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  4. Welche Art Unternehmensgewinne für Anleger gut sind, welche nicht

Intelligent investierenSo unterscheiden Sie gute Gewinne von schlechten

Gewinne aus unfreien Märkten sind schlecht – nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Gesellschaft. Worauf Anleger achten sollten.Thorsten Polleit 03.01.2018 - 06:00 Uhr

Wie Anleger gute von schlechten Gewinnen unterscheiden.

Foto: dpa

Sind Unternehmensgewinne etwas Gutes? Welcher Gewinn ist angemessen, und welcher ist zu hoch? Diese und andere ethischen Fragen werden immer wieder aufgeworfen. Gut so: Die Bedingungen für gutes Handeln gilt es zu rationalisieren und zu verinnerlichen. Auch für den umsichtigen Investor ist es natürlich sinnvoll, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Verantwortliches Handeln, anständiges Geschäftsgebaren gegenüber Kunden und Mitwettbewerbern sind nicht zuletzt Faktoren, die den Investitionserfolg (mit-)bestimmen.

Führen wir uns dazu zunächst die Funktion des Gewinns vor Augen. In freien Märkten – in Märkten also, in denen die Eigentumsrechte aller respektiert werden – erzielt ein Unternehmen dann einen Gewinn, wenn die Produkte, die es anbietet, von den Nachfragern gekauft werden (und zwar freiwillig), und wenn dabei die Verkaufspreise die Herstellungskosten übersteigen. Der Gewinn stärkt das Unternehmen, und dadurch kann es seine Marktposition ausbauen – zum Vorteil der Nachfrager.  

Macht ein Unternehmen hingegen Verluste, so ist das ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass es die Nachfragewünsche nicht richtig bedient, mit den ihm anvertrauten Mitteln nicht weise umzugehen weiß. Während Unternehmen, die Gewinne machen, die Zufriedenheit der Nachfrager verbessern, leisten Unternehmen, die Verluste einfahren, einen negativen Beitrag. Verluste sind im wahrsten Sinne des Wortes schädlich: Nicht nur für die Unternehmensbesitzer und Angestellte, sondern auch für eine große Zahl von Menschen.

Zur Person
Thorsten Polleit

Denn man sollte wissen: In modernen, arbeitsteiligen Volkswirtschaften ist ja die Unternehmenstätigkeit überwiegend auf den Massenmarkt ausgerichtet. Der Nachfrager der großen Zahl bestimmt, was, wo und in welcher Qualität produziert wird; die Produktion verfeinerter Luxusgüter spielt hier nur eine recht untergeordnete Rolle. Unternehmen, die Gewinne machen, tragen folglich dazu bei, vor allem und insbesondere den Lebensstandard der Vielen zu verbessern.  

Rendite ist entscheidend

Gewinn ist nun aber nicht gleich Gewinn. Absolute Gewinnzahlen, die häufig durch die Presse geistern, sind in der Regel wenig aussagekräftig. Auf was es ankommt, ist die Rendite des Kapitaleinsatzes. Ein Beispiel dazu. Unternehmen A erzielt einen Jahresgewinn von, sagen wir, 10 Milliarden US-Dollar, während Unternehmen B nur 1 Milliarden US-Dollar erzielt. Ist Unternehmen A besser als Unternehmen B? Die Frage lässt sich anhand von absoluten Gewinnen nicht beantworten, vielmehr muss der Kapitaleinsatz in Betracht gezogen werden.

Nehmen wir an, Unternehmen A hat 100 Milliarden US-Dollar eingesetzt und Unternehmen B 5 Milliarden US-Dollar. Die Kapitalrendite von Unternehmen A beträgt demnach zehn Prozent (10 geteilt durch 100), die von Unternehmen B 20 Prozent (1 geteilt durch 5). Ganz offensichtlich ist Unternehmen B erfolgreicher als Unternehmen A, denn es hat besser gewirtschaftet. In freien Märkten kann sich Unternehmen B nun aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, wenn es auch künftig erfolgreich sein will.

