EU-Taxonomie: Stoppt die Planwirtschaft: Schafft die Taxonomie ab!

Die Beispiele Atomkraft und Gas zeigen, dass sich die Taxonomie nicht an wissenschaftlichen Kriterien ausrichtet: Das Etikett kommt auf die Technologien, die gerade gebraucht werden.
Foto: ImagoVielleicht hätte ein Blick ins Tierreich der Politik ja geholfen. Die Biologie nutzt seit Jahrhunderten eine Taxonomie, um Lebewesen zu kategorisieren. Bei aller Ordnung, die das System schafft, klaffen große Lücken. Erst rund die Hälfte aller terrestrischen Gliederfüßler wie Insekten und Krebse sind erfasst, bei den Einzellern mit Zellkernen sind es erst fünf Prozent. Selbst geübte Taxonomen tun sich mitunter schwer, eine Spezies richtig einzuordnen.
Genau das maßt sich die europäische Politik nun aber an. Wirtschaftsaktivitäten will sie als nachhaltig klassifizieren, im ersten Schritt geht es um die Auswirkung auf die Umwelt. Eine Einteilung zu sozialer Nachhaltigkeit soll folgen. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch Negativ-Kategorien geben wird.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verspricht Anlegern mit diesem System Übersicht. Das Gegenteil ist der Fall. Die Beispiele Atomkraft und Gas zeigen, dass sich die Klassifizierung nicht an wissenschaftlichen Kriterien ausrichtet, sondern an politischer Notwendigkeit. Das Etikett kommt auf die Technologien, die gerade gebraucht werden.
Bei der sozialen Taxonomie droht die Einordnung noch willkürlicher zu werden, weil wissenschaftliche Kriterien hier gänzlich fehlen. Wenn die Rüstungsbranche nun Lobbyarbeit betreibt, um das Label sozial zu erhalten, weil sie andernfalls fürchtet, nicht mehr an Kapital zu kommen, dann zeigt sich, wie absurd die Debatte bereits ist. Die Taxonomie gehört abgeschafft. Für die Planwirtschaft, die damit einhergeht, sollte in Europa kein Platz sein.
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