Watchmaster-Insolvenz: Wer hat 1000 Luxusuhren gestohlen – und wer zahlt den Schaden?
Im November 2022 hatten Einbrecher im Tresorraum einer ehemaligen Privatbank in Berlin-Charlottenburg rund 300 Schließfächer aufgebrochen und rund 1.000 Luxusuhren gestohlen.
Foto: REUTERSAnfang Mai rückten die Einsatzkräfte an: Spezialeinsatzkommandos der Polizei nahmen sich in Berlin und Baden-Württemberg das Clan-Milieu vor. Allein in der Hauptstadt wurden 19 Objekte durchsucht. Der Verdacht: schwerer Bandendiebstahl. In der Folge wurden zwei Hauptverdächtige im Alter von 25 und 41 Jahren festgenommen.
Was war passiert? Im November 2022 hatten Einbrecher im Tresorraum einer ehemaligen Privatbank in Berlin-Charlottenburg rund 300 Schließfächer aufgebrochen. Dabei wurden rund 1000 Luxusuhren im Gesamtwert von etwa 14 Millionen Euro gestohlen. In dem Tresorraum hatte der Berliner Online-Uhrenhändler Watchmaster Uhren aufbewahrt.
Wenige Tage nach dem Einbruch musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Von den rund 1000 gestohlenen Uhren habe nur ein kleiner Teil Watchmaster gehört und ein Großteil den Kunden, die ihre Uhren über die Firma verkaufen wollten, teilte das Unternehmen damals mit. Zwar habe die Firma einen Versicherungsschutz, allerdings erhalte sie für die Uhren nur den Einkaufswert zurück – „was aber bei Weitem nicht das abdeckt, was bereits in Aufbereitung und Zertifizierung sowie Marketing investiert wurde“.
Klage gegen die Versicherung
Doch nun ist fraglich, ob beziehungsweise wann die Versicherung überhaupt zahlt. In einem Schreiben des „Watchmaster-Teams“ an einen betroffenen Kunden heißt es: „Auch nach dem letzten Gesprächstermin mit der Mannheimer Versicherung AG am 10.05.2023, welcher sieben Stunden in Anspruch nahm, zeigte der Versicherer keinerlei Reaktion auf unsere Zahlungsaufforderungen.“
Es erschließe sich weiterhin nicht, aus welchem Grund eine Regulierung des Schadens durch die Mannheimer Versicherung AG bisher nicht erfolgt ist. Unter diesen Voraussetzungen habe der Insolvenzverwalter Philipp Hackländer beim Landgericht Berlin Klage gegen die Versicherung eingereicht. „Leider ist dieser Schritt durch das Verhalten der Mannheimer Versicherung AG erforderlich geworden, auch wenn wir mit einem mehrjährigen Prozess rechnen müssen.“ Es sei schlichtweg nicht hinzunehmen, dass die von der Mannheimer Versicherung geschuldete Versicherungsleistung nicht gezahlt werde.
Hackländer bestätigte auf Anfrage der WirtschaftsWoche die Klage gegen die Versicherungsgesellschaft, wollte sich zu Details aber nicht äußern. Die Mannheimer Versicherung teilt mit, dass man die Klage noch nicht bekommen habe. Eine offizielle Stellungnahme zu dem Fall sei aus Datenschutzgründen nicht möglich.
Wie auch immer die Klage am Ende ausgeht, für das Start-up ist die Zeit abgelaufen. Watchmaster habe zum 30. Juni alle zuletzt noch verbliebenen 14 Mitarbeiter entlassen, teilt Insolvenzverwalter Hackländer mit. Das Unternehmen wird abgewickelt.
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