Intelligent investieren: Zeitlose Anlageprinzipien für Aktien im Höhenrausch
Es gibt zeitlose Prinzipien für Anleger, die auch jetzt gelten.
Foto: WirtschaftsWocheDie „digitale Revolution“ ist in vollem Gange. Sie verändert die Art und Weise, wie, wo und wann Kunden sich informieren und kaufen, und wie, wo und wann Unternehmen produzieren und verkaufen. Neue Märkte entstehen. Etablierte Geschäftsmodelle kommen auf den Prüfstand. Firmen stehen unter Anpassungsdruck. Investoren vermessen Erfolgschancen neu. Eine „Gründerboom“-Stimmung macht sich breit.
Gerade in Zeiten umwälzender Neuerungen sollte der umsichtige Investor beachten, dass es zeitlos gültige Prinzipien für erfolgreiches Investieren gibt. Dazu zählt das „Preis versus Wert“-Prinzip. Der Preis ist das, was man für eine Aktie an der Börse bezahlt. Der Wert der Aktie ist die Summe der abdiskontierten Unternehmensgewinne. Das Investieren macht dann Sinn, wenn der Wert der Aktie deutlich über ihrem Preis liegt, wenn die „Sicherheitsmarge“ hoch ist. Und zwar aus zwei Gründen.
Erstens: Eine hohe Sicherheitsmarge reduziert das Risiko, Kapitalverluste zu erleiden. Nehmen wir an, Ihre Analyse zeigt, dass eine Aktie 100 Euro wert ist. Der Blick auf den Kurszettel zeigt aber, dass sie bei 60 Euro handelt. Folglich ist die Sicherheitsmarge 40 Euro (100 Euro minus 60 Euro) oder in Relation zum Wert 40 Prozent: Der Unternehmenswert kann um eben diesen Betrag (Prozentsatz) nachgeben, ohne dass Sie einen Kapitalverlust befürchten müssen.
10. Platz: Aktien
Der comdirect Spar- und Anlageindex ist im September den sechsten Monat in Folge gesunken. Er erreichte mit 93,8 Punkten den niedrigsten Stand seit Dezember 2015. Die Deutschen sparen also immer weniger. 40 Prozent legten im September gar nichts oder weniger als 50 Euro zurück. Im Schnitt sparte jeder Deutsche 105,62 Euro.
Aktien sind als Geldanlage bei den Deutschen nicht sehr beliebt. Mit einem Anteil von 14 Prozent reicht es nur für den zehnten Platz des Rankings.
(Quelle: comdirect)
Foto: dpa9. Platz: Festgeld
Schon etwas beliebter als die Aktien ist das Festgeld. Immerhin 19 Prozent der Geldanlagen fallen in diesen Bereich.
Dass insgesamt wenig angelegt wird, hängt unter anderem mit der andauernden Niedrigzinsphase zusammen. Da noch nicht klar ist ob, und falls ja, wann die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder hebt, wird Anlegern empfohlen, ihr Geld in Produkten mit höheren Renditechancen (und gleichzeitig aber auch höherem Risiko) als den aktuell sehr schlecht verzinsten klassischen Sparprodukten anzulegen.
Foto: dpa8. Platz: Fonds
Fonds befinden sich mit dem Festgeld gleichauf. Sie liegen ebenfalls bei 19 Prozent. Im Gegensatz zum August konnten sie um drei Prozent zulegen und sich so einen Platz nach oben schieben.
Im Norden und im Osten Deutschlands wurde im September vergleichsweise besonders wenig gespart. Im Norden sparte man durchschnittlich 94,37 Euro und im Osten 91,96 Euro pro Person. Im Süden legte der Durchschnittsparer mit 121,26 Euro deutlich mehr zurück.
Foto: gms7. Platz: Altersvorsorge
Die Altersvorsorge wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema. Immerhin 26 Prozent der Ersparnisse werden hierzulande in diesem Bereich angelegt, was der Anlageform zu einem siebten Platz in diesem Ranking verhilft.
