Gehaltsreport: So viel Geld verdienen Beschäftigte in der Chemiebranche
Beschäftigte in der Chemiebranche profitieren vom Fachkräftemangel
Foto: imago imagesEs geht also auch ohne Krawall: Drei Tage und drei Nächte hat die Gewerkschaft IG BCE mit den Arbeitgebern der Chemie- und Pharmabranche verhandelt. Dann stand die Einigung: Lohnsteigerungen von 3,25 Prozent sowie Einmalzahlungen von insgesamt 3000 Euro.
Mag die IG Metall mit Warnstreiks Ende Oktober drohen und Verdi sowie Beamtenbund mit einer zweistelligen Forderung von 10,5 Prozent im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen, in der Chemiebranche einigt man sich nahezu geräuschlos. „Unsere Leute wollen Ergebnisse, keine Konflikte“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, Ralf Sikorski.
Inmitten von Energiekrise und Inflation darf sich nun also mehr als eine halbe Million Beschäftigte über eine kräftige Lohnerhöhungen freuen: Die Einmalzahlungen sind als Inflationsgeld steuer- und abgabenfrei und werden in zwei Schritten von jeweils 1500 Euro pro Kopf ausgezahlt: spätestens im Januar 2023 und im Januar 2024. Auch die dauerhaften Lohnsteigerungen erfolgen in zwei Stufen: Ein Plus von 3,25 Prozent gibt es ab Januar 2023 und weitere 3,25 Prozent ab Januar 2024. Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten können die beiden Schritte der Lohnerhöhung mittels Betriebsvereinbarungen um bis zu drei Monate verschieben.
Einsteiger profitieren vom Fachkräftemangel
Das Paket gilt für 1900 Betriebe. Und auch für Führungskräfte in der Chemieindustrie, die als eine der am besten zahlenden Branchen in Deutschland gilt, sieht es gut aus. Das zeigt auch der große Gehaltsreport, den die Personalberatung Korn Ferry exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt hat. Das Gehalt von Führungskräften liegt im Mittel bei 138.195 Euro (inklusive Boni) – ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. In manchen Bereichen, etwa dem Personalwesen, ging es für Führungskräfte sogar um sieben Prozent nach oben. Berufseinsteiger mit akademischem Abschluss und Facharbeiter in leitenden Funktionen kamen im Mittel über alle Abteilungen hinweg auf 81.559 Euro (inklusive Boni). Sie profitieren vor allem vom Fachkräftemangel: In der IT beispielsweise zogen die Gehälter für Einsteiger mit Hochschulabschluss und Facharbeiter in leitenden Positionen im vergangenen Jahr sogar um 14 Prozent an, im Bereich Personal immer noch um elf Prozent.
Für den Gehaltsreport hat Korn Ferry mehr als 360.000 Gehaltsdatensätze aus 764 Unternehmen analysiert. Die Zahlen stammen aus den Branchen Chemie, Konsumgüter, Pharma und Gesundheit, Automobil, Öl und Gas, Industrie und Maschinenbau – und sind nach Abteilungen untergliedert, also etwa Personal, Produktion oder IT. Korn Ferry sammelte die Daten bis Ende August. Hier finden Sie die Daten zu sämtlichen Jobpositionen und Branchen.
Ob es so weitergeht?
Die Chemiebranche steht unter Druck, denn sie ist extrem energieintensiv - mit einem Anteil von 15 Prozent ist sie der größte deutsche Gasverbraucher, knapp ein Drittel des Industrieverbrauchs entfällt auf sie. Und sie kann die hohen Preise für Gas und auch Strom nur begrenzt an Kunden weiterreichen.
„Die Linienfunktionen – also Produktion, Vertrieb, Ingenieurwesen, die direkt mit dem Geschäft zu tun haben – sind bei den Gehaltsniveaus normalerweise am stabilsten“, sagt Christine Seibel, die bei Korn Ferry als Vergütungsexpertin arbeitet und den Gehaltsreport betreut. Läuft es im Unternehmen gut, erhalten sie einen kleinen Bonus. Läuft es schlecht, wird an diesen Stellen selten gespart, da diese Mitarbeitenden kritisch für den weiteren Erfolg sind.“
Gut möglich also, dass es in Zukunft nicht immer so geräuschlos bleibt.
Hier finden Sie den kompletten großen Gehaltsvergleich als Tabelle zum Download