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Kauf von Ebay Kleinanzeigen3,2,1 – weg: Norweger hängen Springer ab

Der milliardenschwere Verkauf von Ebays Kleinanzeigensparte an den skandinavischen Medienmulti Schibsted setzt Konkurrent Axel Springer unter Zugzwang.KOMMENTAR von Peter Steinkirchner 22.07.2020 - 12:13 Uhr

Nur 2,5 Milliarden Dollar des insgesamt mehr als neun Milliarden Dollar umfassenden Kaufpreises fließen in bar an den Ebay-Konzern.

Foto: dpa

Am Ende wurde es hektisch – als am Wochenende durchsickerte, dass Norwegens Kleinanzeigen-Krösus Adevinta drauf und dran war, den Konkurrenten Ebay Classifieds zu übernehmen, waren die Anwälte beider Seiten gerade noch mitten dabei, letzte Hand an die Verträge zu legen. Die sind durchaus komplex: Statt eines glatten Kaufs haben Skandinavier und US-Amerikaner eine Kreuz-und-quer-Beteiligung vereinbart. Nur 2,5 Milliarden Dollar des insgesamt mehr als neun Milliarden Dollar umfassenden Kaufpreises fließen in bar an den Ebay-Konzern. Stattdessen bekommt der nun mit 44 Prozent das größte Aktienpaket von Adevinta und 33 Prozent der Stimmrechte.

Mit 39 Prozent der Stimmrechte behält allerdings weiterhin die Mutter des erst im vergangenen Jahr entstandenen Kleinanzeigen-Riesen mit Sitz in Oslo das Sagen – der norwegische Medienkonzern Schibsted, zu dem zu dem unter anderem die Tageszeitungen „Aftenposten“ und „VG“ gehören.

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Schibsted ist seit 20 Jahren weltweit einer der Vorreiter in Sachen Online-Marktplätze – und krönt mit dem Ebay-Deal nun vorläufig seine Strategie. Denn ohne Rücksicht auf drohende Verluste hatten die Norweger als eines der ersten Verlagshäuser konsequent damit begonnen, sämtliche Kleinanzeigen auch online anzubieten – auch wenn sie damit ihren etablierten Tageszeitungen Konkurrenz machten. Die erfolgreiche Sparte spalteten sie im vergangenen Jahr ab, sie wird nun geführt vom früheren Schibsted-Vorstandschef Rolv Erik Ryssdal.

Mit dem Kauf der Ebay-Kleinanzeigen-Sparte, zu der in Deutschland etwa das Autohandelsportal mobile.de gehört, treibt der ehrgeizige Ryssdal seine Strategie nun auf die Spitze. Die neue Kombi wird nach eigenen Angaben in 20 Ländern mit einer Milliarde Kunden aktiv sein und bringt es monatlich bereits auf drei Milliarden Visits auf ihren diversen Webseiten.

Hier entsteht geballte Marktmacht, der nach eigenem Bekunden größte Kleinanzeigenanbieter der Welt – mit dem Ryssdal vor allem auch einem europäischen Konkurrenten die Hacken zeigt: Axel Springer und seinem Vorstandschef Mathias Döpfner. Die Berliner waren bereits vor Wochen aus dem Poker um Ebay Kleinanzeigen ausgestiegen.

Mit dem milliardenschweren Finanzinvestor KKR im Rücken hätte mancher Beobachter Springer einen solchen Kauf durchaus zugetraut. Zumal beide – Springer wie KKR – durchaus große Ambitionen angemeldet haben.

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Doch ähnlich wie bei anderen Kaufgelegenheiten in der Vergangenheit kam Springer wieder nicht zum Zuge. Es wiederholt sich ein Muster: Vor Jahren scheiterte der Kauf des TV-Konzerns ProSieben Sat.1 am Kartellamt. Dann platzte die geplante Übernahme der englischen „Financial Times“. Und auch bei der Aufspaltung der Berliner Scout-Gruppe vor wenigen Monaten war Springer als möglicher Interessent gehandelt worden – am Ende machte der Finanzinvestor Hellmann & Friedman das Rennen.

Zwar war auch beim Ebay-Deal fraglich, wie sehr sich durch einen solche großen Kauf die Gewichte innerhalb des Springer-Konzerns verschoben hätten – 2019 setzten die Berliner 1,4 Milliarden Euro mit ihren Medienangeboten von „Bild“ bis „Business Insider“ um, 1,2 Milliarden steuerten die Kleinanzeigen-Portale bei. Springer, das betont Döpfner stets, solle ein journalistisches Haus bleiben.

Doch allmählich stellt sich die Frage, welche anderen Kaufkandidaten KKR und der Vorstandschef denn noch im Visier haben, wenn sie ihren vollmundigen Ankündigungen eines Tages tatsächlich Taten folgen lassen wollen. Schibsted und Adevinta haben nun Fakten geschaffen.

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