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Wirtschaft von oben #236 – René BenkoBaulücke statt Wolkenkratzer: Satellitenbilder zeigen die Benko-Misere

Wegen Geldmangel bewegt sich auf einigen Baustellen der Signa-Gruppe nichts mehr. Satellitenbilder zeigen, wo hässliche Baulücken drohen. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.Melanie Bergermann 11.11.2023 - 10:23 Uhr

Baustopp bei Benkos Prestigeprojekt: Die Arbeiten am Rohbau des Elbtowers ruhen.

Foto: LiveEO/Pleiades

Innerhalb weniger Jahre hat der Österreicher René Benko mithilfe prominenter Investoren wie dem Logistiker Klaus-Michael Kühne ein beeindruckendes Immobilienreich aufgebaut. Allein der Signa Prime Konzern, das Herzstück der Gruppe, besitzt Häuser im Wert von rund 20 Milliarden Euro. Hinzu kommen millionenschwere Bauprojekte. Bevorzugt in Metropolen wie Berlin und besonders oft in Bestlage ließ Signa bauen. Benko finanzierte das rasante Wachstum seiner Gruppe jedoch vor allem über Schulden und reizte dabei die Grenzen des Möglichen aus. „In der Branche wurde das Vorgehen von Signa nicht nur als sportlich bezeichnet, sondern als Hochleistungssport“, sagt der Signa-Kenner und Wirtschaftsprofessor Leonhard Dobusch. Das rächt sich jetzt.

Seit dem Frühjahr 2022 sind die Zinsen deutlich gestiegen und auch die Baukosten, während die Immobilienpreise gefallen sind. Benko konnte das Kreditvolumen seiner Gruppe nun nicht weiter hochfahren, um die laufenden Kosten zu decken. Selbst bestehende Schulden zu refinanzieren, wurde schwierig. Einzelne Bauvorhaben hatte Benko deswegen schon vor Monaten auf Eis gelegt oder abgegeben. Das reichte aber nicht. Zuletzt konnte er Rechnungen nicht mehr begleichen. Bauarbeiter legten daraufhin an einigen Orten die Arbeit nieder.

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Selbst bei Benkos Prestigeprojekt, dem Hamburger Elbtower, kam es zum Baustopp. Zwar hat sich Benko nun aus der Führung der Signa-Gruppe zurückgezogen. Wesentliche Anteilseigner könnten nun eher bereit sein, Geld nachzuschießen, so dass es auch auf den Baustellen weitergehen könnte. Mit erheblichen Verzögerungen ist dennoch zu rechnen.

Am Berliner Alexanderplatz plante Benko, die dort befindliche Galeria-Filiale zu einem „Galeria Weltstadthaus“ umzubauen und um ein 130-Meter-Hochhaus zu ergänzen. Nach Fertigstellung im Jahr 2025 soll das Gesamtensemble über mehr als 100.000 Quadratmeter Mietfläche verfügen. Im Sommer verkaufte Benko das Projekt überraschend an den bisherigen Minderheitsgesellschafter Commerz Real, der das Projekt für seinen Immobilienfonds Hausinvest erwarb.

Ursprünglich war geplant, dass Signa als Projektentwickler den Bau weiterhin verantwortet. Doch inzwischen hat sich Commerz Real anders entschieden. Kurz vor Beginn der Hochbauarbeiten hat die Fondsgesellschaft den Vertrag mit Signa gekündigt. Commerz Real wird das Bauvorhaben nun in Eigenregie umsetzen und hat das Bauunternehmen Züblin beauftragt, die Rohbauarbeiten durchzuführen. Damit steht einem planmäßigen Projektverlauf nichts mehr im Wege.

Auch beim Hamburger Elbtower mischt der Immobilienfonds Hausinvest der Commerz Real mit. Er besitzt 25 Prozent der Anteile. Der Elbtower soll 245 Meter hoch werden. 64 Etagen sind geplant, Coffeeshops, Restaurants von Rang, ein Luxushotel. Aber vor allem soll hier künftig gearbeitet werden: auf 90.500 Quadratmeter Bürofläche. Mehrere Etagen Rohbau stehen bereits. Noch im Frühjahr wurde hier mit Hochdruck gebaut. Selbst in den Abendstunden standen an den Hamburger Elbbrücken Betonmischer Schlange. Immobilienkenner zeigten sich vom Tempo beeindruckt.

