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CoronafolgenLong Covid und Beruf: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Long Covid hat viele Gesichter – von Erschöpfung bis hin zu psychischen Beschwerden. Auch der Berufsalltag kann davon betroffen sein, wenn die Arbeit nicht mehr möglich ist. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.Anabel Schröter 16.09.2022 - 16:23 Uhr

Krankschreibung durch Long-Covid und der Weg zurück in das Berufsleben.

Foto: imago images

Keine Kraft, um dem Job im vollen Umfang nachzugehen oder sogar eine komplette Arbeitsunfähigkeit: Beides kann eine Folge von Long Covid sein. Die Schwere des Krankheitsverlaufs der eigentlichen Coronainfektion spielt dafür keine Rolle. Welche Auswirkungen Long Covid auf das Berufsleben haben kann und wie eine Wiedereingliederung verläuft: Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist Long Covid und welche Symptome gibt es?

Von Long Covid spricht das Bundesministerium für Gesundheit, wenn vier Wochen nach der akuten Krankheitsphase noch gesundheitliche Beschwerden auftreten. Beim sogenannten Post-Covid-Syndrom sind zwölf Wochen nach der Infektion noch Symptome vorhanden oder treten neu auf. In unserem Text unterscheiden wir nicht zwischen den beiden Begriffen.

Das Risiko, an Long Covid zu erkranken, ist zwar nach einem schweren Covid-19-Verlauf höher. Aber auch ein milder Verlauf oder eine Infektion ohne Symptomatik kann zu möglichen Langzeitfolgen führen. Die Auswirkungen einer Long-Covid-Erkrankung sind individuell verschieden, häufig treten aber mehrere Symptome gleichzeitig auf. Viele Betroffene klagen über Erschöpfung (Fatigue), Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Aber auch Schlafstörungen, anhaltender Husten, Kopfschmerzen, Haarausfall und psychische Beschwerden können ein Hinweis auf eine Long-Covid-Erkrankung sein.

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Kann Omikron auch Long Covid auslösen?

Ja, allerdings ist laut einer ersten britischen Studie von fünf Medizinerinnen und Medizinern das Risiko, nach einer Infektion mit einer Omikron-Variante geringer, an Long Covid zu erkranken, als nach einer Infektion mit der Delta-Variante. Die Medizinerin Clair Steves und ihr Team verglichen Daten von rund 56.000 Omikron-Fällen und von rund 41.000 Delta-Fällen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass 10,6 Prozent der Delta-Patienten Long Covid bekommen, allerdings nur 4,4 Prozent der Omikron-Infizierten. Trotz der geringeren Anteile der Long-Covid-Erkrankten nach einer Omikron-Infektion steigen die Zahlen der Long-Covid-Betroffenen stetig, da die Omikron-Welle durchweg eine höhere Inzidenz aufweist als zuvor die anderen Wellen.

„Post-Vac-Syndrom“: Kann eine Schutzimpfung zu Long-Covid führen?

Die Datengrundlage dazu ist aktuell noch sehr dünn. Unter dem Begriff „Post-Vaccine-Syndrom“ werden allerdings solche Beschwerden gesammelt. Eine einheitliche medizinische Einordnung zu dem Begriff gibt es allerdings nicht. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts sind die Verdachtsmeldungen aufgrund der hohen Anzahl an durchgeführten Impfungen sehr gering. Die Symptome bei dem „Post-Vac-Syndrom“ sind zumindest ähnlich zu denen von Long Covid. Um allerdings fundierte Aussagen zu Long Covid und zu dem „Post-Vac-Syndrom“ treffen zu können, sind weitere Studien notwendig.

Ist Long Covid eine anerkannte Berufskrankheit?

Ja, aber nur eingeschränkt. Nach der Berufskrankheiten-Verordnung ist Covid-19 als Berufskrankheit gelistet, allerdings nur für bestimmte Berufs- und Tätigkeitsfelder. Aus der Verordnung geht hervor, dass Versicherte aus dem Gesundheitswesen, im Labor oder einer anderen Tätigkeit – die der Gefahr einer Infektion in einem ähnlichen Maß ausgesetzt sind – ihre Erkrankung als Berufskrankheit einstufen lassen können. Das hohe Infektionsrisiko muss sich dann allerdings in den hohen Erkrankungszahlen in dieser Branche widerspiegeln. Ist das der Fall, werden die gesundheitlichen Folgeschäden einer Covid-19-Infektion durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert, heißt es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

Welche Ansprüche auf Krankengeld haben Erkrankte im Fall von Long Covid?

