlauber von Risikoländern, wie beispielsweise der Türkei, Abstand nehmen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die zunehmend angespannte politische Lage unter der Regierung Erdogans und die jüngsten Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes halten mögliche Touristen von Buchungen zurück.

Laut Pechlaner leide die Türkei unter einer enormen Häufung von Missständen. Spanien hingegen erleidet eine zwar tragische, aber bis Dato einmalige Situation. „Solange nicht weitere Attentate folgen oder sich andere negative Umstände für Spanien ergeben, bleiben die Folgen für den Tourismus kurzfristig und somit überschaubar“, sagt der Tourismus-Experte. Es gelte: Touristen würden schnell vergessen und kämen wieder. Auf der anderen Seite sagt Tourismusforscher Martin Linne: „Hätte das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen, dann hätten sich sicherlich viele Urlauber gegen ihre Spanienreise entschieden.“

Anschlag in Barcelona

Fahrer des Kleintransporters angeblich bereits tot

Ein elementares Problem der europäischen Metropolen sei die Bewältigung der Massen an Touristen. In Barcelona kam es jüngst zu Protesten der Einheimischen, weil das Stadtzentrum immer mehr von Urlaubern belagert wird. Die Forderung war klar formuliert: Barcelona will kein zweites Venedig werden. Konkret heißt das, dass die Katalanen gegen die Förderung des Tourismus sind, die auf den Kosten ihrer eigenen Lebensqualität ausausgetragen wird. Es sei nachvollziehbar, dass Touristen nicht willkommen seien, wenn die sogenannte „Carrying Capacity“, also die Tragfähigkeit, nicht gewährleistet werden könne, sagt Pechlaner und warnt daher: „Großstädte müssen eine Lösung dafür finden, diese Menschenmengen zeitlich und auch geografisch zu entzerren.“

Eine Übersicht über Anschläge mit Fahrzeugen in europäischen Metropolen
Der Attentäter, der 31 Jahre alte Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel, rast mit einem Lkw auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais in Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.Quelle: dpa
Kurz vor Weihnachten wird die deutsche Hauptstadt Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen sterben, als ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen gekaperten Lastwagen in einen Berliner Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier Anis Amri bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.
Der Attentäter Khalid Masood steuert ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons. Er tötet drei Menschen, anschließend ersticht er einen Polizisten auf dem Gelände des britischen Parlaments. Er selbst wird von Sicherheitskräften erschossen. Ein weiteres Opfer stirbt gut zwei Wochen später an den Folgen seiner Verletzungen.
Ein gekaperter Lastwagen rast in einer zentralen Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Vier Menschen sterben, 15 werden verletzt. Noch am selben Tag nimmt die Polizei einen 39-jährigen Usbeken fest. Der Mann, der 2016 aus Schweden ausgewiesen werden sollte, steht unter Terrorverdacht.
Auf Barcelonas populärer Flaniermeile Las Ramblas steuert ein Lieferwagen in zahlreiche Fußgänger. Laut übereinstimmenden Medienberichten kamen mindestens 12 Menschen ums Leben, viele weitere werden verletzt. Die Polizei spricht von einem Terroranschlag.

Insofern sei Spanien nicht mehr oder auch nicht weniger gefährdet als andere beliebte Ziele innerhalb Europas. In diesem Zusammenhang spiele es auch eine wichtige Rolle, wie die Touristen an ihr Reiseziel kämen. Städte wie Dubrovnik, Rom oder eben auch Barcelona werden durch die leichtere Erreichbarkeit und die günstigeren Preise zu größeren Massentourismus-Destinationen als früher. Zum einen würden die Reisebuchungen vermehrt über digitale Kanäle gehen und Übernachtungsmöglichkeiten über das Internetportal AirBnB würden ihren Weg in den Alltag der Reisenden finden. Ein beachtlicher Teil der Touristen käme zusätzlich von der Sparte Kreuzfahrttourismus, dessen Attraktivität nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Darüber hinaus gibt es durch Billigflug-Angebote Unmengen an Möglichkeiten für Urlauber, diese beliebten Destinationen zu erreichen –Touristen sind heute mobiler als vor einigen Jahrzehnten. Daher kommt es zu Häufungen in europäischen Metropolen. „Dieses Phänomen erhöht die Anfälligkeit für Terroranschläge massiv“, sagt Pechlaner. Da auch Touristen diese Beobachtungen machen, werden diese Ziele zunehmend vorsichtiger gebucht. Pechlaner ergänzt: „Tendenziell werden Großstädte, wie London, Paris, Rom und Barcelona im Gegensatz zu mittelgroßen oder kleinen Städten verlieren. Kleinere Städte profitieren zunehmend vom Tourismus, weil sie auf Urlauber sicherer und damit attraktiver wirken.“

Ob Touristen aus Asien ähnlich wie nach den Attentaten in Frankreich, speziell nach dem Terroranschlag in Nizza auch Barcelona vermehrt meiden, hängt mit der Berichterstattung vor Ort zusammen, sagt Tourismusforscher Dr. Linne. Da die Ermittlungen der spanischen Polizei bereits erste Ergebnisse in Form von Verhaftungen vorweisen, sehe Linne keinen Grund für das Wegbleiben der Touristen aus Fernost. Darüber hinaus sei die aktuelle Reise-Hochsaison fast vorüber, dementsprechend hätte das Attentat keine Auswirkungen für das Reisejahr 2017.

Diese Einschätzungen kann ein Sprecher des Reiseveranstalters Alltours bestätigen. Es seien zwar vereinzelt Anrufe und E-Mail-Anfragen eingegangen, aber bisher hätte sich kein Kunde dazu entschieden, seine Spanienreise zu stornieren oder umzubuchen.

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