Absolut gesehen planen die Deutschen gemäß der Studie aber zukünftig weniger zurück zu legen. Nur 11 Prozent der 1.600 Befragten gaben an, dass sie ihre Sparrate erhöhen möchten. 13 Prozent wollen ihr Verhalten nicht ändern und 13 Prozent sagten, dass sie in Zukunft weniger sparen möchten.
Foto: dpa6. Platz: Lebensversicherung
Die Lebensversicherung schafft es in diesem Ranking auf den sechsten Platz. Mit 29 Prozent ist sie aber auch weit vom Spitzenplatz der beliebtesten Geldanlage für die Ersparnisse entfernt.
Dass die Sparquote insgesamt zurück gegangen ist, liegt vor allem an dem hohen Anteil der Menschen, die so gut wie nichts sparen. Insgesamt legten 40 Prozent der Deutschen weniger als als 50 Euro zurück.
Foto: dpa5. Platz: Bausparvertrag
Im Mittelfeld dieses Rankings findet sich der Bausparvertrag. Die Deutschen legen 30 Prozent ihrer Ersparnisse in dieser Form an. Somit ist der Bausparvertrag deutlich beliebter als die Aktien, Fonds und das Festgeld. Auch zu den nächsten Plätzen fehlt nicht viel.
Foto: dpa4. Platz: Bargeld
Nur ein Prozent vor dem Bausparvertrag liegt das Bargeld. Es bewahren also 31 Prozent der Deutschen ihre Ersparnisse als Bargeld auf. Die Vorstellung, dass viele Deutsche ihr Geld in einem Sparstrumpf „anlegen“ ist also weiterhin zutreffend.
Foto: dpa3. Platz: Tagesgeld
Auf das Treppchen dieser Einordnung hat es das Tagesgeld geschafft. 34 Prozent reichten, um sich vor den anderen Geldanlagemöglichkeiten zu platzieren. Der Abstand zu den ersten beiden Plätzen ist allerdings groß.
Der Anteil des Einkommens, den Deutsche insgesamt sparten, betrug im September knapp 7 Prozent.
Foto: dpa2. Platz: Sparbuch
Großer Beliebtheit erfreut sich immer noch das Sparbuch. Mit 51 Prozent wurde es ganz knapp Zweiter. Trotz geringer Rendite ist es also eine der häufigsten Anlageformen in Deutschland. Im Gegensatz zum Vormonat hat es allerdings zwei Prozent eingebüßt.
Foto: dpa1. Platz: Girokonto
An der Spitze thront auch im September das Girokonto. Wie auch im Vormonat nahm es die Spitzenposition ein. 55 Prozent deutscher Ersparnisse liegen auf Girokonten. Allerdings hat auch das Girokonto – wie das Sparbuch – im Vergleich zum August ein paar Prozent verloren.
Foto: dpaZweitens: Wenn die Sicherheitsmarge hoch ist, erhöht sich ihre Investitionsrendite. Um im Beispiel zu bleiben: Kaufen Sie eine Aktie für 60 Euro, die 100 Euro wert ist, und steigt die Aktie nachfolgend auf eben diesen Wert, machen Sie eine Rendite von 66,7 Prozent – die Sie hinzurechnen können zur Rendite, die das Unternehmen künftig erzielen wird. Eine hohe Sicherheitsmarge ist also nicht nur ein „Risikopuffer“, sondern auch ein Renditetreiber.
Eine Frage des Wertes
Gute Investitionsentscheidungen lassen sich nur treffen, wenn man mit hinreichender Genauigkeit weiß, wie hoch der Wert der Aktie ist, beziehungsweise in welcher Bandbreite er sich bewegt (auf die Nachkommastelle lässt er sich nicht ermitteln). Um den Wert einer Aktie zu bestimmen, sind vor allem zwei Faktoren bedeutsam: die zu erwartenden Unternehmensgewinne und der Diskontierungszins.
