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Premierenflug des A330 neoDer Lückenfüller am Himmel

Airbus startet in Toulouse den Premierenflug des A330 neo. Mit der Neuauflage des Langstreckenjets will das Unternehmen eine Lücke in der Modellpalette schließen - und Konkurrent Boeing zuvorkommen.Jens Koenen 19.10.2017 - 11:44 Uhr Quelle: Handelsblatt

Airbus legt den Langstreckenjet neu auf.

Foto: WirtschaftsWoche

Drei Minuten früher als geplant hebt sich der neue Hoffnungsträger von Airbus in den grauen Himmel von Toulouse-Blagnac. Im Südwesten Frankreichs soll der überarbeitete Langstreckenjet A330 neo gebaut werden, hier startet er an diesem Donnerstag auch zu seinem Premierenflug. Der A330 neo soll für das Luftfahrtunternehmen eine Lücke in der Modellpalette schließen - und den Druck auf den Konkurrenten Boeing erhöhen.

Der Jet für rund 260 Passagieren ist für Airbus strategisch wichtig, denn er füllt die Lücke zwischen dem Mittelstreckenjet A321 für maximal  240 Passagiere und dem Großraumjet A350 mit bis zu 360 Passagieren. Die Neuauflage gilt als überfällig. Mittlerweile 20 Jahre hat die Baureihe mittlerweile auf dem Buckel. Neue effiziente Triebwerke sollen den A330 attraktiver für die Airlines machen.

Die Neuauflage, wirbt Airbus, biete Raum für zehn zusätzliche Sitze, die ruhigste Kabine seiner Klasse und verbrauche dank Leichtbau und neuer Flügel 14 Prozent weniger Kerosin als der Vorgänger. Für Fluggesellschaften, die sich im harten Kostenwettbewerb behaupten wollen, sind das gute Kaufargumente. Immer mehr Airlines gehen dazu über, auch dezentrale Strecken direkt und nicht über große Umsteige-Flughäfen bedienen, um Kosten zu sparen.

Alles neu bei Airbus

Die Neuauflage des A330 soll weniger verbrauchen und Passagieren mehr Platz bieten. Dafür bekommt der A330 den Beinamen "neo", was für new engine option steht.

Foto: WirtschaftsWoche

Lange Flügel

Mit 64 Metern Spannweite sind die Flügel des A330 neo länger als beim Vorgänger. Am Ende der Produktion werden die geschwungenen Spitzen, so genannte Sharklets aufgesetzt, die den Verbrauch senken.

Foto: WirtschaftsWoche

Doppelter Antrieb

Die zwei Triebwerke Trent 7000 von Rolls-Royce sollen den Kerosinverbrauch um 14 Prozent senken - und deutlich ruhiger arbeiten als im Vorgängermodell.

Foto: WirtschaftsWoche

Verzögerungen inklusive

Allerdings sollen Lieferschwierigkeiten bei den Triebwerken auch dafür gesorgt haben, dass sich die erste Auslieferung des A330 neo um mehrere Monate verzögerte.

Foto: WirtschaftsWoche

Weniger Widerstand

Auf den ersten Blick nicht sichtbar, aber auch die Aerodynamik sei beim Nachfolger mit 3D-Simulationen deutlich verbessert worden, wirbt der Airbus. Das war auch nötig: der Vorgänger ist mittlerweile 20 Jahre alt.

Foto: WirtschaftsWoche

Deutsch-französische Zusammenarbeit

Der Rumpf für den A330 neo wird in Hamburg gebaut - und per Beluga-Transportflugzeug nach Toulouse transportiert. Die Flügel kommen aus Bremen.

Foto: WirtschaftsWoche

Mehr Platz für Passagiere

Die Kabine soll nicht nur ruhiger, sondern auch größer sein als im Vorgänger. Das bietet Platz für zehn Passagiere mehr, im Schnitt für 257 Passagiere. Bei Bedarf können sogar bis zu 400 Passagiere mitfliegen.

Foto: WirtschaftsWoche

Mehr Licht

Nicht nur in der Business Class punktet der A330 auch mit einer Ambiente-Beleuchtung und einem überarbeiteten Entertainment-System.

Foto: Airbus

Kopf hoch, Pilot

Die Piloten finden im Cockpit ein Head-up-Display und ein System, das verhindern soll, dass der Flieger über die Landebahn hinausschießt.

Foto: WirtschaftsWoche

Premierenflug

Vier Jahre nach der Premiere startet der A330 am 19. Oktober zu seinem Premierenflug in Toulouse. Die ersten Modelle gehen an die portugiesische Airline TAP.

Foto: WirtschaftsWoche

Genug Vorbestellungen

Der A330 soll die Lücke im Mittelklassesegment auf der Langstrecke schließen. 212 Vorbestellungen liegen nach Angaben von Airbus bereits vor.

Foto: Airbus

Die Nachfrage nach Flugzeugvarianten steigt, weil die Spezifikationen an moderne Fliege deutlich stärker an die Nachfrage angepasst wird. Erzrivale Boeing arbeitet deshalb an der Entwicklung eines völlig neuen Jets für den in Fachkreisen „Middle of the market“ genannten Bereich. Damit will der US-Konzern seinerseits die Lücke zwischen dem Mittelstreckenjet Boeing 737 und dem Großraumflugzeug 787 (Dreamliner) schließen. Mit dem A330 neo will Airbus die Nase vorn haben. 150 Millionen Euro hat der Flugzeughersteller darum jährlich in die Entwicklung fließen lassen.

Dabei verlief die Weiterentwicklung - wie so häufig in der Luftfahrtbranche - nicht völlig reibungslos. Eigentlich sollte der Erstflug bereits im Frühjahr stattfinden, Ende des Jahres wollte Airbus die erste Maschine an TAP ausliefern.  Daraus wird nun nichts, TAP erwartet die erste A330neo erst im März kommenden Jahres. Nach Branchenberichten gab es Verzögerungen bei der Lieferung der brandneuen Treibwerke von Rolls-Royce.

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Der Nachfrage hat das bislang nicht geschadet. Airbus hat 212 feste Bestellungen in den Büchern stehen, darunter namhafte Kunden wie Air Asia und Delta Airlines. Auch Billigflieger wie die isländische WOW Air haben ein Auge auf den Jet geworfen – für die Expansion des Langstreckennetzes ab dem Drehkreuz Keflavik. Die ersten Modelle sollen an die portugiesische TAP geliefert werden, die 14 der Flieger bestellt hat. Die Endfertigung der ersten A330neo-Maschine hatte vor etwas über einem Jahr begonnen.

Zwei Varianten will Airbus für die Modellreihe anbieten. Der A330-800 soll den bisherigen A330-200 ersetzen, von dem derzeit 600 Exemplare in den weltweiten Flotten im Einsatz sind. Der A330-900, der Platz für rund 30 Passagiere mehr bietet, kommt als Ersatz für den bisherigen A330-300. Beide Varianten werden mit längeren Flügeln ausgestattet als ihre Vorgänger. Und auch Deutschland hat seinen Anteil am neuen Airbus-Modell: Die Flügel des A330 neo kommen aus in Bremen, der Rumpf aus Hamburg.

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