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Siemens, Telekom und RWETop-Manager fordern mehr Aktien für Mitarbeiter

Mein Mitarbeiter, mein Aktionär? Dass Konzerne ihre eigene Belegschaft am Unternehmen beteiligen, ist in Deutschland nicht besonders verbreitet. Eine Reihe von Vorständen und Aktionärsvertreten würde das gerne ändern. 29.10.2017 - 14:08 Uhr

Vorstände großer Firmen fordern, Mitarbeiter stärker direkt am Unternehmen zu beteiligen.

Foto: dpa

Vorstände großer Firmen wie Siemens, Telekom und RWE fordern, Mitarbeiter stärker direkt am Unternehmen zu beteiligen. Nur etwa die Hälfte der Dax-Konzerne biete ihren Mitarbeitern eine direkte Beteiligung etwa über Mitarbeiteraktien an, betonen Siemens-Chef Joe Kaeser und gut 60 andere Unterzeichner in einem Appell, der diese Woche etwa in Anzeigen veröffentlicht werden soll.

Auch in kleineren und mittelständischen Unternehmen werde das Potenzial mit derzeit etwa 3500 Programmen nur ungenügend ausgeschöpft, heißt es in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehören zum Beispiel Vertreter von Hochschulen, Vorstände des Baukonzerns Bilfinger, des Onlinehändlers Zalando und des Düngemittelproduzenten K+S sowie das Deutsche Aktieninstitut.

Bei Aktiengesellschaften heißt Beteiligung: Mitarbeiter bekommen Aktien und werden so zu Anteilseignern ihres Betriebs. Sie profitieren dann finanziell, wenn ihr Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist. Geht es dem Unternehmen schlechter, kann das aber - neben der möglichen Bedrohung des Jobs - finanzielle Einbuße bringen, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mitteilt.

Privatanleger machen vermeidbare Fehler

Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Befund

Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Folgen

Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Foto: AP

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Gegenmittel

Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Befund

Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Folgen

Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Gegenmittel

Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Befund

Ein typischer Anleger verändert auf Jahressicht knapp ein Viertel seines Portfolios. Die aktivsten krempeln ihr Depot zweimal im Jahr komplett um. Das bringt nichts: Die eifrigen Händler erhalten die schlechteste Rendite. Übrigens auch, wenn man die Handelskosten abzieht.

Broker stehen am 25. Oktober 1929 zu Beginn der Weltwirtschaftskrise in der New Yorker Börse. Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermögen, die Panik griff weltweit auf die Börsenplätze über.

Foto: AP

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Folgen

Kauf- und Verkaufskosten verringern die Rendite um annähernd ein Prozent. Dieser Wert steigt bei besonders aktiven Händlern deutlich (3,3 Prozent). Passivere kommen dagegen der Rendite des großen Index MSCI World nahe.

Händler der Investmentbank Lehman Brothers arbeiten in der New Yorker Börse am 17. Juni 2008 – drei Monate vor der Insolvenz.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Gegenmittel

Wer vom Start weg auf weltweite Indexfonds setzt, hat in der Folge wenig Grund, sein Portfolio zu verändern. In schlechten Börsenzeiten muss die Verlusttoleranz allerdings strapazierfähig sein. Hektische Reaktionen machen die ausgegebene Taktik zunichte. Ein Logbuch kann helfen, die Transaktionssummen im Blick zu behalten.

Die Flamme eines Feuerzeuges beleuchtet eine Euro-Münze aus Griechenland. Wer Geduld bewahrt und sein Portfolio ausgewogen gestaltet, ist vor hohen Verlusten gefeit.