Wer dem „Preis versus Wert“-Prinzip folgt, wird erkennen: Es gibt Unternehmen, deren Erfolgschancen sich besser beurteilen lassen als die anderer Unternehmen; und dass es Unternehmen gibt, die man – aufgrund mangelnder Expertise – nicht bewerten kann. Die Handlungsempfehlung liegt auf der Hand: Kaufe kein Unternehmen, dessen Wert Du nicht kennst, denn dann investierst Du nicht, sondern spekulierst – und gehst unnötige Risiken ein.
Barwerte bei unterschiedlichen Diskontierungszinsen.
Foto: WirtschaftsWocheWelchen Diskontierungszins soll man wählen? Je höher (niedriger) der Zins ist, desto niedriger (höher) ist der Wert der Aktie. Nehmen wir an, eine Firma erzielt in den kommenden zehn Jahren einen Gewinn von zehn Millionen Euro pro Jahr, und der Zins beträgt drei Prozent. Der (Bar-)Wert der Aktie beträgt dann 85,30 Euro. Sie werden nicht mehr als das zahlen (ansonsten ist es lohnender, wenn Sie Ihr Geld zu drei Prozent anlegen).
Haben sie nun aber zu 85,30 Euro gekauft, und fällt daraufhin der Marktzins auf ein Prozent, steigen (Bar-)Wert und damit der Preis Ihrer Aktie auf 94,71 Euro. Der gesunkene Marktzins beschert Ihnen einen Wert- und Kurszuwachs. Wenn der Marktzins hingegen auf fünf Prozent klettert, fällt der Börsenkurs auf 77,22 Euro – und Sie erleiden einen Verlust. Für den umsichtigen Investor ist folglich die Wahl des Diskontierungszinses von großer Bedeutung.
Achtung: Zinsmanipulation
Mittlerweile befinden sich die Langfristzinsen für Staatsanleihen an der Nulllinie, für einige Kurläufer sind sie sogar negativ. Für den umsichtigen Investor stellen sich deshalb wichtige Fragen: Was ist der Grund für den Zinsniedergang? Werden die Zinsen niedrig bleiben – oder werden sie, müssen sie, wieder ansteigen? Und vor allem: Was ist der richtige, der sinnvolle Diskontierungszins?
Die extrem niedrigen Zinsen sind vor allem das Werk der Zentralbanken. Sie bestimmen als „Zinssetzer“ die Kurz- und Langfristzinsen. Die Geldbehörden haben die Zinsen auf ein extrem niedrige Niveaus gedrückt, um die Kreditpyramide, die sie in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrer Kreditexpansion errichtet haben, vor dem Einsturz zu bewahren. Im Grunde macht das weltweite Verschuldungsproblem eine Rückkehr zu höheren Zinsen unmöglich.
Vor allem in realer, das heißt in inflationsbereinigter Rechnung scheint eine „Zinsnormalisierung“ unwahrscheinlich zu sein. Die negativen Realzinsen sind ein von der Politik bevorzugtes Instrument, um die Schuldenlasten still und heimlich abzubauen – auf Kosten der meist uninformierten Gläubiger, die in der Regel auch nicht die Möglichkeit haben, der Entwertung ihrer Ersparnisse zu entkommen.
Wenn nun der Marktzins geldpolitisch manipulierbar ist, und es zudem eine Notwendigkeit gibt, dass die Zinsen niedrig bleiben sollen: Was ist dann zu erwarten? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen da bleiben, wo sie sind, ist groß; und die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen wieder steigen, ist klein. Keine erfreuliche Botschaft für alle, die ihre Altersvorsorge auf festverzinslichen Papieren aufbauen.
Folgen für den Wert
Aber auch für diejenigen, die in Aktien investieren, wirft das Niedrigzinsumfeld eine gewichtige Frage auf: Welchen Zins soll man zur Wertbestimmung zugrunde legen? Wählen Sie einen Zins, der zu hoch ist, entgehen Ihnen attraktive Investitionsmöglichkeiten, wenn sich nachfolgend herausstellt, dass der Marktzins niedriger ausfällt als erwartet. Legen Sie einen zu niedrigen Zins zugrunde, erleiden Sie Verluste, wenn die Zinsen höher ausfallen als erwartet.
