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Die neue Meerwasserentsalzungsanlage Tseung Kwan O in Hongkong deckt fünf Prozent des Frischwasserbedarfs der Metropole. Foto: LiveEO/Maxar/Legion

Wirtschaft von oben #349 – Milliarden für MeerwasserDiese Megaprojekte löschen den Durst der Welt

Weltweit boomt der Bau von Anlagen zur Meerwasserentsalzung, wie exklusive Satellitenbilder zeigen. Dürren und die wachsende Bevölkerung treiben den Wasserbedarf. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.Andreas Menn 04.10.2025 - 08:33 Uhr

Mitte Juni 2019 gehen der ostindischen Millionenstadt Chennai die Wasserreserven aus. Restaurants machen dicht, die Einwohner stehen an Tanklastern Schlange, die Notrationen aus anderen Regionen Indiens herankarren.

Es ist eine Krise, die immer mehr Städte und Regionen trifft – weniger Regen und Dürren in Folge des Klimawandels treffen auf wachsende Bevölkerungen und steigenden Wasserbedarf.

In Chennai heißt die Lösung nun: Meerwasser entsalzen. Mehrere Anlagen, die dazu in der Lage sind, sind an der Küste inzwischen in Betrieb. Aktuell kommt im Ort Perur südlich von Chennai eine weitere, noch größere hinzu.

Bilder: LiveEO/Google Earth/Landsat, Airbus/Pléiades Neo, LiveEO/Maxar/Legion

Die Anlage in Perur wird die größte Entsalzungsanlage in Südostasien. Das 500-Millionen-Dollar-Projekt soll ab Ende 2026 für 400 Millionen Liter Frischwasser pro Tag sorgen und so den steigenden Bedarf der Metropolregion Chennai sichern.

Meerwasserentsalzung ist mangels Alternativen begehrter denn je. Über Jahrzehnte waren es vor allem die Staaten am Persischen Golf, die in die Technik investiert haben. Die bislang größte Anlage der Welt steht in Saudi-Arabien.

Bilder: LiveEO/Maxar/Google Earth

Doch inzwischen wird Wasserknappheit auch in anderen Weltregionen zum akuten Problem – und Meerwasserentsalzung zu einer bevorzugten Lösung.

Laut den Marktbeobachtern von Grand View Research soll der Umsatz mit der Meerwasserentsalzung von gut 18 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf 31,7 Milliarden Dollar im Jahr 2030 wachsen. Ein gutes Geschäft für Konzerne wie Veolia, Acciona oder Doosan.

Allein Spanien will zwei Milliarden Euro in den Ausbau der Entsalzung investieren, der Senegal eine Anlage für 800 Millionen Euro bauen, Marokko ein weiteres Megaprojekt, das 7,5 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen soll.

Algerien baut aktuell fünf neue Anlagen, Kostenpunkt: 2,4 Milliarden Dollar. Auch in Hongkong ist unlängst eine Wasseraufbereitungsfabrik in Betrieb gegangen.

Bilder: LiveEO/Google Earth/Maxar, LiveEO/Google Earth/Airbus, LiveEO/Maxar/Legion

Wasser aus Entsalzung kostet mitunter mehr als Oberflächen- oder Grundwasser. Neue Technologien haben in den vergangenen Jahren immerhin geholfen, die Kosten zu senken. Wurde lange Zeit Wasser mithilfe von Hitze entsalzt, so hat sich nun die Umkehrosmose durchgesetzt, bei der das Wasser mit hohem Druck durch eine Membran gepresst wird.

Dadurch ist der Stromverbrauch für die Entsalzung deutlich gesunken. Die weltweit größte Anlage, die mit Umkehrosmose arbeitet, ist im Jahr 2023 im Kraftwerkspark Al Taweelah nordöstlich der Innenstadt von Abu Dhabi in Betrieb gegangen. Ein 70-Megawatt-Solarkraftwerk deckt einen Teil des Energieverbrauchs der Entsalzungsanlage.

Bilder: LiveEO/Google Earth/Maxar

Mit großen Wind- und Solarparks sollen neue Entsalzungsanlagen noch preiswerter und umweltfreundlicher werden. Ein ökologisches Problem bleibt: Die hochkonzentrierte Sole, die zurück ins Meer gepumpt wird, ist nicht gerade unbedenklich für Meereslebewesen.

Genügend Abstand der Pipelines zu sensiblen Küstenökosystemen soll helfen, Schäden zu vermeiden. Zudem arbeiten Forscher daran, die Sole weiterzuverwenden. So hat Zhiping Lai, Professor an der King Abdullah University of Science and Technology in Saudi-Arabien, ein Verfahren entwickelt, um aus Meerwasser Lithium zu gewinnen, das etwa in Akkus verwendet wird. Mit dem Start-up Lihytech arbeitet Lai daran, solche Verfahren marktreif zu machen.

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Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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