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Neue FinanzierungsrundeÖko-Bank Tomorrow sammelt erneut Geld bei Privatanlegern ein

Mit einer neuen Finanzierungsrunde will die Tomorrow Bank frisches Geld bei Kleinanlegern einsammeln. Für die gebotenen fünf Prozent Zinsen gehen Anleger ein hohes Risiko ein.Philipp Frohn 27.10.2022 - 09:00 Uhr

Die Gründer und Geschäftsführer der Neobank Tomorrow: Inas Nureldin, Michael Schweikart und Jakob Bernd.

Foto: WirtschaftsWoche,

Das Hamburger Fintech Tomorrow plant eine neue Finanzierungsrunde bei Privatanlegern. Ab dem 15. November, 12 Uhr, können Anleger über die Plattform Wiwin in die Öko-Bank investieren, wie das Unternehmen der WirtschaftsWoche vorab mitteilte. Einen einstelligen Millionenbetrag will Tomorrow so einnehmen – konkretere Angaben macht das Start-up auf Anfrage nicht.

Die 2018 gegründete Neobank will Banking und Geldanlage nachhaltiger machen. Derzeit zählt Tomorrow 120.000 Kunden. Die neue Finanzierung soll frisches Geld in die Kasse spülen, um die Entwicklung des Geschäfts voranzutreiben. Das ambitionierte Ziel der Hamburger: eine Millionen Kunden bis 2025.

Wer in Tomorrow investieren möchte, muss sich beim Funding-Start Mitte November wohl beeilen: Bei den zwei vergangenen Crowdfundings hatte Tomorrow das Finanzierungsziel binnen weniger Stunden erreicht. Nicht alle Interessierten konnten sich an dem Investment beteiligen.

Die dritte Finanzierungsrunde bei Privatanlegern kündigt das Fintech auch deshalb mit zweieinhalbwöchiger Vorwarnung an. Aber: „Anleger sollten sich gut überlegen, ob sie ihr Geld in ein Fintech investieren. Die Risiken sind schließlich höher als bei Aktien“, sagt Jakob Berndt, einer der drei Tomorrow-Gründer, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

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Totalverlust ist nicht ausgeschlossen

Tatsächlich bergen Investments wie die Tomorrow-Beteiligung Gefahren. Anleger müssen bei solchen außerbörslichen Anlagen das Kleingedruckte im Blick halten. Bei Tomorrow erwerben Anleger tokenbasierte Genussrechte. Sie leihen dem Unternehmen Geld, bekommen dafür fünf Prozent Zinsen und werden an möglichen Gewinnen beteiligt.

Eine Garantie, dass Zinsen und Gewinnbeteiligung tatsächlich fließen, gibt es allerdings nicht. Zudem ist das Anlegergeld nicht abgesichert, es besteht ein Totalverlustrisiko. Sollte Tomorrow insolvent gehen, ist das Geld futsch. Bei der Mindestanlagesumme von 100 Euro wäre das noch verkraftbar. Bei größeren Anlagebeträgen (bis 25.000 Euro sind möglich) wäre die Tomorrow-Beteiligung im Ernstfall ein teures Fehlinvestment. Die meisten Anleger investierten Beträge zwischen 1000 und 2000 Euro, so die Gründer.

Seit der letzten Finanzierungsrunde ist an den Finanzmärkten viel passiert. Die Zinswende hat zum Beispiel die Renditen für Staatsanleihen in die Höhe getrieben. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen notierte zuletzt bei gut 2,2 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass der deutsche Staat als Schuldner pleitegeht, ist relativ überschaubar. Anleger müssen für sich die Frage beantworten, ob ihnen der Risikoaufschlag von 2,8 Prozentpunkten beim Tomorrow-Investment genügt, um das deutlich höhere Verlustrisiko zu kompensieren.

Hinzu kommt: Bei der Beteiligung an Tomorrow ist das Geld für mindestens fünf Jahre gebunden. Auch wenn sich die finanzielle Situation eines Anlegers beispielsweise wegen Arbeitslosigkeit oder Scheidung ändert, kommt er so lange nicht an seine Einlage. Die Gründer gehen mit den Risiken sehr transparent um: „Wir sagen den Anlegern immer: Wenn ihr das Geld nicht übrig habt, investiert nicht“, so Berndt.

Frisches Kapital über die Crowd zu besorgen wird bei Unternehmen immer beliebter. Sie kommen so leichter an Fremdkapital und die Anleger besitzen kein Mitspracherecht. Das will Tomorrow ändern. Demnächst soll ein Mitglied des sogenannten Advisory Boards, eines Kontrollgremiums, das Unternehmensentscheidungen diskutiert und verabschiedet, aus den Reihen der Anleger kommen. Der Crowd-Vertreter wäre eines von sechs stimmberechtigten Mitgliedern in dem Gremium.

In den vergangenen zwei Jahren bekam Tomorrow durch Crowdinvestments insgesamt elf Millionen Euro zusammen. Schon jetzt sind Privatpersonen der größte Geldgeber der Neobank. Von institutionellen Investoren kamen in diesem Jahr fünf Millionen Euro.

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