In diese Falle würde der Investor tappen, der beispielsweise mit einem historischen Durchschnittszins in Höhe von, sagen wir, fünf Prozent arbeitet, obwohl der Marktzins in den nächsten zehn Jahren nur bei einem Prozent liegt. Dann wird er heute Anlagen ausschlagen, die drei oder vier Prozent bringen, und künftig wird er nur noch für ein Prozent anlegen können. Nicht besser geht es dem, der eine Rendite von 0,4 Prozent zur Abdiskontierung verwendet, dann aber erkennen muss, dass der Marktzins auf fünf Prozent klettert. Er verpasst die Möglichkeit, sein Geld zu höherer Rendite anzulegen.
KGV steigt, Zinsen fallen, Niedrige Zinsen begünstigen höhere Aktienbewertungen.
Foto: WirtschaftsWocheZins und KGV
Die Bedeutung des Zinses lässt sich auch mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) illustrieren. Das KGV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Nehmen wir an, der Aktienkurs beträgt 150 Euro, der Gewinn pro Aktie zehn Euro. Das KGV ist 15. Diese Zahl lässt sich auf zwei Arten interpretieren. Zum einen, dass der Anleger 15 Jahre warten muss, bis er seine Investition wieder eingespielt hat; und je höher (niedriger) das KGV ausfällt, desto größer (geringer) ist das Risiko für den Anleger.
Zum anderen gibt das KGV Aufschluss über die Rendite: Der Kehrwert des KGV ist die Gewinnrendite: Bekommen Sie zehn Euro pro Jahr für eine Aktie, die Sie für 150 Euro kaufen, beträgt die Gewinnrendite 6,67 Prozent (zehn Euro geteilt durch 150 Euro mal 100). Sie setzt sich aus zwei Elementen zusammen: dem Marktzins und einer Risikoprämie – denn der Aktionär wird nur investieren, wenn er für das Risiko bezahlt wird.
Wo lässt es sich am besten nach Rendite fischen?
Zwischen 1900 und Ende 2016 gewannen die Aktienmärkte weltweit im Schnitt 5,1 Prozent pro Jahr, die Inflation herausgerechnet. Zu diesem Ergebnis kommt die Credit Suisse in ihrem „Global Investment Returns Yearbook“ 2017, das im Februar veröffentlicht wurde. Für die Berechnung stützt sich die Schweizer Bank auf die Daten der Professoren Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School. Der Datensatz erfasst die Performance von 70.000 Börsentagen und vergleicht die Aktienmärkte aus 21 Ländern. Wer trotzte den Krisen der vergangenen Jahrzehnte besonders gut? Ein Überblick.
Foto: dpaÖsterreich
Mit einem jährlichen realen Kurswachstum von 0,8 Prozent in den letzten 117 Jahre liegt Österreich hinter jedem anderen Land in der Auswertung der Schweizer Großbank. Allerdings haben die österreichischen Aktien in den jüngeren Jahrzehnten etwas besser geschlagen:
1900-2016: + 0,8 %
1980-1999: +5,8 %
2000-2016: +4,9 %
Foto: WirtschaftsWocheItalien
Auch italienische Aktien schaffen es lediglich ans hintere Ende des Rankings. Wer seit 2000 sein Geld in italienische Papier steckte, fuhr sogar Verluste ein.
1900-2016: + 2,0 %
1980-1999: +10,3 %
2000-2016: -2,0 %
Foto: REUTERSBelgien
Wer in Belgien in der Achtziger und Neunziger investierte, wurde mit zweistelligen Jahres-Durchschnittsrenditen belohnt. In den vergangenen Jahren verlor der Aktienmarkt des Landes allerdings an Schwung.
1900-2016: + 2,7 %
1980-1999: +12,4 %
2000-2016: +2,9 %
Foto: FotoliaFrankreich
Auch in Frankreich erlebten die Aktienmärkte am Ende des vergangenen Jahrhunderts eine Blütezeit, wie die zweistelligen Renditen in diesem Zeitraum zeigen.