Marktausblick 2018

Die Dax-Werte mit den besten Perspektiven

In freien Märkten ist das Kapital nämlich ständig in Bewegung, es kennt keinen Ruhezustand. Zum einen werden Investoren bereit sein, Unternehmen B mit mehr Kapital zu versorgen, in der Hoffnung, es werde seine Erfolgsposition weiter verbessern können. Gleichzeitig drängen neue Anbieter, angelockt von der hohen Rendite, die Unternehmen B erzielt, auf dessen Markt. Ist deren Angebot erfolgreich, wird es die Kapitalrenditen, die Unternehmen B bislang erzielt hat, absenken.

Zum anderen wird Unternehmen A versuchen, seine Kapitalrendite zu verbessern, indem es Produktionsprozesse effizienter gestaltet oder neue und bessere Produkte entwickelt. Das wiederum bremst die Kapitalumlenkung von Unternehmen A zu Unternehmen B beziehungsweise zu den Konkurrenten von B ab. In diesem Wettbewerbsprozess werden alle Unternehmen angehalten, eine hohe Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erwirtschaften – und das steht im Einklang mit den Wünschen der Nachfrager.

Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin Helaba

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,4 Prozent
Deutsche Wirtschaft +2,0 Prozent
Dax 10.500 bis 13.500
Goldpreis 1.400 US-Dollar je Unze

Foto: dpa

Ulrich Stefan, Chef-Anlagestratege Deutsche Bank

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,8 Prozent
Deutsche Wirtschaft +1,8 Prozent
Dax 14.100

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Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt DZ Bank

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,8 Prozent
Deutsche Wirtschaft +2,2 Prozent
Dax 14.000

Foto: Presse

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Deka-Bank

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,7 Prozent
Deutsche Wirtschaft 2,2 Prozent

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Uwe Burkert, Chefvolkswirt LBBW

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,6 Prozent
Deutschland +2,3 Prozent
Dax 13.700

Foto: dpa

Erik F. Nielsen, Chefökonom UniCredit

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,9 Prozent
Wirtschaft der Eurozone +2,3 Prozent

Foto: Presse

Stefan Krenzkamp, Chef-Anlagestratege Deutsche Asset Management

Prognose für 2018:

Weltwirtschaft +3,7 Prozent
Wirtschaft der Europäischen Union +2,0 Prozent
Dax 14.100

Foto: Presse

Intelligent investieren

So schlagen Sie Verlustängsten ein Schnippchen

von Thorsten Polleit

Gewinnerzielung ist unverzichtbar für den volkswirtschaftlichen Fortschritt. Erzielt ein Unternehmen Gewinn, so bedeutet das, dass die Ersparnis in der Volkswirtschaft steigt: Der Unternehmer deckt nicht nur die Kosten der Produktion, er hat jetzt auch zusätzliche Mittel zur Verfügung, mit denen er die Produktion ausweiten kann. Wird der Gewinn (re-)investiert, steigt der Kapitalbestand der Volkswirtschaft. Die Güterproduktion nimmt zu, der materielle Lebensstandard verbessert sich, die realen Löhne steigen.

Man muss keine Sorge haben, Unternehmen könnten in einem freien Markt unangreifbar und allesbeherrschend werden. Jedes Unternehmen muss seinen erworbenen Erfolg am Markt tagtäglich neu verdienen. Sind die Kunden nicht mehr bereit, seine Produkte zu kaufen, ist es schnell vorbei mit dem Erfolg. Es ist folglich ein Trugschluss zu meinen, in freien Märkten sei eine errungene Gewinnposition in Stein gemeißelt. Die Kunden entscheiden vielmehr immer wieder aufs Neue über den Fortbestand des Unternehmenserfolges.

Charles G. Koch (*1935), Leiter des zweitgrößten US-Unternehmenskonglomerats Koch Industries, trifft in seinem Buch Good Profit. How Creating Value for Others Built One of the World’s Most Successful Companies (2015) die Unterscheidung zwischen „guten Gewinnen“ und „schlechten Gewinnen“. Sind die Märkte frei, haben also die Konsumenten Wahlfreiheit und die Unternehmen Produktionsfreiheit, entstehen „gute Gewinne“. Sie sind das Ergebnis von freiwilligen und beidseitig nutzbringenden Transaktionen, so Koch.

Riedls Dax-Radar

Was Anleger 2018 erwartet

von Anton Riedl

Anders stehen die Dinge in nicht freien, in gehemmten Märkten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass der Staat durch Ge- und Verbote, Auflagen, Steuern oder Subventionen eingreift. Er gestaltet dadurch Konsum und Produktion anders, als der ungehemmte Markt sie hervorbringen würde.

