Geldpolitik: Schweizerische Nationalbank lässt Leitzins unverändert – Schweden erhöht Zinsen
Der Chef der Schweizerischen Nationalbank kündigt an, vorerst keine Zinserhöhung durchzuführen.
Foto: ReutersDie Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht nach fünf Zinserhöhungen in Folge überraschend von einer weiteren geldpolitischen Straffung ab und lässt ihren Leitsatz unverändert. Der SNB-Leitzins bleibe bei 1,75 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag mit. Die in den letzten Quartalen deutlich gestraffte Geldpolitik wirke dem immer noch vorhandenen Inflationsdruck entgegen, erklärte die SNB. Sie schließe aber nicht aus, dass weitere Zinserhöhungen nötig werden könnten.
Von Reuters im Vorfeld der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB befragte Ökonomen hatte mehrheitlich eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte prognostiziert.
Nach der überraschenden Zinspause steuerte die Schweizer Währung allerdings zum Euro auf den größten Tagesverlust seit den Bankenturbulenzen im März zu, bei der die angeschlagene Credit Suisse vom Rivalen UBS übernommen worden war. Der Euro stieg um 0,7 Prozent auf 0,9651 Franken. Der Dollar wertete um 0,9 Prozent auf 0,9066 Franken auf.
Schwedens Notenbank bekämpft Inflation mit weiterer Zinserhöhung
Schwedens Zentralbank versucht die hohe Inflation mit einer weiteren Zinserhöhung zu zügeln. Sie erhöhte den geldpolitischen Schlüsselsatz am Donnerstag um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent. Von Reuters befragte Experten hatten damit gerechnet. Die Zentralbank signalisierte zugleich, dass die Zinsen noch weiter steigen könnten.
Noch Anfang vorigen Jahres lag der Leitzins bei null Prozent. Die Währungshüter in dem skandinavischen Land reagieren mit der rasanten geldpolitischen Straffung auf die starke Teuerung. Das von der Zentralbank beobachtete Inflationsmaß liegt mit einer Teuerungsrate von zuletzt noch 4,7 Prozent deutlich über dem Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent.
Die Inflation ist zwar auf dem Rückmarsch. Dies ist jedoch zum Teil auf fallende Energiepreise zurückzuführen. Große Sorge bereitet der Notenbank allerdings der Preisauftrieb im Servicesektor. Im Zuge der höheren Zinsen sind auch Hypothekenkosten stark gestiegen, was den Wohnungsbau belastet. Zudem kämpft der Gewerbeimmobiliensektor mit höheren Refinanzierungskosten. Die Regierung prognostiziert für das laufende Jahr ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,8 Prozent, womit Schweden in der EU zu den Schlusslichtern bei der Wirtschaftsentwicklung zählen dürfte.