1900-2016: + 3,3 %
1980-1999: +13,5 %
2000-2016: +1,7 %
Foto: REUTERSDeutschland
Gleichauf mit Frankreich liegt Deutschland mit einem Plus von 3,3 Prozent. So richtig an Fahrt gewannen die Märkte im Jahr 2015. Damals markierte der Dax binnen weniger Wochen gleich zwei Rekordhochs: 11.000 und 12.000 Punkte.
1900-2016: + 3,3 %
1980-1999: +11,0 %
2000-2016: +2,2 %
Foto: dpaPortugal
Als „Krisen-Portugiesen“ wurde das Land 2011 in den Medien verschrien. Auf dem Aktienmarkt spiegelte sich das Misstrauen der Anleger in die südeuropäische Wirtschaft wieder. Wer in den vergangenen Jahren in portugiesische Papiere investierte, fuhr Verluste ein. Allerdings gehörte das Land vor der Jahrtausendwende zu den Lieblingen der Anleger, was auch die solide durchschnittliche Jahresrendite der letzten 117 Jahre erklärt.
1900-2016: + 3,5 %
1980-1999: +15,2 %
2000-2016: -2,4 %
Foto: dpaSpanien
Knapp hinter dem portugiesischen Markt, liegt der Aktienmarkt in Spanien. Anders als bei seinem westlichen Nachbarn, konnten die spanischen Anleger auch in den Nuller- und Zehnerjahren dieses Jahrhunderts im Schnitt positive Jahresrenditen einfahren.
1900-2016: + 3,6 %
1980-1999: +15,3 %
2000-2016: -2,3 %
Foto: dpaJapan
Die japanischen Börsen locken die Anleger schon seit Langem. Bereits 1730 gab es in der Stadt Osaka die erste Terminbörse für Reis – weshalb das Land als die Geburtsstätte für Futures gilt. In den vergangenen 117 Jahren mussten die Anleger so einiges mitmachen, Booms wie auch Abstürze. So war zwischen 1900 und 1939 der japanische Aktienmarkt der am zweitbesten laufende Markt der Welt. In den 1990ern verfügte das Land über den größten Aktienmarkt der Welt (Anteil vom 41 Prozent). Allerdings platzte zu diesem Zeitpunkt auch die Aktienmarkt-Blase. Von 1990 bis 2009 war der japanische Aktienmarkt weltweit der schwächste.
1900-2016: + 4,2 %
1980-1999: + 5,8 %
2000-2016: + 0,8 %
Foto: WirtschaftsWocheNorwegen
Norwegen ist zwar ein kleines Land, aber sehr reich. Das Pro-Kopf-Einkommen der Norweger gehört zu den größten weltweit. Es sind vor allem die natürlichen Ressourcen, welche das nördliche Land so wohlhabend machen: die Fischbestände der Nordsee und das Öl, das ebenfalls aus der See gefördert wird. Die Osloer Börse trägt der Seeverbundenheit der Norweger Rechnung: 1819 wurde sie als „Christiania Bors“ gegründet, um Schiffe, Rohstoffe und Währungen zu handeln.
1900-2016: + 4,3 %
1980-1999: + 7,9 %
2000-2016: + 6,7 %
Foto: PresseIrland
Wer in Irland investieren will, muss starke Nerven haben – das zumindest legt die Geschichte der „Grünen Insel“ der letzten 117 Jahre nahe. Während Mitte des letzten Jahrhunderts viele Iren ihrer Heimat den Rücken kehrten, machte das Land in den Neunzigern und den Nuller-Jahren als „Celtic Tiger“ von sich reden. Die Finanzkrise 2007/2008 wies die irische Wirtschaft allerdings wieder in ihre Schranken. Der Aktienmarkt des Landes ist einer der kleinsten der Welt, gleichwohl mit langer Tradition. Die ersten Börsen gab es in Dublin und Cork schon 1793.