Die Staatseingriffe sind dabei niemals „neutral“. Stets begünstigen sie einige auf Kosten anderer. Subventioniert der Staat beispielsweise die Erzeugung eines Gutes mit Steuergeldern, winken Gewinne für Unternehmen, die diese Güter erzeugen. Die Besteuerten können jetzt aber weniger konsumieren, als sie eigentlich wünschen. Zudem sinken die Gewinne der Produzenten, deren Güter nun nicht mehr nachgefragt werden. Man kann also berechtigte Zweifel anmelden, ob die Gewinne der Unternehmen, die im Windschatten des Staates wirtschaften, „gute Gewinne“ sind. Es gibt vielmehr Grund, sie als „schlechte Gewinne“ zu einzustufen: Denn sie entstehen, weil einige (in unserem Beispiel: die Besteuerten) gezwungen werden, dafür zu bezahlen.

These 1: Der Bitcoin bricht ein

Die digitale Währung erreicht, so Steen Jakobsens These, 2018 in der Spitze einen Kurs von 60.000 Dollar und einen Marktwert von mehr als einer Billion Dollar, da Derivate die Kryptowährung für Investoren attraktiver machten. Doch Russland und China würden nicht mitspielen und jede Form von Kryptowährungen in ihren Ländern verbieten. Es komme zum Crash, und 2019 notiere die Währung nahe den Produktionskosten von 1.000 Dollar.

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These 2: Ostländer bestimmen EU-Politik

Haben Emanuel Macron und Angela Merkel bald weniger Grund zum Lachen? Jakobsen prophezeit, dass das Auseinanderdriften der EU-Kernländer und der skeptischeren neuen Mitglieder zu einer unüberbrückbaren Kluft führt. Das politische Zentrum bewege sich vom Duo Deutschland/Frankreich in Richtung Osteuropa. Die institutionelle Blockade führe zum Abstieg des Euro in Richtung Parität zum Dollar.

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These 3: Fed verliert Eigenständigkeit

Für den künftigen Fed-Chef Jerome Powell könnte 2018 ein schwieriges Jahr werden. Laut dem Chefvolkswirt der Saxo Bank gewinne bei den Midterm-Wahlen zur Hälfte von Donald Trumps erster Präsidentschaft in den USA der Populismus an Gewicht. Es mangele an Haushaltsdisziplin, der Einnahmeausfall durch die Steuerkürzungen führe die USA in Richtung Rezession. Auf schwächere Wirtschaft, steigende Inflation und Zinsen wisse die Notenbank Fed keine Antwort. Die Märkte würden verrückt spielen und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wachse. Das Finanzministerium übernehme laut Jakobsen die Führung und erzwinge von der Fed einen maximalen Zins von 2,5 Prozent für langlaufende US-Staatsanleihen, um einen Bond-Crash zu verhindern.

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These 4: Japan startet Zinskontrolle

Die Bank of Japan sieht sich laut Steen Jakobsen höherer Inflation und steigenden Zinsen gegenüber. Der Yen stürze ab, die Notenbank lockere die Geldpolitik, und der Wechselkurs falle von aktuell 113 auf 100 Yen pro Dollar.

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These 5: China führt Petro-Yuan ein

Vom größten Ölimporteur Chinas lassen sich viele Ölförderer in Yuan bezahlen. Angesichts des US-Machtverfalls und erfolgreicher Rohstoffderivate in Yuan werde die Entscheidung der Energiebörse Schanghai, einen Ölfuture in chinesischer Landeswährung einzuführen, ein Riesenerfolg, der sich im Devisenkurs niederschlage. Erstmals müssten je Dollar weniger als sechs Yuan bezahlt werden. Anfang Dezember 2017 sind es noch 6,60 Yuan.

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These 6: Volatilität steigt

Historisch niedrige Aktienkursschwankungen überraschten 2017. Doch im kommenden Jahr breche der S&P-500-Aktienindex plötzlich um 25 Prozent ein. Fonds, die auf Volatilität in kurzer Zeit setzen, würden pleite gehen, wer an langlaufende Schwankungen glaubte, gewinne 1.000 Prozent und mehr, meint der Chefökonom der Saxo Bank.

