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EM 2024Das Spiel hat 90 Minuten? So setzen sich Manager mit Fußball-Floskeln in die Nesseln

Sprachbilder aus der Welt des Fußballs gehören bei Managern zu den beliebtesten rhetorischen Mustern. Wirklich treffend sind sie fast nie – und erfüllen doch oft ihren ganz eigenen Zweck.Konrad Fischer 19.06.2024 - 09:40 Uhr

Fußball-Metaphern im Management sollten Kampfgeist beweisen, doch oft wirken sie einfach nur schräg.

Foto: REUTERS

Die gute Nachricht gleich zu Beginn der Fußballeuropameisterschaft: Das Spiel hat 90 Minuten, Sie verstehen. Nein? Verständlich. Stimmt nämlich auch nicht. Die meisten der 51 Spiele bei dem Turnier werden in die Nachspielzeit gehen. Und damit auch diese Fußballmetapher als das enttarnen, was die meisten dieser Sprachbilder sind: schief. Vor allem die Vergleiche zwischen Management auf der einen und Fußball auf der anderen Seite sind so beliebt, dass sie sich vom Anlass längst gelöst haben. Fußball geht immer. Oder, um es mit Ex-Volkswagen-Chef Herbert Diess zu sagen:

„Fußball passt besonders gut zu Volkswagen, weil es ein demokratischer Sport ist, der alle Bevölkerungsschichten begeistert“

Es gibt da nur ein Problem: Die wenigsten Vergleiche tragen wirklich. Mag eine ganze Unterbranche des Coachingsektors auch ihr Geld mit sinnstiftenden Anekdoten vom Bolzplatz verdienen. Wenn der ehemalige Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam über den Zusammenhang zwischen dem Kampf um die Gunst der Schweizer Kunden und den globalen Markt sagt:

„Es ist wie im Fußball: Wenn du daheim nicht gewinnst, kannst du auch im Auswärtsspiel nicht siegen“

– dann ist das einfach Quatsch.

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Dass die Vergleiche zwischen Fußball und Führung so oft im rhetorischen Abseits enden, liegt schon an den strukturellen Unterschieden zwischen beiden Welten. Die Figur, die für den Managervergleich zumeist herhalten muss, ist die des Trainers. Der aktuelle VW-Chef Oliver Blume definiert seine Rolle etwa „als eine Art Spielertrainer, der die Mannschaft aufstellt, ihr Orientierung gibt, sie motiviert und in der Lage ist, auf allen Positionen aktiv zu werden“. In der Hierarchie eines Fußballvereins aber steht der Trainer an einer völlig anderen Position als sein metaphorisches Pendant, der CEO. Dem entspricht in der Welt eines professionellen Sportvereins der Posten des Geschäftsführers. In dessen Vorstandsteam befindet sich neben klassischen Posten wie einem Finanzvorstand und einem Marketingvorstand zudem ein Sportvorstand, der oft auch als Sportdirektor firmiert. Dieser wiederum besetzt die Mannschaft und ernennt den Trainer – der damit zwei Ebenen unter seinem Vergleichsobjekt steht und, in die VW-Welt übertragen, eher die Rolle des Produktionsleiters als des CEOs innehat. Ein Produktionsleiter zumal, der sich die Mitarbeiter nur selten selbst aussuchen kann, sondern höchstens Wünsche äußert und ansonsten mit dem arbeiten muss, was andere für das Beste – oder am besten Vermarktbare – halten. Wenn der einstige VW-Chef Diess sagte:

„Wie im Fußball sind die Besetzungen bestimmter Stellen die wichtigsten Entscheidungen überhaupt“

– dann lässt sich dagegen herzlich wenig einwenden. Zumindest aus Managersicht. Mit dem Geschäft eines in Personalfragen weitestgehend machtlosen Fußballtrainers aber haben solche Weisheiten wenig zu tun. Auch die Aussage des einstigen Adidas-Chefs Kaspar Rorsted, der sich solcher Vergleiche schon in seiner vorherigen Station beim Konsumgüterhersteller Henkel gerne bediente, wirkt bei genauerer Betrachtung doch reichlich banal, wenn er etwa betont:

„Spieler, die in der Kreisliga erfolgreich waren, spielen nicht immer auch in der Bundesliga mit. Man muss viel Zeit investieren, um gute Leute weiterzuentwickeln“

Nicht besser treffen es oft die Sprüche, die sich auf das Spiel selbst beziehen. „Im Leben wie im Fußball kommen die Ergebnisse aus Zielvorgabe, Vorbereitung, Selbstvertrauen und Unterstützung durch die richtigen Partner“, schrieb Axa-Chef Thomas Buberl einst zu einem Selfie mit Jürgen Klopp, dem langjährigen Trainer beim Fußballclub und Axa-Partner Liverpool FC. Ein bisschen Taktik und Talent, wäre wohl zu ergänzen, könnte auch nicht schaden.