1900-2016: + 4,4 %
1980-1999: + 12,9 %
2000-2016: + 2,0 %
Foto: dpaDie Schweiz
Gerade einmal 0,1 Prozent der Weltbevölkerung lebt in der Schweiz – dafür aber besonders gut. Im Jahr 2015 belegte das Land den ersten Platz im Welt-Glücksreport der Vereinten Nationen. Auch jene, die ihr Geld in den Alpenstaat stecken, dürften langfristig glücklich sein. Immerhin konnten sie im Schnitt eine jährliche Realrendite von 4,4 Prozent in den vergangenen 117 Jahren verbuchen.
1900-2016: + 4,4 %
1980-1999: + 10,4 %
2000-2016: + 3,0 %
Foto: dpaNiederlande
Die Niederlande besitzen einen der ältesten Aktienmärkte weltweit. Bereits 1611 gab es die Börse in Amsterdam. Dort wurde zwar nur eine Aktie gehandelt, die der „Niederländischen Ostindien-Kompanie“. Dennoch gab es auch unter diesen minimalistischen Bedingungen sowohl Bullen und Bären unter den Investoren, Blasen, Panikverkäufe und Booms, wie der Spanier Joseph de la Vega in seinem „Confusión de confusiones“ von 1688 beschrieb. Die jüngere Börsen-Geschichte der Niederlande fiel für die Anleger eher ernüchternd aus. Wer zwischen 2000 und 2016 in niederländische Aktien investierte, erzielte im Schnitt jährliche Nullrenditen.
1900-2016: + 5,0 %
1980-1999: + 17,3 %
2000-2016: + 0,0 %
Foto: dpaDänemark
Ganz anders liefen die letzten Jahre für Dänemark-Anleger. Diese erzielten mit Aktien eine durchschnittliche jährliche Realrendite von satten acht Prozent – der zweithöchste Wert des Ratings in diesem Zeitraum. In einer Zeit der Krisen erwies sich Deutschlands nördlicher Nachbar als sicherer Hafen für die Anleger. Dafür, dass es dort still und friedlich zugeht, ist Dänemark übrigens bekannt. Im „Global Peace Index“ der Zeitschrift „The Economist“ und der Universität von Sydney belegte das Land 2015 den ersten Platz.
1900-2016: + 5,4 %
1980-1999: + 12,2 %
2000-2016: + 8,0 %
Foto: dpaFinnland
In Finnland der Achtziger und Neunziger Jahre müsste man gelebt haben. Wer damals in finnische Aktien investierte konnte im Schnitt mit einer Rendite von 20,6 Prozent rechnen – fast das Doppelte des Wertes weltweit (10,6 Prozent). Kein Land im Credit-Suisse-Ranking kommt in diesem Zeitraum auf einen höheren Wert. Allerdings ging auch für Finnland – wie für die meisten Länder im Ranking – das „goldene Zeitalter“ in den Nullerjahren zu Ende.
1900-2016: + 5,4 %
1980-1999: + 20,6 %
2000-2016: - 0,6 %
Foto: dpaVereinigtes Königreich
Im Nachkriegs-Europa galt London als der Finanzplatz schlichthin – und das hat Tradition. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügte Großbritannien über den größten Aktienmarkt weltweit. Damals machte die aufstrebende Börse der USA den Briten Konkurrenz. Nach dem „Brexit“ 2016 ist sie eher auf europäischen Festland angesiedelt. Finanzzentren wie Frankfurt und Paris würden London nur zu gerne den Rang als Finanzmetropole streitig machen. Doch noch ist es nicht soweit. Noch immer wird mehr als die Hälfte der institutionellen Aktieninvestments in Europa in London verwaltet. In einem Ranking des US-Magazins „Forbes“ wird die Stadt as „Top-Finanzmarktplatz“ genannt.