Foto: dpa

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Befund

Die nachvollziehbare Einstellung, nur bekannte Unternehmen – also vornehmlich deutsche – ins Portfolio aufzunehmen, geht zulasten der Streuung. Während der Anteil deutscher Aktien im MSCI World drei Prozent beträgt, vertrauen in den untersuchten Depots 43 Prozent auf hiesige Aktiengesellschaften. Obwohl es leichter geworden ist, ausländische Aktien zu handeln, bleibt dieser Wert relativ konstant. Ein weiteres Problem ist die Zusammensetzung der deutschen Titel: Sie ist oft nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt. Gängige Indizes schneiden hier besser ab.

Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin. Die (im Zusammenhang mit den Turbulenzen bei Hypothekenbanken 2008 als Vergleich herangezogene) Bankenkrise von 1931 hat ihre Wurzeln in der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem damit verbundenen Börsencrash.

Foto: AP

Problem 4: Zu viel Deutschland - Folgen

Die Wertschwankungen steigen, das Ergebnis wird weniger berechenbar. Glück hatten die Anleger vor allem deutscher Titel vor allem dann, wenn der Markt hierzulande schlicht gut lief. Untersuchungen belegen, dass ein international ausgelegtes Portfolio ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis verspricht.

Auch Gold, hier ein Barren aus der chilenischen Nationalbank, stellt eine beliebte Anlageform dar.

Foto: Reuters

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Gegenmittel

Als Beimischung sind deutsche Aktien sehr gut geeignet. Einen Anteil von 20 Prozent halten die Studienautoren noch für akzeptabel. Wer nur ein geringes Vermögen anlegen will, dem sei eine Kombination aus MSCI World und Dax-ETF empfohlen. Fünf bis zehn Titel aus verschiedenen Branchen sollten es schon sein.

Ein junger Russe spielt mit unechten US-Dollarscheinen – ein Werbegag, mit dem eine Vermögensberatung auf der Millionärsmesse in Moskau finanzstarke Kunden locken wollte.

Studien-Quelle: Finanztest

Foto: dpa

Die Beteiligung an Unternehmen friste ein Schattendasein in Deutschland, kritisieren Köpfe aus der Wirtschaft, die den Appell unterstützen. Nur wenige Deutsche investierten laut Deutschem Aktieninstitut in Aktien, rund 1,1 Millionen Mitarbeiter seien als Belegschaftsaktionäre am Arbeitgeber finanziell beteiligt. Ebenso viele Beschäftigte seien nach Schätzungen an nicht-börsennotierten, meist mittelständischen Unternehmen beteiligt.

Siemens-Chef Kaeser trommelt seit Jahren für eine stärkere Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen und für eine „Kultur des verpflichtenden Eigentums“. Bis 2020 möchte er erreichen, dass mehr als 200 000 Beschäftigte des Elektrokonzerns auch Siemens-Aktionäre werden - aktuell sind es nach Angaben einer Sprecherin rund 165 000. Damit ist knapp die Hälfte der Belegschaft an dem Dax-Konzern beteiligt.

Belegschaftsaktionäre partizipieren nach Ansicht der Unterzeichner des Aufrufs vom Erfolg des Betriebs. Gleichzeitig lohnten sich solche Programme auch für Unternehmen, weil sie Mitarbeiter enger an das Unternehmen binden und so Personalwechsel vermeiden könnten.

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Von einer neuen Bundesregierung fordern die Unterzeichner, den Steuerfreibetrag für die Mitarbeiterkapitalbeteiligung anzuheben - „von derzeit 360 Euro auf ein international übliches Niveau von mindestens 3000 Euro“. Langfristige Anleger müssten auch anders besteuert werden als kurzfristig denkende.

Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds muss die Mitarbeiterkapitalbeteiligung verschiedene Voraussetzungen erfüllen: Sie müsse zusätzlich zu den Tariflöhnen sein, nicht nur für das Führungspersonal, sondern für alle Beschäftigten offen stehen und dürfe nicht die betriebliche Altersvorsorge ersetzen. Gerade wenn sich Belegschaftsaktionäre zusammenschlössen, könne das aber ein guter Beitrag für die langfristige Zukunft eines Unternehmens sein.

dpa
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