Künstliche Intelligenz: Bidens KI-Regeln sind ein guter Start – jetzt müssen die Techkonzerne liefern

Ende Oktober hat US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus neue Regeln für Entwicklung und Einsatz von KI in den USA vorgestellt.
Foto: imago imagesAls das US-Unternehmen OpenAI im vergangenen November den Sprachbot ChatGPT freischaltet, löst es damit einen beispiellosen Hype aus: Plötzlich nutzen hunderte Millionen Menschen eine künstliche Intelligenz mit bisher unerreichten Fähigkeiten. Eine Prüfung vom TÜV oder das Placet einer Zulassungsbehörde brauchte OpenAI dazu nicht.
Genau das soll sich nun ändern. Laut dem Dekret „Executive Order on Safe, Secure, and Trustworthy Artificial Intelligence“, das US-Präsident Joe Biden am Montag veröffentlicht hat, müssen große KI-Modelle wie GPT-4, das hinter ChatGPT steht, künftig erst einmal der US-Regierung vorgestellt werden, bevor sie veröffentlicht werden. Die Entwickler dieser so genannten „Foundation-Modelle“ sollen die Ergebnisse ihrer Sicherheitstests oder andere wichtige Informationen vorlegen. Strikte Regeln dafür soll nun das National Institute of Standards and Technology entwickeln, die US-Behörde für Standardisierungsprozesse.
Und das ist nur eine von sehr vielen Regeln und Leitlinien, die das Dekret für den „zuverlässigen, sicheren, vertrauenswürdigen Einsatz Künstlicher Intelligenz“ enthält. So soll das Handelsministerium in den kommenden Monaten Vorschriften entwickeln, nach denen Produzenten von KI-generierten Inhalten diese mit einem digitalen Wasserzeichen versehen müssen, das nachvollziehbar macht, wenn sie beispielsweise mithilfe einer Bildgenerierungs-KI entstanden sind.
Das Dekret spricht auch eine Reihe von Gefahren an, die durch immer mächtigere KI entstehen könnten: die Entwicklung von Biowaffen am Computer, Gefahren für die Cybersicherheit, für Bürgerrechte oder die Diskriminierung durch Algorithmen.
KI ist kein Kinderspiel
Das alles sind wichtige Risiken, die durch die immer schnellere Entwicklung von KI entstehen. US-Präsident Biden wollte wohl noch in seiner Amtszeit eine Regulierung in Gang bringen und wählte dafür den Präsidentenerlass, weil im Kongress zu große Uneinigkeit bei dem Thema herrscht. Das Dekret hat stellenweise den Charakter eines Sammelsuriums, ist genauso unfertig wie die KI selbst. Trotzdem ist es gut, dass im Land, in dem die großen Techkonzerne und die mächtigsten KI-Unternehmen sitzen, nun ein erstes Regelwerk zum Umgang mit der Technologie besteht.
Nun aber kommt es auf die Umsetzung an. Wie strikt werden die Regeln, nach denen große KI-Modelle auf ihre Sicherheit getestet werden? Es kommt nun auf die Techkonzerne an, mit den Behörden zu kooperieren und nicht im Gegenteil zu versuchen, das geplante Regelwerk noch zu verweichlichen. Offen ist auch, welche Konsequenzen den Unternehmen genau drohen, wenn sie nicht mitspielen. Genauso bleiben noch technische Fragen von digitalen Wasserzeichen, die zu lösen sind.
Mit ihrem Motto: „Move fast and break things“ haben Techkonzerne in den vergangenen zwei Dekaden das soziale Internet erschaffen. Lange, ohne sich dabei um Regeln zu kümmern, haben sie zugleich das Tor für Desinformation, Diskriminierung, Diffamierung geöffnet. Nun träumen erste Unternehmer im Silicon Valley schon von einer schwimmenden Plattform in internationalen Gewässern mit 10.000 Nvidia-KI-Chips an Bord. Jenseits der Geltungsmacht von Bidens Dekret wollen sie grenzenlos an ihren KI-Visionen weiter entwickeln.
Doch Vorsicht: Künstliche Intelligenz ist eine noch weit mächtigere Technologie, als es soziale Medien waren, und ihr Einsatz kein Kinderspiel. Es wäre besser und verantwortungsvoller, wenn die Digitalunternehmen damit nun sorgfältiger umgehen. Und für Biden kann das Dekret nur ein erster Schritt gewesen sein. Nun muss er seine Einhaltung auch durchsetzen.
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