1900-2016: + 5,5 %
1980-1999: + 13,7 %
2000-2016: + 2,4 %
Foto: dpaKanada
Seit 1861 werden an der Börse Toronto Aktien gehandelt, meist mit Erfolg wie die historische Auswertung zeigt. Vor allem Banken- und Ölfirmenaktien dominieren den kanadischen Aktienmarkt.
1900-2016: + 5,7 %
1980-1999: + 6,9 %
2000-2016: + 4,2 %
Foto: REUTERSSchweden
Gebe es einen Nobelpreis für das Investieren, würde Schweden ihn bekommen. Nicht nur ist das Land unter den besten fünf, was Aktieninvestments betrifft. Auch auf dem Anleihenmarkt lief es für die Schweden rund. Rund 2,7 Prozent betrug die durchschnittliche jährliche Realrendite auf Anleihen in den letzten 117 Jahren.
1900-2016: + 5,9 %
1980-1999: + 19,1 %
2000-2016: + 5,0 %
Foto: dpaNeuseeland
Manchmal muss man ans andere Ende der Welt, um sein Geld zu vermehren. Neuseeland scheint jedenfalls ein guter Ort dafür zu sein. Die ersten Regionalbörsen gab es in Neuseeland in den 1870er Jahren, als der Goldrausch viele Abenteurer in das Land lockte. Seit 1974 werden Aktien auf der „New Seeland Stock Exchange“ gehandelt, die aus dem Zusammenschluss der Regionalbörsen hervorging.
1900-2016: + 6,2 %
1980-1999: + 8,9 %
2000-2016: + 6,4 %
Foto: REUTERSUS-Markt
Allen Banken und Finanzkrisen zum Trotz gelten die USA als das Mekka der Investoren – und das seit mehr als 117 Jahren. Rund 53 Prozent des weltweiten Aktienwertes entfallen auf die USA. Im Schnitt konnten die Anleger mit US-Aktien hohe jährliche Realrenditen erzielen, aber nicht die höchsten....
1900-2016: + 6,4 %
1980-1999: + 12,4 %
2000-2016: + 2,7 %
Foto: dpaAustralien
... in Australien gab es für Anleger in den vergangenen Jahrzehnten noch mehr zu holen. Anders als die USA befand sich das Land nicht im Epizentrum der Finanzkrise 2007/2008. So konnten die Anleger Renditen einfahren – und dabei die Nerven schonen.
1900-2016: + 6,8 %
1980-1999: + 8,8 %
2000-2016: + 5,1 %
Foto: REUTERSSüdafrika
Als eine „goldene Gelegenheit“ bezeichnen die Credit-Suisse Analysten den südafrikanischen Aktienmarkt. Kein Wunder, seine Entstehung und Geschichte sind aufs Engste mit dem glänzenden Metall verbunden. Der Goldrausch von 1866 ließ Goldminen-Betreiber wie Pilze aus dem Boden schießen. Um ihnen Kapital zu geben, wurde die Johannesburg Stock Exchange 1887 eröffnet. Goldminen gibt es in dem Land noch immer. Allerdings belegt das Land auf der Goldproduzenten-Liste weltweit nur noch Rang fünf. Auf Rang eins rangiert das Land unter Mangan-, Chrom- und Platinförderern. Der südafrikanische Aktienmarkt hat sich zum langfristig erfolgreichsten Aktienmarkt weltweit entwickelt.
1900-2016: + 7,2 %
1980-1999: + 6,7 %
2000-2016: + 8,2 %
Foto: dpa
Steigende Bewertung
Das durchschnittliche KGV für den US-Aktienmarkt in der Zeit 1973 bis heute betrug knapp 17, die durchschnittliche Gewinnrendite etwa 5,9 Prozent. Derzeit liegt das KGV bei knapp 24, die Gewinnrendite also bei 4,2. Nun zeigt aber das KGV keine Tendenz, um einen Mittelwert zu schwanken. Im Betrachtungszeitraum ist es vielmehr im Trendverlauf gestiegen. Beim Marktzins verhielt es sich umgekehrt: Er ist einem negativen Trend gefolgt.