Ab dem ersten Tag der Krankschreibung durch eine Ärztin besteht der Anspruch auf Krankengeld. Dieser gilt auch bei einer stationären Aufnahme oder der Behandlung in einer Reha-Einrichtung. In der Regel wird der reguläre Lohn bis einschließlich zur sechsten Woche der Krankschreibung vom Arbeitgeber weitergezahlt. Bei einer längeren Krankheitszeit übernimmt die Versicherung des Arbeitnehmers ab der siebten Woche die Zahlung des Krankengeldes. Dabei ist die maximale Zahlungsdauer auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren festgeschrieben. Die Höhe des Krankengeldes beläuft sich dabei auf 70 Prozent des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts. Für Selbstständige gilt der Krankengeldanspruch erst ab der siebten Woche, für den Zeitraum davor können Wahltarife bei den Versicherungen den Verdienstausfall verringern. Bei kurzzeitiger Beschäftigung greift eine ähnliche Regelung wie bei den Selbstständigen. Auch hier tritt die Leistung des Krankengeldes erst mit dem 43. Tag in Kraft.

Wann kann ich eine Reha machen bei Long Covid?

Eine Rehamaßnahme ist für Rentenversicherte möglich, sobald durch die Folgen der Covid-Infektion eine Gefährdung der Erwerbsfähigkeit vorliegt. Eine weitere Voraussetzung für die Bewilligung einer Rehabilitation ist, dass durch die Maßnahme eine Besserung zu erwarten ist. Zudem sollten die Patienten ausreichend belastbar sein, sodass sie aktiv an den Therapien teilnehmen können. Laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ist eine ärztliche Verordnung für die Bewilligung nicht notwendig, da der Reha-Antrag über die DRV läuft und nicht über die Krankenkasse. Ein ärztlicher Bericht kann den Antrag allerdings unterstützen, da dadurch die Wahl der richtigen Reha-Einrichtung vereinfacht und auf die Beschwerden angepasst wird.

Wie läuft eine Wiedereingliederung bei Long Covid ab?

Einen einheitlichen Fahrplan für die Wiedereingliederung mit Long Covid gibt es nicht. Ein stufenweise Wiedereinstieg, auch Hamburger Modell genannt, ist ein häufiger Ansatz. Dabei wird mit wenigen Arbeitsstunden und geringer Arbeitsintensität begonnen und sich dann wieder schrittweise auf das Ausgangsniveau vor der Erkrankung hochgearbeitet. Eine Ärztin soll dabei den Verlauf beobachten und die Stufen der Gesundheit anpassen. Dementsprechend verläuft die Eingliederung der Patienten individuell. Vorausetzung für den Stufenplan ist es allerdings auch, dass der Reha-Träger und der Arbeitgeber zustimmen und die Maßnahme zuvor bei der Renten- oder Krankenversicherung beantragt wird.

Wie lange dauert die Wiedereingliederung bei Long Covid?

Im Regelfall überschreitet eine Wiedereingliederung einen Zeitraum von sechs Monaten nicht. Die Dauer des Wiedereinstiegs richtet sich aber nach dem gesundheitlichen Stand des Erkrankten, sodass die Maßnahme individuell angepasst wird. Nach der Zeit soll der Patient wieder in der Lage sein so zu arbeiten wie vor der Erkrankung. Während der Wiedereingliederung erhält er dann weiterhin sein Kranken- oder Übergangsgeld und gilt weiterhin als arbeitsunfähig. Sollte nach der Wiedereingliederung der normale Arbeitsalltag nicht möglich sein, gibt es laut BMAS weitere Möglichkeiten: So sind eine weitere Reha, aber auch eine Form der Rente – wie die Erwerbsminderungsrente – mögliche Optionen.

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