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PreisfrageSo setzt sich der Preis einer Handwerkerstunde zusammen

Der Preis für eine Handwerkerstunde sorgt bei Kundinnen und Kunden oft für Unverständnis. Was viele nicht wissen: Es handelt sich nicht bloß um einen Stundenlohn. So setzt sich der Preis zusammen.Alexander Voß 03.07.2024 - 07:04 Uhr
Foto: imago images

Wer seine eigenen vier Wände tapezieren, eine Zwischenwand einreißen oder sein Bad renovieren lassen will, staunt oft nicht schlecht über die Preise einer Handwerkerstunde. Je nach Gewerk kann die schon mal zwischen 50 und 100 Euro kosten. Ein stolzer Stundenlohn, mag da der ein und andere denken – und die Preise sollen noch weiter steigen.

Doch der tatsächliche Bruttolohn der Handwerker macht nur einen geringen Anteil des Endpreises aus. Stattdessen werden über die Handwerkerstunde auch viele andere Kostenpunkte verrechnet.

Obwohl oft von „dem Handwerk“ die Rede ist, gibt es unzählige Gewerke, die ganz unterschiedliche Ausbildungen und Tätigkeiten erfordern. Zu den Handwerksberufen zählen unter anderem Maler und Lackierer, Maurer, Elektriker, Gas- und Wasserinstallateure oder auch Schornsteinfeger. Ihre Löhne folgen jeweils eigenen Preisdynamiken, die von verschiedenen Faktoren abhängig sind, weswegen die Endpreise stark schwanken können.

20,00 €

Bruttolohn

+

16,77 €

Lohnnebenkosten

+

24,52 €

Betriebskosten

+

3,23 €

Gewinn

+

12,26 €

19% Mwst.

=

76,78 €

Bild: imago-images


So entscheiden etwa die Art der Ausbildung, ausgehandelte Tarifverträge sowie die Lage des Betriebs über die Bezahlung der Handwerkerin oder des Handwerkers. In vielen Gewerken ist es immer noch üblich, dass der Bruttolohn in den neuen Bundesländern geringer ausfällt als im Westen Deutschlands. Auch allgemeinverbindliche Tarifmindestlöhne sind noch nicht in allen Gewerken die Regel und sorgen im Vergleich zu anderen Gewerken für große preisliche Unterschiede. Der in der Grafik angegebene Bruttolohn von 20 Euro ist deswegen ein Beispielwert.

Der Lohn macht nur ein Viertel des Preises aus

Trotzdem macht die Bezahlung des einzelnen Handwerkers in den meisten Fällen lediglich etwas mehr als ein Viertel des Endpreises aus. Zu den Lohnkosten addieren sich noch Lohnnebenkosten. Sie machen rund 20 Prozent des Endpreises aus und sind aufgeteilt in tarifliche, gesetzliche und freiwillige Sozialaufwendungen. Also beispielsweise Urlaubsgelder, Arbeitgeberanteile zu verschiedenen Versicherungen, Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall oder Essenszuschüsse.

Den größten Anteil am Endpreis nehmen Betriebskosten ein. Darunter fallen neben den Personalkosten etwa für Bürokräfte des Betriebs auch die Ausgaben für Mieten, Energie und Werbungskosten. Der Gewinn liegt in dieser Beispielrechnung bei 3,23 Euro. Somit beträgt der Stundenverrechnungssatz netto 64,52 Euro. Entgegen ihrer Bezeichnung deckt die Handwerkerstunde also nicht nur die Kosten für die geleistete Arbeit des einzelnen Handwerkers, sondern auch Kosten, die für den ganzen Betrieb anfallen.

Der tarifliche Ecklohn für Maler und Lackierer (NRW, 3. Gesellenjahr, 40 Std.) ist in den vergangenen 24 Jahren um die Hälfte gestiegen. Foto: WirtschaftsWoche

Die Bruttolöhne für Maler und Lackierer sind in NRW in den letzten 24 Jahren um die Hälfte gestiegen. Dabei handelt es sich bei den Angaben um den so genannten „Ecklohn“, welcher meist die Grundlage für die Bestimmung von Tariflöhnen bildet.

Neben den steigenden Löhnen im Baugewerbe beeinflussen auch die in Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise die Preise für handwerkliche Dienstleistungen. Das hat beispielsweise die Wohnungsbaubranche, die ein wichtiger Zweig der Handwerksbranche ist, in eine tiefe Krise gestürzt. Seit dem Angriff wurden viele Neubauprojekte auf Grund der hohen Baukosten gestoppt und Aufträge storniert.

Neben den hohen infrastrukturellen Kosten kämpft das Baugewerbe mit einem zunehmenden Fachkräftemangel. Schlechte Auftragslagen machen es den Betrieben schwer, Fachkräfte anzuwerben oder bestehendes Personal zu halten. Und einmal abgewanderte Fachkräfte sind nur sehr schwer wieder zurückzugewinnen.

Lesen Sie auch: „Handwerker finden leichter einen neuen Job als Software-Entwickler“

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