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Ausgleich zum JobWelche Auswirkungen haben Hobbys auf die Arbeit?

Mark Zuckerberg macht Jiu-Jitsu, Goldman-Sachs-Chef David Solomon ist passionierter DJ. Manch ein Hobby fördert auch die Karriere – allerdings nur, wenn man es nicht zum Beruf macht.Dominik Reintjes 28.11.2023 - 14:16 Uhr

Passionierter Kämpfer: Meta-Chef Mark Zuckerberg geht neben seinem Job brasilianischem Jiu-Jitsu nach.

Foto: imago images

Mark Zuckerberg sitzt auf dem Oberkörper seines Kontrahenten. Den Mund hat er weit geöffnet, sein Kopf ist hochrot. Während Zuckerberg den Gegner auf die Matte drückt, hängt die Schlaufe seines grün-gelben Gurtes in dessen Gesicht. Alles im Griff, Zuckerberg triumphiert. Im Frühjar hat der Techmilliardär seinen ersten Kampfkunstwettkampf im brasilianischen Jiu-Jitsu bestritten – und dort gleich zwei Medaillen geholt. Die Fotos von dem Wettkampf hat der Chef und Gründer von Meta auf seinem Instagram-Profil geteilt.

Zuckerberg, 38 Jahre alt, ist mit seiner Leidenschaft für Kampfkunst längst nicht der einzige Manager, der neben seinem Job einem ausgefallenen Hobby nacheifert. Richard Byrne, ehemals Manager bei einer US-Tochter der Deutschen Bank, veranstaltet mit seiner Organisation KASAI Elite Grappling Championships in den USA sogar Wettbewerbe im brasilianischen Jiu-Jitsu.

David Solomon, seit 2018 Chef der US-Bank Goldman Sachs, veröffentlicht auf seinem Instagram-Kanal „davidsolomonmusic“ regelmäßig eigene Musik, Fotos vor Mischpulten, Schallplatten und in Tonstudios. In der Profilbeschreibung des 61-Jährigen heißt es: „Goldman Sachs CEO, Vater, Musikfan, DJ seit 2015“. Solomons erfolgreichster Song, „Rescue Me“, hat auf Spotify fast zwölf Millionen Streams angehäuft. Microsoft-Chef Satya Nadella begeistert sich für Cricket und hat in Seattle in ein Team investiert. Und Meg Whitman, ehemals Chefin von Hewlett-Packard, soll besonders gerne dem Fliegenfischen nachgehen.



Fußball wäre zu einfach

Innerhalb und außerhalb der Chefetagen gelten Hobbys als Möglichkeit, um den Stress der Arbeit hinter sich zu lassen. Sie steigern Gesundheit und Zufriedenheit. Auffallend viele Managerinnen und Manager blocken sich in ihren picke-packe-vollen Terminkalendern einige Stunden für besonders ausgefallene Hobbys.

In den vergangenen Jahren beschäftigte deshalb auch Arbeitspsychologen und Organisationswissenschaftlerinnen die Frage, welche Hobbys Auswirkungen auf die Arbeit haben. Können sie hinderlich sein, je weiter es auf der Karriereleiter nach oben geht? Steigern sie die Motivation? Und was ist das richtige Hobby?

Den grundlegenden Zusammenhang, dass Manager (aber auch Arbeitnehmer ohne Führungsverantwortung) ihre Karriere mit der Wahl des richtigen Hobbys fördern können, belegte Ciara Kelly, Psychologin an der Universität im britischen Sheffield, im Jahr 2020 mit Forscherkollegen der französischen ESSEC Business School und der Loughborough Universität in einer Studie.

In der Kletterhalle, bei der Chorprobe und bei anderen Freizeiteinrichtungen rekrutierten die Forscher ihre Studienteilnehmer und befragten sie mehrere Monate lang. Ein Ergebnis: Sobald die Menschen mehr Zeit als üblich in ihr Hobby investierten, stieg auch ihr Glaube daran, einen guten Job zu machen. Das traf allerdings nur bei den Teilnehmern zu, die ihr Hobby ernsthaft betrieben. Und so ist es ratsam, wie etwa Zuckerberg nicht nur private Übungsstunden zu nehmen, sondern eben auch bei Wettkämpfen anzutreten.

