Persischer Golf: Griechischer Öltanker im Golf von Oman geentert
Erneut ist im Arabischen Meer ein Schiff gekapert worden. Dies bestätigte eine Sprecherin der griechischen Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur. Unbefugte Personen in Militäruniformen enterten am Donnerstagmorgen nach Angaben der britischen Seehandelsaufsicht einen Öltanker im Golf von Oman. Eine private Sicherheitsfirma berichtete ebenfalls von dem Zwischenfall, über den kaum Details bekannt waren.
Der Verdacht fiel auf den Iran, denn das Schiff war unter einem früheren Namen in einen jahrelangen Streit verwickelt, in dessen Verlauf das US-Justizministerium eine Million Barrel iranischen Rohöls beschlagnahmte.
Die britische Militärbehörde United Kingdom Maritime Trade Operations teilte mit, der Vorfall habe sich am frühen Morgen in den Gewässern zwischen Oman und Iran ereignet, in einem Gebiet, das von Schiffen durchquert wird, die die Straße von Hormus durchfahren, die Mündung des Persischen Golfs. Durch sie wird ein Fünftel allen gehandelten Öls weltweit transportiert.
Der Sicherheitsbeauftragte des Schiffs habe telefonisch unbekannte Stimmen an Bord gehört. Weitere Versuche, das Schiff zu kontaktieren, seien gescheitert. Die Männer, die an Bord gegangen seien, hätten schwarze Uniformen im Militärstil und schwarze Masken getragen.
Der Sicherheitsfirma Ambrey teilte mit, sechs Männer in militärischen Uniformen seien an Bord des Schiffes gegangen, das als Öltanker „St. Nikolas“ bezeichnet wurde. Die Männer hätten die Überwachungskameras abgedeckt.
Tanker nahm Kurs auf Iran
Die „St. Nikolas“ ist mit der griechischen Reederei Empire Navigation verbunden. Das in Athen ansässige Unternehmen räumte in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AP ein, der Kontakt zu dem Schiff sei abgebrochen. Die Besatzung besteht aus 18 Philippinern und einem Griechen.
Der Tanker hatte vor der irakischen Stadt Basra Öl geladen, das an eine Raffinerie in der türkischen Stadt Aliaga geliefert werden sollte. Von der AP ausgewertete Satellitendaten zeigten, dass der unter der Flagge der Marshall-Inseln fahrende Tanker inzwischen Kurs auf den iranischen Hafen Bandare Dschask nahm.
Zuvor hieß das Schiff „Suez Rajan“. Im Februar 2022 äußerte die Organisation United Against Nuclear Iran den Verdacht, dass dieser Tanker Öl von der iranischen Insel Chargh transportierte, dem wichtigsten Ölverteilungszentrum im Persischen Golf. Satellitenfotos und Schifffahrtsdaten, die damals von der Nachrichtenagentur AP analysiert wurden, stützten diese Behauptung.
Das Schiff lang monatelang im Südchinesischen Meer vor der Nordostküste Singapurs, bevor es plötzlich in Richtung der texanischen Küste fuhr. Das Schiff übergab seine Ladung im August an einen anderen Tanker, der sein Öl in Houston auf Anordnung des Justizministeriums abgab.
Im September bekannte sich die Reederei Empire Navigation des Schmuggels von sanktioniertem iranischem Rohöl schuldig und stimmte der Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 2,4 Millionen Dollar zu.
Die mutmaßliche Kaperung des Schiffs am Donnerstag erfolgte vor dem Hintergrund wochenlanger Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen auf die Schifffahrt im Roten Meer. Erst am Dienstag starteten sie zahlreiche Drohnen und Raketen. Dies hat das Risiko möglicher Vergeltungsschläge US-geführter Streitkräfte erhöht, die aktuell in der Wasserstraße patrouillieren. Am Mittwoch verurteilte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das Vorgehen der Huthis.
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