Russisches Werk: Volkswagen-Tochter in Russland befreit
VW-Werk in Kaluga
Foto: imago imagesVolkswagen könnte sein Russlandgeschäft demnächst loswerden. Ein russisches Schiedsgericht hat am 3. April die Pfändung des VW-Werks in Kaluga zum Teil aufgehoben. Freigegeben wurden sowohl Immobilien als auch Anlagen und Maschinen der russischen VW-Tochter. Weiterhin eingefroren bleiben allerdings finanzielle Beteiligungen ausländischer Investoren.
Ein Sprecher des Autobauers in Wolfsburg bestätigte die Aufhebung der Pfändung, er bezeichnete diese als einen „ersten Schritt“ im Verkaufsprozess. Man sei zuversichtlich, den Verkauf abzuschließen.
Mitte März hatte ein Gericht in Nischni Nowgorod an der Wolga die Beschränkungen verhängt, weil VW Lieferverträge nicht erfüllt hatte. Die Richter reagierten auf eine Klage des früheren VW-Partner Gaz. Dieser hatte beantragt, die Kündigung des Montagevertrags im dortigen Gemeinschaftswerk in Kaluga, 150 Kilometer von Moskau entfernt, für nichtig zu erklären und Volkswagen zu einer Vertragsstrafe von 15,6 Milliarden Rubel (rund 190 Millionen Euro) zu verurteilen.
Eigentlich galt die Trennung der beiden früheren Partner längst als beschlossene Sache – jedenfalls aus Sicht der Deutschen. In der Fabrik in Nischni Nowgorod waren mehrere Modelle der VW-Kernmarke sowie der tschechischen Tochter Skoda zusammengebaut worden. Nachdem im Mai 2022 Sanktionen der USA gegen Gaz wegen des russischen Krieges in der Ukraine in Kraft getreten waren, zog sich Volkswagen aus der Co-Fertigung zurück und bot den Angestellten eine Abfindung.
Wie russische Wirtschaftsmedien berichten, verwies eine VW-Juristin vor Gericht darauf, dass die Forderungen von Gaz bereits beglichen seien. Demnach hätten die Deutschen bereits vier Milliarden Rubel als Teil der Vereinbarungen gezahlt. Zudem überstiege der Wert der Anlagen und Immobilien die Höhe der geforderten Summe. „Dies ist mehr als genug“, zitiert die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ die Anwältin.
Ein Kaufinteressent für die Firmenteile mit rund 4000 Beschäftigten in Kaluga und weiteren etwa 300 in Moskau soll die Autohandelsgruppe Avilon sein. Allerdings müssen solche Geschäfte erst von den russischen Behörden abgesegnet werden.
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