Tom Blades, Bilfinger

Tom Blades, ehemaliger Vorstand von Linde und Bilfinger, widmete seine Freizeit schon während seiner Karriere dem Triathlon. Vor allem die Morgen- und Abendstunden nutzt er regelmäßig zum Training. Blades mag vor allem die „Freiheit, die beim Schwimmen und Joggen im Kopf entsteht“.

Foto: Illustration: Dmitri Broido, imago images

Hendrik Brandis, Earlybird

Hendrik Brandis, Mitbegründer des Risikokapitalgebers Earlybird, segelt – und zwar mit einigem Ehrgeiz: Er hat bereits Weltmeistertitel geholt. Im Alter von 17 Jahren ist er in einer Schleuseneinfahrt nahe seiner Heimat in einen heftigen Gewittersturm geraten. Es brach ein Mast, das Boot begann zu sinken. Er hatte Todesangst – und stand am nächsten Tag trotzdem wieder auf einem Segelboot.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Fabian Eckert, Recup

Fabian Eckert, Gründer und Chef des Pfandbecheranbieters Recup, träumte einst davon, Pilot zu werden. Daraus wurde nichts, weil er eine kleine Sehschwäche hat und grüne Farbtöne nicht zuverlässig erkennt. Heute schwingt er sich zumindest als Paraglider in die Lüfte. Wenn auch immer seltener, seit er vor kurzem Vater geworden ist.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Claus Hipp, Hipp

Der 84-jährige Unternehmer malt bis heute an jedem freien Abend in seinem Atelier. Er mag die „schöpferische Tätigkeit“, losgelöst von allem anderen etwas Neues schaffen zu können. Beim Malen habe er gelernt, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen.

Foto: imago images, Illustration: Dmitri Broido

Rolf Habben Jansen, Hapag-Lloyd

Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd guckt für sein Hobby nicht aufs Wasser, sondern aufs Eis: Rolf Habben Jansen schaut sich gerne Eishockeyspiele an, vor dem Fernseher oder auch live. Dafür fliegt er sogar einmal im Jahr nach Nordamerika. „Ich liebe die Geschwindigkeit“, sagt er. Und fürs Business lässt sich aus dem Eishockey auch was lernen: „Jeder Mensch darf Fehler machen, aber mich ärgert es, wenn Spieler immer wieder die gleichen Fehler machen.“

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Fränzi Kühne, edding

Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin sucht zum Abschalten ihre Kindheit auf. Dafür schnappt sich die Gründerin und Ex-Chefin der Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG) und Chief Digital Officer der edding AG ihren Kassettenrekorder und hört Folgen der Achtzigerjahre-Fernsehserie „Alf“. Der gefräßige Außerirdische vom Planeten Melmac bringt sie bis heute zum Lachen.

Foto: PR, Illustration: Dmitri Broido

Ijad Madisch, Researchgate

Ijad Madisch, Gründer und Chef der Plattform Researchgate, packte der Ehrgeiz, als seine damalige Freundin meinte, er sei mit Mitte 30 zu alt, um Beachvolleyball auf Profiniveau zu spielen. Inzwischen ist er Anfang 40 – und hat sich neben seinem Job in die Rangliste des Deutschen Volleyballverbands hoch gepritscht und gebaggert.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Satya Nadella, Microsoft

Microsoft-Chef Satya Nadella hat sich lange Zeit für Cricket begeistert – und nun in Seattle sogar in ein Team investiert.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Michael Otto, Otto Group

Der Aufsichtsratschef des Hamburger Versandhändlers kann besonders gut entspannen, wenn er die fernöstlichen Sportarten Yoga und Tai-Chi praktiziert. Vor allem auf Dienstreisen helfen ihm die Übungen dabei, stressreiche Terminmarathons zu bewältigen.

Foto: Illustration: Dmitri Broido, imago images

Reinhard Ploss, Infineon

Der ehemalige Infineon-Chef bastelt in der Freizeit gerne an Modellhubschraubern. Wer sich da nicht voll konzentrieren würde, sammle schnell die Einzelteile auf dem Acker zusammen. Die starke Fokussierung schaffe Distanz zum Berufsleben.