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These 7: USA rutschen nach links

Junge Menschen werden laut Steen Jakobsen einen enormen Einfluss auf die US-Midterm-Wahlen 2018 haben. Donald Trump lehnen sie ab, ebenso wie die Steuerreform. Eine neue Generation von Demokraten, die ihr Scheckbuch für die Massen öffnen will, steige auf. Das Defizit sei kein Problem mehr. Der Zins für 30-jährige Staatsbonds falle unter fünf Prozent.

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These 8: Frühling in Afrika

Nach dem Abgang von Simbabwes Präsident Robert Mugabe erfolge der demokratische Umbau in Afrika mit Südafrika als Gewinner. Der Rand werde zum Liebling in den Schwellenländern.

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These 9: Tencent verdrängt Apple

Die Wachstumsgeschichte Chinas spiegelt sich bei Technologieaktien in der Marktkapitalisierung wider. Tencent profitiere 2018 massiv davon, steige um 100 Prozent und verdränge mit einem Marktwert von mehr als einer Billion Dollar den Konkurrenten Apple vom ersten Platz in der Rangliste der international wertvollsten Konzerne.

Foto: REUTERS

These 10: Frauen top

Bereits heute schließen mehr Frauen ihr Studium mit einem Bachelor in den USA ab. Sie erschließen ihr Potenzial auch in Führungspositionen und schütteln die „old boys clubs“ kräftig durcheinander. Ende 2018 werden laut dem Chefvolkswirt der Saxo Bank, Steen Jacobsen, mehr als 60 der umsatzstärksten 500 Topkonzerne in der Welt von Frauen geführt. Längst an der Spitze eines Großkonzerns steht Sheryl Sandberg, Geschäftsführererin (COO) von Facebook.

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Ethische Leitlinien

Und was ist mit Unternehmen, die berauschende Getränke, gentechnisch veränderte Produkte oder Kriegs- und Glücksspiele anbieten? Vermutlich regen sich bei einigen Anlegern Bedenken, in diese Geschäfte zu investieren, bei anderen nicht. Für den umsichtigen Investor stellt sich die Frage: Gibt es eine Möglichkeit, eine ethisch-moralisch vernünftige Einstufung zu treffen? Eine, die es erlaubt, in verantwortungsvoller, gut begründeter Weise gute von schlechten Gewinnen zu unterscheiden?

Eine Möglichkeit besteht darin, sich am kategorischen Imperativ, wie ihn der Königsberger Philosoph Immanuel Kant (1724 – 1804) formuliert hat, zu orientieren. Er lautet: „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“. Dieses allgemeine Prinzip der praktischen Vernunft besagt beispielsweise, dass ich nicht wollen kann, dass stehlen erlaubt wird, denn das würde jedes Eigentum, das ich anstrebe (möglicherweise auch durch stehlen), unmöglich machen.

1. Gehen Sie bewusst Risiken ein, um kontinuierliche Vermögensverluste zu vermeiden

Grundsätzlich ist es wichtig zu akzeptieren, dass Investitionsentscheidungen immer die Zukunft betreffen und diese niemals vollständig zu prognostizieren ist. Jede Art der Geldanlage ist deshalb mit Unsicherheit und Risiko verbunden. Das gilt auch für sogenannte „sichere Anlagen“. Trotzdem setzen Privatanleger besonders gerne auf solche Anlagen. So betrachtet ein Großteil der deutschen Bevölkerung vermietete Immobilien als eine der sichersten Anlagen überhaupt. Ganz anders sieht das allerdings das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die Ökonomen haben ermittelt, dass von den knapp sieben Millionen privaten Eigentümern vermieteter Immobilien in Deutschland rund drei Millionen keinen Cent verdienen. Auch „sichere Anlagen“ können also zu ganz massiven realen Vermögensverlusten führen.

