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GesundheitskonzernFresenius will Dialysetochter FMC aus Bilanz nehmen

Chefwechsel, mehrere Gewinnwarnungen, Absturz der Aktie: Der Gesundheitskonzern hat turbulenten Zeiten hinter sich. Im vergangenen Jahr brach der Gewinn ein, vor allem die Dialysetochter FMC belastet. 22.02.2023 - 07:11 Uhr

Fresenius-Tochter FMC soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

Foto: dpa

Der Gesundheits- und Klinikkonzern Fresenius treibt nach einem Gewinneinbruch 2022 die Loslösung von seiner kriselnden Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) voran. Die zuständigen Gremien hätten der Entflechtung im Wege eines Formwechsels der FMC in eine Aktiengesellschaft zugestimmt, teilte der Dax-Konzern mit.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Juli solle der Beschluss gefasst werden, der Vollzug wird bis Jahresende erwartet. „2023 ist das Jahr, in dem wir entscheidende Weichen für die kommenden Jahre oder sogar Jahrzehnte stellen”, sagte Fresenius-Chef Michael Sen.

Im vergangenen Jahr erlitt Fresenius, Deutschlands größter Krankenhausbetreiber, einen Gewinneinbruch, wie der Konzern weiter bekannt gab. Auch die Aussichten für dieses Jahr sind trübe: Fresenius stellte bestenfalls ein stabiles Ergebnis in Aussicht. Der hoch verschuldete Konzern will nun mehr sparen, vor allem bei FMC. Laufende Effizienzprogramme würden intensiviert, hieß es. Ab 2025 solle jährlich rund eine Milliarde Euro gespart werden.

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von Angela Maier und Jürgen Salz

Umsatz steigt, Gewinn sinkt

Im vergangenen Jahr hatte der Fresenius-Konzern schwer zu kämpfen. Inflation, steigende Kosten, Personalmangel und Lieferkettenprobleme belasteten deutlich. Obwohl der Umsatz zum Vorjahr um neun Prozent auf rund 40,8 Milliarden Euro stieg, sank das bereinigte operative Ergebnis um sechs Prozent. Ohne Wechselkurseffekte betrug das Minus elf Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis fiel um nominal um sieben Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Größte Bürde war dabei die Dialysetochter FMC, dort knickte der Gewinn 2022 um zehn Prozent ein. Noch gravierender war der Einbruch beim Klinik-Dienstleister Vamed, aber auch beim Flüssigmedizinspezialisten Kabi lief es durchwachsen, während Fresenius in seinem Klinikgeschäft auf Jahressicht zulegen konnte.

Auf die Schwäche von FMC will Fresenius nun wie jüngst angekündigt reagieren und das Sorgenkind nicht mehr voll bilanzieren. Derzeit hält Fresenius rund ein Drittel an der Dialysetochter. Wegen der Organisation der beiden Unternehmen als Kommanditgesellschaften auf Aktien fließen die Ergebnisse von FMC aber komplett in die Fresenius-Bilanz ein. Der Dialyse-Tochter machen ein Mangel an Pflegekräften in den USA, Lieferkettenprobleme sowie steigende Löhne und Materialkosten zu schaffen. Zudem starben viele Dialysepatienten an Corona. Für Fresenius wurde FMC zunehmend zum Bremsklotz.

Mit dem Formenwechsel wäre der Konzern künftig diese Last los, da FMC nur noch als Beteiligung berücksichtigt werden dürfte. Mit der Entflechtung wäre zudem der Weg zu einem möglichen späteren Verkauf von FMC geebnet, den noch der frühere Fresenius-Chef Stephan Sturm ins Spiel gebracht hatte.

Fokus auf Arzneien und Kliniken

Fresenius wolle sich künftig auf die Sparten Arzneien und Medizinprodukte (Kabi) sowie Kliniken (Helios) konzentrieren, hieß es weiter. Spekulationen über einen geplanten Verkauf der spanischen Klinikkette Quironsalud erteilte Fresenius-Chef Sen am Dienstagabend eine Absage. Sie bleibe Teil der Strategie.

Fresenius hat turbulente Zeiten hinter sich. Nach mehreren Gewinnwarnungen trat Konzernchef Stephan Sturm im Herbst ab, ihm folgte zum 1. Oktober Sen. Bei FMC übernahm zugleich Carla Kriwet das Ruder, warf aber im Dezember schon hin – offenbar im Streit über die Strategie. Ihr folgte Helen Giza als neue FMC-Chefin. Unter Investoren steht die breite Aufstellung von Fresenius mit den Säulen Dialyse, Kliniken, Arzneien und Projektgeschäft in der Kritik.

Fresenius stellt sich auch 2023 auf ein schwieriges Jahr ein. Das um Währungseinflüsse und Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis soll nur im besten Fall stabil bleiben, im schlechtesten Fall wird ein Rückgang im hohen einstelligen Prozentbereich nicht ausgeschlossen.

dpa
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