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  4. Türkei: Inflation steigt auf Rekordwert – wird der Türkei-Urlaub teurer?

TürkeiInflationsrate steigt auf fast 70 Prozent: Was bedeutet das für Ihren Türkei-Urlaub?

Die Türkei gehört zu den beliebtesten Reisezielen. Doch die Inflation steigt und steigt – und mit ihr die Preise für Hotels, Tabak und alkoholische Getränke. Was Urlauber jetzt wissen müssen.Anabel Schröter 03.05.2024 - 09:52 Uhr
Foto: imago images

Weite Strände, blaues Meer und gutes Essen. Viele Deutsche schätzen die Vorzüge eines Türkei-Urlaubes – das Land gehört zu ihren Top-Fünf-Reisezielen. Im weltweiten Vergleich liegt die Türkei auf dem vierten Platz der meistbesuchten Länder. Seit 25 Jahren kann sich das Land über wachsende Beliebtheit freuen.

Lange Zeit war die Türkei mit Küsten im Süden und Westen das Top-Ziel für Pauschalreisende, sie überzeugte mit ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch die Inflation macht vor diesem wichtigen Wirtschaftszweig nicht Halt. Vor der Corona-Pandemie betrug der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt elf Prozent. 2022 erwirtschaftete der Bereich 41,4 Milliarden US-Dollar. Die Einnahmen sind für das Land wichtig, um das Leistungsbilanz-Defizit aufzufangen. Zudem bietet die Branche rund 2,3 Millionen Arbeitsplätze.

Im April stieg die Teuerungsrate auf 69,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Der höchste Wert seit anderthalb Jahren. Besonders betroffen: Bildung, Hotels, Cafés und Restaurants, Gesundheit, Verkehr sowie alkoholische Getränke und Tabak. Derzeit sprudelt die wichtigste Devisenquelle des Landes relativ unbeeindruckt von wirtschaftlichen Entwicklungen. Könnte sich das bald verändern? Was bedeutet das für Urlauber?

Erstmal die Fakten

Der schwierige Partner Türkei

Die Türkei und Deutschland sind wirtschaftlich eng verflochten – doch politisch ist die Beziehung belastet. Beim Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geht es auch um das Migrationsabkommen.

von Sonja Álvarez

„Aktuell sehen wir, dass die Buchungen für die Türkei weiterhin auf einem hohen Niveau sind. Sollten sich die Preissteigerungen fortsetzen, könnte sie allerdings an Wettbewerbsfähigkeit verlieren“, fasst Bernd Eisenstein, Direktor des Deutschen Instituts für Tourismusforschung, zusammen. Aktuell sei davon nicht auszugehen, dass die Branche in diesem Jahr zusammenbricht. Obwohl die Urlauber tiefer in die Tasche greifen müssen als in den vergangenen Jahren. Denn regelmäßig stürzte die türkische Lira in Euro und US-Dollar ab. Die Preise hingegen stiegen nur langsam. Urlauber konnten so gute Schnäppchen erzielen. Derzeit steigen die Preise allerdings rasant an.

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Die Hotelpreise erhöhten sich je nach Region um 10 bis 15 Prozent. Verzichten die Urlauber deshalb auf einen Türkei-Urlaub? „Aus bisherigen Erfahrungen wissen wir, dass deutsche Urlauber nicht sogleich auf den Urlaub verzichten, sondern eher im Urlaub selbst sparen“, erklärt Eisenstein.

Neben der Preissteigerung im Hotelbereich müssen die Urlauber mit höheren Ausgaben in der Gastronomie rechnen. Die Preise haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Ein Grund, auf den Urlaub zu verzichten, sei das dennoch nicht.

„Natürlich kann auch ein sogenannter Tipping-Point erreicht werden, weil den Menschen eine ausreichende Entlastung von den typischen Alltagsaufgaben, wie dem Kochen fehlt. Dann verliert das Urlaubsziel an Attraktivität“, erklärt Eisenstein. Derzeit gibt es keine Angaben zu der Preiselastizität, die die Vor-Ort-Ausgaben der Urlauber bemisst. „Es ist zunächst zu erwarten, dass die Menschen an ihrem begehrten Urlaubsziel festhalten und mit bestimmten Einschränkungen leben.“

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Schwache Lira in der Türkei sorgt für Ausgleich

Die schwache Lira hat für die Touristen einen Vorteil. Allein im vergangenen Jahr wertete die Lira um 37 Prozent im Vergleich zum Dollar ab. Und der Abwärtstrend geht weiter: Derzeit erhält man für einen Euro 34 Lira – ein Rekordtief für die türkische Währung. „Der Euro hat gegenwärtig in der Türkei eine hohe Kaufkraft. Das mindert die türkische Inflation aus Sicht der Deutschen ab“, erläutert der Tourismusforscher.

Da die Türkei mehr importiert als sie exportiert, steht die Lira unter ständigem Abwertungsdruck. Um den Währungsverfall zu stoppen, hob die Zentralbank ihren Leitzins auf 50 Prozentpunkte im März – allerdings mit wenig Erfolg. Im April bliebt der Leitzins unberührt. Derzeit gehen die Währungshüter davon aus, dass die Inflation im Mai ihren Höhepunkt erreichen könnte. Die Prognosen liegen bei 73 bis 75 Prozent.

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Bisher gibt es wenig Raum für Optimismus. Die Zentralbank geht zwar derzeit davon aus, dass die Inflation bis zum Jahresende auf 36 Prozent zurückfallen könnte. Doch Experten rechnen nur mit einer leicht gesunkenen Inflation. Selbst im optimistischsten Szenario würde diese aber immer noch deutlich über der 40-Prozent-Schwelle verharren.

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Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 14. Januar 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

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