Neobroker: Scalable hebt Zinsen auf 3,5 Prozent an – aber es gibt einen Haken
Der Smartphone-Broker Scalable ist für niedrige Ordergebühren bekannt – aber wie lange noch?
Foto: WirtschaftsWocheDer Münchener Neobroker Scalable verbessert seine Tagesgeldkonditionen: Ab Juni verzinst das Unternehmen Geld, das nicht in Kapitalmarktprodukten wie Aktien oder ETFs investiert ist, mit 3,5 Prozent. Damit liegt der Zinssatz über dem Einlagenzins der EZB von aktuell 3,25 Prozent. So viel bekommen Banken, wenn sie ihr Geld quasi über Nacht bei der Zentralbank parken. Das neue Angebot gilt sowohl für Neu- als auch für Bestandspunkten und bis zu einer Anlagesumme von 100.000 Euro.
Allerdings gibt es einen Haken: Das Angebot ist zeitlich befristet. Der Bonus gilt nur in den Monaten Juli bis September. Solche Aktionszeiträume sind beim Tagesgeld nicht unüblich. Anschließend sinkt der Tagesgeldzins bei Scalable wieder auf die bislang geltenden 2,3 Prozent. Das Unternehmen schüttet die Zinsen quartalsweise aus.
Weitere Einschränkung: Die Zinsofferte von Scalable ist nicht kostenfrei. Um von den Zinszahlungen zu profitieren, müssen Kunden das Angebot „Prime+“ abschließen. Das kostet 4,99 Euro pro Monat beziehungsweise gut 60 Euro pro Jahr. Das Angebot umfasst eine Trading-Flatrate. Fürs Handeln mit Aktien und anderen Wertpapieren müssen Anleger also keine zusätzlichen Gebühren zahlen.
Je mehr Geld Sparer auf dem Scalable-Konto verwahren, umso schneller rentiert sich das kostenpflichtige Angebot – auch ohne Aktieninvestments. Wer 20.000 Euro auf dem Konto hat, kann zu den neuen Konditionen mit Zinsen von etwa 495 Euro rechnen. Ohne die Bonuszinsen in den Sommermonaten hätte der Ertrag bei 460 Euro gelegen.
Die Zinswende hat Tages- und Festgeld wieder attraktiv gemacht. Nachdem Neobroker Scalable und Konkurrent Trade Republic zu Jahresbeginn Zinsprodukte eingeführt hatten, zogen die Banken nach. Viele Banken allerdings zahlen noch immer kaum oder gar keine Zinsen.
Im Durchschnitt aller Banken bekommen Sparer noch immer weniger als ein Prozent Zinsen fürs Tagesgeld. Wer mehr rausholen will, muss in vielen Fällen den Anbieter wechseln. Einzelne etablierte Banken wie Comdirect (3,25 Prozent) und Consorsbank (3,2 Prozent) haben nach der Zinsoffensive der Neobroker nachgebessert. Auch ihre Angebote sind allerdings zeitlich befristet und gelten teils nur für bestimmte Kundengruppen.
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