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AfghanistanTaliban-Vertreter landen zu Gesprächen in Oslo

Zum ersten Mal seit der Machtergreifung reisen die Taliban in ein westliches Land. Vertreter von Norwegen, der EU, der USA und anderen Ländern sind vor Ort. 23.01.2022 - 12:58 Uhr

Norwegen hat die militant-islamistischen Taliban zu dreitägigen Gesprächen nach Oslo eingeladen.

Foto: dpa

Vertreter der militant-islamistischen Taliban sind in die norwegischen Hauptstadt Oslo gereist und haben dort ihre Gespräche über die Situation in Afghanistan begonnen. Die Delegation sei in einem Konferenzhotel im Nordwesten der Stadt angekommen, berichtete der norwegische Sender NRK am Sonntag. Bei den bis Dienstag angesetzten Gesprächen sollten die Taliban auch Afghanen treffen, darunter Frauen, Journalisten und Menschenrechtler.

Es ist das erste Mal, dass die Islamisten seit ihrer Machtergreifung in Afghanistan mit einer Delegation in ein westliches Land reisen. Nach Informationen des Senders NRK sollte vom Verlauf der ersten Treffen abhängen, ob die Taliban bei ihrem Besuch auch mit der norwegischen Außenministerin Anniken Huitfeldt sprechen werden oder nicht. Diese hatte die Einladung zuvor verteidigt und argumentiert, man könne die Taliban nur im Dialog für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen. Ihre Hoffnung ist, dass sich die Situation für Frauen in Afghanistan durch diplomatische Bemühungen verbessern lässt.

Der amtierende Taliban-Außenminister Amir Chan Muttaki sagte in einer Audio-Botschaft vor der Abreise, er sei mit einer 15-köpfigen Delegation nach Norwegen eingeladen worden und werde dort neben Afghanen auch Vertreter von Norwegen, der EU, der USA und anderen Ländern treffen. Er hoffe, die Reise könne der Beginn einer positiven Beziehung der Taliban mit Europa sein.

Norwegische Delegation war in Kabul

International ist das Treffen auch auf Kritik gestoßen. Sowohl in Oslo als auch vor norwegischen Botschaften in London oder Toronto protestierten Afghanen, wie aus Social-Media-Videos hervorgeht, die in der afghanischen Community vielfach geteilt wurden. Die Demonstranten warfen Norwegen vor, den Taliban den Hof zu machen und damit auf der falschen Seite zu stehen. Auch in Kabul protestierten einige Frauen und Mädchen im Geheimen und teilten ein Video davon.

Norwegen ist in der Vergangenheit immer wieder als Vermittler bei Konflikten in anderen Ländern aufgetreten, zuletzt unter anderem bei dem in Venezuela. Auch mit den Taliban steht das skandinavische Nicht-EU-Land seit Jahren im Dialog. Eine norwegische Delegation reiste in den vergangenen Tagen für Gespräche über die schwierige humanitäre Lage in Afghanistan nach Kabul.

dpa
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