Geplanter Börsengang: Schott Pharma will mehr vom Trend zur Spritze profitieren
Die Welt braucht mehr Spritzen.
Foto: dpaIn jeder Minute nutzen weltweit 25.000 Patienten ein Produkt von Schott Pharma – freilich, ohne es zu wissen. Das Mainzer Unternehmen stellt Fläschchen, Spritzen und Ampullen her, über die Medikamente in Oberarme und andere Körperteile injiziert werden. Die Impfstoff-Hersteller Biontech und Moderna zählen zu den Kunden von Schott Pharma.
Gespritzt wird neuerdings immer mehr: Der dänische Hersteller Novo Nordisk eilt derzeit von einem Umsatzrekord zum nächsten – dank seiner Spritzen Ozempic gegen Diabetes und Wegovy zum Abnehmen. Das US-Unternehmen Eli Lilly bereitet mit Mounjaro bereits die nächste Abnehmspritze vor. Mehr als fünfzig Prozent der Arzneien, die die US-Zulassungsbehörde im Jahr 2022 genehmigt hat, sind injizierbare Medikamente. Und in Zukunft scheint selbst ein Impfstoff gegen Alzheimer denkbar; das Schweizer Unternehmen AC Immune arbeitet daran.
Börsen-Vorbild Gerresheimer
Vom Trend zur Injektion will Schott Pharma nun stärker profitieren – sicherlich auch mit Blick auf den börsennotierten Konkurrenten Gerresheimer, der seinen Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 100 Prozent steigerte. Noch in diesem Jahr will Schott Pharma an die Frankfurter Wertpapierbörse gehen. Schott Pharma sei auf dem Markt für injizierbare Medikamente ideal positioniert, wirbt Unternehmenschef Andreas Reisse schon mal um Investoren. Viele Details des geplanten Börsengangs sind allerdings noch offen.
Schott Pharma wurde erst im August 2022 aus dem Mutterkonzern, dem Spezialglas-Hersteller Schott ausgegliedert. Der Mutterkonzern gehört zu 100 Prozent der Carl-Zeiss-Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Heidenheim und im thüringischen Jena. Schott Pharma erzielte 2022 einen Umsatz von 821 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2023 stiegen die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,4 Prozent auf 670 Millionen Euro. Mittelfristig strebt der Hersteller, der weltweit rund 4700 Mitarbeiter hat, ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent an.
Mit dem Geld aus dem Börsengang soll das weitere Wachstum finanziert werden. Der Mutterkonzern Schott wird auf jeden Fall Mehrheitseigentümer bleiben. Die Deutsche Bank, BNP Paribas und Bank of America begleiten den Börsengang federführend. Finanzkreisen zufolge könnte Schott Pharma bei dem Deal mit 3,5 bis 4 Milliarden Euro bewertet werden, womit es einer der größten Börsengänge in Deutschland werden könnte. Das Unternehmen äußerte sich dazu nicht.
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