Luftfahrt: Airbus-Triebwerke von Pratt & Whitney und MTU müssen außerplanmäßig in die Werkstatt
Der europäische Flugzeugbauer Airbus erklärte, es gehe um Metall, das zwischen Herbst 2015 und Frühjahr 2021 produziert worden sei.
Foto: dpaDer US-Flugzeugzulieferer Pratt & Whitney ruft mehr als 1000 seiner zusammen mit MTU Aero Engines produzierten Airbus-Triebwerke in den nächsten Monaten zurück in die Werkstatt. Bei einem „beträchtlichen Teil“ der sogenannten Getriebefan-Triebwerke (GTF) sei in den nächsten neun bis zwölf Monaten ein „beschleunigter Austausch und Untersuchungen“ nötig, teilte die Pratt & Whitney-Muttergesellschaft RTX am Dienstag mit.
200 Inspektionen seien allein bis Mitte September fällig – mitten in der Sommersaison. Es gehe um einen seltenen Zustand bei den dabei verwendeten Pulvermetallen, die RTX selbst herstellt.
Die finanziellen Folgen für RTX würden noch analysiert. Sie hingen davon ab, wie aufwendig die Inspektionen seien, sagte der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Christopher Calio in einer Telefonkonferenz.
Der europäische Flugzeugbauer Airbus erklärte, es gehe um Metall, das zwischen Herbst 2015 und Frühjahr 2021 produziert worden sei. Die laufende Produktion sei davon nicht betroffen. Man arbeite daran, die Auswirkungen für die Fluggesellschaften so gering wie möglich zu halten. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Problem habe keine unmittelbare Relevanz für die Sicherheit der Flugzeuge.
Der Münchner Pratt & Whitney-Partner MTU steuert zu den GTF-Triebwerken vom Typ PW1100G-JM etwa 15 Prozent bei. Sie sind das häufigste Triebwerk für das Airbus-Erfolgsmodell A320neo und unter anderem bei den US-Fluggesellschaften Delta und Spirit Airlines im Einsatz.
Eine Sprecherin wollte sich zu den Auswirkungen auf MTU nicht äußern und verwies auf die für Mittwoch geplante Veröffentlichung der Quartalszahlen. Die MTU-Aktie brach um mehr als sieben Prozent ein. RTX hob trotz der Rückrufaktion seine Ziele für das laufende Jahr an. Der Umsatz soll mit 73 bis 74 Milliarden Dollar etwa eine Milliarde höher ausfallen als geplant.
Zuletzt hatte die in finanzielle Turbulenzen geratene indische Billigfluggesellschaft Go First Probleme mit den GTF-Triebwerken gemeldet. Sie hatte „fehlerhafte“ Pratt & Whitney-Triebwerke dafür verantwortlich gemacht, dass die Hälfte ihrer 54 Airbus A320neo am Boden bleiben mussten. Dabei ging es um Probleme in heißem, staubigem Klima.
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