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GeschäftsklimaindexIfo-Index fällt überraschend: „Die deutsche Wirtschaft steckt in der Rezession fest“

Ein Fehlstart ins neue Jahr? Anders als von Ökonomen erwartet fällt der Ifo-Geschäftsklimaindex im Januar überraschend. Die Stimmung in den Chefetagen wird immer unsicherer. Dafür gebe es vor allem einen Grund. 25.01.2024 - 11:31 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen wird immer düsterer.

Foto: dpa

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich überraschend eingetrübt und verstärkt die Rezessionssorgen. Das Ifo-Geschäftsklima sank im Januar auf 85,2 Zähler von 86,3 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte.

Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020. Analysten hatten hingegen im Schnitt mit einem Anstieg des wichtigsten Frühindikators für die deutsche Wirtschaft auf 86,6 Punkte gerechnet, von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Fachleute sogar mit 86,7 Punkten. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Aussichten für die kommenden Monate schlechter als zuletzt. „Die deutsche Wirtschaft steckt in der Rezession fest“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Im Handel und am Bau trübte sich das Geschäftsklima jeweils ein. Im Dienstleistungssektor fiel der entsprechende Stimmungsindikator deutlich. Dagegen hat sich die Stimmung in den Industrieunternehmen verbessert.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Die Umfrage deutet laut dem Ifo-Experten Klaus Wohlrabe daraufhin, dass die Wirtschaft im ersten Quartal leicht schrumpfen dürfte – um 0,1 oder 0,2 Prozent. Die Unsicherheit in den Chefetagen habe zu Jahresbeginn deutlich zugenommen. Dies sei vor allem auf den wirtschaftspolitischen Kurs in Deutschland zurückzuführen. „Die Unternehmen sehen keine klare Linie in der Wirtschaftspolitik“, sagte Wohlrabe. „Der drückt auf die Stimmung.“

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird laut der jüngst aktualisierten Prognose der Münchner Forscher in diesem Jahr voraussichtlich nur um 0,7 Prozent zulegen, auch gebremst vom Sparkurs der Bundesregierung. Einige Experten sind noch deutlich pessimistischer als das Ifo-Institut und rechnen auch für 2024 mit einem Schrumpfen des BIP für 2024 – so auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer, der ein Minus von 0,3 Prozent voraussagt: „Die meisten Volkswirte sind noch zu optimistisch.“

Auf einen Fehlstart ins neue Jahr hatte auch der Einkaufsmanagerindex des Finanzdienstleisters S&P Global hingedeutet, der eine beschleunigte Talfahrt der Wirtschaft signalisiert. Ein Lichtblick ist allerdings, dass die Lieferketten der deutschen Wirtschaft trotz der Angriffe der Huthi-Rebellen auf Containerschiffe im Roten Meer nicht gerissen sind. „Sie haben bislang nicht zu Lieferengpässen bei Rohstoffen und Vorprodukten geführt“, sagte Wohlrabe.

Lesen Sie auch: Das sind 2024 die größten Risiken und Chancen für die deutsche Wirtschaft

dpa, rtr
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