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Fragwürdige UnternehmenskulturAdidas darf sich nicht hinter Kanye Wests irren Aussagen verstecken

Die Adidas-Führung hat die Geschäfte mit Rapper und Influencer Kanye West offenbar über das Wohlergehen der eigenen Mitarbeiter gestellt. Jetzt müssen die Manager lückenlos aufklären, wer welche Anschuldigungen wann ignoriert hat. Ein Kommentar.Jannik Deters 28.11.2022 - 20:15 Uhr

Werbefigur Kanye West (li.), der sich in Ye umbenannt hat, und sein schlechter Umgang mit Adidas-Mitarbeitern war laut einem Medienbericht bereits 2018 Thema in einer Sitzung mit dem damaligen Vorstandschef Kasper Rorsted.

Foto: imago images

Eigentlich war der Sonntag ein guter Tag für Adidas. Mit Spanien und Deutschland boten zwei Teams, die die drei Streifen der Marke auf ihren Trikots bewerben, ein aufregendes Fußballspiel. Endlich einmal positive Nachrichten von dieser so umstrittenen WM in Katar, dürften sich die Manager in Herzogenaurach gedacht haben. Doch kaum war das 1:1 abgepfiffen, mussten sie sich wieder einem leidigen Thema widmen: den Eskapaden von ihrem ehemaligen Markenbotschafter Kanye West.

Das „Wall Street Journal“ berichtete, Vorstände und Führungskräfte von Adidas sollen bereits vor vier Jahren über die Risiken der Zusammenarbeit mit dem heftig in die Kritik geratenen Rapper und dessen Umgang mit Adidas-Mitarbeiterinnen beratschlagt haben. Beschwerden von Mitarbeiterinnen über angebliche Belästigungen ignorierten sie demnach.

Stattdessen taten die Verantwortlichen alles, um die Kooperation am Leben zu halten – und missachteten damit alle Standards guter Unternehmenskultur. Der Umgang mit den Vorwürfen der Mitarbeiterinnen, über die vor einigen Tagen bereits das Magazin „Rolling Stone“ berichtet hatte, zeigt: Den 23-seitigen Verhaltenskodex, dem sich der Konzern verschrieben hat, nimmt die Unternehmensspitze selbst nicht ernst, sollten sich die Recherchen erhärten.

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Dabei beansprucht Adidas für sich – auf dem Papier – eine Nulltoleranz-Politik. Man dulde „keinerlei Belästigung oder Diskriminierung von Mitarbeitern oder Partnern“, so steht es im Verhaltenskodex. Zur Förderung von Inklusion am Arbeitsplatz gibt es ein verpflichtendes Training für alle 61.000 Mitarbeiter weltweit.

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Doch was bringt das, wenn diese Grundlagen eines fairen, wertschätzenden Umgangs miteinander auf höchster Ebene ignoriert werden? Am 25. Oktober, und damit erst Wochen nach den wiederholten antisemitischen Äußerungen des Rappers, kappte der Dax-Konzern die Verbindung. Adidas verurteilte in seiner Pressemitteilung den Hass und die antisemitischen Äußerungen Wests. Über dessen Grenzüberschreitungen bei der Arbeit? Kein Wort.

Erst als vergangene Woche ein Brief an den Vorstand bekannt wurde, in dem Mitarbeiter von einem System aus Dominanz, Angst und Manipulation seitens Wests schreiben, reagierte Adidas auch darauf. Das Unternehmen leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung ein. Wieder: viel zu spät. Auf Anfrage der WirtschaftsWoche sagte eine Sprecherin am Montag, es sei „unklar, ob die in einem anonymen Brief erhobenen Vorwürfe den Tatsachen entsprechen“. Man nehme sie aber sehr ernst.

Doch große Bedenken hatte die Führungsebene offenbar schon lange. Vorstände und Führungskräfte sollen bereits 2018 die Risiken der Zusammenarbeit mit dem Rapper ausgiebig erörtert haben. Darunter war auch der vor wenigen Wochen ausgeschiedene damalige Vorstandschef Kasper Rorsted und die Chefin der HR-Abteilung. Das „WSJ“ berichtete von einer Präsentation, in der es um Risiken für Adidas-Angestellte mit direktem Kontakt zu West ging. Die Gruppe diskutierte demnach Strategien zur Risikominimierung, bis hin zum Ende der Zusammenarbeit. Doch nichts geschah.

Die Trennung vom weltbekannten Werbegesicht und Influencer mit 18,5 Millionen Followern war für den Sportartikelhersteller die wirklich allerletzte Option. Zu groß war sein Stellenwert als verlässlicher Umsatzbringer.

Der neue Vorstandschef Björn Gulden muss den moralischen Kompass der Führungsetage neu ausrichten und lückenlos aufklären, wer welche Anschuldigungen gegen den Rapper wann ignoriert hat. Wenn dem Unternehmen die selbst ausgerufenen Wertemaßstäbe etwas wert sind, muss es diese auch an externe Kooperationspartner anlegen – und darf sich nicht hinter den irren Äußerungen eines wohl manischen Ausnahmekünstlers verstecken.

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