Der negative Zusammenhang zwischen KGV und Marktzins ist nicht überraschend: Ein fallender Zins treibt das KGV in die Höhe (wenn die Risikoprämie gleich bleibt oder nur wenig steigt). Und dass sich die Marktzinsen im ungedeckten Papiergeldsystem immer weiter der Nulllinie annähern, ist absehbar: Nur durch das Herunterdrücken des Zinses lässt sich der Schuldenturm vor dem Einsturz bewahren.
Was wäre, wenn sich die künftige Gewinnrendite zurückbildet, weil die Marktzinsen – ausgehend vom aktuellen US-amerikanischen Niveau – ihren Abwärtstrend beibehalten und sich so etwas wie „japanische Verhältnisse“ im Zinsmarkt zementieren? Ein KGV von gut 30 könnte die neue Norm werden. Bei gegebenen Gewinnen hieße das, über den Daumen gerechnet, eine Steigerung der Aktienkurse um 25 Prozent. Ein plausibles Szenario.
Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet, scheinen die Aktienmärkte zum aktuellen Bewertungsniveau immer noch nicht „zu teuer“ zu sein: Sie stellen dem Anleger weitere Bewertungszugewinne in Aussicht – wenn, ja wenn die Zinsen niedrig bleiben beziehungsweise weiter absinken. Man sollte jedoch daraus keine vorschnellen Schlüsse ziehen, sich nicht ermuntert sehen, blindlinks in die Aktienmärkte zu investieren.
Nachteile von Index-Investments
Die Bedenken richten sich vor allem an die, die der Auffassung sind, man könne nicht dauerhaft besser abschneiden als der Aktienmarkt – dass also die systematische Erzielung von „Überrenditen“ unmöglich sei und man daher am besten Aktienindex-Zertifikate oder Aktienindex-ETFs kauft. Diese Index-Strategie ist zwar ohne großen Aufwand umsetzbar. Im aktuellen Umfeld hat sie allerdings – und das gilt es zu bedenken – vor allem drei Nachteile.
(1) Aktienindizes enthalten stets Unternehmen, die wenig attraktiv sind, weil sie zum Beispiel in reifen Märkten operieren, und die folglich nur noch unterdurchschnittliche Wachstums- und Gewinnzuwächse in Aussicht stellen, oder sie erzielen eine geringe Kapitalrendite, fallen im Wettbewerb zurück. Wer solche Unternehmen per Indexkauf in sein Portfolio aufnimmt, bezahlt das mit einem Renditeabschlag.
(2) Das „Preis versus Wert“-Prinzip lässt sich nicht anwenden: Man erwirbt nicht nur alle im Index enthaltenen Aktien, sondern man übernimmt sie auch entsprechend ihrer Indexgewichtung. Letztere stellt aber nicht sicher, dass Aktien, die eine hohe Sicherheitsmarge haben, höher gewichtet werden, und dass Aktien, die eine geringere Sicherheitsmarge haben, geringer gewichtet werden, wie es sinnvoll ist.
(3) Die weitere Zinsentwicklung ist und bleibt unsicher. Auf steigende Bewertungen zu setzen, ist riskant. Besser ist es, gezielt in Unternehmen zu investieren, die lange Zeit in der Lage sind, eine hohe Rendite auf das Eigenkapital zu erzielen und den Gewinn pro Aktie zu steigern. Sie sorgen „ganz natürlich“, quasi aus sich heraus für hohe Investitionsrenditen – und profitieren auch von höheren Bewertungen, sollten sie sich denn einstellen.
Diese drei Nachteile der Index-Strategie können in Phasen technologischer Neuerungen – und hierzu ist die digitale Revolution zu rechnen – groß und gewichtig werden. Was ist die Alternative? Sie besteht darin, sehr wählerisch zu sein, ein bewusstes „Stock Picking“ zu betreiben – und dabei diszipliniert das „Preis versus Wert“-Prinzip zu befolgen. Das, was Investoren wirklich wollen, lässt sich erreichen: hohe Renditechancen bei geringem Risiko.