„Blau ist keine gute Wahl“: Edeka-Kaufleute distanzieren sich von Anti-AfD-Kampagne
Edeka Anzeige "Warum bei Edeka Blau nicht zu Wahl steht."
Foto: Hans-Thomas Frisch/dpaEin Satz mischt derzeit die Edeka-Filialen auf: „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“. Die Zentrale hat am Mittwoch in mehreren Zeitungen und in den sozialen Netzwerken eine Kampagne veröffentlicht, die auf die AfD und deren Parteifarbe anspielt.
In dieser Anzeige wird ein Text von zahlreichen Obst- und Gemüsesorten eingerahmt, keine davon ist blau. Denn Blau sei keine gute Wahl, steht dort geschrieben. Das habe bereits die Evolution gelehrt. Und: „In Deutschland sind die Blauen schon heute die größte Bedrohung einer vielfältigen Gesellschaft.“
Einige selbstständige Kaufleute zeigten sich von der Anti-AfD-Kampagne überrascht. Der Edeka-Verbund besteht aus Supermärkten, die von der Zentrale oder den Regionalgesellschaften verwaltet werden und dann gibt es noch 3400 Einzelhändler. Diese Marktbetreiber kümmern sich selbst um ihre Filialen und den Vertrieb.
In den sozialen Netzwerken distanzieren sich mehrere Kaufleute von der Anti-AfD-Position der Zentrale. Auffällig ist, dass sich die Beiträge in ihrer Formulierung stark ähneln. Die Filialisten wollen demnach zu politischen Themen keine Stellung beziehen und finden die Anzeige der Zentrale unverständlich. Die Statements schließen ab mit: „Ich bin Lebensmitteleinzelhändler, kein Politiker und werde mich deshalb auch mit meinem Markt in solche Themen nicht einmischen!“ Zu den Beiträgen reichen die Kaufleute ein Foto der Edeka-Kampagne, deren Text mit einem roten Kreuz durchgestrichen ist.
Kreisverbände der AfD veröffentlichen auf Facebook triumphierend eine Liste regionaler Edeka-Kaufleute, die sich gegen die Meinung ihrer Zentrale stellen. Bislang kommen die Stellungnahmen der Selbstständigen vor allem aus den ostdeutschen Bundesländern, überwiegend aus Sachsen-Anhalt und Sachsen. Vereinzelt teilen aber auch Selbstständige aus den alten Bundesländern wie Rheinland-Pfalz ein ablehnendes Statement.
Regionen mit überdurchschnittlicher AfD-Quote
„Mir ist es egal, was jemand wählt, ob es AfD ist, Grüne oder CDU. Ich will, dass die Kunden glücklich sind. Politik hat da nichts verloren“, sagt Thomas Eisner zur WirtschaftsWoche. Er leitet die Edeka-Filiale an der Dresdner Heeresbäckerei.
„Mit solchen Maßnahmen werden unsere Existenz und Arbeitsplätze gefährdet“, schreibt der Besitzer einer Filiale in Bockau im Erzgebirge. Man wolle mit solch einem Aufruf keine Kunden ausschließen. In den ostdeutschen Regionen ist die Quote der AfD-Wähler vergleichsweise hoch. Im Erzgebirgskreis etwa hat die AfD bei der Europawahl im Juni mit 38 Prozent gewonnen.
In Thüringen und Sachsen sind am 1. September Landtagswahlen. In aktuellen Umfragen liegt die AfD in beiden Ländern bei Werten um 30 Prozent.
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