Künstliche Intelligenz: KI-Computer mischen PC-Markt in den kommenden Jahren auf
Der KI-Chip im Laptop: Neuronal Processing Units
Foto: Getty Images, MontageDer PC-Markt steht vor einer der größten Umwälzungen seiner mehr als 40-jährigen Geschichte. Das jedenfalls prognostiziert die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley in einem kürzlich veröffentlichten Branchenreport. Demnach erwarten die Morgan-Stanley-Analysten, dass vor allem spezielle Computer mit Hardware-Bauteilen für künstliche Intelligenz (KI) den PC-Markt in den kommenden Jahren aufmischen werden.
Unter solchen KI-PCs verstehen die Marktbeobachter Computer mit dezidierten KI-Chips wie etwa einem neuronalen Prozessor (Neuronal Processing Unit, NRU), schnelleren und größeren Speicherchips sowie einem Hochleistungs-CPU, die oberhalb von 40 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde bewältigt. Laut Morgan-Stanley-Analyse sollen noch in diesem Jahr rund fünf Millionen dieser KI-PCs ausgeliefert werden, das entspricht einem Marktanteil von gerade einmal zwei Prozent am erwarteten PC-Verkauf von 262 Millionen Geräten im Jahr 2024.
Der Anteil der KI-PCs soll sich innerhalb der nächsten Jahre auf knapp 180 Millionen Geräte im Jahr 2028 vervielfachen – das wären dann knapp zwei Drittel aller in jenem Jahr verkauften 278 Millionen PCs (64 Prozent). „Wir glauben, dass der kommerzielle PC-Markt der erste Anwender von KI-PCs sein wird, da sie in erster Linie als Produktivitätswerkzeuge vermarktet werden“, schreiben die Morgan-Stanley-Analysten in ihrem Report. Beflügelt wird das Geschäft zudem durch den beginnenden Upgrade-Zyklus von Geräten, weil das immer noch breit verfügbare Windows 10 im Oktober 2025 aus der Wartung läuft.
Höhere Preise durch mehr Chips
Der breite Umschwung in Richtung KI-PCs hat Auswirkungen für Anbieter wie für Kunden: „Die durchschnittlichen Verkaufspreise für Computer werden spürbar steigen“, glaubt Axel Oppermann, Analyst beim IT-Marktbeobachter Avispador in Kassel. Tatsächlich beginnt der Verkaufspreis der ersten von Microsoft selbst vorgestellten KI-PCs bei 999 Dollar aufwärts – die Geräte nutzten die speziellen KI-Prozessoren Elite/Plus des US-Herstellers Qualcomm. Ähnliches dürfte für die neuen KI-PCs anderer Hersteller gelten.
So erwarten die Morgan-Stanley-Analysten, dass in jedem neuen Gerät zwischen 20 und 30 Prozent mehr Halbleiterchips verbaut sein dürften als bei Standard-PCs. Allein dieser Umstand soll den Chipherstellern in den kommenden Jahren 30 Milliarden Dollar mehr Umsatz in die Kassen spülen. Insgesamt soll die Liste aller verbauten Materialien bei KI-PCs elf Prozent höher sein als bei Nicht-KI-Rechnern, was durchschnittlich zu einem um sieben Prozent höheren Verlaufspreis führen soll. Der PC-Markt dürfte bei Stückzahlen und Umsätzen gleichermaßen steigen.
Erste KI-PCs sind seit Juni erhältlich
Gerüchte über spezielle Computer für KI gab es bereits Ende des vergangenen Jahres: Damals rechneten mehrere IT-Manager für dieses Jahr mit Windows 12 als vorgezogenem Nachfolger des Microsoft-Betriebssystems für PCs – oder zumindest einer größeren Windows-11-Aktualisierung mit mehr Funktionen für generative KI.
Letzteres ist inzwischen bereits geschehen: Im Januar hat Microsoft seinen KI-Assistenten Copilot für Verbraucher geöffnet. Zudem sollen Computer künftig neben der Windows-Taste eine weitere, Microsoft-spezifische Taste aufweisen: Einen Copilot-Knopf, mit dessen Hilfe Nutzer den Windows-Chatbot direkt und ohne weitere Umwege aufrufen können. Die ersten jener Copilot+ genannten PCs sind seit Ende Juni erhältlich, und zwar sowohl als Microsoft-Surface-Geräte wie auch von klassischen PC-Herstellern wie Dell, HP, Acer und Lenovo.
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