(Quelle: Genève Invest)

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2. Widerstehen Sie kurzfristigen Gewinnmitnahmen

In einer sich immer schneller verändernden Welt sind Sicherheit und Bestätigung wichtige menschliche Grundbedürfnisse. Das spiegelt sich auch im Börsenverhalten vieler Privatanleger wider. Insbesondere in unsicheren Zeiten sowie in eher schwachen Börsenphasen neigen viele Investoren dazu, einmal erzielte Gewinne festzuhalten. Der einfachste Weg ist dabei der Verkauf von Aktien- und Anleihepositionen, die sich – wenn auch nur geringfügig – im Plus befinden. Oft werden deshalb schon kleine Gewinne viel zu früh realisiert. Dabei übersehen Anleger aber, dass die Mittel erneut investiert werden müssen und die vermeintliche Sicherheit nur sehr vorrübergehend ist. Anleger sollten sich dieser Zusammenhänge bewusst sein und gutlaufende Positionen so lange halten, bis sie ihr ursprünglich gesetztes Kursziel erreicht haben.

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3. Begrenzen Sie Ihre Verluste

Während kleine Gewinne viel zu schnell mitgenommen werden, wird an schlechten Investments, die sich im Minus befinden, oft viel zu lange festgehalten. Das kann zu enormen Verlusten führen. Das lange Festhalten ist zu einem großen Teil psychologisch bedingt: Schließlich bedeutet die Auflösung einer Verlustposition eine Niederlage, die erst dann tatsächlich gewahr wird, wenn die Verluste realisiert sind und die Chance auf eine Erholung damit vergeben ist. Verluste wachsen deshalb immer weiter an. Anleger sollten bedenken, dass eine Position, die sich mit 10 Prozent im Minus befindet, um gut 11 Prozent wieder ansteigen muss, um das Ausgangsniveau zu erreichen. Nur für Anleihen gilt das nicht unbedingt: Rentenpapiere sind meist endfällig und müssen bei Zahlungsfähigkeit des Emittenten in der Regel zu 100 Prozent getilgt werden.

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4. Vergessen Sie den Einstandskurs

Mal abgesehen von der schwachen Performance, die die Realisierung kleiner Gewinne und das konsequente Festhalten an Verlustpositionen zur Folge hat, führt diese „Strategie“ auch dazu, dass sich die Qualität des Portfolios bei wachsendem Risiko kontinuierlich verschlechtert. Gewinner werden aus der Hand gegeben, Verlierer behalten. Zudem blockiert die zunehmende Anzahl von Nieten immer mehr Kapital, dass für risikoärmere oder gewinnträchtigere Wertpapiere eingesetzt werden könnt. Um dieser Entwicklung vorzubeugen, ist es sinnvoll, sich von den Einstandskursen gedanklich zu lösen. Entscheidend für einen Verkauf oder das Festhalten an einer Position darf deshalb immer nur die für die Zukunft erwartete Entwicklung sein. Haben sich wichtige Verkaufsgründe ergeben, spielt der Einstandskurs keine Rolle.

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5. Vermeiden Sie es, auf vermeintlich attraktive Modethemen aufzuspringen

Die Gier der Masse sollte niemals unterschätzt und in Bezug auf die Vermögenverwaltung mit größter Vorsicht behandelt werden. Dies gilt für jegliche Form der Geldanlage – seien es Aktien, Anleihen oder auch Immobilien. Kommen einzelne Titel, ein Sektor, eine Branche oder auch eine ganze Anlageklasse plötzlich in Mode, und Investoren sind in der Erwartung weiter steigender Kurse praktisch zu jedem Preis dazu bereit, sich finanziell zu engagieren, sollten Sie unbedingt Abstand halten. Die Gier, gepaart mit einer gewissen Euphorie, sowie der Angst, nicht dabei zu sein und damit „sichere“ Vermögenszuwächse zu verpassen, können leicht zu einer Spekulationsblase führen, die platzt.

Foto: dpa

6. Lassen Sie sich nicht von schlechter Stimmung anstecken

Genauso gefährlich wie es ist, sich von übermäßiger Euphorie und Gier anstecken zu lassen, genauso falsch ist es, bei größeren Marktrückgängen in Panik zu verfallen oder gerade unbeliebte Sektoren außer Acht zu lassen. So können sich gerade in „gestressten Marktphasen“ überdurchschnittliche Chancen ergeben. Großes Angebot stößt auf wenig Nachfrage mit entsprechenden Folgen für die Preise. Oft sind bei einer derartigen Investitionsstrategie allerdings Geduld, Disziplin und Stärke gefragt. So bedarf es unter Umständen viel Zeit, bis andere Investoren zu ähnlichen Erkenntnissen und einer ebenfalls positiven Einschätzung kommen. In der Zwischenzeit ist es jedoch möglich, dass sich die Position entgegen den eigenen Erwartungen negativ entwickelt. Insgesamt lässt sich sagen, dass eine vorschnelle Umorientierung des Portfolios aufgrund von Modeerscheinungen keineswegs clever ist, da ein derartiges Verhalten erhebliche Performance kosten kann.