Foto: imago images, Illustration: Dmitri Broido

David Solomon, Goldman Sachs

Ein Investmentbanker als DJ? Warum nicht, sagt sich der Goldman-Sachs-CEO: „Viele Interessen führen zu einem ausgeglichenen Leben und einer besseren Karriere.“

Foto: Illustration: Dmitri Broido, Bloomberg

Meg Whitman, ehemals HP

Vor mehr als 20 Jahren suchte die Top-Managerin nach einem gemeinsamen Hobby für sich und ihren damals 13-jährigen Sohn – und lernte das Fliegenfischen schätzen: „Es hat etwas Meditatives“, sagt Whitman, „man denkt währenddessen an nichts anderes.“

Foto: Bloomberg, Illustration: Dmitri Broido

Mark Zuckerberg, Meta
Techmilliardär Mark Zuckerberg hat während der Coronapandemie mit dem Kampfsport Jiu Jitsu begonnen. Nun hat er bei seinem allerersten Wettkampf im US-Bundesstaat Kalifornien er eine Gold- und eine Silbermedaille gewonnen. Seit seiner Schulzeit bereits fechtet er, damals brachte er es zum Kapitän seiner Highschool-Mannschaft. In seiner Bewerbung für die Uni Harvard erklärte Zuckerberg, warum der Sport perfekt für anspruchsvolle Menschen sei: „Fechten fordert uns geistig und körperlich, ist kontrolliert, aber manchmal auch impulsiv.“

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Stan Zurkiewicz, Dekra

Stan Zurkiewicz, der im vergangenen Jahr an die Spitze der Prüforganisation Dekra gerückt ist, hält einen schwarzen Gürtel in Judo und Taekwondo, außerdem ist er einen Ultramarathon durch die Wüste Gobi gelaufen.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Eine andere Erkenntnis von Kelly und ihren Kollegen zeigt, dass sich Manager wie Mark Zuckerberg und David Solomon offensichtlich das richtige Hobby ausgesucht haben: Denn wenn das Hobby dem Beruf zu ähnlich war, hatte dies in der Studie eher negative Auswirkungen. Unterscheiden sich Job und Freizeitaktivitäten allerdings, können die für die Arbeit benötigten psychologischen Ressourcen während der freien Zeit aufgetankt werden. „Eine ernsthafte Freizeitaktivität ist nur dann von Vorteil, wenn sie Anforderungen stellt, die von denen der Arbeitsrolle abweichen“, schreiben die Forscher in der Studie.

Wer also ernsthaft von sich behaupten kann, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben – sollte sich womöglich eine andere Freizeitaktivität suchen. Oder einen anderen Job.

Die Kraft der Vorfreude

Die Wissenschaftler Sebastian Seibel, Judith Volmer und Antje Schmidt haben sich in einer Studie, die im Journal „Leisure Sciences“ erschienen ist, der Vorfreude auf ein abendliches Hobby gewidmet. Die drei Forscher der Universitäten in Bamberg, Würzburg und dem niederländischen Groningen fanden heraus, dass allein die Vorfreude auf die Freizeitaktivität das Engagement am Arbeitsplatz steigert. Dafür haben sie Arbeitnehmer während ihrer Arbeitstage morgens, mittags und abends befragt. Die Teilnehmer sollten unter anderem ihre Freizeitaktivität beschreiben, der sie sich nach der Arbeit widmen würden. Sei es Sport oder ein Filmabend daheim. Außerdem gaben sie an, wie engagiert sie sich bei der Arbeit fühlen. Eine erste Gruppe mit 85 Teilnehmern befragten die Forscher nur an einem Arbeitstag – entweder am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag. Die andere Gruppe mit 56 Teilnehmern musste die Fragen jeden Arbeitstag – also von Montag bis Freitag – drei Mal pro Tag beantworten.

Vor allem im Vergleich zwischen den unterschiedlichen Studienteilnehmern fanden die Forscher Auffälligkeiten: In der ersten Gruppe gaben diejenigen mit einer höheren Vorfreude an, während der Arbeit engagierter zu sein als die Arbeitnehmer mit geringerer Vorfreude auf ihre Freizeitaktivität. Und auch über eine gesamte Woche hinweg zeigte sich, dass eine höhere Vorfreude auf die Freizeitaktivität das Engagement am Arbeitsplatz stärkt.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde erstmals im Mai 2023 bei der WirtschaftsWoche veröffentlicht. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

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