Doch aktuell herrscht Stillstand. Wegen offener Rechnungen will der Generalunternehmer vorerst nicht weiterbauen. Ein Sprecher des Minderheitsgesellschafters Commerz Real erklärte, sie seien sowohl mit dem Bauunternehmer als auch mit Signa „im Gespräch, um rasch eine Lösung zu finden.“ Sie seien vom Elbtower „nach wie vor absolut überzeugt“ und gingen davon aus, „dass die Bauarbeiten bald wieder aufgenommen werden können.“ Immobilienexperten zeigen sich jedoch weniger optimistisch. Stehe eine solche Mega-Baustelle einmal still, dauere es selbst wenn wieder Geld fließt – meist Monate, bis die Arbeiten wieder in Gang kämen, heißt es in der Branche.

Dass Benko den Elbtower nicht komplett allein, sondern gemeinsam mit Partnern realisiert, ist nicht ungewöhnlich. Auch am Bauprojekt Hauptwache 1 in Frankfurt beteiligten sich externe Investoren. Wo lange eine Filiale der Handelskette Sportarena untergebracht war, soll ein Geschäftshaus mit 10.000 Quadratmeter Fläche gebaut werden. Unten sollen Handel und Gastronomie Platz finden, oben gearbeitet werden.

Das alte Gebäude wurde bereits abgerissen. Im Juni erfolgte der Spatenstich für den Neubau. Die Baustelle liegt nur wenige Meter von Frankfurts Einkaufsmeile Zeil entfernt.


Das Gebäude an der Adresse Königstraße 25 wurde im Sommer abgerissen. Einst war auch hier ein Shop der Kette Sportarena untergebraucht. Dort soll nun ein fünf-geschossiges Bürohaus entstehen, im Erdgeschoss unter anderem die Supermarktkette Edeka einziehen. Ob an dem Projekt noch gearbeitet wird, ist unklar.

Lesen Sie auch unser Interview mit Signa-Kenner und Wirtschaftsprofessor Leonhard Dobusch: „Ich rechne mit einer Aufspaltung der Signa-Gruppe“

Dem zuständigen Architektenbüro hatte Signa mitgeteilt, dass die Planung unterbrochen werde – was nach Stillstand klingt und für Aufregung in der Stadt sorgte. Daraufhin gab die Signa-Gruppe dann gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ eine beschwichtigende Stellungnahme ab. Hiernach soll die Planungsunterbrechung nur kurzfristiger Natur sein. Weil die Vorvermietungsrate für den geplanten Neubau hoch sei, hätten sich die Anforderungen an die Planung geändert, schreibt Signa laut „Stuttgarter Zeitung“. Die Vergabeprozesse müssten nun nachgezogen werden. Es seien keine Verträge gekündigt worden. Das Projekt laufe weiter.

Die Filiale des Möbelhändlers Leiner in der Wiener Innenstadt hatte Benko Ende 2017 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion erstanden. Der frühere Eigentümer – der skandalumwitterte Möbelkonzern Steinhoff – brauchte dringend Geld und Benko war bereit, den Deal in wenigen Tagen abzuwickeln. Im Gegenzug bekam er das Objekt recht günstig. Er ließ das Möbelhaus abreißen, um auf 24.000 Quadratmetern ein Luxuskaufhaus nach dem Vorbild des Berliner KaDeWe, nebst Hotel und Restaurants zu errichten. Der Rohbau ist bereits fertig. Österreichischen Medien zufolge gehen die Arbeiten an dem Kaufhaus planmäßig weiter.

Transparenzhinweis: Die Handelsblatt Media Group ist wie die Signa Holding an der digitalen Bildungsplattform Ada beteiligt.

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Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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