Agrarkonzern: Banken müssen BayWa mindestens 500 Millionen Euro zusagen
Der grüne Schriftzug der BayWa
Foto: dpa14 Tage ist es nun her, dass der Vorstand der Baywa AG seine Aktionäre mit der Information überraschte, dass er ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben hat.
Damit wurde Baywa offiziell zum Krisenfall erklärt. Das heißt: Die Vertreter des Baywa-Konzerns müssen nun plausibel darlegen, dass der Finanzbedarf des Konzerns für die nächsten zwölf Monate gesichert ist. Nach aktuellem Stand benötigt das Unternehmen für diesen Zeitraum 500 bis 600 Millionen Euro, was wiederum bis September sichergestellt sein muss. Das erklärten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Damit das gelingen kann, benötigt der Baywa Konzern die Unterstützung seiner Banken. In Finanzkreisen heißt es, für die Vertreter der Kreditinstitute sei die Entscheidung nicht ganz einfach, weil sie für die eigentlich nötige Detailprüfung und eine Bewertung möglicher Sicherheiten kaum Zeit hätten.
Bereits am Montag findet zwischen Vertretern des Unternehmens und der Banken ein wegweisendes Treffen hierzu statt. Mehrere Personen, die mit der Materie vertraut sind, zeigen sich trotz der herausfordernden Gemengelage optimistisch, dass eine Einigung gelingt. Obwohl der Baywa-Konzern bereits Schulden von mehr als fünf Milliarden Euro hat und obwohl Vertreter der kreditgebenden Banken auf den Vorstand der Baywa nicht gut zu sprechen sind. Sie werfen der Führungsmannschaft des Agrarkonzerns vor, viel zu spät Alarm geschlagen zu haben. „Bei einem Unternehmen dieser Größe habe ich so etwas noch nicht erlebt“, sagt ein Vertreter. Das Problem sei nicht vom Himmel gefallen. Der Vorstand hätte schon vor Monaten das Gespräch suchen müssen. Stattdessen sei man damit konfrontiert worden, dass es kurzfristig ein Problem gebe und das sei „nicht nachvollziehbar“.
Nicht nachvollziehbar ist aus Sicht einiger Banker offenbar, dass die Baywa AG vor ein paar Wochen noch eine Anleihe in Höhe von 500 Millionen Euro zurückgezahlt hat. Der Vorstand hat sich hierfür 300 Millionen Euro geliehen und von den Betriebsmitteln des Konzerns 200 Millionen abgeknapst. „Das war ein großer Fehler“, meint ein Vertreter der Finanzierer. Der Vorstand hätte die Fälligkeit zum Anlass nehmen müssen, um die Finanzlage zu sortieren und auf ein langfristig stabiles Fundament zu stellen, heißt es. „Stattdessen wurde die Liquidität weiter verknappt und die Lage verschärft.“
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Die Schulden des Baywa Konzerns bestehen zum Teil aus sogenannten „Commercial Paper“. Das sind kurzfristige, unbesicherte Schuldverschreibungen. Diese Verbindlichkeiten muss das Unternehmen kontinuierlich refinanzieren und das gelingt nicht mehr, seit Baywa offiziell ein Krisenfall ist. Baywa müsste die Verbindlichkeiten also nun aus vorhandenen Mitteln bedienen, was wahrscheinlich nicht vollständig möglich sein wird. Eine Liquiditätslücke ist absehbar. Ebenso wird Geld für die laufenden Projekte im Bereich Erneuerbare Energien benötigt. Auch hier klafft aktuell eine Lücke zwischen benötigten und vorhandenen Mitteln. Diese Lücke gilt es nun mit Unterstützung der Kreditgeber zu schließen.
In Bankenkreisen wird damit gerechnet, dass die Finanzplanung des Unternehmens nicht nur kurzfristig sondern auch langfristig neu aufgesetzt werden muss, um für Stabilität zu sorgen. Im besten Fall reiche es, die Kreditlaufzeiten zu verlängern, sagt ein Vertreter der Finanzseite.
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