Stepstone-Umfrage: Warum die Gen Z im Berufsleben nicht immer auf Nachhaltigkeit achtet
Wer die Umfrageergebnisse liest, könnte denken, Tobias Zimmermann und sein Team bei der Jobplattform Stepstone müssen sich verrechnet haben: Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten unter 30 Jahren sind bereit, ein Jobangebot bei einem Unternehmen anzunehmen, das nicht nachhaltig handelt. Voraussetzung: Sie erhalten dafür ein überdurchschnittlich hohes Gehalt. Doch nur gut 61 Prozent der älteren Beschäftigten würden ähnlich handeln.
Die erfahrenen Mitarbeiter sind hingegen eher bereit Jobangebote abzulehnen, wenn das Unternehmen umweltschädliche Produkte herstellt. Das zeigt eine Umfrage, für die Arbeitsmarktexperte Zimmermann mit seinen Kollegen mehr als 2500 Beschäftigte befragt hat. Die Ergebnisse liegen der WirtschaftsWoche exklusiv vor.
So ungewöhnlich diese Erkenntnisse klingen: Zimmermann haben sie nicht überrascht, wie er sagt. „Nachhaltigkeit ist kein schickes Modethema der Jüngeren“, sagt Zimmermann. „Es ist längst ein Thema aller Generationen.“ Fridays for Future oder die Letzte Generation und vor allem die Aufmerksamkeit, die solche Bewegungen erhalten, würden das Bild zeichnen, dass sich vor allem jüngere Menschen um das Wohl des Planeten sorgen, wie Zimmermann sagt. „Dabei ist unsere Umfrage nicht die erste, die belegt, dass sich auch erfahrenere Arbeitnehmer über das Thema Gedanken machen.“
Im September und Oktober des vergangenen Jahres etwa befragte die Kommunikationsagentur Edelmann 14.000 Menschen weltweit, was sie persönlich tun, um ihren Beitrag zur Senkung der Schadstoffemissionen zu leisten. Ein Ergebnis: Zwei Drittel der Befragten gaben an, der einzelne Mensch müsse seine Gewohnheiten dramatisch verändern, um dem Klimawandel zu begegnen. Unter den Befragten, die älter als 55 Jahre waren, stimmten dieser Aussage überdurchschnittlich viele zu: 70 Prozent.
Weiche Faktoren werden wichtiger
Die Erkenntnisse von Stepstone befassen sich konkret mit der Arbeitswelt – und bieten Unternehmen im immer härteren Kampf um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klare Handlungsempfehlungen. Dass potenzielle Mitarbeiter bei der Suche nach einem Arbeitsplatz nämlich nicht nur auf ein hohes Gehalt, flexible Arbeitsbedingungen oder schnelle Aufstiegschancen anspringen, sondern eben auch auf den Ausgleich von Emissionen schädlicher Abgase oder Müllvermeidung, dürfte in vielen Personalabteilungen noch nicht angekommen sein. „Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer legen einen großen Wert darauf, dass ihr Arbeitgeber nachhaltig handelt“, sagt Tobias Zimmermann.
Doch es sind die älteren Beschäftigten, die eher kündigen würden, wenn sich ihr Arbeitgeber in einem sehr umweltschädlichen Projekt beteiligt oder das Umweltschutz- oder Lieferkettengesetz verletzt (siehe Grafik unten). Dass sich diese Unterschiede zeigen, erklärt sich Zimmermann so: „Die vermeintlich softeren Themen wie Unternehmenskultur oder die Identifikation mit einem Arbeitgeber spielen mit zunehmendem Alter eine größere Rolle. Jüngere Menschen schätzen Faktoren wie Gehalt und Weiterbildung noch stärker. Wenn ich mir die ersten Sporen verdient habe, kann ich es mir auch eher leisten, auf etwas Gehalt zu verzichten.“
Auffällig ist, dass mehr als 61 Prozent der Beschäftigten unter 30 angaben, dass es ihre Arbeitszufriedenheit stark oder sehr stark beeinflusst, wenn ihr Arbeitgeber nachhaltig handelt. Unter den älteren Befragten lag dieser Anteil nur bei 52 Prozent.
Wo gibt's hier Infos?
Für Arbeitgeber besonders bedeutsam: Fast zwei Drittel der Befragten legen Wert darauf, schon im Bewerbungsprozess Informationen zu entsprechenden Initiativen des Arbeitgebers zu erhalten. Diesem Informationsbedürfnis will Zimmermanns Arbeitgeber seit wenigen Wochen mit einer Nachhaltigkeitsbox nachkommen.
Auf ihren Stepstone-Profilen können Unternehmen diese Box mit Informationen ihrer Wahl befüllen: Gleichen sie die Kohlendioxidemissionen ihrer Fabrik aus? Wie viele Ladeboxen haben sie in der Tiefgarage installiert? Kommt der Strom für das Bürogebäude aus einer eigenen Solaranlage?
Bei der Kommunikation rät Zimmermann zu Ehrlichkeit: Bewerber, die auf Nachhaltigkeit achten, erkennen mögliches Greenwashing schnell. Wer also Öl und Gas fördert, sollte nicht mit der Arbeitgeberbeteiligung an schnittigen Jobrädern prahlen.
Doch auch auf Stepstones eigenem Profil klingen die Beschreibungen noch recht abstrakt: Die Herausforderungen des Klimawandels gehen alle an, heißt es dort. „Schon seit 2019 haben wir unseren CO2-Fußabdruck sehr genau im Blick, um herauszufinden, wo wir unsere Auswirkungen auf das Klima reduzieren können.“ Das Unternehmen motiviere die Mitarbeiter „zu kleinen und großen Klimaschutzmaßnahmen, um gemeinsam die Netto-Null-Emission zu erreichen.“
Für die Erhebung hat Stepstone zwischen Mitte Mai und Anfang Juni mehr als 2500 Beschäftigte in Deutschland befragt. In der Stichprobe machten die Menschen unter 30 Jahren nur rund zehn Prozent aus. Aus diesem Grund haben Zimmermann und seine Kollegen die Ergebnisse nachträglich anhand der Altersverteilung auf dem deutschen Arbeitsmarkt gewichtet. Die meisten Befragten arbeiten in der Gesundheitsbranche, dem Groß- und Einzelhandel sowie dem Maschinen- und Anlagenbau.
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