Foto: dpa

7. Investieren Sie niemals in todsichere Tipps

Sicher haben Freunde, Nachbarn oder irgendwelche angeblichen Finanzberater Ihnen auch schon einmal von einer todsicheren Aktien-, Edelmetall- oder Beteiligungsanlage berichtet, die Ihnen garantiert hohe Gewinne bringen würde. „Gewinnen“ können Sie mit „todsicheren Tipps“ allerdings nur dann, wenn Sie sie konsequent ignorieren. So werden Vermögensverwalter von unseren Kunden häufig mit entsprechenden Empfehlungen Dritter konfrontiert. Dabei hat die Auswertung über 15 Jahre hinweg ergeben, dass die Ergebnisse selbst bei Geldanlagen und Modellen, die nicht von vornherein auf Betrug ausgelegt waren, zu einem großen Anteil katastrophal ausgefallen sind. Häufig wäre es sogar zum Totalausfall des eingesetzten Kapitals gekommen. Je verlockender die Gewinnchancen sind, desto höher ist im Allgemeinen auch das Risiko.

Foto: CLARK/obs

8. Vermeiden Sie eine zu einseitige Depotausrichtung

Jede Geldanlage performt mal besser und mal schlechter. Verluste können auch bei noch so sorgfältiger Auswahl niemals ausgeschlossen werden. Das Anlagevermögen sollte deshalb breit diversifiziert auf möglichst viele Assetklassen aufgeteilt werden. Dann sind auch keine hektischen Aktionen erforderlich, wenn sich einige Titel oder ein ganzes Segment „Richtung Süden“ bewegt. So gab es in der Vergangenheit nur sehr selten Phasen, in denen nahezu alle Vermögensklassen unter einer schlechten Entwicklung gelitten haben. Meist konnten Verluste in einem Bereich durch die gute Performance anderer Bereiche ausgeglichen oder im Optimalfall überkompensiert werden.

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9. Vermeiden Sie zyklisches Anlageverhalten

Portfolios mit einem höheren Aktienanteil werfen langfristig stärkere Ergebnisse ab als solche mit einem geringeren Aktienanteil. Grundsätzlich gilt: Je dynamischer die Anlage, desto besser das Ergebnis. Privatanleger neigen dazu, ihren Aktienanteil während gut laufender Börsenphasen sukzessive zu erhöhen, um am Ende einer Hausse dann eine Aktiengewichtung zu haben, die überhaupt nicht mehr der eigenen Risikomentalität entspricht. Bei fallenden Märkten ist es dagegen genau umgekehrt. Es kommt somit in beiden Richtungen zu einem sehr zyklischen Anlageverhalten. Das hat zur Folge, dass das Depot am Ende einer Schwächephase systematisch viel zu wenig Risikopapiere enthält und am Ende eines Aufschwungs, bei dem die Bewertung der jeweiligen Papiere sehr hoch ausfällt, davon vollkommen überfrachtet ist.

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10. Bleiben Sie mit einem guten Liquiditätsmanagement handlungsfähig

Manche Anleger werden ausgesprochen nervös, wenn sich in ihrem Portfolio noch eine Restliquidität befindet. Schließlich kann mit diesen Mitteln keine positive Rendite erwirtschaftet werden. Grundsätzlich ist aber zu bedenken, dass die Märkte über längere Zeiträume hinweg zum Teil deutlich schwanken und praktisch immer mehr oder weniger starke Über- oder Unterbewertungen aufweisen. Anleger, die stets voll investiert sind, haben in Unterbewertungsphasen keinen Spielraum mehr, günstige Einstiegsgelegenheiten zu nutzen. Es ist deshalb wichtig darauf zu achten, in jedem Umfeld handlungsfähig zu bleiben. Dabei muss diese Regel nicht zwangsläufig über das Halten von Barbeständen umgesetzt werden. Das gewünschte Ziel, stets flexibel zu sein, kann auch mit Ertrag bringender „Liquidität“, wie etwa kurzlaufenden Unternehmensanleihen realisiert werden. Diese Papiere sind in der Regel jederzeit über die Börse veräußerbar und tendieren auch in einem schwierigen Marktumfeld dazu, eine hohe Preisstabilität sicherzustellen.

