Alexander Schweitzer: „Ich habe damals deutlich gespürt: Ich muss aktiv werden“
Alexander Schweitzer war in den 1990er- Jahren stellvertretender Vorsitzender der Jusos Rheinland-Pfalz.
Foto: PrivatIn meiner Familie war Politik nie ein großes Thema. Mein Vater war Binnenschiffer, die ersten Jahre meines Lebens habe ich auf einem Schiff gelebt. Als Erster in der Familie habe ich später Abitur gemacht und studiert. Der Impuls für mein politisches Engagement kam von außen – und er war gewaltig.
Während meiner Schulzeit Ende der 1980er-Jahre überschlugen sich die Ereignisse in der Welt: das Ende des Kalten Krieges, der Fall der Berliner Mauer. Ebenso erlebte ich aber auch die furchtbaren Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Rostock-Lichtenhagen und in Mölln mit. Ich war erschüttert über den erstarkenden Rechtsradikalismus. Ich hatte im Guten wie im Schlechten das Gefühl, dabei zu sein, als Geschichte geschrieben wurde, und wollte was bewegen.
Ich habe damals deutlich gespürt: Ich muss aktiv werden. Mit Freunden habe ich Lichterketten organisiert. Und ich habe mich einer Partei angeschlossen, für mich kam nur die SPD infrage. In einer Zeit ohne Internet und E-Mail habe ich einen handgeschriebenen Brief an die SPD-Zentrale im Erich-Ollenhauer-Haus in Bonn verfasst, um überhaupt zu erfahren, wie und wo ich mich mit anderen jungen Menschen, die ähnlich denken, zusammenschließen kann. Von dort kam ich zu den Jusos. Von diesem Moment an wurde ich Teil der sozialdemokratischen Gemeinschaft, und die Sozialdemokratie wurde ein Teil von mir.
2006 zog ich überraschend in den rheinland-pfälzischen Landtag ein und habe, wie damals bei den Lichterketten, in den Ausschüssen und im Plenum für meine Ziele, wie meinen Einsatz gegen Rechtsextremismus, gekämpft. Egal, was in den folgenden Jahren meine Position in der Partei war, vom Generalsekretär bis zum Arbeitsminister, ich war immer mit Leidenschaft dabei. Und bin es bis heute. Auf diesem Weg habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dranzubleiben. Die Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten, auch wenn sie unverhofft kommen. Ich habe auch gelernt, dass in der Gemeinschaft, im Zusammenhalt Kraft liegt. Aber vor allen Dingen habe ich gelernt, dass es Leidenschaft braucht, um Ziele zu verwirklichen. Politik ist nicht nur ein Beruf. Es ist viel mehr.
In unserer Artikelreihe erzählen Menschen aus der Wirtschaftswelt über einen entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben. Hier finden sie alle Beiträge der Serie „Und dann änderte sich alles...“