Panzer-Zulieferer: Abgesagter Renk-IPO: Wenn Anleger streiken
Fehlzündung: Eigentlich wollte Panzergetriebehersteller Renk an diesem Donnerstag an die Börse zurückkehren. Doch der IPO wurde abgesagt.
Foto: dpa Picture-AllianceDas war wohl nix. Eigentlich wollte Panzergetriebehersteller Renk an diesem Donnerstag an die Börse zurückkehren. Am späten Mittwochabend teilten das Unternehmen und sein Eigentümer, die Beteiligungsgesellschaft Triton, indes mit: Der Börsengang ist vorerst abgesagt. „In den letzten Tagen hat sich das Marktumfeld spürbar eingetrübt“, erklärte Renk. Man prüfe die Option, das Initial Public Offering (IPO), wie es im Börsenjargon heißt, zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.
Zwar hat sich das Marktumfeld tatsächlich verschlechtert. Die Aktien von Rüstungsherstellern laufen nicht mehr so gut. Der Aktienkurs des Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt hat in den vergangenen sechs Monaten um mehr als 20 Prozent nachgegeben, ohne klaren Grund. Auch Rheinmetall schwächelt. Der Ausgabepreis für die Renk-Papiere hätte daher wohl am unteren Ende der Preisspanne gelegen, bei 15 statt bis zu 18 Euro. Auf der anderen Seite hatten die begleitenden Banken aber bis zuletzt großes Interesse bei Investoren prophezeit. Das stimmte so wohl nicht ganz. Einige Großanleger scheinen in letzter Minute abgesprungen zu sein. Das Orderbuch sei so schwach überzeichnet gewesen, dass am ersten Handelstag ein Kurseinbruch gedroht hätte, schreibt die „Börsen-Zeitung“.
Dass es vorerst nichts wird mit Renk und der Börse, kann tatsächlich am eingetrübten Marktumfeld liegen. Oder aber daran, dass Anleger allmählich genug davon haben, Private-Equity-Gesellschaften mit ihrem Geld fettzufüttern.
Erst raus, dann rein
Die Beteiligungsgesellschaft Triton hatte Renk überhaupt erst von der Börse genommen. Im Jahr 2020 war das. Triton hatte damals erst dem Autobauer VW sein 76-Prozent-Paket abgekauft, war danach die freien Aktionäre über einen Squeeze-out losgeworden – bei einem Kurs von um die 106 Euro je Aktie. Unterm Strich bekam Triton den Antriebstechnikhersteller für rund 700 Millionen Euro. Bei einem Emissionspreis von 15 Euro wäre Renk nun bei vollständiger Platzierung aller angebotenen Aktien mit 1500 Millionen Euro bewertet worden. Ein toller Deal – für Triton. Für Kleinaktionäre dagegen weniger: Erst herausgedrängt werden, nur um knapp drei Jahre später neu zeichnen zu dürfen? Naja.
Typischerweise steht bei einem IPO eine Kapitalerhöhung im Vordergrund. Unternehmen geben neue Aktien aus, um ihre Eigenkapitalausstattung zu verbessern. Das Geld der Anleger fließt dann ins Unternehmen, das damit etwa Schulden zurückzahlt oder Wachstum finanziert. Seit einiger Zeit aber wollen in vielen Fällen Private-Equity-Investoren Kasse machen. Zum Beispiel bei Birkenstock.
Die Aktien des Sandalenherstellers sollen ab Mitte Oktober in New York gehandelt werden. Angeboten werden voraussichtlich 32,3 Millionen Aktien zu einem Preis von 44 bis 49 Dollar je Stück. Nur rund ein Drittel davon sind neue Papiere. Der Rest kommt von der Beteiligungsgesellschaft L Catterton, die mit der Familienholding von LVMH-Chef Bernard Arnault die Mehrheit an Birkenstock hält – und die den Latschenhersteller bei der Übernahme mit beachtlichen Schulden vollgeladen hat. Immerhin will das Birkenstock-Management mit dem Erlös aus der Kapitalerhöhung von maximal rund 527 Millionen Dollar vor allem Schulden abbauen.
Mehr Exits über die Börse
L Catterton will bei Birkenstock auch nach dem IPO vorerst die Kontrolle behalten. Bei Renk hätte Triton ebenfalls noch das Sagen gehabt. Aber Börsengänge als Exit-Strategie werden bei Private-Equity-Gesellschaften beliebter. In der vergangenen Dekade stiegen Investoren im Schnitt nur in 16 Prozent der Fälle bei Unternehmen via Börsengang aus, zeigen Zahlen des Datenanbieters Pitchbook. Im Jahr 2021 machten IPOs dagegen mehr als ein Drittel aller Exits aus.
Im Jahr 2022 brach die IPO-Aktivität ein, die Zahlen aus diesem Jahr sind nicht sonderlich aussagekräftig. Im laufenden Jahr scheinen Anleger nun allmählich genug zu haben von Beteiligungsgesellschaften, die an ihnen verdienen wollen. Das sind schlechte Aussichten für noch anstehende Börsengänge.
Für September hatte etwa der Tankkartenanbieter DKV Mobility Berichten zufolge einen Börsengang angepeilt. Davon ist momentan keine Rede mehr. Der IPO war wohl vor allem dazu gedacht, der Private-Equity-Gesellschaft CVC Capital Partners, die im Jahr 2018 rund 20 Prozent der DKV-Anteile erworben hat, den Ausstieg zu ebnen.
Fraglich ist auch, ob Douglas wie angedacht an die Börse zurückkehrt. Auch dort ist CVC an Bord. Die Parfümeriekette war 2013 auf Betreiben der Gründerfamilie Kreke und des Finanzinvestors Advent von der Börse verschwunden. 2017 wurde sie mehrheitlich an CVC verkauft. Ob der Investor Douglas nun wieder zurück aufs Börsenparkett bringen kann, zumal zur kolportierten Bewertung von fünf bis sieben Milliarden Dollar? Wenn die Anleger nicht mitmachen, könnte es so laufen wie bei Renk.
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