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11. Kleben Sie nicht am Index

Mal Hand aufs Herz: Sind Sie wirklich zufrieden, wenn Ihr Vermögensverwalter in einem Jahr 30 Prozent Ihres Anlagevermögens vernichtet und dies auch noch als gute Leistung verkaufen will, nur weil der DAX im selben Zeitraum 32 Prozent verloren hat? Die Antwort auf diese Frage dürfte eindeutig ausfallen. Dennoch orientieren sich viele professionelle Investoren, aber auch Privatanleger an einer Benchmark und versuchen diese möglichst exakt nachzubilden. Bei Fondsmanagern und anderen Performanceverantwortlichen ist das sogenannte „Benchmark hugging“ meist auf die Angst zurückzuführen, sich bezüglich ihrer Anlageentscheidungen rechtfertigen zu müssen. Wer den Index nachahmt, wird kaum entlassen werden, weil er ja – von etwaigen Kosten einmal abgesehen – nicht unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Bei der Zusammenstellung eines Portfolios ist es deshalb sinnvoll, nur wenig oder überhaupt nicht auf Marktindizes zu achten, sondern stattdessen ganz gezielt solche Vermögenswerte zu erwerben, die bei einem angemessenen Risikolevel das beste Potenzial für zukünftige Rendite bieten.

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12. Misstrauen Sie der historischen Performance großer Fondsgesellschaften

Viele Fondsgesellschaften haben ausschließlich Fonds im Angebot, die in ihrer Kategorie zu den Top-Performern gehören. Privatanleger ziehen daraus fälschlicherweise den Schluss, dass die jeweiligen Anbieter hervorragend arbeiten und ihren Kunden die bestmögliche Performance bieten. Etwas anders stellt sich die Situation bei kleineren und mittleren Vermögensverwaltern und Investmentboutiquen dar. Zum einen fallen Fondsschließungen deutlich eher auf, zum anderen stehen die Manager sehr viel stärker mit ihrem persönlichen Namen für die verfolgten Anlagestile, aber auch den Erfolg oder Misserfolg des jeweiligen Produkts ein. Entsprechend hoch ist ihre Motivation, eine gute Leistung zu zeigen und die von ihnen verwalteten Fonds am Laufen zu halten. Um mit Fondsanlagen gute Ergebnisse zu erzielen, ist es wichtig, selbst eine klare Markteinschätzung zu haben und sich eine Meinung darüber zu bilden, welche Segmente die besten Aussichten aufweisen.

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13. Streben Sie keine vollkommene Informationserfassung an

In der heutigen Zeit ist es sehr einfach, Unmengen von Informationen anzusammeln. Das macht die Bewertung potenzieller Anlagemöglichkeiten jedoch nicht zwingend effektiver. So sollte sich die Datenanalyse immer auf ein einfaches analytisches Rahmenkonzept stützen, um klare Schlussfolgerungen ziehen zu können. Zudem empfiehlt es sich, Marktströmungen sowie etwaige von anderen Marktteilnehmern ausgehende Störfaktoren weitestgehend auszublenden. Auf diese Weise können es Anleger vermeiden, sich von neuen Modeerscheinungen leiten zu lassen, statt an den grundlegenden Bewertungsprinzipien von Investitionen festzuhalten. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Wertpapieranlage wird immer die vernünftige Selektion und Auswertung bewertungsrelevanter Unternehmensdaten bleiben, egal welche und wie viele darüber hinausgehende Information im Internet oder anderen Medien auch immer verfügbar sein mögen.

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14. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen

Viele Privatanleger beschäftigen sich ungern mit der Geldanlage und delegieren diese deshalb komplett an ein Familienmitglied, eine Bank oder eine Vermögensverwaltung. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Dabei sollten sie aber darauf achten, dass Portfolios von Anlegern, denen jegliches Grundverständnis für den Aktien- und Anleihemarkt fehlt, häufig auch dann deutlich schlechter performen, wenn die gesamte Verantwortung an einen fachkundigen Dritten delegiert wird. Auch bei der vollständigen Delegation an einen Dritten ist es deshalb wichtig, sich in Vermögensangelegenheiten ein Grundwissen und -verständnis anzueignen.

