Lars-Hendrik Röller: Merkels Ex-Berater Röller wird Chairman für Blackrock
Lars-Hendrik Röller
Foto: imago imagesAls Lars-Hendrik Röller Ende vergangenen Jahres sein Büro im Kanzleramt leerräumte, hatte der langjährige Wirtschaftsberater von Angela Merkel schon einen ganzen Stapel Angebote auf dem Tisch. Doch zunächst zog es den 63-jährigen Wissenschaftler wieder zurück an seine frühere Wirkungsstätte: die Privatuniversität ESMT in Berlin, die European School of Management and Technology, wo er sich als Professor of Economics erneut der Lehre widmete. Doch den umtriebigen Ökonomen, der auch das Beratungsunternehmen E.CA Economics leitet, reizte ein Angebot, das Larry Fink ihm schon vor einiger Zeit unterbreitet hatte. Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters wollte Röller als Vorsitzenden für sein neues externes Expertengremium engagieren.
Doch der Kanzlerberater musste erst die Genehmigung für seine neue Tätigkeit abwarten. Jetzt allerdings kann es losgehen: Unter seiner Leitung wird ein neu zu gründendes Transition Investing Advisory Council das Top-Management von Blackrock beraten, wie das Unternehmen der WirtschaftsWoche bestätigte. Hauptaufgabe für den neuen Chairman Röller und andere externe Experten sind Investitionen in die klimaneutrale Transformation der Unternehmen. „Der Fokus liegt auf den Herausforderungen und Investmentchancen beim Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft“, sagte ein Sprecher.
Röller reizt bei dieser Aufgabe vor allem die globale Dimension und der riesige finanzielle Hebel, den die Finanzkraft von Blackrock bietet. Der US-Vermögensverwalter, für den auch schon der heutige CDU-Vorsitzende Friedrich Merz als Berater arbeitete, verfügt über ein Anlagevolumen von 9,6 Billionen Dollar. Kombiniert mit staatlichen Förderungen, allen voran mit den milliardenschweren Mitteln aus dem Green Deal Fonds der EU, lassen sich zusammen mit dem privaten Kapital riesige Summen bewegen. Röller sieht darin die große Chance, den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft entscheidend voranzubringen. Hintergrund dieser Strategie ist auch das Ziel von Blackrock-Chef Larry Fink, nur noch in nachhaltige Unternehmen investieren zu wollen. Fink hatte schon vor zwei Jahren mit entsprechenden Briefen an seine Kunden angekündigt, künftig ausschließlich auf nachhaltige Investments zu setzen.
Röller hat Merkel nicht nur in wirtschaftspolitischen Fragen beraten und im Rahmen dieser Arbeit mit nahezu jedem CEO der Dax-Unternehmen engen Kontakt gehalten; er hat als Sherpa auch die G7 und die G20-Gipfel vorbereitet. Mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron arbeitet er schon zusammen, als dieser noch Wirtschaftsberater der Regierung in Paris war. Blackrock will das internationale Kontaktnetz von Röller ebenso nutzen wie seine langjährige Expertise als Wissenschaftler und Ökonom. Es gebe einen „tectonic shift towards sustainable investing“, hatte Larry Fink angekündigt. Bei dieser Mission kann er nun auf den früheren Merkel-Berater zählen. Sein Standbein in der Wissenschaft will Röller jedoch nicht aufgeben; er wird weiter als Ökonomie-Professor die Studierenden der ESMT in Berlin unterrichten.
Lesen Sie auch: Die neue Ära an den Kapitalmärkten – und ihre Folgen für Anleger