Diese Führungstypen gibt es in Unternehmen
Dieser Typ hat die Fähigkeit, Menschen im direkten Kontakt Sicherheit zu geben und ihnen persönlich den Rücken zu stärken. Der Chef ist authentisch, kompetent und besitzt natürliche Autorität. Loyalität und Zufriedenheit der Mitarbeitenden sind Ergebnis persönlicher Vorbildfunktion und Verantwortungsübernahme. Zentrales Ziel ist, langfristig die Arbeitsplätze der Menschen im Unternehmen und stabile Beziehungen und Organisationsverhältnisse zu sichern.
Die zahlengetriebene Führungskraft ist in der Lage, Menschen so zu organisieren, dass sie auf der Basis eines bestehenden Geschäftsmodells maximalen Profit erwirtschaften. Gute Führung erhöht die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens über Strategie, Zielemanagement und ein professionelles, auf Kennzahlen gestütztes Controlling. Zentrales Ziel ist, eine attraktive Rendite für die Kapitaleigner zu gewährleisten.
Eine gute Führungskraft dieses Typs unterstützt und begleitet die Zusammenarbeit in dezentral organisierten, sich flexibel verschiedenen Aufgabenstellungen anpassenden Teams. Wenn der Manager gut ist, fördert er die Erhöhung der internen Diversität, sorgt für maximale Transparenz von Information und gemeinsame Reflexion von Zusammenhängen. Zentrales Ziel ist, Synergiepotenziale im und zwischen Unternehmen zu heben.
Dieser Chef lässt viel Raum für Eigeninitiative und begünstigt die ungehinderte, hierarchiefreie Vernetzung zwischen allen Akteuren im Unternehmen. Wenn er seinen Job gut macht, vereint er Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen unter einer attraktiven Vision und vertraut auf ihre Fähigkeit zur Selbstorganisation. Zentrales Ziel ist, die Komplexität vernetzter Märkte durch eigene Netzwerke zu bewältigen.
Eine gute Führungskraft dieses Typs motiviert hauptsächlich über persönliche Wertschätzung, Freiräume und die Sinnhaftigkeit gemeinsamer Arbeitszusammenhänge. Er ist offen für basisdemokratische Teilhabe. Themen gesellschaftlicher Solidarität und sozialer Verantwortung sind im Alltagshandeln präsent und wichtig. Zentrales Ziel ist, die Interessen aller relevanten Stakeholder optimal zu balancieren.

Erhellender ist da schon Markus Söders Beschreibung der eigenen Zweikampftaktik:

„Wer nur schön spielen kann, aber bei der kleinsten Rempelei umfällt, der wird sich nicht durchsetzen“

Manch einer in der Schwesterpartei des CSU-Chefs mag sich nur fragen, was Söder mit „schön spielen“ gemeint haben könnte. Ohnehin kann Söder als der ungekrönte König der Fußballmetaphern gelten, so viele von ihnen säumen seinen politischen Weg. Sein Zusammenwirken mit Exparteichef und Kontrahent Horst Seehofer verglich er mit dem kongenialen Offensivduo des FC Bayern, Franck Ribéry und Arjen Robben. Und als er einst eine Kabinettsumbildung in der Bundesregierung herbeiführen wollte, erklärte Söder das per Fußballmetapher kurzerhand zur Selbstverständlichkeit:

„Das ist wie im Fußball: In der zweiten Halbzeit verstärkt man sich mit neuen, frischen Kräften“

Und offenbarte damit den tieferen Sinn mancher offensichtlich sinnloser Vergleiche: die Verharmlosung des eigentlichen Inhalts, in diesem Fall: Rücktrittsforderungen gegenüber Unionskollegen.
Erfolgreich eingesetzt werden die Vergleiche auch, um vom Thema abzulenken, wie die Antwort von SAP-Chefs Christian Klein zeigt, die er auf die zu seinem Amtsantritt gestellte Frage gab. Ob seine relative Jugendlichkeit womöglich ein Nachteil sei:

„Man gewinnt die Champions League nicht, wenn man nur erfahrene Spieler hat, aber auch nicht nur mit jungen Spielern“

Während der Gesprächspartner noch über den Sinn solcher Parallelen grübelt, kann der Kicker im Geiste flugs das Thema wechseln. Und sollte dabei bloß im Kopf behalten, was Porsche-Chef Blume seinerzeit wie folgt ausdrückte: Wenn seine Mannschaft wie im Fußball ein Spiel gewinne, freue man sich zusammen. Und blicke danach gleich wieder nach vorn, um den Erfolg zu verstetigen:

„Es gilt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“

Lesen Sie auch: Neben vielen Fußballfans zieht es dann auch große Unternehmen in die Stadien, denn: Sie nutzen die Werbemöglichkeiten. Worauf es dabei ankommt.

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals im Juni 2021 veröffentlicht. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

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