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15. Suchen Sie die Schuld nicht bei anderen

Übersteigertes Selbstbewusstsein ist ein typischer menschlicher Charakterzug. Diese natürliche Tendenz, von den eigenen Fähigkeiten übermäßig überzeugt zu sein, ist für Investoren fatal. Sie führt dazu, Entscheidungen auf Basis inadäquater Informationen zu treffen, die Genauigkeit von Prognosen zu überschätzen und anzunehmen, dass man als Investor selbst nicht die Fehler macht, die bereits Generationen von Investoren vor einem begangen haben. Während gute Investitionen meist den eigenen Prognose- und Bewertungsfähigkeiten zugeschreiben werden, wird die „Schuld“ für Fehlentscheidungen nur allzu häufig auf externe Ereignisse oder andere Markteilnehmer geschoben. Genau diese Haltung hindert den Anleger aber daran, misslungene Investments kritisch zu hinterfragen und aus den so gewonnenen Erkenntnissen wichtige Schlüsse für zukünftige Engagements zu ziehen.

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Bestimmte Geschäftsmodelle darf ich natürlich aufgrund meiner persönlichen Werteskala ablehnen, als nicht investierbar einstufen. Ein solches Urteil steht aber nicht notwendigerweise auch im Einklang mit dem höchsten Beurteilungskriterium für die Moralität, wie ihn der kategorische Imperativ darstellt. Nach ihm kann ich nicht wollen, dass unternehmerisches Handeln oder die Nachfrage der Konsumenten auf freien Märkten – auf denen die Eigentumsrechte der Menschen respektiert werden –, eingeschränkt oder verboten werden.

Denn ein solches Prinzip würde meine Handlungsfreiheit – die zum Beispiel auch meine Freiheit betrifft, dieses Argument vorzubringen – aufheben. Man erkennt: Mit Vernunftgründen kann ich Gewinne nicht allgemeinverbindlich für unmoralisch erklären, wenn sie auf freien Märkten erwirtschaftet werden, auf denen das Eigentum aller respektiert wird und Anbieter und Nachfrager freiwillig miteinander handeln – auch dann nicht, wenn ich persönlich die Produktionsweise oder die konkrete Nachfrage, die durch das Gut befriedigt wird, ablehne.

Zur Gewinnmaximierung

Kant gab der Sittlichkeit eine weitere Ausdrucksart: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ Man könnte nun auf die Idee kommen: Gewinnmaximierung ist unvereinbar mit dem kategorischen Imperativ. Schließlich wird unter ihr alles zum Mittel für den Zweck. Das aber wäre eine Fehldeutung. Denn Handeln in freien Märkten bedeutet, dass jeder zugleich Mittel und Zweck ist: Jeder erreicht das, was er will, nur indem die anderen das erreichen, was sie wollen.

Unternehmensgewinne, die in freien Märkten erwirtschaftet werden, als „zu hoch“ zu bezeichnen, und die Gewinnmaximierung zu verdammen, ist gleichbedeutend mit einer Herabwürdigung derjenigen Unternehmen, die der Gesellschaft am besten dienen. Das einzige Ziel aller Produktion ist, die Produktionsfaktoren so einzusetzen, dass man die größtmögliche Menge an Endprodukt erhält. Je weniger man zur Herstellung eines Produktes benötigt, desto mehr knappe Faktoren stehen zur Herstellung anderer Güter zur Verfügung.

Sein Geld in Unternehmen zu investieren, die sich auf freien Märkten im Wettbewerb behaupten, deren Produkte freiwillig gekauft werden, ohne dass dadurch Nichtkäufer zur Kasse gebeten werden, ist eine moralisch gute Sache. Solche Unternehmen dienen der Gesellschaft – also den (Mit-)Menschen – bestmöglich, sie machen „gute Gewinne“. Moralisch-ethische Bedenken sind vielmehr bei Geschäftsmodellen anzumelden, die der (Zwangs-)Staat privilegiert, subventioniert, reglementiert. Hier können keine „guten Gewinne“ erblühen.

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