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Boeing in der KriseSo wird das Fliegen nicht sicherer!

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat einen Deal mit den Strafverfolgern ausgehandelt: Statt einer gründlichen Aufarbeitung der Sicherheitsmängel vor Gericht gibt es ein Schuldeingeständnis. Das ist beunruhigend. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Nele Husmann 09.07.2024 - 14:43 Uhr
Foto: imago images

Die Ferienzeit ist da, die Koffer sind beinahe schon gepackt – doch manchem ist beim Einsteigen ins Flugzeug inzwischen etwas mulmig. Denn die Liste der Beinahe-Unfälle von Boeing-Flugzeugen geht weiter: Gerade erst wieder fiel einer 757-200 beim Start ein Rad ab, im März ist das schon einmal passiert. Zum Glück landeten die Piloten beide Maschinen dennoch sicher. Mangelhafte Wartung mag die Ursache sein, doch jeder kleinste Zwischenfall erinnert an die katastrophale, selbstverschuldete Unfallserie von Boeing-Flugzeugen.

Im Januar riss über den Wolken ein Teil der Kabinenwand einer 737 Max heraus. 2018 und 2019 waren zwei Flugzeuge des neuen Maschinentyps abgestürzt – eine neuartige Software hatte unerwartet stark ins Fluggeschehen eingegriffen.

Lange wollte sich Boeing ganz um die Verantwortung drücken, legte sogar Pilotenfehler nahe. Deshalb ist es bedeutend, dass der Flugzeugbauer nun klar bekennt, dass er schuldig ist: Das Unternehmen habe die Luftfahrtbehörden in die Irre geführt, räumt Boeing jetzt ein.

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Aber es geht jetzt alles viel zu schnell: Knapp 250 Millionen Dollar Strafe muss Boeing zahlen, noch einmal 455 Millionen Dollar in Compliance- und Sicherheitsprogramme investieren, dann ist die Sache weitgehend erledigt. Dabei kam es überhaupt erst zu der neuerlichen Verhandlung, weil Boeing Sicherheitsauflagen aus einem Deal aus 2021 nicht richtig umgesetzt hatte.

Kann man diesem Unternehmen überhaupt noch trauen?

Vertrauen entsteht nur durch Ehrlichkeit

Der Blick aufs nächste Quartal war dem Boeing-Management lange wichtiger als die Einhaltung von Standards. Boeing hatte entscheidende Arbeiten an Sub-Unternehmer in Niedriglohn-Bundesstaaten der USA outgesourct. Das firmeneigene Qualitätsmanagement-System ging nachlässig mit Fehlermeldungen um. Durch die Coronapandemie verlor Boeing zudem viele erfahrene Mitarbeiter. Als die Auftragsbücher sich wieder füllten, stellte Boeing sehr schnell günstiges Personal ein. Das betrifft auch die Rüstungs- und Weltraumsparte: Seit fast sechs Wochen sind die mit Boeings Starliner zur internationalen Weltraumstation geflogenen Astronauten nicht zurück auf der Erde – Triebwerksprobleme und Heliumlecks plagen das Raumschiff.

Vielleicht war Boeing so schnell zum Deal bereit, damit nicht noch mehr schmutzige Wäsche ans Tageslicht kommt. Im Interesse der fliegenden Öffentlichkeit ist das nicht.

Ihr wäre eher gedient, wenn die sträflichen Versäumnisse des Boeing-Managements vor Gericht bis ins Detail ausgeleuchtet würden. Denn Vertrauen entsteht nur durch Ehrlichkeit.

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