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Riedls Dax-RadarDie Börsen stehen vor einer wichtigen Kurskorrektur

Im Umfeld der absehbaren US-Zinssenkung drehen immer mehr Aktien nach oben. Dennoch täte dem Dax im September und Oktober eine Abkühlung gut – um danach womöglich in Richtung 20.000 zu klettern. Eine Kolumne.Anton Riedl 30.08.2024 - 11:36 Uhr

Allzeithoch im Dax: Wird die Rezessionsangst ausgeblendet?

Foto: dpa Picture-Alliance , Collage: Marcel Reyle

Mit 18.903 Punkten hat der Dax am Donnerstag per Schlusskurs ein neues Allzeithoch erreicht und das bisherige Top (18.869 am 15. Mai dieses Jahres) ein kleines Stück weit übertroffen. Die Rally im Dax ist damit weiter gegangen als erwartet. Zuletzt wurde sogar die wichtige Widerstandszone zwischen 18.400 bis 18.700 Punkten mühelos durchbrochen. Der Dax glich damit nicht nur den Kurssturz von Anfang August komplett aus, sondern setzte darüber hinaus die Aufwärtsbewegung der vorangegangenen Monate fort. 

Dieses hochdynamische Comeback ist ein beeindruckendes Stärkezeichen und eine Warnung an die Skeptiker, den deutschen Aktienmarkt nicht vorzeitig abzuschreiben. Die jüngste Rally im Dax ist um so beeindruckender, da weder der amerikanische S&P 500 noch der Euro Stoxx 50 oder der Nasdaq 100 ihre alten Höhen bisher erreicht haben. Nur dem Dow Jones gelang ähnlich wie dem Dax der Sprung auf ein neues Allzeithoch. Hinter der jüngsten Erholung steckt damit auch das Revival klassischer Aktien gegenüber den lange Zeit präferierten Hightechwerten. 

Geldpolitischer Motor der Markterholung ist die Aussicht auf eine erste Zinssenkung der amerikanischen Notenbank auf ihrer bevorstehenden Sitzung am 18. September. Nachdem die Inflation in den USA im Juli auf 2,9 Prozent gesunken ist, hat Fed-Chef Jerome Powell zuletzt ziemlich deutlich eine Lockerung angekündigt.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Die jüngste Stärke der US-Wirtschaft, die im zweiten Quartal um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zugelegt hat, spricht dabei eher für einen kleinen Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten. Eine Senkung von gleich 0,5 Prozentpunkten könnte eher als Warnsignal vor einem bevorstehenden Wirtschaftsabschwung gedeutet werden, wäre also kontraproduktiv.

Dabei findet an den Märkten ohnehin eine Diskussion über den Zusammenhang von beginnenden Zinssenkungen, möglichem Abschwung der Konjunktur und nachfolgender Reaktion der Aktien statt. Seit den Fünfzigerjahren nämlich kam es in den USA im Umfeld eines beginnenden Zinssenkungszyklus direkt zu rezessiven Tendenzen in der Wirtschaft und auch zu heftigen Abschlägen an den Börsen. Übertragen auf die aktuelle Situation hieße das noch bis Mitte September Rückenwind durch die Zinshoffnung, danach aber wieder verstärkte Unsicherheit wegen neuer Rezessionsängste.

Alte und neue Favoriten beflügeln den Dax

An der deutschen Börsen waren in den vergangenen Wochen große, klassische Aktien die wichtigsten Werttreiber: Allen voran die Allianz und die Münchener Rück, die die Augustabschläge bei weitem ausglichen und ihre seit Sommer 2022 anhaltende Aufwärtsbewegungen fortsetzen. Wenn man die besondere Entwicklung um die Jahrtausendwende ausklammert, als die Versicherer mit ihren umfangreichen Industriebeteiligungen Kern der alten Deutschland AG waren, sind beide Aktien mittlerweile ebenfalls auf neues Kursterrain vorgedrungen.

