Signa-Gründer: René Benko zu zwei Jahren Haft verurteilt
Der österreichische Investor René Benko ist vom Landesgericht Innsbruck wegen Schädigung seiner Gläubiger zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das gab die Richterin nach einer Beratung mit zwei Schöffen bekannt. Möglich wären bis zu zehn Jahre Haft gewesen.
Im Zentrum des Verfahrens standen zwei Transaktionen: eine Vorauszahlung für Miete und Betriebskosten für eine Villa sowie eine Zahlung an Benkos Mutter. Der mutmaßliche Schaden beläuft sich auf rund 670.000 Euro. Im Fall der Mietkostenvorauszahlung von 360.000 Euro wurde Benko freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Die Staatsanwaltschaft argumentiert, die Villa sei zum Zeitpunkt der Zahlung unbewohnbar gewesen und die Transaktion daher wirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Benkos Verteidiger Norbert Wess wies die Vorwürfe zurück und forderte einen Freispruch. Auch Benko selbst hatte am ersten Prozesstag am Dienstag auf „nicht schuldig“ plädiert.
Der Prozess gilt als Auftakt zur juristischen Aufarbeitung der Signa-Insolvenz. Diese ist die größte Unternehmenspleite der österreichischen Nachkriegsgeschichte und eine der größten in Europa. Im Herbst 2023 schlitterte das Immobilien- und Handelskonglomerat Signa aus mehr als 1130 Gesellschaften in die Insolvenz. Steigende Zinsen und eigene Fehler hatten das Geschäftsmodell untergraben.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt im gesamten Signa-Komplex in mehr als zwölf Verfahrenssträngen, in denen allein die österreichische Justiz meistens wegen schweren Betrugs und Untreue ermittelt. Der mutmaßliche Gesamtschaden wird auf rund 300 Millionen Euro beziffert. René Benko befindet sich bereits seit Januar in Untersuchungshaft.
René Benko war mehrfacher Milliardär
Der Sturz des 48 Jahre alten Tirolers ist tief: Zu Glanzzeiten wurde Benkos Vermögen auf fast fünf Milliarden Euro geschätzt. Seine Karriere als Immobilienspezialist begann schon zu Schulzeiten in Innsbruck. Damals machte er kein Abitur, sondern baute Dachböden um. Der Schulabbrecher besaß große Überzeugungskraft: Ihm gelang es, große Investoren an Bord der von ihm 1999 gegründeten Signa zu holen.
Für Aufsehen sorgte 2004 die Übernahme des Kaufhauses Tyrol in Innsbruck. In Wien entwickelte er in bester Innenstadtlage das „Goldene Quartier“. Er beteiligte sich später an Gebäuden wie dem Chrysler Building in New York, dem Nobelkaufhaus Selfridges in London oder dem Elbtower in Hamburg.
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