Die Assekuranzen profitieren von einem strukturell wachsenden Bedarf an Absicherung. Den Versicherern gelang damit – im Gegensatz und sogar Konkurrenz zu den Banken – die Transformation ihres Geschäftsmodells in die digitale Moderne. Selbst auf erhöhtem Niveau bieten die Aktien von Allianz, Münchener Rück und auch Hannover Rück akzeptable Bewertungen und gute Dividenden. Die Versicherer bleiben eine wesentliche Stütze im Dax und sind in vorübergehenden Schwächephasen Kandidaten zum Nachfassen. 

Einer der unauffälligen Stars im Index ist die Deutsche Börse AG. Mit neuen Höchstkursen belegt der Marktbetreiber seine Qualität als Daueranlage. Die Integration des dänischen Finanzsoftwarespezialisten Simcorp kommt voran, die Börse baut damit das lukrative Geschäft mit Datenanalysen aus, vor allem mit professionellen Großkunden. Im operativen Geschäft kommen der Börse die zunehmenden Marktschwankungen zugute, die – auch eine Art von Versicherung – den Bedarf an Finanzderivaten erhöhen.

Nach dem bisher guten Geschäftsverlauf dürfte der Nettogewinn der Deutschen Börse 2024 erstmals knapp zwei Milliarden Euro erreichen. Für 2025 ist ein weiterer Anstieg in Sicht. Seit 2012 klettert die Aktie der Deutschen Börse wie mit dem Lineal gezogen nach oben. Ein kurzfristiger Rückschlag in den Bereich um 195 Euro könnte Nachkaufgelegenheiten erschließen. Bis nächstes Jahr sollte Notierungen von mehr als 220 Euro kein Problem sein. 

Fazit für den Dax: Mit einer hochdynamischen Anstiegsphase vergleichbar den Kursschüben von November bis Dezember 2023 und Februar bis März 2024 hat der deutsche Aktienmarkt den Rückschlag vom August mehr als ausgeglichen. Der langfristige Aufwärtstrend wurde damit erst einmal nachhaltig verteidigt: Die 200-Tagelinie, die sich bei 17.400 Punkten als zentrale Unterstützung erwies, zieht ungebrochen nach oben, die aktuellen Notierungen verlaufen mit deutlichem Abstand darüber – typisch für eine stabile Aufwärtsbewegung.

Allerdings: So wie nach den starken Phasen Ende 2023 und Frühjahr 2024 mehrwöchige Korrekturen folgten, steigt dafür auch jetzt wieder die Wahrscheinlichkeit. Der praktisch pausenlose Kursanstieg der vergangenen 18 Tage fand bei stetig abnehmenden Umsätzen statt. Im Durchschnitt lag das Handelsvolumen nur noch bei der Hälfte im Vergleich zu den Anstiegsphasen davor.

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So gesehen ist es in den vergangenen drei Wochen nicht zu großen, neuen Käufen gekommen, sondern vor allem zu einer technisch bedingten Erholungsrally. Diese Zurückhaltung entwertet den Kursanstieg nicht automatisch, aber eine Bestätigung der neuen Tendenz täte dem Markt schon gut. Absolvieren könnte der Dax dies durch eine Korrektur, in der er nur einen kleinen Teil der in den vergangenen Wochen erzielten Gewinne wieder hergibt.

Das Umfeld dafür ist wie geschaffen: Im Vorfeld der Fed-Sitzung am 18. September dürften je nach aktuellen Wirtschaftsdaten immer wieder Spekulationen über Höhe und Anzahl möglicher Zinssenkungen aufkommen. Zudem dürfte, spätestens wenn die Zinsfrage am 18. September erst einmal entschieden ist, die heiße Phase des US-Wahlkampfs durchschlagen und damit für neue Irritationen sorgen. Die statistisch schwachen Börsenmonate September und Oktober könnten zusätzlich für wacklige Momente sorgen. 

Im Dax wäre es gut, wenn von den 1600 Punkten Kursgewinn der vergangenen Wochen nicht mehr als 40 bis 50 Prozent verloren gingen. Optimal wäre eine Schaukelpartie zwischen etwa 18.400 und 19.000 Punkten, in der sich zwar der jüngste Optimismus wieder abkühlt, aber keine tiefe Verunsicherung über die große Tendenz aufkommt. Nach einer solchen moderaten und durchaus mehrwöchigen Korrektur könnte der Dax dann in einer Jahresendrally sein langfristiges Ziel um 20.000 Punkte ansteuern. 

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